Rainers Horen
Sonntag, den 11.02.2007 [07:48]
Hurra, nun sehen wir im 1tenLeben ganz ähnlich wie in der Virtualität aus. Großen Dank an Aggi Fitzgerald!

Der mieswettrige Sonnabend und langweilige Sonntag hat folgende neue Version der amharischen Schreibmaschine hervorgebracht. Die Ausgabe erfolgt entweder textuell (falls die Schriftfamilie geladen ist, was unwahrscheinlich ist) oder graphisch. Dann kann man aus einer Liste von gemeinfreien Fonts wählen. Besonders eindrucksvoll ist die Schrift Goffer.Auch hier werden teilweise Fragezeichen zu sehen sein, da nicht jedem Rechner äthiopische Schrift geschenkt wurde. Heute wäre mal die Gelegenheit…

Der obligate Link fehlt ganz gewusst. Wie gegoogelt wird, weiss doch heutzutage fast jedes Kind. Doch halt: hier ist mal einen nette ¬Alternative. Die Maschine lässt einen sobald nicht los.
Beitrag kommentieren

Sonnabend, den 10.02.2007 [20:57]
Das gestrige Löwengedicht hat auch typografische Diskussionen ausgelöst. Einige sehen statt des Gedichtes nur Fragezeichen. Für die Darstellung von nichtlateinischen (exakt: nichtromanischen) Texten muss eine entsprechende Schriftart im System vorhanden sein. Bei Tiger™, dem Betriebsystem des Mac, ist das gegeben. Es funktioniert im Auslieferungszustand. Deswegen gibt es auch nur ein Bildschirmfoto für XP. Dort – und auch bei Win2000, NT und Vista ist nur Latein, Kyrillisch, Persisch und Hebräisch vorinstalliert. Um in den Genuss der „exotischeren“ Schriften zu kommen, muß der Administrator in der Systemsteuerung in nebiger Lasche die beiden Häkchen anbringen. Grundsätzlich arbeiten alle modernen Rechner mit Unicode, so dass die Bereitstellung der Unicodefonts (Arial-Uni, Lucida Grande) ausreicht. Fehlt der Font, erscheinen dort die bekannten Fragezeichen. Diese Platzhalter erscheinen auch, wenn der Bytestrom, der da angeliefet wird, nicht den UTF-8-Bildungsregeln entspricht.

Was ist nun wieder UTF-8 – ist das nicht das Gleiche wie Unicode? Ja, fast. Die beiden Begriffe sind so ähnlich wie Masse und Gewicht im deutschen Schau-Dich-schlau-Fernsehen. Wie es sich rumgesprochen hat, gibt es mehr als 26 Buchstaben. Es gibt dann noch die russischen, arabischen, armenischem amharischen… Zeichen. Für den Austausch von Texten wäre es offenbar praktisch eine zweispaltige Liste zu haben, die durchgängig nummeriert ist und in deren rechten Spalte so etwas steht wie lateinischer Buchstabe A oder amharisches Hhaa oder gar chinesisches Ideograph 4711. Das genau ist Unicode – einfach nur eine Vereinbarung, welche Nummer die Zeichen haben. Das hat noch nichts damit zu tun, wie diese Zeichen auf Speichermedien oder in Übertragungskanälen dargestellt werden. Die häufigste Kodierungsvariente ist das besagte UTF-8. In dieser Variante kann ein Zeichen ein, zwei, drei oder vier Byte lang sein. Lateinische Zeichen sind klassischerweise achtbittig, sind bei Kodierungsfehlern die Texte immer noch lesbar. Damit ist eine Abwärtskompatibilität gegeben.

Ältere Rechner wie der klasissche Mac und die Win98-Familie hat da größere Schwierigkeiten. Dort muß man noch die Codepage umschalten, was aber einige Anwendungsprogramme nicht verstehen, so dass man beispielsweise für die Erstellung russischer Publikationen eine russische Variante von QuarkXPress™ braucht. Mehrsprachige Texte sind dann nur mit Tricks möglich.

