Rainers Horen
Sonntag, den 11.06.2006 [23:15]
Das war es also das buddhistische Vesakhfest im Hamburg. Irgendjemand meinte es sehr gut mit den Anhängern und Zaumgästen – das Wetter war eine regelrechtes, wie man früher sagte Kaisermanöverwetter.
Es ging früh um 12 mit einem kleinen rethorischen Start los und hatte wirklich gute Angebote. Japanisches Trommelkonzert, spiritueller Gesang der tibetischen Mönchin ¬Ani Chöying, gutes ostasiatisches Essen – alles passte gut zusammen. Und das Ganze im unmittelbaren Kontrast und akustischen Nähe zu einer großen ¬Sportveranstaltung mit Weltbeachtung, die was mit einem runden Lederball zu tun hat.
Immerhin ist das Heiligengeistfeld vis-à-vis.

Was das Verwunderliche ist: ständig trifft man alte Bekannte. Ist die Millionenstadt Hamburg wirklich so klein und überschaubar? Da waren Bekannte vom ¬Interreligiösen Dialog Hamburg und von der ¬Linguistikvorlesung. Selbst ¬Mensianerinnen mit großem Hund wurden gesichtet.
Und dann die Erhabenheit, die sich im Horist breitmachte, als er das Sitzkissen und die Klangschalen des Meisters targen durfte…
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Sonnabend, den 10.06.2006 [23:18]
Das buddhistische ¬Vesakh-Fest in Hamburg wirft seine Schatten voraus. Das Wetter wird wohl optimal für dieses größte buddhistische Jahresfest.
Aber trotzdem ist eben auch immer etwas zu tun – und wenn es die Vervollkommnung des genialen Kontaktverwaltungstools Fikoman ist.
Die Wochenendaufgabe bestand und besteht wohl auch noch darin, Gruppen von Kontakten bilden zu können – beispielsweise Kontakte, die an China Interesse haben oder Personaler oder Was-auch-immer. Als Bonus soll noch eine ¬LDIF-Export-Möglichkeit geschaffen werden. Also fix eine Klassenhierachie geschrieben, die das alles realisiert. Hat eben doch länger gedauert als geplant. Schon die Auslieferung des korrekten ¬MIME-Types aus PHP5 heraus kann einem graue Haare wachsen lassen. Also alles schön abgekapselt und vererbt. Ja und dann wird es unerträglich langsam, weil plötzlich für kleinste Aufgaben große Schlachtrösser gesattelt werden. Das ist eben immer wieder der berühmte Spagat zwischen akademischer Software und der Praxis. Jetzt heißt es also nochmals in die Klassen hineinzugehen und einen letzten Feinschliff anzusetzen. Führt dann zwar zu parallelem Code, ist aber schnell.

