Rainers Horen
Sonnabend, den 16.12.2006 [13:36]
Auch eine schöne Aufgabe an einem kalten, verregneten Sonnabend in Hamburg. Für viele anspruchsvollere Webanwendungen wäre es sinnvoll, kleine Elemente (wie beispielsweise Sinnbilder) auf einer Landkarte plazieren zu können. Oftmals wären das dann Intra- oder Extranetanwendungen zur Verwaltung von internen Daten. Also ran und die kleinen Bildchen mal auf die Karte des ehemaligen Großreiches ziehen.
Geht doch! Wie zu erwarten, kann man fehlplazierte Symbole im Mülleimer entsorgen. Allerdings geht das alles nur, wenn Cookies und JavaScript eingeschaltet ist. Ohne Cookies werden sie die Position nicht gemerkt und man kann nur ein Teil schieben.

Weitere Anwendungen? Wie wäre es mit einem Pizzaeditor©, mit dessen Hilfe der hungrige und aber auch kreative Pizzabesteller, seine italienische Schnellmahlzeit selber belegen kann. Ebenso denkbar sind Gewinn- oder überhaupt Spiele. Ein Füllhorn von Anwendungen tut sich auf!

Im Radio läuft gerade ein ¬bemerkswertes Feature über die Liebesgeschichte zwischen Eugen und Rosa Leviné. Die beiden waren politische Größen der Münchner Räterepublik. Ist gut gemacht. Das Ganze läuft so eingepackt, als ob ein Filmemacher mit der gealterten Witteb in London über das (fiktive) Drehbuch spricht. So entstehen zwei Handlungsebenen, wobei die eine real und die andere fiktiv ist. Abgesehen von der ganzen politischen Ebene, die zu vergessen droht, hat das Feature eine bemerkenswerte Komponente — das Wechselspiel zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Rosa befragt, wie sie sich in Eugen verliebte, sagte: „Ja, wir sahen uns und uns war in dem Moment klar, wir gehören zusammen.“ Der Filmemacher: „Das geht überhaupt nicht, dann wäre der Film ja jetzt zu Ende! Ist es nicht so, dass es da bis zum glücklichen Ende Widrigkeiten, Zweifel, Missversändnisse, Rückschläge und Hoffnungen gibt?“

Prägen solche medialen Erfahrungen nicht unser aller Denken? Jetzt kommt eine gewagte Theorie: die Bindungsunfähgigkeit in unserer Zeit hat auch die Ursache im falschen Romantikverständnis. Ist es nicht auch so, dass es Scheidungen erst seit dem in die Welt gebrachte Mem der Liebesheirat gibt, also seit Hölderlin und Novalis? Es ist wohl der Preis der Liebe.
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Freitag, den 15.12.2006 [23:34]
In Fortsetzung der gestrigen Fingerübungen am iBook ist heute das Thema Ausschneiden von Bildern angesagt. Schlimm genug, wenn man derartige Teile erklären muss: aber nun denn. Man nehme die Maus und markiere auf die übliche Weise einen Bildausschnitt. Das war es.

Nun mag es allerblutigste Frischlinge geben und da sei für diese Bevölkerungsgruppe das Ganze nochmals step-by-step/???-?-?????: Die Maus auf dem Bild vom Horistenschreibtisch auf den linken, oberen Punkt des gedachten Ausschnitts lenken, Maustaste drücken (Windowsgläubige: die linke), den Finger belassen und nun mit gedrückter Maus zum rechten, unteren Punk des Rechtecks lenken und dort loslassen.
Wie funktioniert das? Der Oberfächenkram ist mit einer Javascript-Bibliothek realisiert, die auf prototype.js und scriptacolo.us basiert und das eigentliche Zerschneiden übernimmt das Schweizermesser convert von ¬ImageMagick. Mehr wird nicht verraten. Wir leben auschließlich vom Geldverdienen… Ach ja, eine Tagesvision bleibt. Nett wäre es auch, kleine Symbole auf (Land-)Karten plazieren zu können. Mal sehen, vielleicht hat sich das ein Erdlinghirn schon ausgedacht.

