Rainers Horen
Sonnabend, den 03.02.2007 [08:32]
Die Beschäftigung mit dieser Weltsimulation erzeugt bisher nur unangenehme Gefühle und sie halten an. Es scheint ein übersteigertes, extrahiertes Abbild unseren realen Lebens zu sein. Von der Stimmung hat es was von Kubins Anderen Seite. Damals vor 100 Jahren war der Roman mit seinen düsteren Zeichnungen das Antibild einer Zukunftsvision.
Auch klingt etwas von David Cronenbergs eXistenZ! mit rein.

Letztlich ist es vom Ansatz her eine kommunistische Gesellschaft. Jeder, der dort lebt, ist versorgt mit den existentiellen Notwendigkeiten: warm-satt-trocken. Man hat keinen Hunger und braucht keine Wohnung – mehr noch, es gibt keine Kranken und Alte. Alle sind im richtigen Alter und perfekte Konsumenten. Aber statt sich diese Menschen ausruhen, künstlern, philosophieren oder irgend etwas Gescheites tun geiern alle danach, Geld zu verdienen.

Ganze Heerscharen von Soziologen und Psychologen könnten darüber ihren Doktor machen. Es ist wohl zum einen die unbändige Langeweile, wenn eben für alles gesorgt is, aber entscheident ist die Eitelkeit. In der Grundausstattung sieht man recht fad aus, zumindest in den Augen der anderen, die schon Geld für die Aufwertung ihres Äußeren ausgegeben haben. Man wird regelrecht angepöbelt: wie siehtst denn Du aus!. So bewahrheitet sich Voltaires Spruch. Er meinte, es gäbe keine Hölle, sondern sie ist hienieden. Wir sind zugleich die kleinen Teufel, aber auch die gepiesackten Seelen.

Es gibt auch Lichtblicke. Heute einen netten Plausch vor einem Pariser Café gehabt. erstaunlich, wie Franzosen heutzutage sprechen bzw. tippen.
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Freitag, den 02.02.2007 [12:23]
Endlich gibt es eine noch effizientere Variante wie wir mit der durch die verbesserte Medizin geschenkten Lebenszeit umgehen können. Bis dato mussten wir stundenlang in unseren Stuben in eine Richtung schauen – so war das jahrelang. Im schwarz/weißen Osten waren wir anfangs froh, wenn das Bild nicht permanent durchlief, kippte oder von russischen Sprechfunkattacken unterbrochen wurde. Seit einiger Zeit können wir auch interaktiv 47¢ zu beliebigen Zeitpunkten einwerfen. Als ob das nicht schon genug wäre, gibt es jetzt etwas grundsätzlich Neues – gewissermaßen ein Paradigmenwechsel.

SecondLife heißt die Erlösung. Einmal angefangen, erscheint die realen Welt (RL) langweilig und nebensächlich.

Was geht? Man gibt sich einen Namen (beispielsweise Rainer Jacobus) und nun kann man mit tausenden Schieberegler sein Aussehen einstellen. Das geht über Gesicht, Körper, Klamotten usw. Eine gewisse Eitelkeit spielt da natürlich auch eine Rolle. Und nun geht es los in das bunte Leben. Man trifft Leute, kann die anreden oder sich einfach nur hinsetzen und den feingeistigen Gesprächen der Anderen zuhören. Letztlich ist das nur ein riesengroßer Chatraum (Schwätzkischtle), den man auch selber gestalten kann. Man kauft also einen Ort und kann ihn gestalten. Das ist wie Modelleisenbahn, nur dass man dann selber auf der Anlage rumläuft. Hätten wir also Zeit übrig, könnten wir uns ein Areal kaufen und dann komplett den Hamburger Stadtpark, einschließllich Schumachers Biergarten, dem Lesecafé und der großen Grillwiese gestalten.

Obwohl das wohl eine internationale Veranstaltung ist, waren gestern fast nur Deutsche unterwegs. Wie dort erfahren, war am 31. Jänner eine entsprechende Sendung im stern-TV. Das erklärt es.

In der kostenlosen Variante sieht man selber nur recht gewöhnlich aus. Sogleich wurden wir angesprochen: Und so traust Du Dich rumzulaufen?. Klar für Geld – und da meine ich das richtige Geld, das man nicht dort verdient – da geht dann alles. Man kann auch ein Geschäft kaufen, es ausstatten und dann dort an andere Deppen was verkaufen. Ist schon faszinierend…

Nach einigen Stunden in dieser Welt schwant mir eine Wiederholung der Webgeschichte. Am Anfang war es eine Spielwiese für technikverliebte Männer, dann ein Tobeplatz für creative Grafikerinnen und seit einger Zeit Profitquelle ansonsten erfolgsarmer Advokaten. Laut Meldung im heise-Ticker hat man es jetzt auf eMails abgesehen, die keine Handelsregisternummer haben. Oh, was da so geht!

Und nun SecondLife – was da pfiffige Rechtsspezies abmahnen könnten…

Sex im 2tLeben

Das verdoppelt sofort das abarbeitbare Auftragsvolumen und schreit nun wirklich nach Serienbrief. Schon im Biergarten sind viele Abmahnbriefe mit strafbewertbarer Unterlassungserklärung formulierbar. Da wird GEMA-Musik abgespielt, es werden Marken von deutschen Brauereien genannt und und und. Der richtige Anfang wäre das Versenden das Abmahnen innerhalb des 2tenLebens. Schon mal zum üben. Der nächsten, lukrativere Schritt ist dann das echte Abmahnen vom 1. in das 2.
Leben.