Der geneigte Leser wird sich vielleicht fragen, was denn nun der Fikoman ist.
Es ist ein von der ¬Webmasterei Hamburg gebautetes, auf Webtechnologie basierendes Werkzeug, um Kontakte, Notizen, Wiedervorlagen usw. zu verwalten. Neben den üblichen CRM-Funktionalitäten hat es sich spezifischen Anforderungen einer Übersetzeragentur angenommen und bietet die Möglichkeit, sehr genau das Qualifikationsprofil der außerhäusigen Übersetzer abzubilden. Ruft also abends ein potentieller Kunde, der einen Text vom Serbischen in Sqib übersetzt haben möchte, können die Dispatscher sofort schauen, welcher Übersetzer das kann, was er kostet und was er oder sie für eine Softwareausstattung hat.
Achja der Name: Fikoman ist ein Kurzwort für FixKontaktManager. Das hat was mit dem Namen er Übersetzeragentur zu tun.
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Freitag, den 09.06.2006 [07:55]
„Ich suche ein einfaches Rad, um an die Uni zu kommen. Was haben Sie denn da?” Diese Anfrage hört Rolf Peters oft in seinem engen Laden am Rothenbaum.
Am Rande des Univiertels zwischen der theologischen und linguistischen Fakultät gelegen, versorgt er ein buntes Publikum mit gebrauchten Drahteseln aller Kulör.
Ob nun Kinderräder mit Stützrädern, stabile Holländerräder oder forsche Rennräder - der Laden ist randvoll gefüllt. Jeden Morgen so gegen zehn kommt Rolf mit seinem grünen Lieferwagen aus Seevetal und räumt mit seinen Kollegen die meisten Räder auf den Platz vor den Laden.
„Meine Käufer lassen sich nicht schubladisieren: viele Studenten suchen einfach nur ein rollendes Rad. Einige suchen ganz gezielt nach gebrachten, guten Markenrädern. Solche Räder sind eben doch besser als Neuräder vom Baumarkt. Es gibt auch Liebhaber von speziellen Rennradmarken.”.
Neben kompletten Rädern gibt es auch gebrauchte, fast schon nostalgische, Anbauteile zu kaufen. An der langen Wand sind liebevoll mechanische Tachos, Scheinwerer, Dynamos, Ledersättel und anderen Kleinkram drapiert.
Der Laden hat seinen Schwerpunkt auch ein wenig auf Kinderräder gelegt. Die kleinen Racker wachsen oft schnell heraus und so kann das Rad immer etwas mitwachsen. Auf der anderen Straßenseite zwischen portugiesischem Café und Blumenladen ist der Zweitladen, der auch Räder repariert und aufrüstet. Zuweilen gibt es auch echte Raritäten: da wurde schon mal ein ¬SR-1 vom VEB Motorenwerk Simson aus Suhl gesichtet und überneulich war ein Klempnerrad im Angebot.

In der Mittagspause geht Rolf mit seinen Kollegen in das benachbarte indische, vegetarische ¬Restaurant Gopalam. „Da sitze ich auch bei schönstem Wetter lieber drinnen, ansonsten schnackten mich die Kunden auch noch beim Essen an.”, verrät Rolf uns augenzwinkernd.

Das die Mannschaft dort dinniert, ist kein Zufall. Im richtigen Leben ist der Inhaber aktiver Hinduist und hat auch eine eigene Rockband, die indische Rockmusik macht. Im Laden gibt es folgerichtig nicht nur Räder, sondern auch CDs und Lebensweisheiten gratis.
Seit Kurzem hat die Band auch eine ¬eigene Webpage, auf der auch Video-Konzertmitschnitte vom letzten Gig im Logo zu bewundern ist.
Abends, wenn der quirlige Moloch Hamburg wieder zur Ruhe kommt, fassen alle wieder an und räumen die nichtverkauften Räder ;-)) in den kleinen Laden am Grindel.
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Donnerstag, den 08.06.2006 [16:16]
Wasserwerfer in Eimsbüttel. Schon am Nachmittag mit iBook am Kanal sitzend kam die frohe Botschaft rein. Es war auch mehr eine Einladung sich am linken Sammelpunkt einzufinden. Und eigentlich war es noch anders. Aber was soll es. Die von ¬Mensa organisierte ¬Hauni-Besichtigung kann warten. Und eben schon wieder, trotz Abtauchens in die bürgerliche, noch nicht fußballfrenetiserte Hamburger Gastrolandschaft, kam per Esemes von anderer Seite der Bericht über den Zweifrontenkrieg am Eimsbüttler Karstadt rein. Muß wohl was Größeres sein. Eine Nachfrage über das Anliegen brachte keine erhellende Aussage. Fest steht: die Linke sind wegen der Rechten da. Soweit so gut.

Und die Rechten? Keine Ahnung. Was machen die für ein schlechtes Marketing! Mein Gott - da haben die schon ihre Aufmerksamkeitsfläche, ihre Bühne und nichts wird transportiert. Ganz Hamburg schnackt davon und nichts ist.
Sicherlich haben die doch ein Anliegen —und wenn es die Rettung Deutschlands ist. Dann können die Linken doch gerne auch gegen diesen Weg der Rettung sein oder eben andere Konzepte zum Thema vorlegen. Vielleicht irgendwas mit Nachhaltigkeit oder Achtsamkeit. Wie dem auch sei – da fällt uns nur das Heine-Zitat mit dem Nachdenken über Deutschland und dem verdorbenen Schlaf ein.

