Rainers Horen
Sonntag, den 10.09.2006 [23:38]
Die bürgerliche FAZ aus der Mainmetropole titelt heute: „Lehmann: Der Papst ist in erster Linie ein Mensch”. Ist das nicht stolze Bescheidenheit? Mein G*tt, und wir dachten er sei ein Bonobo. Er soll ja auch ziemlich katholisch sein. Sachen gibt es! Heute morgen gab es fast keine Chance mehr, der Papstmesse in München zu entfliehen. Es war schlimmer als zur patriotischen Zeit der Fußball-WM. Einzig das Freie Senderkombinat, das aus St. Pauli sendet, hatte Erbarmen und brachte vernünftige Salsamusik. Welch' Wohltat!

Der heutige Religionsdisput im Sonntagsgespräch des Deutschlandfunk hatte Herrn Nancy zu Gast, der das Thema Deskonstruktion des Christentums auf der Platte hat. Letztlich wird in letzter Zeit oft eine Renaissance des Christentums und überhaupt der Religiosität und Spiritualität beschwören – der neue Begriff lautet: „wie leben in eine postsäkularisierten Epoche.“. Das subjektive Empfinden ist ein Anderes: die Konsumverblödung feiert doch täglich neue Urstände. In der nach unten offenen Trivialitätsskala und von gewissen „Medien“ gibt es immer noch Steigerungen. Man glaubt immer, ärger geht es nimmer und immer wieder entstehen neue Verflachungen.

Ein schönes Thema ist der Aufruf der BILD, die aus allen Handybesitzern Bildreporter und Paparazzis macht. So müssen Prominente nun nicht nur vor Photographen Angst haben, sondern vor Jedermann. So wie hier auch aus einem unbescholtenen Frauchen ein Kunstobjekt gemacht wird:

Hunderadlerin Das ist noch nicht schlimm. Jetzt aber schläft oder döst oder meditiert ein deutschlandweit bekannter Darsteller einer erfolgreichen Seifenoper (Verliebt in Hamburg) am Elbestrand. Wenn man einbem Jurist glauben darf, bekommt der Photograph die Abmahnung im fünfstelligen Bereich, nicht BILD. Das kloingt nach gutem Konzept des neuen Format der erfolgreichsten deutschen Boulevardzeitung. Dann sind natürlich die ausgelobten 500,- € pro veröffentlichtes Photo ein Schnäppchen (für den Springerverlag).

Penner

Nun aber nach dieser mythenmetzschen Abschweifung zum ernsthaften Hauptthema. Die wahre Religion (R.O.N.) steckt aber wohl in jedem selber drin und hat etwas sehr Menschliches. Da geht es um Aufmerksamkeit und Zuneigung. Und es geht um animalische Triebe. Und genau das wollen alle Religionen beschneiden. Wie heißt es so schön: „Du sollst keinen Gott neben mir haben.“.

Triebhaftig und Erotik nimmt bei den meisten Menschen einen großen Rahmen ein und genau dieser Bereich soll durch religiöse Führer kontrolliert werden, sind sind quasi eifersüchtig. Stanis?aw Lem hat das mal im G?os Pana wunderbar angesprochen.

Die aufrechte Möhre als Fruchtbarkeitssymbol war gestern beim kurdischen Grünhöker in der Jarrestrasse drappiert. Ehrenwort: das war tatsächlich so.

Das ist doch eine Sprache, die jeder versteht.

Noch ein Ding: der berühmte Gottfried Wilhelm Leibniz, Namensgeber gleichnamiger Kekse aus der Podbi in Hannover, kam irgendwann einmal drauf, daß unser Zehnerzahlensystem mit der 10-er Basis rein willkürlich ist und daß das Dualsystem unsere zeitgenössichen Rechenmaschinen folgerichtig ist. Soweit so gut. Stimmt ja auch. Nun aber die Gedanken des großen Mathematikers und Begründers der prästabilierten Harmonie : die Zahl '7' hat in der Dualdarstellung die Form '111'. Hat erstmal nichts Mystisches an sich.

Die Auflösung:
drei Einsen=Dreifaltigkeit Gottes und
7=Das siebentägige Schöpfungswerk des Herrn.

