Rainers Horen
Sonnabend, den 05.08.2006 [12:41]
Es ist geschehen: die vier Backfische aus der alten Heimat (Tochter + drei Gespielinnen) haben die Hamburger Wohnung in der Jarrestadt für eine Woche okkupiert. Jetzt fühlen wir uns wie der Küster, der von dem Unfürchtigen aus dem Grimmschen Märchen die Stiege hinabgestoßen wird. Ein grausames Bild!

Und nun die ganze Mischpoke auf den Kiez. Papa, zeig uns mal die Nutten. Also bewegen wir uns in dem Pulk Richtung Immer diese erhabene Voyorismus des Bürgertums. Nun gut, ist abgehakt. Also hin zur Herbertstraße. Dürfen wir da rein – warum nicht, vielleicht doch?
Steht da eine Dame neben dem typischen Kieznuttenoutfit (weiße Klamotten, Gürteltasche, Mondstiefel): dunkelblond, mit Nickelbrille, langem Jeansrock und grobgestricktem Pullöverchen.

Aha, das ist das neue Format des 21. Jahrhunderts auf dem Kiez – der nachhaltige Ökofick. Da würden doch plötzlich ganz neue Kundenkreise rekrutiert werden!

Und dann taucht plötzlich doch der touristische Freund auf und beide ziehen gen Hans-Albers-Platz ab. Schade, sah ziemlich glaubhaft aus.

Auf dem Heimweg eskaliert es vor der Davidswache und ein junger Galan pocht einem anderen auf die Mütze, und der knallt sofort mit einem dumpfen, melonenartigen Knall auf die Straße und regungslos liegen. Sofort springen Passante hinzu (ich nicht) und zerren das Opfer von der Straße auf den Bürgersteig, direkt vor die Davidswache. Sag mal einer, die Welt wäre schlecht. Es gibt noch Menschen mit altruistischer Einstellung, und das nicht nur bei Greenpeace und Konsorten.
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Freitag, den 04.08.2006 [22:49]
Heute wird es wieder etwas techniklastiger — Femmen also heute mal weglesen und zum Frisör zum Haare kämmen gehen. Der Tagesbefehl lautet heute: „Bau eines Webfrontends zur Gestaltung von Navigationsbäumchen. Also bekommt jetzt der Kunde wiederum ein rattenscharfes Werkzeug in die Hand, mit dem er auch viel falsch machen kann. Darf der Kunde selbst die Texte einpflegen, dann kann das schon mal Probleme mit der deutschen Rechtschreibung geben. Das passiert natürlich nur, wenn auf Kundenseite keine Arbeitsteilung stattfindet, sondern wenn sich Omnipotenzfantasien Bahn brechen. Darf er gar Bilder ändern, dann lassen sich viele Ungereimtheiten nicht vermeiden. Dann kommt schon mal vor, daß der schwarze Rand vom Scanner auf dem Bild im Web erscheint oder alles blaustichig ist. Von Bildkomposition, Copyrights usw. mal ganz zu schweigen…
Es gehört schon (neben dem pekuniären Problemen) zu dem schwierigsten Themen im Kundengespräch: wieviel gestalterische Freiheit billigt man dem Kunden zu. Natürlich will der Kunde jede Freiheit und er will aber auch gleichzeitig etwas Professionelles, dafür bezahlt er auch. Nur, wenn dann mit Profiwerkzeug Dilletantisches entsteht? Man stelle sich nur vor, man dürfe in Deutschland mit einem Art Lego®-System Eigenheime bauen. Was da wohl rauskäme?!

Also wie schon erwähnt, besteht die heutige Tagesaufgabe im nebigem Teil. Was muss eine Navigation leisten: ja, wohl mindestens die Struktur an sich, die Reihenfolge der Punkte, eine Abschaltbarmöglichkeit für das öffentliche Publikum, die Auswahl eines Layoutes für jede Seite und der Name, damit Google auch was zu tun hat.

Und das Ganze muss auch ohne Handbuch, Belehrung und/oder Onlinehilfe sofort funktioneren. Also – der Programmierer kann damit sofort umgehen. ;-))

Leider sieht man im Screenshot nicht die sehr hilfreiche Blasenhilfe und die Web2.0-Funktionalität, die darin besteht, das jede Betätigung der Oberfläche sofort wirksam ist und keines OK-Knopfes bedarf. Von der Bedienung fühlt es sich wie die Mac-Oberfläche an. Wenn das nichts ist?