Was ist dagegen ein Glas frischen Bieres, das vor einem steht und seines Konsums harrt. Da macht sich doch teutsche Gemütlichkeit breit! Wie es uns anlacht, das Glas ist leicht beschlagen, noch gibt es eine Schaumkrone. Wir könnten es austrinken, aber nein wir bauen den Spannungsbogen noch etwas aus. Der erste Schluck ist doch der Beste. Das erinnert auch an andere Dinge, die auch sehr viel mit Gemütlichkeit zu tun haben, wenigen Publikum bedürfen und die beim ersten Mal auch am prickelnsten und befreiendsten sind.

Nun doch das Bier. Es funkelt in der untergehenden Sonne, die bald hinter der Planetarium untergehen wird und viele Digicamkäufer und -mitbringer anfeueren wird, dieses unnachahmliche, immer wieder überraschende Naturschauspiel ablichten zu müssen. Nur gut, dass dafür nicht mehr Speisegelatine verbraucht wird und damit unsere veganen Zeitgenossen beruhigt ihrem Knipslaster nachgehen können.
Das Bier – es gibt immer noch eine schmale Schaumkrone. Nun wird es aber wirklich Zeit. Also linke Hand auf die Tastatur, nein besser rechte Hand auf Tastatur und linke Hand ans Glas. Und nun Glas Richtung Kopf (niemals umgekehrt). Die Lippen berühren das kühle, glatte Glas. Die Nase nimmt den kernigen, aber auch etwas modrigen Geruch des vergorenen Malzes wahr, die Zunge ist am kollabieren. Und nun: der erste Schluck! Kauen und Schlucken, kauen schlucken. Ah, wie das beruhigt, wie es labt!

Das haben die Demonstranten jetzt nicht. Nein, die müssen mit Wasser von außen vorlieb nehmen, aber es kostet nichts und noch nicht einmal Pfand. Aber es gibt eine andere, unnachahmliche Gemütlichkeit: der Polizeiring. Ganze Wohngebiete werden sorgsam (und natürlich auch nachhaltig) abgesperrt. Da bildet sich eine Schicksalsgemeinschaft, die ganz entspannt ist. Die örtlichen Organe machen ein auf Strategem 14 (Feuer unter dem Kessel wegziehen) und warten ab bis es den Widerspenstigen langweilig wird. Da kann es schon mal passieren, dass der „brave” (ist nicht jeder schuldig und nach Schopenhauer sogar hängenswert?) Bürger einmal einen sehr langen Abend auf der Sternschanze oder eben auch mal in der bürgerlichen Osterstrasse verbringen muss und dort seinen wohlverdienten Feierabend Bier trinkend, Salsa tanzend, singend und auch, wenn nötig, vom Bankomat abzuhebend inmitten eines riesigen Polizeiaufgebotes seine Lieben zu Hause per Händy mitteilen muss, dass es heute etwas später wird. Ist letztlich nur eine neue Ausrede für Fremdgänger …

Nachtrag: ??? ???? ???????? (Abu Musab az-Zarqawi), einer führender Kopf der al-Qaida [al'qa???da] ist tot. Was das für Folgen hat wird die Zunkunft zeigen.

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Dienstag, den 06.06.2006 [08:22]
Was sind das nur für Tendenzen in unserer Gesellschaft: da verschönert so eine adrette, junge Dame ihr Heim und da kommen die jungen, wilden, langhaarigen(?) Karikaturisten und zerstören dieses althergebrachte Wertesystem.…
Was soll das Frauenzimmer tun? Etwa Tupperparties ausrichten oder in Vereinen die Welt retten? Das geht ja nun überhaupt nicht.
Gerade in diesen Vereine rekrutieren sich Suffragetten und was dann mit den Kindern passiert, fragt dann keiner. Da entstehen Brutstätten von Kinderbanden und und und.
Kein schönes Thema!
Könnte die Zeichnung ironisch-sexistisch gemeint sein? Sie lächelt so milde und nimmt so eine verührerische Körperhaltung ein…
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Montag, den 05.06.2006 [09:50]
Das Bord du Rhin im Niemandsland zwischen Baden und dem Elsaß ist immer wieder eine lange Anreise wert. So ist auch ein ideales Ziel für einen Pfingstausflug. Der Gastraum ist oft voll, obwohl die „Morchelrahmwirtschaft” nicht ausgeschildert oder beworben ist. Sie ist also ein echter Geheimtipp. Jetzt nicht mehr. Umso mehr als hier die Telefonnummer steht: +33 88983612.