Deswegen ist das Dualsystem göttlich. Kann man dieses Genie und Verfechter der Besten aller Welten noch ernstnehmen? Selbst ein gläubiger Mensch (R.O.N.) weiss, daß weder die Dreifaltigkeit noch die sieben Tage was mit G*tt zu tun haben. Ist schon schrill!

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Sonnabend, den 09.09.2006 [17:44]
Nur Innenseitlinge wissen, wo es so leckere Tapas und so guten, karaffierten Rotwein in der Schanze gibt. Kleiner Tipp: die Rote Flora ist vis-à-vis. Es gibt beim Portugiesen wirklich schöne Stunden. Und erst die Tapas! Selbst die eingelegten Kartoffeln sind eine Offenbarung. Das liebt man doch so (gerade als Thüringer) an Portugal. Dort gibt es nicht diesen Nudelkram und das ganze neumodische Zeugs der Toskanafraktion, sondern was Handfestes – nur eben auf hohem Niveau…
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Freitag, den 08.09.2006 [18:05]
Das ist also das Wahlgewinn erheischende Programm des neuen Sterns am Hamburger Politikerhimmels ¬Roger Kusch: totspritzen, Verbot des Autoabschleppens und Lockerung des Leinenzwangs für Hunde. Klingt nach Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit.

Die gestrige Veranstaltung im Edelsiechenheim Augustinum in Neumühlen war ein echter Paukenschlag für den ehemaligen Justizsenator!
Ziel einer Parteiversammlung sollte doch die innere Aufrichtung und Motivation potentieller Wähler sein. Gestern wurde der Spieß größtenteils umgekehrt – alle Beiträge aus dem Saal putzen den smarten ehemaligen Freund von Herrn von Boyst Roger Kusch runter. Klar, da saßen lebenshungrige Senioren, Hospizkräfte, ¬Palliativmediziner und vor allem Menschen, die tagtäglich mit dem Sterben konfrontiert sind. Die haben eine völlig andere Sicht auf die Welt der letzen Stunden als ein Politiker, der sich neben dem Tabuthema Sterbehilfe auch noch für den Niedergang der Abschleppindustrie und für die Liberation des Leinenzwangs einsetzt.

Alles in allem sehr kuschig. Was muss in dem Kopf rumgehen? Da wird der von nicht jedem bezahlbare Sterbetourismus nach Zürich und Hollland als Konsilidierung der Zweiklassengesellschaft apostrophiert, da wird minutenlang das Reichsgesetzbuch von 1871 deklamiert und überhaupt fehlt Konzept, Charisma und Stimme. Nett war auch der Wunsch von Roger, man möge hier und heute nicht polemisieren. Er meinte wohl, er hätte das Polemikmonopol. Als ein Diskussionsredner vernünftige Argumente vorbrachte, wurde er wegen Polemik beschimpft und das Mikro abgedreht. Einfach zu schön.

Aber hören wir doch mal in die Schlußworte von Roger rein und folgen der hitzigen Diskussion, inklusiv Zwischenrufen vom ¬Autonomen Leben):
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Donnerstag, den 07.09.2006 [14:27]
Unser lieber Senator Dr. Kusch versucht sich also heute Abend wieder mal an einem heißen Tabuthema. Dafür sind Tabus ja wohl da.

Das ganze Schwulenviertel in Hamburg ist mit dem wirklich gut gestaltetem Plakat zugepflastert. Karte ist schon reserviert – das wird sicher ein lustiger Abend. Da passt doch wunderbar der Titelsong der Kult-CD SCHÖNER SCHEITERN - Ergüsse eines Trauermarsch-Fetischisten. Er ist dem heutigen Klangarchiv begefügt.

Das Scheitern an sich ist in der westeuropäischen Kultur offenbar viel zu wenig thematisiert. Alles wächst, wird besser (jetzt gibt es schon TV-Glotzen von Telefunken, die statt mit drei mit sechs Farben malen) und überhaupt. Es gibt keinen Raum für das Gegenstück der allgemeinen Spaßgesellschaft. Gut es gibt Nischen wie die Gothics – aber eines muss doch mal klargestellt werden: „es gibt auch berechtigte Depressionen.…“

Schlingensief legte 1999 im Höstück Rocky Dutschke dem Rudi Dutschke in den Mund :„Lernen heißt Scheitern lernen“

Ein wirklich wahres Wort. Nur wo es wehtut, da wächst Wissen oder wie die Libaren sagen: „Wenn das Geld alle ist, fängt das Denken an.“. Heute abend bei den Suizidfreunden wird es eine ganze Menge dieses Gedankengutes geben. Das Mikro ist schon mal eingepackt.