In einer kleinen Unterbrechung des Schaffensrausches springt folgende Sentenz aus dem Kapitel Liebe und Sex aus „¬Hammerhart & Scheidenweich” in Aug' und Hirn: Von Frauen kriegen wir gelegentlich zu hören »du bist ja ein lieber Freund, aber ich liebe dich einfach nicht« - und wenn wir dann zähneknirschend denken »dumme Kuh, warum sagst du mir nicht ins Gesicht, dass ich dir zu alt, zu hässlich, zu arm, zu doof, mit einem Wort: nicht gut genug bin«, dann tun wir der Frau damit Unrecht.

Das in die Liebe fallen ist eben wirklich eine schwierige Sache. Dieser Vorgang wiederspricht doch so völlig unserem normalen Leben, was zur Zeit immer mehr eine reine Übertrumpfungsgesellschaft zu werden scheint. Also eine Welt, wo nur noch die momentane Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen zählt. Bisher ist der Freitod immer noch negativ apostrophiert. Das ist offenbar immer noch aus der Zeit, wo nach einer tiefen Stelle auch wieder eine Zeit kommt, wo man billige Arbeitskräfte braucht. Die wohnen zur Zeit jenseits des Meirur in China und die Hoffnung gebeutelter deutscher oder europäischer Unternehmer geht in die Hoffung der steigenden Lohnansprüche... Da glaube ich nicht dran. Meine Großmutter s.A. sagte immer: „Jähe Wendungen sind nicht ausgeschlossen und wunderte sich in den Siebzigern immer, dass der Egon Krenz sich so sicher fühlt, wo doch Baldur von Schirach immer noch in Berlin-Spandau im Gefängnis sitzt. Wie recht sie doch hatte!!!! (Input für Unwissende: Baldur war Reichsjugendführer und Egon war DDR-Jugendführer und Frauenheld, der wusste was geht...)

Schmidbauer unterscheidet in seinem lesenwerten Klassiker „Angst vor Nähe” die progressive Welt, in der alles gemessen und verglichen werden kann und muss. Der Antipode nennt er regressive Welt. Nur wenige Menschen dürfen fast ausschließlich in dieser Welt der Kunst, Pädagogik und Phantasie leben. Es gibt eine Menge Frauen (die enttäuscht von der männlichen, progressiven Welt) solche Gutmenschen, Künstler und Kulturschaffende bevorzugen.

Überhaupt bringt das Phänomen der Damenwahl viele Männer ins Grübeln. Suggeriert doch die öffentliche Meinungsmache genau das Gegenteil. Nun ist es wohl so, dass jede Seite des Geschlechterkampfs der anderen unterstellt, es einfacher bei der Partnersuche zu haben. Es ist meiner Meinung nach nicht symmetrisch, aber aus systemischer Sicht schon auch irgendwo gerecht. Schon Michael Mirsch weist in seinem Buch ¬Das bizarre Sexualleben der Tiere nach, daß bei fast allen unserer tierischen Zeitgenossen Damenwahl vorherrscht. Ist aj auch gut so.
Das ist schon daran erkennbar, daß Frauen für sich festlegen, von wem und in welchem Tempo sie verführt werden wollen. Klingt erstmal paradox: da denkt der Mann, er kämpfe und beuge einen weiblichen Willen, dabei ist der Ausgang des „Kampf” von Anfang an klar. Klingt nach systemischen Ausgleich. Überhaupt scheint sich in dieser Welt immer von alleine eine gewisse Form von Gerechtigkeit einzustellen. Die Marxisten nannten das einst gesellschaftliche Gesetze, die im Unterschied zu Naturgesetzen durch das „bewußte” Handeln der Menschen vollzogen werden.

