Rainers Horen
Sonntag, den 29.10.2006 [16:53]
Die Sommerzeit ist vorbei und damit beginnt auch die Zeit der großen Blaser und Sauger. Alle Menschen freuen sich auf heißen Glühwein, heimliches Wichteln und das langersehnte Weihnachtsfest.

Wie jedes Jahr nahm die Kritik an den lautstarken Laubbläsern in der lokalen Presse einen breiten Raum ein: die Befürworter loben die hohe Effizienz und das Ausleben des Spieltriebes – die andere Seite ist nur vom Krach genervt und schiebt zuweilen auch die damit verbundene Igelzerhäckslung vor. Das ist wohl der Preis des „Fortschritts“.

Auch die herbstliche Schälfurche dezimiert radikal die Lumbricidenpopulation auf jedem landwirtschaftlich genutztem Schlag. Es ist nicht nur das Zerteilen der Regenwürmer, die entgegen jedem Mythos nicht überleben oder gar wieder auswachsen, sondern auch die radikale Änderung des Mikroklimas durch den Pflugprozess. Durch das Abërnten der schützenden Pflanzen sinkt sehr schnell Bodenfeuchtigkeit und -temperatur. Das ist eine jährliches Drama, das in der Presse zur Zeit überhaupt nicht thematisiert wird. Ob es daran liegt, dass wir Regenwürmer als niedrige Wesen betrachten? Selbst die nicht so hoch angesehenen Nachtschnecken (Besitzer und Besitzerinnen von Klein- und Hausgärten werden zustimmen) fressen diese unermüdlichen Bodenverbesserer. ist das nicht fies? Das muss ja wirklich eine Rennschnecke sein – von einem Hinterhalt kann man ja wohl nicht sprechen. Das Kampfgebiet erscheint recht übersichtlich.

Um auf die Laubsauger zurückzukommen: generell scheint Schweiß durch Krach ersetzt zu werden. Es ist ja auch schick: wo früher noch ein sozial niedrigstehender Straßenkehrer seine Arbeit tat, ist es heute ein orangebekleideter Mann, der, viel Lärm machend mit stolz erhobenen Hauptes über den Jungfernstieg schlendert (ja wirklich schlendert) und fast nebenbei für Ordnung und Sauberkeit sorgt. Er erscheint fast nicht mehr als Unterschichtler, ja er ist sogar gebenedeit, hat er doch einen festen Job und lebt nicht im Prekariat. Es sei denn, er schafft abends in einem Callcenter als Agent und fragt ahnlungslose Bürger ab, ob sie sich schon mal Gedanken über ihre Versorgungslücke gemacht haben oder ob sie immer noch teuer telefonierten.

So ändern sich Berufsbilder. Damals in Weimar, als die Züge der Deutschen Reichbahn noch Holzsitze hatten, Lederriemen mit Löchern die Fenster in richtiger Höhe hielten und das Wechseln des Waggons ein kühles, windiges Abenteuer war, da wurden nötige Gräben für Kabel und so noch von kräftigen, barbrustigen Männern mit Spitzhacke und Schaufel gezogen. Bis auf das pfeifende Windgeräusch, wenn die Spitzhacken die Luft teilten und dem Scharren der Schaufel war nichts zu hören. Zuweilen wurden Bierflaschen geöffnet, dann zischte es vernehmlich. War das Kabel gelegt, kam auch der Dub?ek; zum Einsatz. Das war dieses imposante, benzinangetriene Gerät mit dem der Boden verdichtet wurde und dessen Name sich so trefflich lautmalerisch selbst beschrieb.

Muß das eine erotischer Eindruck für unsere Mütter gewesen sein, wenn sie an solchen Straßenbaustellen vorbeikamen! Heute wird da weniger geboten: da sitzt ein (vermutlich) neuer Inländer in so einem Minibagger und zieht einsam seine Furche durch den Großstadtdschungel.
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Donnerstag, den 26.10.2006 [11:15]
Deutschland und die Deutschen kämpfen ums Überleben – jeder an seiner Front. Jetzt hat auch die Bundeswehr ihr mühsam erworbenes gutes Bild verloren und die TAZ titelt: „Wir sind Wixer“ – nun gut das mag etwas derb klingen aber ist eben der Stil und eine Menge Druckerschwärze ist verbraucht. Heute früh hat ein Großkopferter aus Bundeswehr im Radio verkündet, dass wenn Tausende dort am Hindukusch stationiert sind, so Einzelne mit der Situation nicht zurechtkommen und dann zu Fehlverhalten neigen. Das sei nicht zu verallgemeinern … Hm. klingt stimmig.

