Rainers Horen
Sonntag, den 14.01.2007 [22:33]
Für einen Einzelkämpfer, der natürlich auch schon wieder von der im nach neuen Themen geifernden Journallie als „digitaler Bohemien“ schubladisiert wird, ist auch der Sonntag nicht wirklich heilig. Schlimmer noch: diese Haitecknomaden zerstören den letzten Rest der niemals vorhandenen, deutschen Kaffeehauskultur. Setzen die sich alleine an einen Tisch, klappen ihr Ding auf, stöpseln sich virtuell in Funknetze ein und bestellen sehr selten mal einen Galão, oder wie auch immer mittlerweile diese coffeinhaltigen Heißgetränke gelabelt werden.

Holm Friebe und Sascha Lobo steigern sich in ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit“ zu der Selbstaussage: sich dazu entschlossen haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, dabei die Segnungen der Technologie herzlich umarmen und die neusten Kommunikationstechnologien dazu nutzen, ihre Handlungsspielräume zu erweitern.

Naja und deswegen habe die Worte Feierabend/ Urlaub/Rente rapide an Bedeutung verloren und da sitzt man nun am Sonntagnachmittag, an dem sich die Angestellten gegenseitig mit Kuchen und selbstgebauter Torte besuchen, und baut echtzeitige ¬Messekalender und inhaltsschwere ¬Glossare. Große Suchmaschinen brauchen ja immer wieder Futter für ihre Indizes und da helfen wir doch gerne.
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Sonnabend, den 13.01.2007 [22:12]
Die gestrige dilettantische Vorleseübung zeigte, wie schwierig das sich so einfach Anzuhörende ist. Das perfekte Anzusehende ist wohl auch das am schwierigsten zu Erreichende. Einer grazil dahinschwirrenden Eistänzerin nimmt wohl jeder ab, dass die Leichtigkeit der Vorstellung nicht das Ergebnis genetischer Veranlagung, sondern Endpunkt eines harten Trainings ist.

Dieser Zusammenhang zwischen Aufwand und Ergebnis wie er im Eiskunslauf jedem klar ist, hat sich noch nicht in allen Gewerken durchgesetzt. Insbesondere wird den Branchen die Qualifikation abgesprochen, die entweder etwas betreiben, was scheinbar jeder selber machen kann oder wo sich keine Standesrecht oder eine Zunftordnung durchgesetzt hat. In letzteren Bereichen (Jura und Medizin) wird niemand behaupten, „da frage ich mal meine Nachbarin, die guckt immer Emergency Room, die wird wissen, warum es mir immer so zwickt.

Die Akzeptanz einer professioneller Dienstleistung sinkt auch mit der Verfügbarkeit technischer Hilfsmittel, die Ersatz verspechen. So hat spätestens das Aufkommen von Digicams den Beruf des Photographen in den Köpfen der Mehrheit fragwürdig gemacht. Wie viele grauenhafte Flyer werden mit Word entworfen? Und die wenigsten merken es.

Auch Webdesign ist Opfer dieser Bewegung. Viele Produkte machen sie ¬anheischig, wunderbare, professionelle Webseiten ohne jegliche Eigenqualifiaktion zu bauen. Womit andere ihr Geld verdienen, ist somit für andere ein Spiel in der Mittagspause.

Und so ist es auch beim Sprecherberuf. Es ist das Dilemma aller Berufe, deren Hauptgegenstand scheinbar jeder kann, hat er nur das rechte Werkzeug. Die moderne Technik suggeriert erfolgreich und der Qualitätstandard (hier richtig geschrieben) fällt ins Bodenlose. Man sehe sich nur mal Knipsprodukte auf Digicamchips an…

Mit hoffentlich mehr Konzentration wird die Lesung heute fortgesetzt. ?s ist d?s zw?it? K??it?l d?s mikr?sk??is?h?n R?m?ns v?m S?h?tt?n d?s Kör??rs d?s Kuts?h?rs. Der Ich-Erzähler überlässt das stille Örtchen dem „Schneider“, trifft Herrn Schnee, sieht flüchtig die Wirtsfamilie und erklimmt die Treppe zu seiner Kammer unter dem Dach.
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Freitag, den 12.01.2007 [20:33]
Wie immer brandaktuell und ambitioniert gibt es hier die neues Eindrücke vom Hochwasser vom Hamburger Fischmarkt:


