Rainers Horen
Freitag, den 15.06.2007 [22:29]
Vor einigen Wochen wurde an dieser Stelle die Präventologie als Gegenspieler des Fatalismus vorgestellt und belächelt. Wie als Bestätigung dieser Gedanken wird es am 25. Juni 19:00 auf Deutschlandradio Kultur einen Beitrag zum Thema geben. Er steht unter dem Motto „Alles wird Gesundheit“ und schon der Anrisstext macht neugierig: „Durch präventives Verhalten kann Leben verlängert, kann Lebensqualität verbessert werden. Im Rahmen der Prävention wird gedroht und ermutigt, bestraft und belohnt. Gesundheitsfürchtigkeit scheint der Gottesfürchtigkeit als Maßstab für tugendhafte Lebensführung den Rang abzulaufen. Willkommen im Universum der Lifestyle Correctness … “

In Hamburg weiß fast jeder von der großen, modernen Müllverbrennungsanlage, die wirklich alles verbrennt.
Selbst Altpapier und Pappe wird dem Verbrennungsprozesss zugesetzt. Schon deswegen, weil es dann besser brennt ;-)) das weiß jeder große Junge. Trotzdem wird gerade in dem quirligen, hanseatischen Moloch besonders eifrig der Müll getrennt. Es hat schon so einen Hauch von Religiösität. Der einzige Sinn besteht darin, die Seele zu beruhigen. So wie auch die sich verbreitende Präventologie. Religion vermeidet zumindest den Besuch im Fegefeuer und verspricht für das irdische Leben recht wenig – nicht einmal guten Sex, schon gar nicht die katholische Kirche. In der präsäkularisierten Gesellschaft, als Berta Suttner noch gegen die Unvernunft des Krieges anging, dachten die wenigsten daran ihren Körper fit zu halten, da gab es andere Problem. Übrigens Kaiser Wilhelm der II. entgegnete auf die Ideen der Pazifistin: „Ich gehorche nur Gott und meinem scharfen Schwert.“ Also nix mit Kriegsverhinderung durch Abrüstung. Jaja, die Friedenskonferenz heute vor 100 Jahren. Aus dem Treffen in Den Haag ist kein Friedensvertrag, sondern ein Regelwerk für den Krieg herausgekommen. Berta starb wenige Tage vor dem Ausbruch von Römisch I und den Schüssen in Sarajewo. Fünfzig Jahre später posieren FDJlerinnen(?) und russische Soldaten(?) für ein nettes Photo für das Buch „Der Sozialismus - Deine Welt“ – man beachte die beiden Typen an der linken und rechten Flanke. Die sehen nicht wie fröhliche Waffenbrüder aus, mehr so wie Aufpasser. Und 100 Jahre später kann man Bücher kaufen, wo drinne steht, was so draußen geht.



Braucht's da ernsthaft Nachhilfe?
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Donnerstag, den 14.06.2007 [07:25]
Gestern also war die lang erwartete Lesung bei Lehmanns in den Kurzen Mühren. zum Thema „Konzepte von Ajaxframeworks“. Das ist ein Thema, was in Hamburg ein großes Echo hervorruft, zumindest in gewissen Kreisen. Als Gesprächseinstieg diente die Begriffsklärung, was denn nun Web2.0 sei. Stefan Mintert befragte mal seine Studenten in Süddeutschland und da kamne interessante Antworten: sich bewegende Bilder (wie vielleicht der gestrige Mond), runde Ecken, die Farbe Hellgrün. Ja, jeder wie er es will. So wie Ajax und Web2.0 nicht wirklich neu ist – runde grüne Ecken von sich bewegenden Bilder im Web gibt es schon seit dem letzten Jahrtausend – erzählte auch der Vortrag nichts Neues. Das ist ein wenig schade. Waren doch die meisten Zuhörer bestimmt fachlich auf hohem Niveau. Nett war der Ausflug zum serverseitigen Ajax. Der Begriff ist etwas irreführend: nicht der Server ajaxt, sondern der Server generiert Javascript-Code, der dann vom Browser ausgeführt wird. Beispielsweise könnte ein PHP-Script im Zusammenspiel mit der Scriptaculous-Bibliohek von Thomas Fuchs vom Server aus Effekte steuern. Das könnte für interaktive Spiele interessant sein. In dem Ajax-Buch von Stefan ist das mal mit ¬Tic-Tac-Toe durchgespielt.
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Mittwoch, den 13.06.2007 [17:27]
Das menschliche Hirn ist tatsächlich zu akrobatischen Leistungen fähig. Es denkt, dass es denkt und glaubt es doch mehr. Besonders weibliche Zeitgenossinen glauben an die Abhängigkeit ihres Schicksals und insbesondere der Anderen von der Konstellation von riesigen Gesteinsbrocken und Gasbällen in zigmillionen Lichtjahren Abstand zum Ort des Geschehens: der Geburt. Melden man dann Bedenken ob dieses Zusammenhangs an (immerhin könnten sich ja alle Psychologen ihr zehnsemestriges Studium ja sparen), kommt folgerichtig der Einwand, dass solch ein Horoskop nur sehr grob sein kann und dass für eine genauere Analyse der exakte Zeitpunkt und präzise Geburtsort (GPS) bekannt sein muss.