Gerade die U3, die Ringbahn in Hamburg, ist immer sehr multikulturell, seit einiger Zeit etwas russischlastig. Gestern drang da ans Ohr: ? ???? ???? ???????, ????? ??????. Auf Deutsch heisst das in etwa: „Habe wenig Zeit, der Zug kommt“. Teutonenohren, die etwas Russisch können, denken sich: naja ist eben so ein Spruch, der Unlust auf Gesprächstfortsetzung signalisiert. Denkste! Die Bedeutung ist in etwa die deutsche Torschlußpanik. So leicht könne Irrtümer entstehen.
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Donnerstag, den 14.12.2006 [22:30]
Heutige Tagesaufgabe (neben Geld verdienen): mal schauen, was mit Web2.0 so mit rudimentärer Bildverarbeitung geht. Wie in dem kleinen Demo ersichtlich, geht quasi alles, wovon der Kaiser träumte. Also einfach mal mit der Maus über das mittlere Originalbild laufen… Es sind die üblichen Bildmanipulationen, die eigentlich all die quietschbunten Programme können, die den Digibums beiliegen — und das will schon was heißen!

Tja, was soll der ganze Spielkram? Es gibt so Netzgemeinen, in denen man/frau verschiedenste Ziele verfolgen. Da werden Bilder hochgeladen, die vorher eingescannt wurden. Je nachdem, wie die Vorlage auf der Glasplatte lag, schaut einen nun das höffentlich freundliche, verschmitzt lächelnde Gesicht an oder es liegt beispielsweise quer und der Betrachter muß Notebook oder Kopf drehen. Gut, jetzt könnte man das Konterfei nochmals (gedreht) einlesen, aber entweder ist da noch keiner/keine drauf gekommen oder die Faulheit siegt – immerhin gibt es vier Möglichkeiten…

Also wer das Photo im Scanner nicht drehen kann, der ist auch zu dusselig, das in einem der vielen Postscannprogrammen zu tun. Und nun schlägt unsere Stunde. Resultat ist obiges Werkzeug.
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Mittwoch, den 13.12.2006 [21:49]
Heute wäre also der Ehrentag für die Jung- und Thälmannpioniere – der Pioniergeburtstag. Das war der Moment im Jahreskreis, an dem das frisch gebügelte Halstuch angelegt wurde und wir an das Gebot erinnert wurden „Wir Jungpioniere treiben Sport und halten unseren Körper sauber und gesund.“ Nun soll aber Individualhygiene und Sportlichkeit im Sinne von Jahnschen Leibesübungen nicht das Tagesthema sein.

Auch wenn es sich noch nicht rumgesprochen hat: das einfache Eingabefeld aus der Zeit des Webholozän (kontakten Sie uns!) ist langsam passé. Da geht doch was! Was gibt es für Alternativen? Moderne Browser lassen sich beispielsweise in den Wysiwyg-Mode schalten. Dann entsteht eine Eingabemöglichkeit wie in untiger Demonstration. Das gezeigte Beispiel ist nur die Minimalveriante der sehr umfänglich konfigurierbaren Knopfleiste. In der ¬vollausgestatteten Version sind da vier Knopfreihen mit mehr Möglichkeiten als in MS-Word hingepackt — und das will schon was heißen… Da steckt auch gleich das Kardinalproblem begraben.

Dem Tipper steht zwar ein Füllhorn von Formatierungsmöglichkeiten zu Verfügung, aber das einheitliche Design einer Webseite ist womöglich nicht gewährleistet. In einem Redaktionssystem ist es besser, Systeme einzusetzen, die der Wiki-Philosophie folgen. Unten ist ein Beispiel angefügt. Obiges Eingabefeld ist hervorragend für Selbstdarstellungen in Singlebörsen geeignet, wo es auf Einheitlichkeit des Erscheinungsbildes nun wirklich nicht ankommt und sich jeder blamieren kann wie er oder sie möchte. ;-))