Vielen Dank an André und ¬null311 für die Überlassung der Bildrechte. Es sieht ja wirklich dramatisch aus und aus einer gewissen Entfernung vom Geschehen (TV) entsteht sicher der Eindruck, in ganz Hamburg ist landunter. Es betrifft aber nur telegenerweise die elbenahen Gebiete am Hafen. Schon in Eimsbüttel oder in Winterhude bekäme man davon nichts mit –hätte man keine modernen Geräte zu stehen. Und in Pinneberg oder Tornesch ist es genau so trocken wie in München.

Gerade vom großen Philosophen aus Weimar und Sils-Maria, der auch einer gewissen Cosma zugetan war, vom direkten Zusammenhang zwischen Luftfeuchtigkeit und seelischem Wohlbefinden erfahren. Erschildert es recht drastisch und lässt kein gutes Haar an Naumburg, Weimar und Schulpforta. Dieses Klima bringe nur verstockte Kleingeister hervor. Nun wissen wir es.

Heute haben wir uns mal aus purer Lust als Vorleser probiert. „Der Schatten des Körpers des Kutschers“ ist ja nun wirklich auch eine Herausforderung…
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Donnerstag, den 11.01.2007 [20:11]
??ut? si?ht di? ?r?gr?mmi?rfing?rübung ?uf d?n ?rst?n ?li?k r??ht sinnfr?i ?us. J?d?r ??xt, d?r links ?ing?g?b?n wird, ?rs?h?int s?h?inb?r id?ntis?h in d?r r??ht?n ??x. In W?hrh?it w?rd?n in d?r r??ht?n ??x ?ll? mögli?h?n Z?i?h?n dur?h ihr? k?rillis?h?n ??nd?nts ?usg?t?us?ht (s?f?rn ?s g?ht). Es gibt Menschen, die wollen Textpassagen vor Google verstecken. Das könnten Eigennamen oder andere versteckenswerte Details sein Mit diesem kleinen Tool ist eine Konvertierung leicht möglich. Einfach links den Text reinwerfen und dann von rechts in die Zwischenablage kopieren.
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Mittwoch, den 10.01.2007 [22:07]
Fragt man einen Sack voller Frauen (oder auch Männer) beliebigen Alters nach der Vorstellung zu einem Traummanne, dann steht als erster Punkt auf der Wunschliste: „witzig muss er sein.“. In welcher Welt Leben wir und was hat das zu bedeuten?

Also entweder es heisst tatsächlich witzig im Sinne von immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Die wenigsten Witzbolde sind auf Dauer zu ertragen. Selbst Harry Rowohlt wird spätestens nach dem zweiten Abend langweilig, da man dann alle Sprüche kennt. Da hilft auch nicht der exzessive Whiskeygenuss des Vortragenden.

Witzigkeit ist also offenbar nicht im eigentlichen Sinne gemeint. Was nun – welche Charaktereigenschaft ist so erstrebenswert,. dass sie auf so vielen Wunschlisten steht? Witz heisst im weiteren Sinne ja auch Souveränität im Umgang mit einer Situation. Also, ein königlicher Narr geht nie in die in Sachebene, er steht darüber und amüsiert sich. Er ist wortgewandt und schlagfertig. Als wir noch in Höhlen schliefen, dann war es wichtig körperlich fit zu sein. Nur so war die Wahrscheinlichkeit des Überlebens groß. Das Problem hat sich verschoben: jetzt sind andere Eigenschaften gefragt. Es kommt selten vor, dass wir vor einer Großkatze davonlaufen müssen. In den Siebzigern war man King, wenn man göttlich Gitarre spielen konnte. und nun – zu Beginn des 21. Jahrhunderts? Muss ein begehrenswerter Mann nun witzig und schlagfertig wie Stephan raab und Konsorten ein? Ist das eine Folge der Blödel-Dauerberieslung durch die Glotze &ndash, werdn dadurch tatsächlich Maßstäbe geformt? Früher, in der Zeit vor Kino und TV, da wurde das Bild, das man von anderen Menschen hatte, durch unmittelbare Kontakte geprägt. Das kann auch schon zu Melancholie führen, da ja jeder von sich ein tolles Außenbild entwirft und mehr oder weniger überzeigend realisiert. Dieser Widerspruch aus eigener Wahrnehmung und Selbstbild kann schon in diesem realistischem Umfeld zu Zwangsgrübelei führen.