Obige Überlegungen beziehen sich auf den Weg wie die Texte auf den Bildschirm gelangen. Das hat nichts mit dem Tippen zu tun – also mit der Frage, wie Texte erfasst werden können. Um es gleich vorwegzunehmen, Tastaturaufkleber reichen nicht aus, um den PC zu kyrillisieren. ;-))

Solange die Sprachen eine Buchstabenschrift aufweisen und man die Kommunikation über eine übliche QWERTY-Tastatur abwickeln kann, ist eine kleine „Übersetzungstabelle“ schon die Lösung. Es findet eine 1zu1-Entsprechnung statt. Klickt man also auf einer Tastatur die Taste neben dem Tabulatur und die russische Tabelle wird genutzt, dann interpretiert das der Rechner je nach Stellung der Groß/Kleinschreibung diese Aktion als ? oder als ?. In einem arabischen Umfeld denkt der Rechner über ein ? nach. Die meisten Inder bekommen ein ? und Israelis ein ? auf dem Bildschirm zu sehen.

Viele Schriften sind aber Silbenschriften, bei denen unsere Tastaturen nicht ausreichen. In diesen Fällen führen Buchstabenkombination zum Erfolg. Ist beispilesweise der Katakana-Tastaturtreiber installert, schreibt man die Silben nach gewissen Regeln (meistens Hepburn) aus und der Treiber arbeitet diese Regeln ab und verwandelt wie mit Geisterhand aus Katakana ????. Maximale Kniffligkeit ergeben sich mit ideografischen Schriften wie das chinesische Hánzi oder dem japanischen Kanji, was ja auch nur Chinesisch heißt.

In diesen Sprachraum gibt es verschiedene Eingabemethoden. Prinzipiell werden zwei Extreme abgedeckt. Zum Einen gibt es den Gelegenheitstipper. Da kommt es nicht auf die Schreibgeschwindigkeit an – Hauptsache da geht was. Der Chinese tippt also MA und das Schreibprogramm bietet ihm alle Möglichkeiten an. In einer längeren Liste werden dann alle Worte angezeigt, die entweder wie mà, má, m? oder m? klingen. Ist zwar mühsam, aber zielführend. Für Profis gibt dann eine mühsam zu erlernende, aber zur Laufzeit rasche Schreibmethode. Damit erreicht eine chinesische Schreiberin fast die Geschwindigkeit einer europäischen Tippse. Es gibt die Superturbomethode ¬Wubihua, bei der alle Zeichen mitteln des numerischen Ziffernblocks (und zwar nur mit den Ziffern 1,2 3, 4 und 5) eingegeben werden. Die fünf Ziffern entsprechen den fünf grundsätzlichen Strichen, aus denen jedes chinesisches Zeichen zusammen gesetzt ist. Nehmen wir ? (wèi): Es besteht aus den Strichen ?, ?, ?, ?, und ? und somit ergibt sicher Wubihua-Code 31234. Auch bei dem Verfahren ergeben sich noch Mehrdeutigkeiten und dem Nutzer werden die Auswahlmöglichkeiten präsentiert.

Bei der W?b?zìxíng-Methode (????) ergeben sich nun die prophezeiten, westlichen Geschwindigkeiten. Dieses Verfahren ist rein graphisch und vermeidet das Problem der dialektalen Unterschiede, wie sie bei der Pinyin-Methode auftreten. Andeutungsweise funktioniert das so: „unsere“ Tastatur wird in Bereiche aufgeteilt, die den Grundsymbolen (aus denen die Schriftzeichen bestehe) entsprechen. Das Zeichen wird gewissermaßen stückweise „gemalt“. Für Chinesen ist dann folgendes Layout eine Hilfe:
Für uns weniger.
Beitrag kommentieren

Freitag, den 09.02.2007 [12:21]
Mit diesem Schaubild aus dem Deutschen Hygenieinstitut Dresden wurden bis gestern Tausende von Phonetikstudenten die menschliche Artikulation erklärt. Sicherlich wäre es mal lohnenswert, den Weg dieses Plakates von Dresden nach Hamburg zu verfolgen. Sicherlich ist das Teil noch aus der Nazizeit oder aus der Systemzeit (wie damals die Nazis die Weimarer Republik bezeichneten).

