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Der erste Kuss
Der erste Kuß (gereimt)
Striche im Gesicht
Der Besteckkasten
Die Schulzulassungsprüfung
Noch eine Biergeschichte
Der Rechenkönig
Das Frühstück
Märchenstunde mit einem 4 Jahre alten Enkel
Die Ledercouchgarnitur
Der Schuhklappschrank
Schneesturm auf dem Bahnhof
Die süssen Zwetschen
Geschirrabwaschen in der Küche

Der erste Kuss

Mit 10 Jahren haben Mädchen meist schon einen Jungen geküsst, so steht es in der «Bravo», die die neunjährige Enkeltochter in Jena abonniert hat. Was soll ich jetzt tun, ich bin schon 9 1/2 Jahre alt und habe noch keinen Kuss von einem Jungen bekommen. Große Verunsicherung.

Bin ich nicht schön genug, bin ich zu dünn, zu klein, zu unansehnlich? Zweifel regten sich in ihr, das Selbstvertrauen kommt ins Schwanken. Mit ihr waren es noch «zwei beste Freundinnen» in der Klasse, die der Statistik der Jugendzeitrschrift nicht genüge taten. Was wollen wir unternehmen? Wir müssen unbedingt noch vor dem 10. Geburtstag geküsst haben, was sollen die anderen Mädchen sonst von uns denken? Man muß doch mitreden können, wenn andere Mädchen von ihren Erfahrungen erzählen.

Da sie selbstbewußt waren, nahmen sie die Sache augenblicklich in die Hand. Einen Jungen aus der Klasse, der sie in den Pausen immer schuppste und ärgerte, bestellten sie nach dem Unterricht kurzerhand auf die Mädchentoilette. Nachdem sie sich zu viert eingeriegelt hatten, trugen sie dem Jungen ihr Anliegen vor, sie wollten geküsst werden und zwar auf dem Mund, jetzt und gleich, sie wollten es hinter sich bringen. Der Junge sah seine aussichtslose Lage zu entkommen und stellte deshalb Bedingungen. Die Mädchen sollten einen ganz trockenen Mund haben, sonst gibt es keinen Kuss! Also, jede nahm den Ärmel ihres T-Shirts und wischte sich den Mund gehörig trocken. Jetzt konnte der erste Kuß in Empfang genommen werden. Der Junge tat seine Pflicht, die Mädchen entließen ihn wieder aus der Toilette. Bestürzt sahen sie sich alle drei an, das war alles? In der «Bravo» war es doch viel schöner beschrieben.-

Ja, wie soll man da als Oma trösten. Ich riet ihr, es in ein paar Jahren noch einmal zu probieren und sich jetzt wieder der Schule zu zuwenden. Denn sie hätten ja jetzt ihre «Erfahrung» und konnten mitrerden, ansonsten braucht man nicht alles zu glauben was in den Zeitschriften steht.

Solche Probleme kann man nur mit der Oma besprechen. Am besten in den Ferien, wenn man zusammen im kleinen Zimmer in zwei großen Betten schläft und viel Zeit hat.