Mit obigem Eingabewerkzeug kann man „nur“ Texte mit Multimediaelementen eingeben. Diese Elemente erscheinen in hier in der Eingabemaske in einer angepassten Wiki-Syntax. Im Browser erscheinen im Redaktionsmodus kleine Symbole , bei deren Anklicken sich kleine Uploadfenster zeigen — und schon ist das Bild, die Diashow, das PDF-Dokument oder der Film auf der Webseite. Die Eingabemaske lässt sich dann projektabhängig anpassen. Die eingebetteten Elemente werden entsprechend gerendert.
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Montag, den 11.12.2006 [13:14]
Neue Woche — neues Glück! Mittlerweile laufen die Geschäfte prächtig. Also wenn Kunde mit Auftrag drohen würde, das gäbe ein Problem: entweder sind wir eben bis zum Osterfest ausgebucht oder wir stellen noch mehr Leute ein. Allerdings ist der Arbeitsmarkt so gut wie ausgefegt. Wirklich gute Leute (Praktikanten) sind kaum noch zu bekommen… Es ist der Aufschwung, auf den wir Deutsche so lange warten mussten. Was haben uns die „Kommunisten“ alles eingeredet: auf jedem Parteitag wurde ein neuer Schritt postuliert. Begonnen hat der Spitzbart mit dem planmäßigen Aufbau der Grundlagen des Sozialismus. Je mehr Jahre ins Land gingen, um so flacher wurden die Stufen. Zum Schluß waren die Stufen kaum noch unterscheidbar. Offenbar waren wir kurz vor dem endgültigen Sieg. Vierzig Jahre sind ja auch eine lange Zeit.
Offenbar standen 17 Millionen Deutsche kurz vor dem endgültigen Sieg über das Schlechte im Menschen und kurz vor dem Arbeiter- und Bauernparadies, da kamen ein paar Wankelmütige und riefen: „Wir sind das Volk“ und „Her mit der D.Mark“ und schwupps waren vierzig Jahre Entbehrung, Vorfreude und Klassenkampf vergebens. Was haben wir nur alles auf uns genommen! Naja und jetzt müssten wir wieder 40 Jahre an uns arbeiten und die inneren Feinde bekämpfen — wenn wir das wollten.

Aber jetzt haben wir eine Kanzlerin und ehemalige FDJ-Sekretärin und die wird es schaffen. Ist schon erstaunlich, dass es eine junge, protestantische Frau geschafft hat, die katholische Altherrenriege zu „besiegen“. Vielleicht ist es ihr Art, so brav zu schauen, dass sie oft unterschätzt wird — so wie der illegitime Sohn eines Schreiners aus Nazareth, der auf nebigem Bild dem großen Weltenlenker von der Lena seine Stigmata zeigt. Die Globalisierung fordert die Lösung geradezu heraus: die Mobilität. Das Kapital ist geil wie ein Bock und scheu wie ein Reh.

Ein Fliege schwirrt kreuz und quer durch den Hamburger Hauptbahnhof. Sie kommt an den Restmülleimern von Mövenpick vorbei, an den Pissbecken im Männerklo und plötzlich ist auf Bahnsteig 12, dort wo die Reisenden hastig zu den Fernbahnen Richtung Süden eilen. Da wird unvermittelt der ICE577 aus Altona mit Fahrziel Milano Einfahrt angekündigt. Fast lautlos gleitet die Hoffnungstechnologie Deutschlands in den Glaspalast mit angeschlossenem Gastroparadies ein. Instinktiv fliegt das Kerbtier mit schlechtem Leumunde geradewegs im Bahnsteigbereich B/C umher, dort wo immer der MITROPA-Waggon zwischen 1. Klasse und dem Waggon 9 (reserviert für Poweruser und deshalb imm noch frei) eingestellt ist. Die Türen öffnen sich mit einem stöhnenden Geräusch und die Fliege lässt sich nichtsahnend hineintreiben. Die Türen schließen sich unvermittelt — die Fliege denkt sich nichts dabei. Während der mehrstündigen Bahnfahrt schwirrt sie zwischen 1. und 2. Klasse, auf der Höhe Kassel schnuppert sie am Schlitz des Behindertenklos und in München-Pasing fliegt sie grundlos wieder raus. Sie bemerkt nicht einmal den Ortswechsel und lebt ihr schnödes Leben einfach weiter. Das ist Mobilität, die sich unsere Politiker vorstellen. Jetzt wird es klar: Partnerschaft oder gar Familie sind in diese Modell nur im Wege, sie bremsen globale Beweglichkeit nur ein.
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