Zwischen den beiden klassischen Geschlechtern gibt es eben doch mehr als äußerliche Unterschiede: Männer haben beispielsweise in ihrem Leben immer mindestens zwei Zweifel: Sind die Kinder, die so lieb ihre Beine unter den Tisch streckenauch wirklich von mir? und Bin gut im Bett?. Zu beiden Fragen wird ein Mann nie eine wahre Antwort bekommen, da die Einzige, die er fragen kann, nicht unparteilich ist. So haben sich alle Gesellschaften Mechanismen geschaffen, die solche Zweifel minimieren: Frauen ziehen zur Familie des Mannes, so ist zumindest das weibliche Fremdgehen erschwert. Männer fordern Monogamie oder gar ungeöffnete Jungfrauen, damit sie sicher sein können. Klingt erstmal plausibel, da aber in dieser besten aller Welten alles möglich und denkbar ist, dachte die Frau vom ehemaligen deutschen Postminister Frau Schwarz-Schilling in ihrem Buch „Die Ehe - Seitensprung der Geschichte” in eine gänzlich andere Richtung. Sie behauptet, daß die Ehe eine Erfindung der Neuzeit wäre und das beispielsweise in der Steinzeit die Frauen bei ihren Müttern blieben, dort die Kinder aufzogen und die Brüder kurzzeitig zu anderen Frauen zum handwerklichen helfen und vögeln zogen. Das ist natürlich auch ein Konzept der menschlichen Gesellschaft, offenbar ahnten schon die altvorderischen Vordenker (Schamanen), daß es nicht gut sei, wenn Menschen unter einem Dach leben, die miteinander Verkehr haben. Da ist wohl was Wahres dran. Nach dieser Theorie besteht also die Bindung eines Kindes nicht vornehmlich zum Vater, sondern zum Onkel. Ist ja auch schon in Entenhausen sichtbar – dort gibt es auch nur diese Konstellation.

Wenn wir schon bei ungewöhnlichen Theorien sind: Die Menschen kommen aus dem Wasser. Das geht so:
In Afrika gab es neben den Vorfahren der Menschen auch Großkatzen, tja und die fressen auch Menschen. Das Einzige, was katzen sehr ungern tun, ist ins Wasser gehen. So lebten die Prämenschen in Ufernähe im Wasser. Das würde auch erklären, warum viele Zeitgenossen Angst vor Schlangen haben. Die wären klitschig, sind sie aber nicht. Also: das waren natürlich glitschige, bissige Aale – ein schlimmer Feind des Urmenschen. Wenn der unter Wasser zubeißt, dann hilft nichts mehr: man/frau verblutet. Kommt daher die Kastrationsangst der Männer?

Bei allen Säugetieren, die im Wasser leben (Wal, Robbe, Seekuh, Mensch?), ist eine anatomische Veränderung zu beobachten:
Nicht nur dass der Haarwuchs eingeschränkt ist, nein aus geburtstechnischen Gründen wandern die Vaginas relativ zum Rest. Hm. klingt im ersten Anschein nicht dramatisch, hat aber Folgen, wie wir gleich sehen werden.

Wenn man beispielesweise Äffinen im Pongoland in Leipzig (Bild ganz oben) fragen würde, was Sextrieb sei, würden sie antworten: „keine Ahnung — äh ja, da juckt was und dann kommt der Affe mit seiner Rute und dann ist das lästige Gefühl erstmal weg. Mehr ist da nicht.”.
Hm. jetzt wandern die zuweilen juckende Stelle woanders hin und plötzlich stimmt der Anstellwinkel der Rute nicht mehr. Über Jahrmillionen hat die Menschenfrau „gelernt”: bisher hat das immer Entspannung gebracht mit den Urmännern, aber wenn ich recht in mich reinfühle – das mit der Rute bringt überhaupt nichts. Das Jucken bleibt derweil. Ok, der Urmann grölt dabei immer so, es muss ihm mohl Wollust erzeugen?

Vielleicht erklärt das die Meinung vieler Männer, die Frauen wären an Sex nur in homöopatischen Dosen interessiert. Wenn Frauen so drauf wären wie Männer (oder Affenfrauen), dann wären doch Biergarten und Straßencafés nicht voll von Pärchen, die sich gegenseitig was vom Pferd erzählen. Die Gastronomie war echt am Boden und die Leute würden nicht zu Schumachers, sondern gleich in den dunklen Stadtpark gehen.

Überspitzt dargestellt ist der Mann, der eine Frau verführen will in ähnlicher Lage wie eine Mutter, die ihrem Kinde wohlmeinend bittere Medizin oder Lebertran einflößen will.

Da sitzt das kleine, kranke Kind auf dem Schoße der Mutter und macht einfach nicht die Gusche auf. „Mach' fei Dei Mündla auf, Dei Mutsch hat a Gutsla für di, nachert wirst wida gsund usw.”. Was macht die entnervte Mutter: sie hält ihren Ableger fest, sperrt mit dem raumgreifenden Muttigriff den Mund auf und flößt ein.

Wenn man also ehrlich ist, kann man eine Frau nicht dadurch zum Sex bewegen, indem man das körperliche Vergnügen in Aussicht stellt, sondern man muß mit langfristigen Belohnungen locken: soziale Sicherheit, Wohlstand, Ansehen.