Zwischen altem und neuem Rhein ist eine langgezogene Halbinsel, die zuweilen auch als Polder herhalten muss. Nach überstandenem Essen kann man dort in dem Urwald gut die Beine vertreten.
Also, wie kommt man hin? Von ¬Nonnenweier [n?n?'vi:?] Richtung ehemaliger Grenze und dort auf der langgezogenen Straße auf dem Damm, noch vor dem Kraftwerk in Krafft, macht es plötzlich eine Spitzkehre nach unten in den Auenwald. Jetzt ist es nicht mehr zu verfehlen – über eine Holzbrücke geht es zum ehemaligen Fährhaus.
An einen relativ kleinen Gastraum ist ein größerer Saal angeschlossen.
So gegen Mittag waren wir dort – genau die richtige Zeit und Hunger sollte man schon mitbringen.
Wir konnten uns wiedermal nicht zügeln. Es ist einfach die Atmosphäre, die aufgesetze Kratzbürstigkeit der Wirtin Jacqueline Riss und natürlich das Essen.
Gut, wir wollten nur mal reinschauen. Aber dann kam die Verführung durch die Situation. Und schwups war ein Mehrgängemenü bestellt. Der Anfang machte ein Friséesalat mit gerösteten Speckstreifen. Hm – oberlecker. Das Ganze lebt vom Widerspruch des sauren, knackigen Salates und der spröden, würzigen und heißen Speckstreifen. Danach waren wir schon mal satt. Nun kam der unvermeidliche zweite Gang. Meine Kinder lieben es: die provenzalischen Froschschenkel. Oh, da geht es ab: auf einer Warmhalteplatte ein kleiner Berg dieser Köstlichkeiten, durchsetzt mit einem Hack von Knoblauch und Petersilie – das ganze in Olivenoel gegrillt. Da nehme ich ein Teil und stecke es in den Mund. Genüßlich knabbere ich das feine Muskelfleisch ab; die Knöchelchen zurück auf den Teller. Ah, noch eins... Und das Beste zum Schluß: die Mischung aus heißem Olivenoel, Knoblauch und Petersile. Jetzt kommt das Baguette zu seiner Bestimmung. Genüsslich einen Brocken angebrochen und in die Mischung eingeditscht. Hm. Bis zum letzten Bröckchen… Mit dem bereitgestelltem Zitronenwasser in einer großen Schüssel und einem Leinentuch werden die von Fett triefenden Hände gereinigt und damit der nächste Gang vorbereitet.
Lange haben wir uns zwischen dem Mandelzander, dem Entrecôte avec sauce béarnaise und dem Entrecôte mit Morcheln entscheiden müssen. Schließendlich hat jeder von uns was Anderes genommen. Der mit Papierserviette abgedeckte Tisch war schon von der Froschschenkelsauce fleckig, nun aber wieder voll abgedeckt.
Für mein „Entrecôte sauce béarnaise avec ses p'tites patâtes sautées et persillées” gab es schon alleine drei Teller… Das wären der Fleischteller mit der köstlichen, leichten Sauce mit dem Hauch von Estragon, Kerbel und Muskat, der Teller mit den Prinzeßbohnen und der große Teller mit den Fritten. Erstaunlich was so geht.
Der Nachtisch, eine „Poire belle Hélène”, ging gerade noch rein. Der Weg zum Wagen war wegen der Magenüberdehnung etwas beschwerlich – da konnte auch der abschließende Cognac und Kaffee nichts ändern…
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