Wir leben seit einigen Jahren in einem völlig neuen Umfeld. Viele ZeitgenossInnen sitzen viele Stunden und schauen in eine Richtung. Es kann sein, dass mittlerweile von dort mehr Impulse als aus der 3D-Welt in unserem Gehirn ankommen. Die Selbstdarstellung in diesen Menschenzirkus (gerade in unserer Übertrumpfungsgesellschaft) ist natürlich absolut perfektioniert. Das betrifft schon das Äußere der Agierenden und gar erst die Gesprächsfäden, die von Dutzenden Teams billigst bezahlter Drehbuchschreiber täglich im Schaffensrausch fabriziert werden. In diesen Machwerken ist jeder Dialog spritzig, niemand ist bei der Beantwortung igendeiner Frage oder Frotzelung verlegen. Was muss das für Gefühle auslösen?

So, wenn ich also selber mit der Gesamtsituation unzufrieden bin, dann suche ich mir einen witzigen Partner, der kompensiert.

Oder: ich denke von mir ich sei kompliziert, komisch und „unnormal“. dann heisst witzig/humorig, das Gegenüber hat soviel Humor (Toleranz), das er mich erträgt – also mehr die passive Variante.

Ecce Homo von Nietzsche erwähnt mal die Worte „heiter“ und „wohlgemut“. Kann das einfach nur mit der Verarmung der deutschen Sprache zusammenhängen? Witz ist also nur eine zusammenfassende Bezeichnung obiger Begriffe aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, denn Heiterkeit und Wohlmut ist doch das, was wir alle wolen. Eine gewisse Leichtigkeit des Seins. Witz ist somit nicht eine neues Bedürfnis, das nach sozialer Sicherheit kommt, sondern heisst soziale Sicherheit.
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Dienstag, den 09.01.2007 [00:50]
Immer wieder liest oder hört man „Tatsachen“, die schlichtweg nicht stimmen. Da wurde Sansibar gegen Helgoland eingetauscht oder (auch nicht schlecht) Thüringen gegen Westberlin. Einen wahren Kern habe solche Aussagen schon. Thüringen ist von den Amerikanern befreit worden, hatte 12 Wochen eine US-Militärregierung und wurde später russifiziert. Das hat aber nichts mit (West-)Berlin zu tun, sondern in Jalta wurde unabhängig vom Kriegsausgang die Aufteilung in die Besatzungszonen festgelegt. Sansibar war nie deutsche Kolonie – sondern das Reich pachtete 1888 den südlichen Küstenstreifen. Bismarck heckte dann den Sansibarvertrag aus, der aber mit diesen Inselgebieten nichts zu tun hatte.

Was ist nun Wahrheit? Ist es das was alle behauptet. Oft gehört und gern geglaubt.. Wenn der Letzte, der noch die „Wahrheit“ kennt, noch eine Lobby hat oder dafür erfolgreich kämpft, gibt es sie noch. Danach gilt die neue „Wahrheit“. Ist so der Jesus-Mythos entstanden – also die Geschichte von dem Typen, der das Leben bis zu seinem 30. Geburtstag nicht meistern konnte und dann genau das Scheitern zum Thema gemacht hat?

Und schon wieder ist der Heiland vor dem Vergessen gerettet wurden.


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Montag, den 08.01.2007 [18:07]
Willkommen in der 2. Woche des Jahres. Ob diese äthiopische Schreibmaschine den Wettbewerb der Sinnlosigkeit gewinnt?
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