Die Show ist gelaufen. War ja wieder sehr unterhaltsam.
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Mittwoch, den 06.09.2006 [17:54]
Im indisch-vedischen Restaurant neben dem Fahrradhändler Peters am Grindel gelegenen ¬Gopalam ist immer ein besonders hoher ?-Faktor spürbar. Das sieht man schon an den Essern und Esserinnen. Eine gesunde, proppere Gesichtfarbe haben dort die wenigsten. Eine vornnehme Fahlheit und Kargheit des Gesichtseindrucks ist vorherrschend. Das macht wohl das gute, leckere Essen. Auch heute wieder ein kleines Wunder:

Also kommt heute ein Vater mit seinem grundschulpflichtigen Rangen und stellt sich in die Warteschlange. Der Bube: “Ach ist das ein niedlicher Hund!“ Er:„Aber nein, wo ist denn hier ein Hund.“ usw.

Jetzt musste erstmal ein klärendes Wort an den Vater gerichtet werden, der offenbar immer noch der sichtbaren Welt verhaftet ist: „Sehen Sie, der Junge sieht mehr als Sie, er ist offenbar ein ¬Indigokind. Das ist was ganz besonderes. Gerade hier in diesem indischen Restaurant habe ich schon von vielen Wundern gehört und auch schon wie heute erlebt…“

Nach einer Weile kommt der Vater und bestätigt kleinlaut, dass da tatsächlich ein kleiner Dackel war und wir unterhielten uns nach angeregt bei einem vedischen Linsengericht. Er hatte übrigens noch nicht diese gesunde Fahlheit im Gesicht – offenbar noch kein Stammgast.

Auch dieses Restaurant bekommt in Bälde eine Webseite. Das ist einfach der Zahn der Zeit. Natürlich brauchen die dann einen eigenen Rootserver, damit sich das vedische Gedankengut nicht mit Unkeuschem an der Ethernetschnitte micht oder sich gar den Speicherraum teilen muss. Überhaupt darf dann der Server nur mit atomstromfreiem, regenerativem Strom betrieben werden. Das wird nicht billig – aber lohnt!

Heute in der mopo wird ein Vorkommnis an Hamburger Schulen: diesmal wurde nicht die Gewalt der Zöglinge gegenüber dem Lehrpersonal thematisiert, sondern eine Sportlehrerin hat den Pfad der pädagogischen Engelszungen verlassen und zwei renitente Schüler an Kennzeichnungsschärpen (Parteibändern) in der Garderobe aufgehangen. Das ist erstmal eine innovative Leistung, die man Beamten nicht unbedingt zutraut. Das ist natürlich gegen die Schulordnung, da es den Schülern Unbehagen bereitet hat und Schule soll ja wohl so was Edles sein, wo zarte Gemüter nicht erregt werden dürfen.

Die Erziehung ist keine Einbahnstrasse: als der Schreiber dieser Zeilen noch die Vorzüge der sozialistischen Vorschulerziehung geniessen durfte, hatte er so abstehende Segelfliegerohren. Der urgroßväterliche Viktor, der hier auch schon seine Erinnerungen aufschrieb, hatte auch das Problem. Nur, zu seiner Zeit hat man es dabei belassen und es gab keinen Dr. Festerling am städtischen Krankenhaus in der Weimarischen Rosenthalstrasse, der sich solcher „¬Missbildungen“ annahm. Da wird also das Ohr halb eingeschnitten, Knorpel entfernt und dann wieder vernäht. Kurz gesagt einige Wochen nach der OP war der kleine Rainer in der Kindergartengruppe etwas spontan und die Kindergartentante verließ den Pfad der Geduld und zog den kleine Burschen am Ohr. Ich glaube, sie tat es in ihrem Leben nie wieder – an diesem Tag hat ihre Erziehung große Fortschritte gemacht: das Ohr riß bis auf einen kleinen Reststeg ein, sie hatte das Ohr beinah in der Hand, es blutete und weil sie von der OP nichts wusste, war der Schreck um so größer.