Nochmals was zur Herkunft der Tonaufnahme. Prof. Ternes hat weiland im Rahmen der Emeritierung von Prof. Stock an der Hallenser Uni diesen Vortrag über die Vogelphonetik gehalten. Der damalige live-Mitschnitt wurde gestern nochmals abgespielt und aufgenommen. Die etwas lauteren Passagen sind also der Mitschnitt von damals, die verhalteneren Teile sind aus der Bogenallee in Hamburg. Immer wenn damals Folien gezeigt wurde, hielt die CD an und Ternes legt live die Folien auf. Viel Spaß! Wir erfahen auch, warum sich die gemäßigte Großschreibung nicht durchgesetzt hat. Sätze wie: „Helft den armen vögeln!“, „Er hat liebe genossen.“ oder gar „der gefangene floh“ wäre nicht mehr eindeutig…

Auch im Deutschlandradio ist heute morgen das SecondLife angekommen. Frau Sagenschneider vom Morgenmagazin ¬unterhielt sich und befragte einen wichtigen Mann im Springer-Verlag, der verantwortlich für dieses neue Blatt Avastar ist. Bemerkenswerterweise hat der BILD-Macher nicht einen Gedanken an Technik oder soziologische Phänomene verschwendet. Sein einziges Anliegen war die Vermarktung. Wer hätte das anders erwartet?

Ganz richtig hat der telefonische Studiogast erkannt, worin das riesige Potential liegt. Im bisherigen, alten Web2.0 war das immer mit dem Mikropayment schwierig – da war mal bei BTX oder Datex-J schon mal weiter. Jeder kann bisher alles im Netz nutzen. Auch die Suche bei google oder das Stöbern im Wikipedia ist kostenfrei. Das 2teLeben ist entweder Albtraum oder paradiesische Zukunftsvision — je nach Standpunkt. Hier ist es nun „endlich“ möglich, sich jede Aktion versilbern zu lassen. Man stelle sich nur vor, jeder Gästebucheintrag, jede eMail, jede Suche bei google & Gen. kostet?! Bei den möglichen Aktionen, die per rechter Maustaste (Mac: Apfel+Maus) aufgerufen werden können, ist pay und buy immer an Bord. Schon das kurzfristigen Gründen einer Chatgruppe kostet 100?$, das entspricht einem kleinen Brot im Supermarkt im realen Leben. Oh, die digitale Kluft wächst!
Flash wird benötigt!
Beitrag kommentieren

Donnerstag, den 08.02.2007 [08:41]
Das war nun der letzte phonetische Tag an er Universität in einer Stadt, die das Tor zur Welt darstellen will. Ist eben doch nur das Tor und nicht die Welt.

Die Audiotechnik, die am sprachwissenschaftlichen Institut bis heute verwendet wurde, zeugt von der Nachhaltigkeit und Robustheit der Technik der Siebziger. Wie zu sehen, gab es damals noch magnetische und kristallene Plattenspieler und Endstufentransistoren wurden mit Glimmerscheiben auf die Gehäuserückwand geschraubt.