Ein anderer, weitverbreiterter Irrtum von Gojim ist der Glaube, Zufallssexbekanntschaften durch leidenschaftlichen Sex zur Wiederholung und zum Abo motivieren zu können. Frauen nehmen das gerne mal mit, mehr ist wohl nicht. Muslime und andere Machos wissen um diese Dinge und versuchen es erst garnicht, sondern ziehen ihren Stiefel durch.

Ok, bei manchen Frauen ziehen auch Versprechungen im Bereich Universumsrettung-Achtsamkeit-Nachhaltigkeit. Das ist dann eine Frage des Zeitgeistes.

So. Klang jetzt skurril mit den Sumpfmenschen? ja, wenn Zeitgenossen an den Zusammenhang zwischen der Konstellation von Jahrmillionen entfernen Himmelskörpern und ihrem eigenen Tagesschicksal glaube, dann rückt auch diese Geschichte in den Bereich des Möglichen..

Upps, jetzt war eben der ganze Text hier wech. Offenbar ist der UPDATE-Befehl angerissen worden. Ist schon fatal und der Text war noch im Browsercache ;-)). Die Frage stellt sich, wie man das in Zukunft verhindern kann. Auf SQL-Ebene kann das wohl nicht passieren, weil ja die SQL-Syntax falsch wäre. Also ist der http-Prozess abgerissen, da POST ungeschützt ist. Das ist im Prinzip eine Designschwäche des HTTP-Protokolls. Der Browser müsste zusätzlich einen Hash mitschicken, damit der Server testen kann, ob alles richtig ankam. Da das nun leider nicht so ist, muss man wohl auf Applikationsebene was bauen. Die einfachste Lösung wäre einfach, im Formular als letztes Element versteckt ein Token mitzusenden, der ein Datenbankwrapper abtesten müsste.


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Donnerstag, den 03.08.2006 [18:54]
„Hammerhart und Scheidenweich” so der Titel einer längeren ¬Abhandlung über und für Männer. Der Autor hat irgendwas mit Dalank zu tun und gibt aus Scham oder Bescheidenheit von sich nichts preis. Es gibt also nur den Text, dessen Vorwort mit „Man sagt, Sex sei die schönste Nebensache der Welt. Ich weiß nicht, was dann die Hauptsache sein soll, aber ich weiß, daß mit nichts auf der Welt Männer sich so viel Kummer machen. Und Kummer zieht mehr Kummer an…“ beginnt.

Aber Vorsicht! Es ist doch sehr viel Lesestoff und auch nicht immer leicht zu verstehen. Es fordert eine gewisse Aufmerksamkeit und hat nicht die Leichtigkeit von Mars-Venus-Lebenshilfen aus dem Bahnhofsbuchhandlungsdrehständer. Überhaupt sollten Frauen von dre Lektüre ausgeschlossen werden, da doch viele demaskierende Wahrheiten an das Tageslicht kommen.

Worum geht es?
Es soll eine kleine Hilfe für Männer sein, die nach langjähriger Beziehung zu einer Frau und Trennung nun plötzlich merken, wie komisch Frauen zu ticken scheinen. Die Beziehungsprobleme sind wirklich nach allen Richtungen ausgelotet. Es gibt wohl kein Thema, was er nicht anschneidet.

Ganz witzig und gerade entdeckt eine der vielen denkbaren Schubladisierungen:

* die gleich ein Herrenfahrrad kaufen, schließlich ist es stabiler und ein Rock kommt sowieso nicht in Frage; mit ihnen kann man Pferde stehlen, aber man möchte ja nicht immer eins haben? [Gruß an Paula, möge Dein Wasserbett wieder schaukeln]
* die Reiterinnen sind oder waren (mit und ohne Peitsche in der Plastiktüte oben auf dem Kleiderschrank) - vgl. Döbereiner: "was sie da zügeln wollen" aber auch oft genug: auf wen sich als Nächstes die Dressurphantasien richten
* schöne Gärtnerinnen - angesichts der Einkommenslage in diesem Handwerk eine hochinteressante Gruppe [mit freundlichen Gedanken an Esther vom Bergfriedhof; möge all ihr Saatgut keimen]
* die übergroße Brillen tragen
* die mit dem Kopf picken beim Sprechen
* die kleinen Runden mit den großen Brüsten
* die, die den Mund immer ein bisschen offen haben (und oft mitten auf der Straße Lichtjahre entfernt scheinen)
* die immer tierisch viel Klopapier verbrauchen
* ...usw.: der Rest.