Das Verfahren der Verschlimmbesserung erinnert fatalerweise an das Thema Kombinatsbildung in der ehemaligen DDR. Zur Erinnerung bzw. Fortbildung: Anfang der Siebziger kam es in der DDR zu gewissen Problemen in der Volkswirtschaft. Das Gesetz der Planmäßigen, proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft wurde offenbar nicht konsequent umgesetzt. Es fehlte an Allem. Was war die Lösung? Schaffung von Synergieeffekten durch Schaffung größerer Wirtschaftsgebilde, genannt Kombinate. Überraschenderweise lösten sich die Probleme nicht sondern wurden noch größer. Eine schlaue Schlußfolgerung wäre gewesen, die Kombinatsbildung zurückzunehmen. Das ist unmenschlich – die Clusterbildung schritt voran und irgendwann gab es solche Dinge wie das Kombinat Nahrung und Genuß. Letztlich ist diese Modell hier in den westlichen Gauen unseres schönen Vaterlandes schon lange sehr erfolgreich. Das ganze heißt dann Unilever (Knorr, Becel, Rama, Langnese, Iglo, Dove, Domestos, Axe, Calvin Klein) oder Kraft (Jacobs Krönung, Kaffee HAG, Milka, Toblerone, Philadelphia, Mirácoli). Es kommt eben immer drauf an, was man daraus macht – und schmecken muss es. Die Lebensmitteltechnologen kennen die geheimen Wünsche ihrer Konsumenten.

Nun aber zurück zum Schicksal und seiner Vorherbestimmung und Lenkbarkeit. Nun möchte bestimmt niemand wissen, dass er einsam enden wird und die Krankheiten bekommt, von denen er/sie immer hörte aber nicht glaubte, dass es ihn/sie beträfe. So oder ähnlich hat es jetzt mal Dieter Hildebrand in einem telefonischen Interview ausgedrückt.

Warum nun Wahrsagerei? Schon das Wort ist irreführend, denn die Wahrheit wird nicht verbreitet. Die weiß auch die Weissagerin nicht. Die kennt nur die üblichen Träume und Hoffnungen ihrer Klientel.

Kommt also eine Frau knapp über 40 rein und schaut so, dann weiß die Meisterin, hier geht es um den Traumprinzen. Es wird natürlich keine konkrete/feste Zusage gegeben, sondern die Antwort entsteht im Kopf des Frauenzimmers. So etwa: „Er wird kommen, ganz sicher. Du darfst nicht drauf warten – er kommt ganz unvermittelt von ganz alleine.“
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Dienstag, den 12.06.2007 [14:11]
Es gab da mal so einen Flugpionier und Naturphilosophen. Er wurde in Volkstedt bei Eisleben geboren. Dort wurde auch der große Reformator Martin Luther geboren. ;-))

Er (der Carl) liebte seine Mutter und brachte in späteren Lebensjahren ein bahnbrechendes Buch heraus, das nur an nachweislich Verheiratete verkauft wurde. Offenbar war er selbst gut verheiratet und seine Gattin war in zwischenmenschlichen Angelegenheiten sehr tolerant.

Nachfolgend die faksimilierte Quintessenz aus dem Werk:



Da hat sich Herr Carl Buttenstedt nicht nur für seine Zeit weit hinausgelehnt und sicher seine Gattin mit entsprechenden Experimenten drangsaliert. Obwohl: seiner Meinung nach kommt sie ja zu einem hohen geschlechtlichen Wohlgefühl.

Tatsächlich wissen wir heute, daß Wöchnerinnen durch ihr Stillen die Fertilität immerhin auf 2% drücken. Wenn das der Papst wüsste!?

Selbst in den Bauerpostillen TinaBellaLaura oder in der Bravo-Girl war das noch nicht zum Aufmacherthema gemacht worden. Liegt es vielleicht am Desinteresse der Industrie? Für diese Art der Empfängnisverhütung muss man/frau nicht kaufen. Selbst für die Kornmühle, dem Leib- und Magenblatt der ökologisch Bewegten war das noch kein Thema – obwohl, ist es doch ein echter Ökofick. Mehr geht nicht.
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Montag, den 11.06.2007 [17:38]
Die Telekomiker sind wirklich tapfer: nun sind sie schon mehrere Wochen im Streik und selbst die G8-Proteste konnten sie von dem Vorhaben nicht abbringen. Das ist deutsche Beharrlichkeit. „Leider“ ist das Fehlen der 18000 ambitionierten (ehemaligen) Beamten nicht spürbar. Ist das vielleicht ein Strategem der Konzernleitung? So können die in den Vorstandsetagen sehr billig mal ausprobieren, wie viele von diesen Mitarbeitern entbehrlich sind. Offenbar brauchts noch nicht einmal Servicegesellschaften, die weniger bezahlen und körperlich-anwesenheitsmäßig mehr verlangen und der Laden läuft ebenso wie vorher.

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