Die Tante, die damals das handtellergroße Heftpflaster im Kindergarten in der Weimarischen Meyerstraße auf den Mund klebte, ist leider nicht bestraft wurden. Sie wollte doch nur ihre Ruhe in der Mittagspause haben und da es damals kein Internet gab, wo sich übermittelsame Zeitgenossen austoben können, nahm sie das Hansaplast zu Hand und hat sich so geholfen.

Mittlerweile würde das schon unter Folter laufen und da eine Überleitung immer gut ist, jetzt noch eine kleine Zeitgeistschelte. Als folter könnte folgendes Profil in einer Singelbörse gelten:

„A walk in the park ...
Vorzugsweise Stadtpark oder Alster.
I like to ride my bike, meist zum shoppen oder sight seeing
Diese Stadt bietet so viele Möglichkeiten.
Looking what`s cooking oder im Biergarten / Cafe verweilen.
Gerne zu zweit ... “


Besser kann man es nicht treffen und geht es auch nicht. Wo der alte Goethe noch mit einer Sprache auskommen musste, hat heutzutage jedermann und jedefrau gleich zwei Sprachen zu Verfügung.
Apropos Sprachen: hier nachfolgend Datumsangaben und Kalender in vielen Sprachen:


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Dienstag, den 05.09.2006 [08:44]
Wahnsinn! Wir sind wieder einmal tief betroffen. Also selbst in besten Kreisen soll es Eheprobleme geben. Überall, aber dort bitte nicht! Was steckt dahinter? Mal zum Mitschreiben: der ob des Designers qualifiziert zu den besten Kreisen, wohnen in Eppendorf und werden verprügelt. Und dann noch so gut und gitarrespielend drauf!

Es muss eine Lust sein in diesem Eppendorf zu leben. Immhin wohnt auch Harry Rowohlt dort – oder wie er so schön sagte Kellinghusenstrasse ist seine zuständige U-Bahn-Haltestelle.

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Montag, den 04.09.2006 [23:58]
Es ist doch immer wieder ein schönes Gefühl, wenn Richtfest für eine ¬Webseite anliegt. Besonders wenn die Ästhetik auch dem persönlichen Geschmacke entspricht.

Nun muss der schöne Fassade noch (Datenbank-)Leben eingehaucht werden. Die Datenbank mit 18 Tabellen und das Webfrontend zum Einpflegen des Spielplanes steht. Jetzt kann es nur noch Tage dauern…

Die Tagesnachrichten waren heute wieder ein Born der Verschleierung: da gibt es einen sächsischen Minister, der in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Also ich arbeite auch vom Geldverdienen und wirtschafte in die eigene Tasche – in welche sonst?

Da ging es wieder um das robuste Mandat. Ich kenne niemanden, der diesen Zauberspruch auflösen kann und dann war da wieder diese ominöse Terrordatei

Das ganze ist natürlich eine Datenbank, aber aus erahnbaren Gründen wird die Datensammlung verniedlicht. Der brave Bürger soll nicht erschrecken und an eine kleine Excel-Datei denken. Fragt sich nur, wie die Daten verteilt und kopiert werden. Doch hoffentlich nicht übers Internet!

Der Dax hat fest geschlossen. Hm, auch so ein Ding – die meisten Männer eröffnen frühmorgens fest. Das ist der Unterschied. ;-))

Heute ist uns eine nette Idee übermittelt worden. Kunden können so kreativ sein. Man ist so richtig baff. Also: bei Desktopanwendungen kann der Anwender mittels Apfel-Z oder eben Control-Z in vielen Anwendungen die letzte Änderung zurücknehmen. Nun liegt es auf der Hand, dass das auch in komplexen Webanwendungen klappt. Das Abfangen der Tastenkombi ist dann wohl das kleinere Problem. Wenn der Anwender wüsste was er mit dem Klicken alles auslöst!. Da werden Datensätze angelegt oder überschrieben, Dateien im Dateisystem überschrieben. Um das zu realisieren, ———— müsste es spezielles Framework angelegt werden. Die Anwendung ist spürbar langsamer und teurer.

ist schon seltsam, wer aus Vechelde hier zu uns stößt. Ein c't-Redakteur oder die nette Bekanntschaft auf der CeBIT, die allfällig für den Verlag während der Messe tätig war und blitzschnell mit dem Wort „sarkastischer Melancholiker“ im Mund war.
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