Irgendwo in dem Textwust stellt er auch grundsätzliche Strategien auf, wie es nun klappen könnte. Er nennt eine von ihnen die HVV-Bus-Regel.
Also: „Wenn der Bus abgefahren ist, nicht hinterherlaufen, es kommt eh' bald der nächste Bus.“
Klingt erstmal einsichtig und deckt das Problem der Männer ab, die zu lange zum Affen machen lassen. Es drückt auch eine gewissen Optimismus aus. OK.
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Mittwoch, den 02.08.2006 [08:13]
In den alten Zeiten, als das Wünschen noch half und der zahlenmäßig kleinere Teil der Deutschen dem Massenexperiment menschlicher Zoo ausgeliefert war, galt Genuss nicht als vordergründiges Staatsziel, sondern es wurde vielmehr die evangelisch-lutherische Selbstbeschränkung angestrebt.
Folglich musste es also als wahrhaft staatsfeindlich angesehen werden, genießerische Bestrebungen literarisch zu thematisieren.

So war das kleine, schwarze Bändchen aus der Spektrum-Reihe des Berliner Verlages „Volk und Welt” Epitaph eines königlichen Feinschmeckers des Kroaten (damals noch Angehöriger Titowschen Vielvölkerstaates) Veljko Barbieri ein Geheimtipp für viele Bildungsbeflissene.
Nebbich gesagt, war die Hauszeitschrift des Verlages Der Bücherkarren damals schon sehr lesenswert und würde heute eine gute Innensicht des Verlages und auf den DDR-Kulturbetrieb abgeben, da sich der Verlag auschließlich auf Nicht-DDR-Literatur spezialisiert hatte.

Nun, man konnte nicht einfach bei Amazon das Buch bestellen oder in einen Buchladen gehen, sondern es war eine wahre Jagd, zumal die Bücher dieser Buchreihe im Prinzip alle lesenwert waren und den Weg in den freien Handel schon fanden – aber nicht den Weg bis zum dahergelaufenenen Käufer – da es schon genügend Leseratten im Bekanntenkreis der Buchhändlerinnen und auch Buchhändler gab. Doch zuweilen gelang es doch mal, die Zuneigung und das Herz einer Händlerin erwerben und so bekam man regelmäßig Raritäten.

Worum geht es in dem Roman des heutigen Spitzenkochs vom Balkan? In einem fernen, nichtgenannten Land (übrigens ein gern genommener Romanspielort in Werken der kommunistischen Welt, ich denke da nur an die Mäuse der Natalie Mooshaber von Ladislav Fuks oder die Verlegung eines mittleren Reiches von Fritz R. Fries) war der kulinarische Genuß verpönt und verboten. Dem genusssüchtigen Protagonisten und Gourmets gelingt es trotz aller Verbote immer wieder, sich Essgenüsse zu verschaffen. Er kocht dann verbotenerweise und heimlich die feinsten Raffinessen und verspeist sie alleine.
Es ist natürlich schwierig, wenn potentielle Verkäufer von Lebensmitteln von den Sicherheitskräften eingeschüchtert wurden und intruiert wurden, diesem Schwerverbrecher nicht zu verkaufen. Und doch &ndash, trotz aller Verbote gelingt immer wieder der Genuss. Fazit: unter der Hand bleibt trotz vieler von der Macht geschürten Ängste eine Grundsolidarität erhalten und das Gute sieht kurzfristig. Am Ende des Romans, wird der Hobbykoch (ähnlich wie in Kafkas Prozess) hingerichtet. Das ist die Dialektik und nicht vollendete Gerechtigkeit in dieser Welt. Und: man sollte auch mal was schreiben zu tiefschürfenden, wenn auch nicht immer angenehmen Eßerïnnerungen.

