Rainers Horen
Sonntag, den 17.09.2006 [12:25]
Als Nachtrag des gestrigen Picknicks auf dem Friedhof kommt jetzt und hier der längste Namen für eine Stadt als Sprechpobe. Er beschreibt in Kurzform die Stadtgeschichte. Die Stadt der Engel ist besser unter „Bangkok (?????????????)“ bekannt. Hier mal die deutsche Übersetzung" Stadt der Engel, große Stadt [und] Residenz des heiligen Juwels Indras [­Smaragd-Buddha­], uneinnehmbare Stadt des Gottes, große Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishnukarm gebaut wurde.

Ansonsten, was gibt es zu melden? Die NPD kommt in den Landtag der Nordzone (Mecklenburg-Vorpommern). Das wird die Situation nicht wesentlich verschlechtern. Die wirklichen Linken haben allgemein verloren – in Berlin wird es wohl zum Wechsel von Rot/Rot zu Rot/Grün kommen. Na und der Papst entschuldigt sich bei den Muslimen aller Welt. Er hat doch nur ein Spruch aus dem Mittelalter zitiert. Probieren kann man es ja mal.

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Sonnabend, den 16.09.2006 [17:30]
Im Deutschlandradio wird gerade wieder über Kinderarmut in Deuschland diskutiert. Selbst beobachtet gibt es tatsächlich Kinder, die müssen mit den dreißig kostenloses Progarmmen im Fernseher auskommen und das noch aus einer extrem uncoolen Röhrenkiste. Abseits von diesem Sarkasmus ist es schon erstaunlich, was die Contentindustrie schafft: da gibt es ¬Zeitgenossinnen, die stehen früh um sieben auf, setzen sich hin, schalten ein und schauen dann unbeweglich 16 Stunden auf einen Punkt, die rechte Hand ein kleines, schmales Kästchen in der Hand, der Daumen schwebt stundenlang darüber. Ist ja wohl auch klar. Die Anbieter des Produktes „Fernsehen“ müssen den Spaghat schaffen, den zeitlichen Bereich zwischen der bezahlten Werbung so mit Inhalt zu füllen, dass niemand wegläuft. Und das ist in den letzten 60 Jahren perfektioniert worden. Eine der möglichen Lösungen stellt die Diversivizierung des Angebotes dar. Wo früher eine Frauenzeitschrift (beispielsweise Frau im Spiegel) ausreichte und ein Füllhorn von Unterhaltung und Lebenshilfe bot, gibt es heute die Frauenzeitschrift für die Großstadtfrau zwischen 35 und 45, die sich gerade aus persönlichen Gründen (Mann weg) im Prozeß der Selbstfindung befindet („Brigitte“) oder für die einfache Frau vom Lande, die das Träumen nicht aufgeben möchte („Tina“).

Es ist klar, dass das Gesamtvolumen in nullter Näherung gleich bleibt. Mehr Formate ksoten mehr. Also muss der Preis pro Objekt sinken. Das erklärt den bodenlosen Niveauverlust.

Was für Frauenzeitschriften gilt ist sicherlich auch auf die elektronischen Medien zu übertragen. Die Anzahl der Werbekunden wird kaum wachsen, dafür die Anzahl der parallelen Aufmerksamkeitsflächen. So sinken die Tekapes (Tausenderkontaktpreis) und das Niveau der Füllung (Talkshows, Seifenopern) sinkt.

Nun aber genug Zeitkritik – es gibt doch auch noch schöne Dinge im Leben – wie ein Picknicknachmittag im Wohlerspark. Gut, abergläubisch darf man nicht sein. Es ist halt ein ehemaliger Friedhof und gegrillt haben wir hier auch schon.

Eine hübsche Taiïn hat uns etwas in ihre Sprachkultur eingeführt. Es war sehr unterhaltsam. Da schmeckt der Quiche umso besser.

