Rainers Horen
Sonntag, den 24.06.2007 [22:00]
Das sind die schönsten Wochenenden: das Wetter ist nicht langweilig. Es scheint die Sonne und zwischendurch tun die Wolken was Gutes für die Landwirtschaft.

So ist der Winterhuder Stadtpark nicht überrannt und es kann sich eine gewisse Muse einstellen. Es ist wunderbar als Hagestolz ohne Anhang in solch einer multikulturellen Metropole.

Keine gesellschaftlichen Verpflichtungen (in die Düne fallender Jever-Mann), keine aufgenötigten Besuche bei Tante Erna in Langenhorn oder gar Grillparties auf Balkons gefallenner Mädchen auf Schanzenhinterhöfen. Der ganze Sonntag ist nur für uns da. Da schnappen wir uns ein erbauliches Buch und ab auf den Westzipfel der Liebesinsel im Stadtparksee. Da flanieren sie nun: die Familien, die Frauenpärchen. All diese Menschen geben sich unintellektuellen Beschäftigungen wie Eisessen oder Kanufahren hin.

Wer wenig solche gesellschaftlichen Verpflichtungen hat, kommt auch mal dazu nachzudenken. Das eigene, sich ständig erweiternde Wertesystem kommt immer öfters in Kollision mit den Vorstellungen der Dimensionsbegleitern. Da stellt sich schon einmal die Frage: „Sind die anderen alle verrückt oder bin ich es gar selber?“ Wie es der Zufall so will, hat heute Henryk M. Broders in seiner Dankrede anlässlich der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises genau diesen Gedanken geäußert. Nun sind wir schon zwei, damit steigt die Wahrscheinlichkeit der Verrückheit der Anderen.

Der polnische Jude, der es in Deutschland weit gebracht hat (so beginnt er seine Rede), hat auch zu anderen Themen nette Gedanken. Beispielsweise hat er pfiffige Vorschläge, wie man in Ostdeutschland gegen die Entvölkerung vorgehen kann. Man gebe fünf Millionen Chinesen jeweils tausend Euro Anschubfinanzierung und schon klappt das.
Flash wird benötigt!
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Sonnabend, den 23.06.2007 [12:36]
Das verregnete aber aber sonnenscheinende Wochenende macht Lust auf Video. Und da es bei Youtube.com wirklich fast alles gibt, reicht es aus. Nachdem alle Auftritte von Helge Schneider reingezogen wurden, tingelt es sich langsam zu Stromberg (stellv. Abteilungsleiter Schadensregulierung). Wie sagt er so schön: „Sex im Büro ist wie Sekt aus der Schnabeltasse. Da merkste schnell, wie das Prickeln nachlässt. Allerdings – Sekt ist Sekt und ist immer noch besser als Wurstwasser.“

Das ist fast schon gut und fast so lecker wie obiges neues Produkt aus der Kühltruhe bei REWE. Das bunte Teil scheint vom Marketing knallhart auf Foodjunkies getrimmt zu sein. Da lächelt einem aus den Untiefen der Truhe so richtig in 3D das Plastikessen entgegen. Die Bild gibt es leider unvollkommen wieder. Der erste Eindruck war: das ist so ein Kram für einen Spielzeugeinkaufsladen für Riesenbabies. Es will ganz bewußt nicht vollwertig sein und Gourmet ist offenbar ein weitgefasster Begriff.

Auf der anderen Seite tummeln sich goldbekmarktdurchstreifende, präventologisch eingestellte Menschers, die ausschließlich bei Erdkorn oder im Reformladen einkaufen. Für die ist alles Andere Teufelszeug. Gut, das kann ja sein. Die Welt ist tatsächlich vielgestaltig. Die Begründung für das Gutessen ist bemerkenswert. Das „schlechte Essen“ würde in den Körper der Esserin sein Unheil anrichten. Es macht faltige und graue Haut. Klar – alles klar. Gutes Marketing.
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Freitag, den 22.06.2007 [15:31]
Gestern kam eine Sims (ach, welch neues Wort Der Sims = Mauervorsprung; Die Sims = Kurznachricht) einer völlig entnervten Bahnnutzerin herein. „Ja, ich soll hier nochmal bezahlen, obwohl ich eine Fahrkarte habe … “ Nun aber alles nach und nach.

Besagte, moderne Dame kauft rechtzeitig im Internet zum Superssommerspezialpreis ein Ticket nach München und zurück für 90.- € und bezahlt per Kreditkarte. Zwischenzeitlich wird ihr bei einer anderen Reise die Betze mit allen Papieren und eben auch der VISA-Card geraubt. Gestern nun, während der Wochen vorher gebuchten Reise, kommt es zum Eklat: das Ticket passt nicht zur neuen Kreditkarte. Der Fahrgast hat kein gültiges Ticket und soll und muss eine Karte zum vollen Preis nachlösen. Die 180,- € werden sofort abgebucht. … Nun beginnt der mühsame, deutsche Weg Antrag-Ablehung-Einspruch. Das klingt alles sehr bizzar. Das ist schon daran zu erkennen, dass alle (bis auf den Kondukteur namens Adler) der Meinung waren, dass hier etwas nicht stimmen aknn.