Überhaupt scheint es zur Verbesserung der Lesbarkeit von deutschen Texten sinnvoll zu sein, das Trema auf i und e zu verwenden, wenn vor den beiden Selbstlauten ein Glottalverschluss (für Laien = fester Stimmeinsatz) gesprochen wird. Die Niederländer machen es uns vor. Auch in sofern war die heutige Rechtschreibreform nicht konsequent. Diese Diskussion über diese oder andere Maniën sollte aber nun beëndet werden…

Nun kommt stantepede ein Zeitsprung zum Hier und Jetzt:
Genuss und Konsum sind nicht mehr oder noch nicht (je nach politischer Ausrichtung) stigmatisiert oder gar verboten, sondern staatstragendes Muss. Auch wird der Literaturbetrieb nicht mehr durch begrenztes Papierkontingent zum Nachdenken in Richtung effizienten Einsatz selbigen gezwungen, sondern: was geht, wird gedruckt. Immerhin druckt der Bauerverlag jede Woche Tonnen von Papier bunt und es wird tatsächlich gekauft – das wäre jetzt eine mythenmetzsche Abschweifung, die es nicht wert, wäre weiter zu verfolgen…

Der bisher immer als recht stil- und geschmacksicher geltende Suhrkamp-Verlag hat nun vor acht Jahren Isabel Allendes Text Aphrodite verlegt, gedruckt und in den Verkehr gebracht. Die Schreiberin mit dem politisch korrekten Namen merkte wohl, dass ihr Geisterhaus nicht mehr so gut läuft und so hat sie sich dem uralten Thema Sex (Pardon: Erotik/Sinnlichkeit) in Verbindung mit dem Essen zugewandt. Ganz so abwegig scheint die Verbindung dieser beiden Körperfunktionen (Begatten und orale Genüsse) nicht zu sein, zumal es da durchaus Überschneidungen geben kann…
Auch soll wohl (wenn man dem Volksmunde glaubte) Liebe durch den Magen gehen und, wie der Horist einmal erlebte, muss zuweilen Kochen & Genießen (wieder ein sicher ungewollter Hinweis auf den Bauerverlag) als Ersatz für das Sinnlichkeit herhalten. Zumindest scheinen Nonnen, die (offiziell) alle nur einen gemeinsamen Bräutigam haben, starke Ambitionen zu gutem Essen zu haben; so erlebt während eines mehrwöchigen Aufenthaltes in einem Zisterzienserkloster Anfang der Achtziger.

Nun haben wir schon die zweite Funktion des kulinarischen Genusses: zum einen kann das eine subtile Protesthaltung gegenüber Obrigkeitsregimen darstellen oder eine Ersatzhandlung für gefrustete Dämchen, die sich in dem Bereich der Edelvöllerei austoben möchten. Beides ist aber nun sicherlich nicht Anliegen von Aphrodite, sondern die sogenannten Aphrodisiaka. Hm. Wozu braucht man das? Also, wer täglich mit einem Ständer einschläft und/oder aufwacht und zwischendurch von erotischen Träumen geplagt wird, der kann das wahrlich nicht brauchen, der hat andere Sorgen. Das kann also nicht die affine Zielgruppe für Aphrodisiaka sein.

Ehepaare, bei denen das Begehren und Gewähren nicht mehr im Einklang steht (oder noch nie stand) könnten davon profitieren – oder genauer gesagt, könnten selbsternannte Paarberater das als Tipp mit auf den Weg ins wiedererwachende Eheglück mitgeben.

Oder ist es einfach nur eine weitere raffinierte Ausprägung des ¬Erwachsenenspiels JEHIDES „Jetzt habe ich dich endlich du Schweinehund!”?

Schon Wickelkinder sitzend oder liegend in ihrem Buggy spielen mit uns dieses (dann noch harmlose) Spiel in Perfektion.
Die kleinen Racker lächeln uns so gewinnend von unten an ;-)) und lächeln wir zurück, tun sie so als wäre nichts. Irgendwie steckt das offenbar im Blut und muss wohl aus dem archaïsch Unterbewussten kommen und (über-)lebenswichtig sein.

Und was machen Erwachsene – beispielsweise Frauen, die in Beziehung leben? Da gibt es mehr Register zu ziehen als eine große, romantische Orgel des ausgehenden 19. Jahrhunderst aufweisen kann.

