Rainers Horen
Sonntag, den 03.06.2007 [07:24]
Bevor morgen die Liebhaber der modernen Lingerie auf ihre Kosten kommen werden, kommt heute wieder einmal das Thema Redaktionssysteme und speziell TYPO3 in den Bereich der Aufmerksamkeit. Letztes Jahr lief ja hier in den Horen der Selbstversuch, der schließlich zur Meinung führte, dass dieses Gemurks doch wohl nicht das Rechte sei. Nachfolgend sind Meinungen zum Thema „Typo3 - Pro und Contra“ aus der Hamburger Webprogrammierer-Mailingliste zitert: „Allerdings habe ich mich nicht auf Wunsch eines Kunden mit TYPO3 beschäftigt, sondern mich schon vorher (aus dem lächerlichen Gefühl heraus, mit TYPO3 müsse man sich wohl auskennen) ein Jahr lang damit auseinandergesetzt. Allerdings war dann das konkrete Kundenprojekt für mich der Punkt, an dem mir endlich die Erkenntnis kam, dass ich die für TYPO3 verschwendete Zeit lieber mit der Verbesserung meines Französischs, dem Ausprobieren neuer Pulpo-Rezepte, Surfen oder irgend etwas anderem hätte verbringen sollen. Das Leben ist zu kurz, um sich mit TYPO3 zu beschäftigen — es sei denn, man gehört zu der Gruppe von Menschen, die TYPO3 auf Anhieb einleuchtend und intuitiv finden.“

Woanders schreibt Carsten: „ … hat dann ein Neukunde wegen eines TYPO3-Projektes angefragt, das ich dann auch erfolgreich umgesetzt habe, allerdings musste ich diesem Kunden hinterher mitteilen, dass ich für weitere TYPO-Projekte nicht zur Verfügung stehe, weil ich TYPO3 unterm Strich abartig finde.“

Stefan M. fasst es dann mal so zusammen: „ … Ich persönlich habe wenig Lust, wie Carsten auch schon schrieb, bei
einer Projektumsetzung, mehr als die Hälfte der Zeit damit zu verbringen am eigentlichen System herum zu hacken, als die Erweiterungen bzw. produktiv zu bauen. Da kann ich den Mist ja auch selbst neu schreiben. ;) Mir war es wichtig mal Argumente aus der Praxis zu hören, um diese einem potentiellen Kunden/Chef, der TYPO3 so grandios findet, entgegen halten
zu können, denn das zusammengenommen an schlechten Werten ist bares Geld und das hat bei der Entscheidung meist das letzte Wort.“


Diese Beobachtungen decken sich auch mit unseren Beobachtungen. Genauso wie viele Microsoft-Produkte vorgaukeln, die halbe Menschheit sind perfekte Designer, Komponisten und Bücherschreiber, so gaukelt TYPO3 vor, professionelle Webseiten im Handumdrehen ohne irgendwelche Kenntnisse zu bauen. Nun ist es tatsächlich so. Nutzt man die fertigen Schablonen, dann braucht man nur Texte und Bilder auszutauschen und schwuppdiewupp: da ist sie – die Webseite.

Will man allerdings mehr als dieses digitale Malen-nach-Zahlen, dann ist der Entwickler gezwungen, unter die Haube zu schauen. Und schon wird aus einem leicht handhabbaren Werkzeug ein Monstrum.

Ein Programmierer, der auch in zwei Jahren noch mit gutem Gewissen in die Augen schauen möchte, wird beispielsweise die Layoutanweisungen (Stylesheets) so modulare aufbauen, dass Änderungen im äußeren Ansehen zentral möglich sind. Bei SQL-Datenbanken nennt man das Normalformen. Außerdem möchte man für Web2.0-Anwendungen vielleicht im DOM-Baum herumspazieren, um beispielsweise Inhaltselemente einzuhängen. Spätestens jetzt wird der erschrockene Programmierer entdecken, was da für ein Wust von HTML-Kram generiert wird. Es kommt ein Zeitaufwand auf ihn zu, der ihn schwindlig macht. Als Angestellter in einer Agentur mag das anders sein. Da gibt es häufig rasch rotierende Praktikanten und jeder tut seine Pflicht.

Also: für kleine, einfache Sachen ist TYPO3 verwendbar. Es ist eben ein Koloss, bei dem man mit Kanonen auf Spatzen schießt und für alle anderen Anwendungen, muss man sich ausschließlich mit dem Thema beschäftigen, das heißt man lebt von diesem System und identifiziert sich damit.