Es ist Donnerstagnachmittag – in deutschen Büros (auch in Oberstrunzhausen) tobt der Bär am an der Heimatfront. Der kleine Schnappschussfilm aus einem inneren Zirkel beweist es. Da werden Konzepte erarbeitet, Pläne geschmiedet. Kleine Dinge fangen oft auch klein an und wachsen zuweilen zu globalen Lösungen. Und global meint eben auch was Großes. Da darf man nicht vor kleinlichen Grenzen anhalten.
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Dienstag, den 24.10.2006 [21:31]
Heute der erste Tag des letzten Semesters in der Linguistik. Eine gewisse, verständliche Bitternis macht sich breit. Das wird gerade mal vom Lieblingsthema Keltische und Gälische Sprachen kompensiertI.

Ist schon schamlos, wie schon ausgeräumt wird. Das ist wie in dem Film „Alexis Sorbas“, wo die Dorffrauen schon fleddern wollen, als die Sterbende noch lebt. es ist einfach stillos, wie das an der Uni abgeht. Da ist das voll verständlich, wenn Prof. Ternes mit den Anwesenheitslisten nicht mitmacht und sicht auf diese alte Sprachen konzentriert, die damals bis Anatolien gereicht haben.

Heute feiern wir den zweiten Feiertag nach Ramadanende. Jeder Muslim feiert das auf seine Weise. Es ist zutiefst menschlich, wie da jeder seine Enthaltsamkeit beendet. Mehr geht nicht.

Deutschland sucht den „Superhund“. Das ist nicht kommentierungswürdig. Mal sehen, welcher Topdog das beste Wesen hat.
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Montag, den 23.10.2006 [20:32]
Gestern noch auf dem Schulterblatt auf einen Wein: das Rad an einem Verkehrsschild (im Bild ganz vorne) angeschlossen, dann fiel es um. Naja, kann ich ja später aufheben. Als die Karaffe während eines angeregten Gespräches – im immer noch erträglichen Außenbereich – getrunken war und wir uns umblickten, war das Longus-Shimano weg. Schon standen da ein paar Rumhängtypen (neudeustch Chiller), die den Hergang schilderten: „ Ja das waren ein paar Roma mit einem ein weißen VW-Caddy, die haben das Rad aufgeladen.“ Dann waren es ein paar Linke Typen, die eh nur klauen. Es klang fast so, als ob sie es selber waren. Fragten noch, ob das Rad gestohlen oder gekauft war und riefen gleich die Polizei. Offenbar haben die nicht was von Raddiebstahl, sondern was von Ärger aufm Schulterblatt erzählt. Ansonsten wäre nicht das passiert, was nun kam:

Wie aus dem Nichts auftauchend stand eine Zivilfrau mit einem Polizeidienstausweis an einem Keyholder auf ihrem Dienstbusen baumelnd da. Was ist das nur wieder für ein Trickbetrug?! Dann kamen auch noch zwei blaue Polizeiwagen und plötzlich waren wir von zehn dunkelblauen Beamten umstellt. Ja, ich solle zur Wache gehen und eine Anzeige machen. Was denn sonst – was das nur soll?

Wenn es denn mit dem Caddy stimmt , ist es schon extrem dreist, dort einfach vor den Augen von zig Plazzabesuchern einfach Räder aufzuladen und fortzufahren. Sich auf eines draufzuschwingen und einfach losfahren, wäre noch ein anderer Schnack. Das war entweder ein Riesenzufall oder die Roma(?) scannen dort regelmäßig das Schulterblatt ab oder werden per Händi von Helfershelfern gerufen. Jedenfalls scheint die Polizei am Neuen Pferdemarkt auf dem Auge taub zu sein. Oder kriegen die das nicht mit, wenn dort regelmäßig „abgeerntet“ wird?

In Hamburg leben offiziell (sagen wir mal) „russisch sprechende Menschen“. Das ist natürlich ein Wacjstumsmarkt für alles Mögliche. In Kiev gibt es eine sehr ¬erfolgreiche Disko auf dem Kreschtschatik, der größten und bekanntesten Straße in der ukrainischen Hauptstadt.

dock.com.ua

Also die Webseite für das ukraïnische Ding ist schon mal nett gestaltet. Der Rest ist ein wenig dünn. Eine Russendiskowebseite für den norddeutschen Raum, da steckt Potential drin. Wäre das nicht was für unsere Mitbürger aus Kiev, Uljanovsk und St.Petersburg?
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