Das beginnt mit liebevollen, schmachtenden Blicken; da gibt es zufällige Berührungen, die auch mal unterhalb des Bauchnabels landen können, dann das Spiel mit Spiegeln, schmalen Türdurchblicken, der scheue eigene Blick auf die wegen kalten Wassers errigierten Brustwarzen und dann das weite Feld der Verbalinjurien, schmutzigen Worte und Zoten. Männer kennen alle diese Register des Haupt-, Brust- und Oberwerkes. Er kennt die Spielhilfen und oft auch die Pedalkoppeln. Er weiss, was im blüht, falls er der Werbung nachgehen würde – er hat es schon zu oft erlebt. Schon die Antike lässt die Sirenen ??????? Odysseus ins Verderben locken. Aber irgendwann denkt er: „vielleicht stimmt diesmal wirklich” und reagiert wie gewünscht. Zack!
Jetzt kommt der feminine Spielgewinn: „immer willst Du nur das Eine, trieb- und schwanzgsteuert… usw.” Außerhalb der Ehe (mittlerweile geht da ja auch innerhalb) geht das Spiel rasch über in das nächste Spiel HIVGE (Hilfe Vergewaltigung)
Warum erfreut sich das Spiel so großer Verbreitung? Wie schon angedeutet, gibt es immer (Schulz von Thun nennt es psychologische Relativitätstheorie) eine Dialektik von Begehren unfd Gewähren. In unserer christlich/jüdischen Kulturkreis ist es mehrheitlich so, dass der Hetero begehrt und die Hetera gewährt. Gerne wird das in den Verblödungsmedien anders dargestellt. Klassisches Beispiel ist Adriano Celentanos Strassenfeger „¬Der gezähmte Widerspenstige” mit der Zähmerin Ornella Muti in der Gegenrolle. Da Medien überwiegend von Männern gemacht werden, tut man so, als wäre es genau ungekehrt. Ist es nicht immer schon ein Männertraum gewesen, in vertauschten Rollen Frauen zappeln zu lassen? Perfekt wurde das mal in dem Film mit Doris Day dargestellt, als sie um den „schüchternen” Nachbarn aus den Südstaaten (Rock Hudson) verliebt und wahnsinnig um ihn kämpft. Am Schluß merkt sie, dass es der berühmte Womanizer ist, den sie doch so sehr hasst.

Wozu also diese erotische Stimmungsaufheller? Und was soll das Buch von Frau Allende?
Schreibt sie doch so sinnlich: „Die Birne ist die Favoritin der Liebeskunst wegen ihrer dem weiblichen Körper ähnelnden Form und enthält Vitamine.
Das ist nun wirklich überflüssig: weibliche Körper in Birnenform und an Pfirsiche erinnernde Brüste brauchen ¬wir Männer nicht als Stimulanz, es ist schon melancholisch genug auf dieser Welt…

Im Ernst: Das Buch spekuliert geistlos und in Hochglanz auf das Funktionieren zweier Pawlowscher Reflexe und liefert doch nur Talmi-Sinnlichkeit. Ein unangenehmer Appetitzügler für wirkliche Gourmets und bestenfalls als bissiges Geschenk an Hagestolze, Blaustrümpfe oder an Japaner geeignet — und hat die typischen Eigenschaften eines formellen Geschenkes: taugt nichts, macht aber was von sich her.

Dann holen wir uns doch lieber Gero von Randows Genießen – eine Ausschweifung aus dem kirschhölzernen Bücherregal und entschwinden gen Liegewiese am Goldbekkanal.

Und nun: es ist durchaus bekannt, warum sich Frauenzimmer mit der Perfektionierung ihres Außenbildes (O-Ton: „klar, das mache ich nur für mich.”) und eben auch Aphrodisiaka so intensiv beschäftigen:
Angeblich im Unterschied zu Männern suchen Frauen den Mann, der Mann der all ihre Backfischträume und Vorgaben ihrer Mutter erfüllt. Und die größte Angst besteht darin, diesem Manne zu begegnen und in diesem Moment nicht perfekt zu wirken und ihre Lebenschance zu verpassen. Da ja Männer so rattenblöd sind und nur auf die äußere Fassade achten, passieren die beschriebenen Dinge.

Es soll auch krebsende Männer mit Tunnelblick geben, die mit nicht merken, wenn sie einmal in ihrem Leben von einem hufklappernden Frauenzimmern als Favorit auserkoren werden und die Stierin auf Grund ihres ungestühmen Wesens den Krebs oder die Krebskinder beinahe zertrampelt.

Willkommen in der Realität!
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Dienstag, den 01.08.2006 [14:30]
Als Nachtrag zu den gestrigen Gedanken über einfache Lösungen von verwinkelten und verwickelten Problemen hier der Text der Friedschen Maßnahmen:

Die Faulen werden geschlachtet, die Welt wird fleißig.
Die Häßlichen werden geschlachtet, die Welt wird schön.
Die Narren werden geschlachtet. die Welt wird weise.
Die Kranken werden geschlachtet, die Welt wird gesund.
Die Alten werden geschlachtet, die Welt wird jung.
Die Traurigen werden geschlachtet, die Welt wird lustig.
Die Feinde werden geschlachtet, die Welt wird freundlich.
Die Bösen werden geschlachtet, die Welt wird gut.