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Freitag, den 15.09.2006 [10:51]
Gleich nach dem Aufstehen hat eine Geistesblitz das Problem mit den langen Silben in Ge'ez gelöst. Jetzt juckt es in den Finger, das gleiche System für das Japanische zu bauen. Man könnte also einen Text in Hepburn (lateinische Umschrift) eingeben und erhält Katakana und/oder Hiragana.
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Donnerstag, den 14.09.2006 [11:57]
„Die Mädchen und Jungen der 3b sammeln Altstoffe (heute: Wertstoffe, der Zitierer). Das Geld, das sie dafür erhalten, werden sie auf das Konto zur Unterstützung des vietnamesischen Freiheitskämpfer überweisen.
Die 3b ist die beste Klasse der Schule. Das gilt nicht nur für ihre Leistungen, sondern auch für ihr Verhalten. Die Pioniere und Schüler dieser Klasse helfen sich stets einander. Was sie anpacken, das überlegen sie sich gründlich.
So ist das auch beim Altstoffsammlen…“

Obiges Zitat ist aus dem DDR-Lehrbuch für den Verkehrserziehungsunterricht für die Klassen 2 bis 4 aus dem Jahre 1970 entnommen. Also immerhin gab es in der Ostzone mal so ein Fach in der Schule und wenn da mal singulär solch ein ideologischerAusrutscher vorkommt – dann ist das doch verzeihlich? Also wir haben auch alleine oder mit Freunden solche Aktionen gestartet und zogen dann mit Wägelchen durch das Wohngebiet und haben Altpapier und Flaschen in Kellern gesammelt. Das Geld, was wir dann bei der ¬Rumpelmännchen-Abgabestelle bekamen (15 ?/kg), wurde aber niemals in vietnamesische Maschinengewehre umgesetzt…

Gerade bei der Suche nach einem lateinischen Font, der wie Devanagari aussieht, folgende ¬Passage gefunden &ndash, ein wahrer Leckerbissen für Kenner des kyrillischen ABCs:

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Gerade kommt eine wenig Langeweile auf. Was liegt also näher, als eine amharische (??? ??) Schreibmaschine zu bauen? Da die Ge'ez-Schrift (im Gegensatz zu Arabisch, Kyrillisch und Hebräisch selbst auf dem Mac nicht zur Standardausstattung gehört), muss eventuell nachinstalliert werden. Hier ist ein Link für einen freien ¬Unicode-TTF-Font.

Es geht jetzt schon leidlich. Leider ist das ersetzen nicht gefräßig genug. Es gibt die Silbe „ha“ und eine Silbe „haa“. Leider wird zuerst „ha“ ersetzt. Das Problem sollte wohl lösbar sein. Die Gummilösung wäre, einfach die Übersetzungstabelle händisch umzusortieren…

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Mittwoch, den 13.09.2006 [10:28]
Das Wiener Urgestein Helmut Qualtinger hat in den Siebzigern mal Hitlers „Mein Kampf“ auf Tourneen vorgetragen. Es war damals ein so großer Erfolg, dass wir heute einen Ausschnitt im Klangarchiv hören können.

Mit einem gewissen Schamabstand der Geschichte betrachtet, ist es schon beachtenswert, wie der GröFaZ sehr präzise und vor allem sehr offen Strategien in der Menschenführung darlegt. So manche Marketingausbildung sollte dieses Machwerk zur Pflichtlektüre machen.
Gerade das Kapital „Weltanschauung und Partei“ ist eine Paradebeispiel.

Weimar war immer schon sehr rechts. Die Tatsache, daß schon Ende der Zwanzigerjahre die Stadt der Dichterfürsten durch die NSDAP regiert wurde, wird heute und schon gar zu DDR-Zeiten, gerne vergessen. So war AH über 40× mal in der Stadt und residierte im Elephanten, einem besseren Hotel am Marktplatz, in dem der Horenschreiber nebbich gesagt auch seine sozialistsiche Jugendweihe feiern durfte — also ein sehr geschichtsträchtiger Ort.

Als er 1941 wieder einmal nach Weimar kam, war das ein Ereignis und der Vater des Zeilenschriebers, damals siebenjährig, wollte natürlich auch hin. Der Besuch war inoffiziell, aber die Meldung über den Besuch verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. Der Vater bettelte seinen Vater an, ob man einmal eine Ausnahme der Achtuhrbettgehregel machen könnte und bekam sie und ging zum Markt. „Der Marktplatz war schwarz vor Menschen. Alle wollten den Führer sehen. Und plötzlich begannen Sprechchöre: Lieber Führer komm heraus aus dem Elephantenhaus! Als es immer heftiger wurde, trat er auf den Balkon seinen Hotelzimmers und in seiner stolzen Bescheidenheit, sagte er irgendwas. Und plötzlich sangen alle das Wessellied“ Scheint ja den späteren DDR-Schulfunktionär sehr beëindruckt zu haben. 1947 kam der erste DDR-Präsident nach Weimar. Da klingt es dann so: „Wilhelm Pieck kam nach Weimar, die Schulen mussten ihre Schüler hinschicken, sonst hätte es kein Publikum gegeben. Dann sollte die neue Hymne Auferstanden aus Ruinen.. intoniert werden. Der Einzige der sang, war der Wilhelm Pieck.“