Wenn es nicht so traurig wäre – etwas Ähnliches ist uns selber bei der Rückreise von der Jugendweihe passiert: eine gelöste Fahrkarte war plötzlich ungültig. Nur – in unserem Falle gab es verschiedene Schutzengel, die eine Rückreise nach Hamburg ohne Mehrkosten ermöglichten.

Aus dem ganzen Erlebten können wir eigentlich nur schlussfolgern: die Deutsche Bundesreichseisenbahn setzt seit der bevorstehenden Privatisierung alles daran, Kunden zu vergraulen. So soll es sein. Ungern verfallen wir in den Spruch von der guten, alten Zeit – hier passt es: ein klares Tarifsystem (1 km = 8 Pfennig, Kinder 50%, Studenten 75% Ermäßigung) hat Vorteile. Noch eine Bemerkung zum Umweltschutz. Heute ist ein Ticket mindestens DIN A4, damals DIN A7, das macht eine Papiereinsparung von 87,5 %. Danke für die Aufmerksamkeit.
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Mittwoch, den 20.06.2007 [17:11]
Pünktlich zum „Feierabend“ beginnt in Hamburg der Wolkenbruch. Nun denn, verharren wir noch ein wenig im geschützen Trockenen. Die Webseite für den Bargteheider Kulturring ist vom Layout nun auch fertig. So kann man mit gutem Gewissen in das feine Winterhude zurücktraben. Jedes neue Projekt ist auch irgendwo wieder Ansporn für Innovationen und diesmal ist der Adminteil für das Frontpage-Editiing noch eleganter gelöst: nach erfolgtem Login ist die zu bearbeitende Webseite in dunkel gehüllt und bearbeitbare Textbereich werden beim Mausdrüberlaufen in das Licht gestellt.
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Dienstag, den 19.06.2007 [20:45]
Der gestrige Beitrag zu den interkulturellen Unterschieden bei der Ochsenschlachtung hat einige Wellen geschlagen.
Auch nebiger kleiner Film kann unsympathische Gefühle erzeugen. Schwachnervige Leute sollten den Film nicht starten. Auf der anderen Seite ist es in Anbetracht dieser alltäglichen Grausamkeiten an uns so nahestehenden Tieren eine Merkwürdigkeit, wenn die meisten Deutschen beispielsweise das Schlachten von Zuchtfröschen als barbarisch apostrophieren.
Na, jedenfalls gibt es kaum noch das Problem der nationalen Schlachtung. Die gestrigen Schaubilder sind aus der Zeit, in der Innereinen noch als Delikatesse galten und der Kaiser über Deutschland regierte.

Kauft man heute Fleisch, gehen die meisten Zeitgenossen nicht zum Schlachter (Metzger, Fleischer), sonder stöbern in den eingeschweißten Auslagen des Kühlregales.

Und dort wird kaum noch differenziert: es gibt zwar noch nicht weiter bezeichnete Steaks, aber der Rest der Schoße wandert in Frikadellen, Buletten und Fleischpflanzerl. Man will ja am POS nicht wissen, woher das Minutensteak kommt.
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Montag, den 18.06.2007 [09:39]
Die von vielen Deutschen aus Ungerechtigkeitsgründen missbilligte Globalisierung hat aber auch ihr Gutes: sie schafft neue Arbeitsplätze in der interkulturellen Beratungsindustrie. Nebbich — es ist zu vermuten, dass die Globalisierungsgegner nicht wegen der Ungerechtigkeit protestieren, sondern wegen dem Fall des Wertes ihrer eigenen Arbeitskraft auf dem sich nun globalisierenden Markt. Globalisierung ist letztlich die Antwort auf die jahrzehntelange Kolonialisierung. Das soll aber heute nicht das Thema sein. Nein, heute geht es um die Unterschiede in der verschiedenen Zerlegepraxis in europäischen Schlachthöfen. Selbst da gibt es also kulturelle Unterschiede.

Und das sind nicht nur die Namen der Fleischstücke – das wäre trivial. Der Ochse wird auch verschiedentlich zerlegt. Die deutsche Gründlichkeit ist bezeichnend: der britische Ochse wird in zwölf Teile zerlegt, das deutsche Tier in siebzehn (Lenden-Braten, Schwanzstück, Schärpel, Hüft-Schweifstück, Hinterlende, Oberschenkelstück, Vorderrippe, Oberweiche, Weiche, Wadenstück, Mittelrippenstück, Schulter (Bug), Flanke, Schulterblatt, Brustkern, Wamme, Hals, Beine, und Kopf).
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