Für den Anwenderkreis, der genau dazwischen liegt, nämlich oberhalb vom CMS-Konfigurierer und unterhalb dem CMS-Crack, der also hochwertige, individuelle Lösungen im überschaubarer Budgetrahmen produzieren muss, der braucht ein System, was wirklich transparent ist und trotzdem schon viel mitbringt. Auf diese Weise können eigene Erweiterungen leicht gebaut werden. In der ¬CMS-Matrix sind sehr viele Redaktionssysteme aufgelistet und man kann dort direkt vergleichen. Da sind sie nun alle versammelt: angefangen von Drupal, Mambo, Yoomla, Typo3, Agility, Webmill, Klubi, Webedition, Redaxo … gut, es sind Hunderte. Wenn man hier alle aufzählen würde, käme man noch in den Verdacht des Suchmaschinenspammings.

Leider vergleicht diese Maschine nur die Fietscher, also die Dinge, die eine Aufttraggeber sieht und interessiert. Nachhaltigkeit, Wartbarkeit des Codes und Datensicherheit spielen in der Liste absolut keine Rolle. So ist es leider. Leute, die ihre EDV-Kenntnisse aus der Computer-BILD haben, entscheiden über zu große Dinge. Es tut weh. Die Schlussfolgerung: die Kröte schlucken und TYPO3 „vervollkommnen“. Mit Microsoft geschieht ja auch das Gleiche.
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Sonnabend, den 02.06.2007 [14:22]
Seit vorgestern gibt es hier die Berechnung des amputierbaren BMI-Indizes und nun vergleichen Millionen von Zeitgenossen ihre persönlichen maße mit dem gesellschaftlichen Normativ. Ist also gut angekommen. Heute nun noch die Version für die Kinder unserer Welt, quasi ein Geschenk zu ihrem Ehrentag:


Bei Kindern ist der akzeptierte Bereich nicht einfach mehr oder weniger linear vom Lebensalter abhängig, sondern ist sogar geschlechtsspezifisch und hat wegen des stürmischen Wachstums in gewissen Lebensbereichen einen gekrümmten Verlauf.

Nun wäre das keine Lösung aus der Webmasterei, wenn da nicht noch mehr möglich wäre. Erscheint im Diagramm der Zeiger, kann er verschoben werden. Da an der Körperlänge wenig zu manipulieren ist, wird das Gewicht angezeigt, was das Kind haben müsste, um im grünen Bereich zu sein.

Wie sich doch die Zeiten ändern! Das bevorstehende G8-Treffen setzt Millionen Menschen in Bewegung. In Rostock haben Tiefgaragen Hochkonjunktur, alle Schaufenster sind verbarrikadiert und wie war das damals, als der Vorläufer dieserer informellen Gespräche der Großen dieser Welt begann? Da traf man sich in der Wohnung von Valéry Giscard d'Estaing und seine Söhne kredenzten kleine Häppchen. Heuer ist das Hotel Kempinski für eine Woche von der deutschen Regierung gebucht und 15000 Polizisten sind allein heute in Rostock im Einsatz. Die Welt wird immer schlimmer und krimineller, ;-)) Letztes Jahr hatten wir den Verlust von vier Velos zu beklagen. Klar, wenn jetzt schon die notleidenden Bären sich einen Nebenverdienst verschaffen müssen … Klar, das Ding muss erstmal begutachtet werden, nicht dass das so ein Billigrad vom Walmart ist.

Dieser Bär war heute nicht auf dem Eppendorfer Landstraßenfest. Standmiete war pro Meter 26,- €. Das ist zehnmal mehr als auf dem werktäglichen Isemarkt, dem längsten Wochenmarkt Europas – natürlich auch in Hamburg und keine 500 Meter von diesem Straßenfest entfernt. Schön war es trotzdem.
Letztlich sind auf allen diesen Straßenfesten, die sich epidemsich ausbreiten (selbst in Jena gibt es jetzt diese Unsitte, beispielsweise in Form des Johann-Friedrich-Straßenfestes auf dem Friedensberg), überall die gleiche Stände. Was mal gedacht war als Präsentationsfläche lokaler kultureller, aber natürlich auch gewerblicher Anbieter, hat sich entwickelt zu einem Rummel, der von Woche zu Woche weiterzieht. Und überall gibt es dann den Schwenkgrill, die Caipistände, die Stände mit den chirurgischen Instrumenten usw. Auch der Vogelmann war wieder da. Er verkauft an fremde Kinder seine Vogelstimmchen.

Neu war ein Promotionstand von Echtem Nordhäuser. Dort wurden die Leute mit Doppelkorn abgefüllt und das geht bekanntermaßen besonders schnell. Der Stand war gesäumt von den Guttemplern unden Grauen. Wie passend! Erstere hatten gleich einen tollen Anschauungsunterricht gratis.