Klingt absurd und skurril? Dachten wir vor zehn Jahren sicher auch über denkbare und heutzutage allfällige Machenschaften im Netz.
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Mittwoch, den 31.01.2007 [17:03]
Heute war nun Chinatag im Büro. Ende Februar wird es eine nette Veranstaltung mit der Überschrift „Souveränes Handeln mit lächelnder List“ in unserem Hause geben und in dem Zusammenhang wird die Hausseite wieder einmal auf Vordermann gebracht.

Die chinesischen Texte hat eine externe Kraft in das Redaktionssystem MuLI*CMS eingepflegt. Da klappt soweit störungsfrei. Die Navigation wird wegen der Ästhetik graphisch gestaltet und in dem Zusammenhang muss mit Hilfe der gdlib chinesischer Text generiert werden. Plötzlich tauchen Einrückungen auf, die so nicht sein dürfen. Bis man dann zum Kernproblem vorstößt vergeht so seine Zeit. Der Übertäter ist Word, der so Zeichenfolgen wie %C2%A0%C2%A0 und das BOM reinmogelt. Ersteres ist ein geschützter Zwischenraum und BOM ist die Markierung für UTF-Codierungen. Leider muß man sich mit den Mühen dieser Ebene beschäftigen, wenn man eine Sache richtig machen will.
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Dienstag, den 30.01.2007 [08:59]
„Alle sind irre. Aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt.“ so bemerkte einmal Ambrose Bierce – eine Persönlichkeit, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. Wen es interessiert, wird sicherlich in einer größeren Suchmaschine fündig.

Apropos Suchmaschinen: es soll da bad boys geben, die sich einfach rotzfrech Bilder aus dem Netz „besorgen“. Mit folgendem Werkzeug kann man zumindest die Hemmschwelle für diese frevelhaften Taten erhöhen.

Aber will man das wirklich? Sind anwaltliche Abmahnungen nicht lukrativer? Sie bringen zwar keine Ehre, aber dafür gutes Geld ein.

Schon Arno Schmidt hat in seinem Schwarzen Spiegel dem fast einzig Überlebenden des fiktiven III. Weltkrieges, als er stöbernd im Kreis Fallingbostel rumstreicht, sagen lassen: „Das das Pack weg ist...um die ist es wirklich nicht schade“

Diese üble Meinung vom Advokatenvolk haben natürlich nur diejenigen Zeitgenossen, die nicht erahnen, wie aufwändig und stressig dieser verantwortungsvolle Beruf ist. Nicht nur, dass man im Gegensatz zu vielen anderen Jobs verdammt viel lernen muss – dann muss man sich auch noch diesen Schmähungen der Laien aussetzen, die sich dünken alles besser zu wissen. Ach, die staunen dann nicht schlecht, wenn sie zum ersten Mal im Leben so einen sie betreffenden (anklagenden) Juristentext lesen; dann schreien sie sofort nach einem Profi, der ihnen beisteht.

Da sitzt nun die Heerschar der Vorzimmerdamen (Vozidas) nach getaner Kontors-Arbeit und freuen sich auf die genußvolle Abwechslung. Im weltstädtischen Hamburg gibt es verdammt viele große Hotels — und da meinen wir die wirklichen Hotels – nicht das „Hotel“ Alt Hamburg am Hans-Albers-Platz. Da nun Sekretärinnen in diesem Geschäft gewissermaßen „Entscheiderinnen“ darstellen, werden sie regelmäßig korrumpiert. So gibt es regelmäßig in Hamburg Parties, die von der Hotelbranche ausgerichtet, sich allgemeiner Beliebtheit gerade in dieser Berufsgruppe erfreut. Also heute wieder im Kehrwieder 2, direkt neben dem Dungeon. So sitzen sie Reih in Reih, die meisten haben sich hübsch gemacht (soweit der Spielraum vorhanden nichts) und trotz aller Diätschwüre wird nun richtig reingehauen. Klar, die Dicksten essen wieder am meisten und haben die dicksten Händies.

Die meisten Damen sind geschäftsmäßg in nette Kostümchen gekleidet – also voll sexy (falls man auf so etwas stehen sollte). Händies werden regelmäßig/nervös auf- und zugeklappt. Einige Sekretärinnen haben tatsächlich keck die Blusenknöpfe so weit geöffnet, dass es gerade noch anständig erscheinen muss. Da aber bis auf den Protokollanten nur das Personal teilweise männlich ist, hat das etwas von vergeblicher Liebesmüh. Wir wissen und oft gehört: „Ich mache das nur für mich!“

Die Altersstruktur ist nicht ausgewogen. Fast alle Frauenzimmer sind um die 30 und ganz vereinzelte sind über 50. Dazwischen ist nichts zu sichten. Ist das nun repräsentativ für diesen Berufsstand? Das hieße doch eine Sekretärin wird allfällig (vom Chef) weggeheiratet, wenn sie nur lange genug im Vorzimmer sitzt und einige wenige kommen im kanonischen Alter reumütig zur Schreibmaschine zurück – vielleicht weil der Gatte sich verbessern konnte?
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