Gerade haben wir vom Büro aus via Skype in ¬Gaza (??? / ???) bei einem Bekannte angerufen und uns mal unverblümt erzählen lassen, was da
unten so abgeht. Ist schon hetig. So einfach die Anderen schlachten geht da wohl nicht. Gerade in dem Zusammenhang in einer arabischen Online-Zeitung einen „netten” ¬Film gefunden. Dafür braucht es keine Worte und wünscht man sich auch mal im teutschen Fernsehen. Das ist aber zu intellektuell und/oder zu bissig – oder?
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Montag, den 31.07.2006 [12:27]
Was bei René Poleschs „Heide Hoh arbeitet hier nicht mehr” noch Fiktion war, entwickelt sich zur Realität: der IT-Nomade.
Immer das iBook am Mann (wie es im NVA-Slang so schön hieß), wandert der Guru durch die schöne Hansestadt und findet allfällig Asyl im idyllisch gelegenen Isecafé an der HohenLuft-Brücke. Für einige Zeitgenossen sind Dependancen des weltweit operierenden McDonald ein Orientierungspunkt – nun ja für diese Freunde des etwas anderen Restaurants: direkt hinter demjenigen. So hat eben jeder seine Weltsicht. So hört der eine gerne, wie auch gerade der Horist, was Lautes von Led Zeppelin und (Oh, mein G*tt) was Dieseitiges ais der aktuellen Hitparade &mdash oder wie heutzutage (oh, sind wir alt geworden) gerade diese juvenile Marketingmaßnahme heißt.

Gut, das mit den Weltsichten.
Hannes Zerbes Blechband hat mal in den Achtzigern ein Gedicht von Erich Fried vertont. Der Sinn ist in etwa so: „Schlachten wir die Häßlichen, und die Welt wird schön.”. Das Thema wird dann mit einigen anderen Beispielen wiederholt. Es ist im Prinzip die Dramatisierung des Eric Bernschen Prinzips des Ich bin OK und Du bist nicht OK. Ist doch alles ganz einfach. Gerade heute, als wir einer Zufallsbekanntschaft auf der Schanze eine Meinung zum Tabakrauchen offenbarten, kam sofort der Spruch: „Ach Du hast noch nie geraucht, na dann ist es ja klar” Auch schon oft gehört: „Du hast eine so miese Meinung vom Rauchen, weil Du nicht rauchst &ndash, deswegen bist Du so verkrampft.”. Typischer Fall von Paranoia.

Andere Beispiele aus dem Leben: Hundehalter schieben die Schlechtigkeit der Welt darauf, dass viele Menschen keinen Hund haben, deswegen keine Sozialkompetenz haben und deswegen der Weltkrieges III bald ansteht. Ist übrigens auffällig – die große Schnittmenge zwischen Rauchern/Raucherinnen und Herrchen/Frauchen. Offenbar erträgt man/frau dann den Eigengeruch der kleinen und großen Racker besser.

Oder eben auch unsere geliebten Feministen: klar, die Welt ist schlecht, weil sie immer noch von Schwanzträgern beherrscht wird.

Noch besser die militanten Veganer, die immer wieder gerne Tolstoi (??? ?????????? ???????), dem zugesprochen wird: „ Solange es Schlachthöfe gibt, gibt es Schlachtfelder” Hm. klingt erstmal sehr wortgewaltig – schon wegen der tollen Alliteration.

Also schreit die Welt offenbar nach sehr vereinfachenden Welterklärungsmodellen. Schon Mu?ammad musste sich während seiner Himmelfahrt von seinem geistige Vater erklären die schwierige Akzeptanz des jüdischen Systems der über 600 Gebote und Verbote erklären lassen.

Übliche Simplifizierungen der Welt: es gibt ledigleich zwölf verschiedene Charaktertypen der Menschen — und man erzähle nichts vom Accendenten! Warum studieren junge Menschen dann 12 Semester Psychologie? ja, warum studieren sie?
Gute und böse Lebensmittel, Raucher und genussverweigernde Nichtraucher, „Normalos&rdquo, und wie diese Woche Harald Schmidt in der stern-Kolumne sagte: körnerfressende Fitnessfanatiker usw.

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