Anschauungsunterricht in Demokratie werden wir alle in den nächsten Tagen erleben. Was ist nun an der schönen Ostseeküste los? Wird da tatsächlich der Zaun gestürmt und mehr? Was aber sind hier die internationalen Interessen? Die störungsfreie Durchführung des Treffens? Die Demonstration, dass die deutschen Sicherheitsbehörden die Lage im Griff haben? Der Beweis, dass die deutsche Öffentlichkeit das Treffen begrüßt, weil Demonstranten nicht zu sehen sind? Oder der Beweis, dass Deutschland eine wehrhafte Demokratie ist, in der Sicherheit und Prävention vor Freiheit stehen? Schadet es dem Ansehen der deutschen Regierung und den deutschen internationalen Interessen, wenn lautstarke Proteste vor dem Sicherheitszaun stattfinden würden? Oder würde es den Interessen schaden, wenn Bilder um die Welt gehen, die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten zeigen.

„Für die G8 soll eine kritik- und demonstrationsfreie Zone durchgesetzt werden. Das unterstreicht einmal mehr den illegitimen Charakter des Gipfels.“, erklärte Lea Voigt, Sprecherin der Kampagne Block G8 dazu. „Wir unterstützen alle politischen und juristischen Versuche, diese undemokratische Maßnahme zu Fall zu bringen. Aber selbst wenn das Versammlungsverbot gerichtlich betätigt werden sollte: Tausende von Menschen werden sich nicht vorschreiben lassen, wo sie gegen die G8 zu protestieren haben und die Verfügung in einem Akt des Zivilen Ungehorsams bewusst missachten.“

Statt zu deeskalieren, haben sich alle Seiten, einschließlich der Medien, nun in einer Spirale der Erwartung gefangen, die durch das großräumige Versammlungsverbot nur noch weiter angeheizt wird. Um die Inhalte des G8-Gipfels und die politische Kritik der Protestierer geht es dabei immer weniger , beides sind die Show- und Aufmerksamkeitsveranstaltungen, die nun zu einem Spektakel zusammen laufen.

Was soll die große Politik? Die acht Typen könnten sich ja auch in einem Jumbo treffen. Das wäre vom Budget auch noch drin und wenn man es nicht groß hinausposaunen würde …
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Donnerstag, den 31.05.2007 [23:55]
Gerade weil die Ernährungssituation unseres Volkes immer prekärer wird, ist es um so besser, wenn Angebote wie die von ¬Thomas Seidler nachhaltig greifen.
Heute nun wurde die Webseite mit modernsten Fietschern ausgestattet. Es gibt eine Diashow, die die Teilnehmerinnen in Erinnerungen schwelgen lässt und einen kleinen Film, der auch hier gerade läuft. Leider hat der so einen düsteren Vorspann, den man gerne weghätte. Mal sehen, was es für Videoschnittprogramme für den Mac gibt.

Seit einiger Zeit hat Google sein Webseitenanalysewerkzeug Analytics kräftig aufgebohrt.
Da geht jetzt Einiges, wie es so schön heißt. Nun wissen wir, dass Besucher, die nach Ökofick suchen, durchschnittlich 20 Minuten hier bleiben und dass das Interesse an diesem speziellen Format des Sichnäherkommens in den letzten zwei Wochen rapide zugenommen hat. Jaja, diesen Amis entgeht nichts. 46,5% der Interessenten sind abgesprungen, die erhofften sich wohl etwas anderes, vielleicht dementsprechende ¬Posenphotos.
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Mittwoch, den 30.05.2007 [23:34]
Eine neue Woche bringt auch neue Ideen. Besonders wenn sie durch den Feiertag so verkürzt ist. Der eingeschobenen Montag brachte viel Aufregung in die Hansestadt. OK, dass die Telekomiker in der dritten Woche streiken, ist nicht auffällig, aber das bevorstehende Gipfeltreffen in Heiligendamm. So kamen am Montag wieder einige Unschuldige in den Genuß einer Wasserwerferdusche – so auch unsere französische Praktikantin aus Straßburg, die nun nicht nur kostenlos arbeiten, sondern gleich auch noch kostenlos etwas Staatsbürgerkundeunterricht bekam.

Nun aber zu den schönen Dingen: hier die hübsche und aufmerksamkeitserheischende Lightbox von ¬Lokesh Dhakar. Mit ihr sind Bilder effektiv darstellbar. Noch zeitgemäßer wären natürlich Photos der Krawalle auf der Schanze, aber leider können wir nicht überalls ein. Na, sie hat schon was. Und schon kommen Überlegungen, wie und wo man das einsetzen kann.
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