Und dieser wunderbare Leistungsverstärker wurde heute genutzt, um einige lustige Sachen abzuspielen. Doch zuvor wurden erstmal die begehrten Scheine verteilt. Zur Verabschiedung von Prof. Stock in Halle hielt Ternes einen legendären Vortrag über das phonetische System der deutschen, englischen und russischen Vögel. Im heutigen Klangarchiv liegt aber nicht dieser Mitschnitt (den gibt es nächste Woche), sondern eine kleine Aufgabe, die Ternes lösen sollte und die unsere Taiwankommilitonin mitbrachte. Es geht um eine kleine Geschichte über einen Mann, der zehn Löwenleichen auf dem Markt kaufen wollte, um sie dann in seinem steinernen Haus zu verzehren. Klingt chinesisch obstrus — ist es aber nicht. Die ganze Geschichte besteht nur aus einer Silbe (Shi), die durch die verschiedenen Töne ihre Bedeutung bekommen: also eine Homophonorgie. In Kurzform und in Pinyin geschrieben geht das etwa so:
Sh? Shì shí sh? sh?
Shíshì sh?shì Sh? Shì, shì sh?, shì shí 10 sh?.
Shì shíshí shì shì shì sh?.
10 shí, shì 10 sh? shì shì.
Shì shí, shì Sh? Shì shì shì.
Shì shì shì 10 sh?, shì sh? shì, sh? shì 10 sh? shìshì.
Shì shí shì 10 sh? sh?, shì shíshì.
Shíshì sh?, Shì sh? shì shì shíshì.
Shíshì shì, Shì shí shì shí shì 10 sh?.
Shí shí, sh? shí shì 10 sh?, shí 10 shí sh? sh?.
Shì shì shì shì.



Selbst Chinesen verstehen die Geschichte in der Lautschriftform nicht. Deswegen jetzt nochmals das Gedicht in Hànzi:

???????
??????, ??, ?????
????????
??, ??????
??, ??????
?????, ???, ???????
??????, ????
???, ???????
???, ????????
??, ?????, ??????
?????


Vogelphonetik? Es gibt überall auf der Welt Vogelbestimmungsbücher, in denen der Autor versucht, den Gesang der Vögel mit menschlichen Texten wiederzugeben. Letztlich kann man also daraus eine Phonetik der Vögel ableiten. Interesannterweise singt nun (laut dieser Bücher) der deutsche Vogel anders als der russsiche oder der englische Vögel. Der englische Vogel kennt keine vorderen, gerundeten Vokale (öü), der russische Vogel kann palatisierte Konsonanten, mehr noch, er singt nach dem litauischen Lautsystem. Mehr dazu im Mitschnitt der nächsten Tage.
Flash wird benötigt!
Beitrag kommentieren

Mittwoch, den 07.02.2007 [17:33]
Gestern war nun der letzte Tag im sprachwissenschaftlichen Institut der Uni Hamburg angebrochen. In Zukunft werden Absolventen, die Romanistik, Slawistik, Teutonistik oder Anglistik studiert haben im Ausland durch einen deutlichen deutschen Akzent auffallen, weil sie während des Studiums ihrer Sprache nichts von den verschiedenen Phonemsystemen gehört haben. Und dann sprechen die Romanisten das Französische mit Auslautverhärtung, Glottalverschluß und aspirierten Konsonanten. Sei es drum. Die Schwerpunkte scheinen woanders zu liegen. Also gestern der Abschied mit analogem Photo. In der letzten halben Stunde wurde noch eine irische Geschichte vorgelesen und kommentiert. Der Mitschnitt ist hier unten angefügt.

Wie Ternes so schön sagte, leben wir gewissermaßen in der Guten Alten Zeit. Überrascht? ja, tatsächlich. In spätestens 50 Jahren werden die Leute sagen: Ja, am Anfang des 21., da lebten die Menschen im Einklang mit der Natur, die Kinder achteten noch ihre Eltern und überhaupt waren die Menschen noch nett miteinander und für das ¬SecondLife brauchte man noch ein Programm auf dem Rechner.

Um beim Thema zu bleiben (Paganini der Überleitung). Aggi baut gerade fleißig einen Horisten-Avatar. Das ist nicht trivial. Man braucht Kenntnisse in Grafik und viel Zeit/Motivation. Und natürlich auch die richtigen Infos. ¬Nicole und ¬Chris bieten da einiges. Um wirklich was Individuelles zu haben, muß man Texturen verwenden. Das sind Tapeten, die auf die farblosen Skelette gelegt werden. Jedes Hochladen in das 2teLeben kosten ca. 5¢. Das kann in der Hektik der Entwicklung teuer werden. Deswegen gibt es SLCP. Das ist ein Simulationswerkzeug, mit dem man das schon mal offline austesten kann.
Flash wird benötigt!
Beitrag kommentieren