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Dienstag, den 12.09.2006 [14:32]
„Was das mit mir macht — das war echte, authentische Nähe, die ich zulassen kann — das spiegle ich“ und anderes soziologisches Gedöhns dringt in das Ohr, wenn man nichtsahnend zum morgendlichen Galão in der quirligen Gertigstraße im Pastelario Porto sitzt.

Ein kurzer Blick nach rechts und da sitzen drei superwichtige Damen mit Pferdeschwanz. Die mittige Hobbyanalytikerin lehnt so halb auf einem Hochhocker, hat ein bitterernstes Gesicht aufgesetzt, die Hände wie ein Pastor ineinander gelegt. Das heißt der rechte Handrücken ruht in der Mulde der linken Hand. Leider kann man sich wirklich nicht alles merken. Es ist einfach zu schön, diesen bedeutenden Worten aus dem Munde nichtorgiastischentspannter alleinerziehender Frauenzimmer zu lauschen.
Da werden wieder die bekannten, Berne'schen Erwachsenenspiele auf höchstem Nineau zelebriert.
So beispielsweise die allbekannte Generationsschelte oder (berechtigte) Schelte des deutschen Bildungssystems.
Nutzt die ganze Schläue? Nichts. Da geht man/frau in Netzpartnermärkte und setzen ihre Selbstgespräche in voller Erhabenheit fort. Sie nutzen dann das ganze Vokabular von Achtsamkeit, Reden und wundern sich, wenn nur Spinner darauf eingehen. Das ist doch so, als ob Männer in ihrer Selbstdarstellung was von Bier, Fußball und schnellen Autos erzählen würden. Also auf dem Gebiet sind Männer tatsächlicher plietscher.

Nun ist das Suffragettenproblem nicht neu. Schon Ringelnatz konnte das damals vor über 80 jahren in seiner Wortgewalt in Gedichtform gießen. Sein Poem „Am Barren“, indem die Bestrebungen der damaligen Frauen, ihre Weiblichkeit ablegen zu müssen, lässt er sie in der Schlußzeile zurückkehren, indem er ihnen zuruft: „Deutsches Mädchen: Grätsche, Grätsche“.

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Montag, den 11.09.2006 [15:01]
Nun haben uns doch so ein verdammter Paparazzis beim Verlassen eines konspirativen Treffpunkts erwischt. Nur gut, daß offenbar das Richtmikrofon ausgefallen war.

Wir hatten gerade ein vorbereitendes Gespräch per Mikroheadset mit unseren libyisch und senegalesischen Geschäftspartnern aus der Saitlingbranche. Da geht es zuweilen verbal nicht nur sanft zu— wir sind eben alle keine Waldorfschüler sondern leben vom Geldverdienen…

Dazu gehört eben auch lebenslanges Lernen. Das ist die Crux des Kybernetikers. Das Wissen, gerade erworben, ist schon Schnee von gestern. Und jetzt kommt das AJAX. Das neue Wort aus der Webwelt hat weder was mit einem Reinigungsmittel, noch mit einer Fußballmannschaft zu tun, sondern ist eine neue Technik, mit der Webanwendungen sich anfühlen wie ein normales Programm was lokal auf dem PC läuft. Der Klassiker ist google-Earth und die berühmte Suche in einem größeren Datenbestand, bei der schon nach Eingabe weniger Buchstaben erste Treffer erscheinen. Gewissermaßen wird der verbannt.

Eine gute Empfehlung scheint das Framework freie ¬OpenRico zu sein. Also hin, rein, lesen und spielen.

Nach einigen typischen Anfangsproblemen. läuft es jetzt. Verwunderlich ist nur die anfängliche Fehlfunktion. Das nämlich die Suche nach Umlauten misslang, obwohl alles in UTF-8 kodiert ist. Jetzt wird der Text im SQL-Befehl nochmals mit utf8_encode() behandelt. Seltsam!
Morgen gibt es dann die hiesige Volltextsuche – versprochen!
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