Rainers Horen
Sonntag, den 01.07.2007 [09:12]
Es sind oft die kleinen Dinge, die das Leben so liebenswert machen. Das ist wie im nebigen film zu sehen, eine Schale mit frischem Obst, ein Fenster, das auf einen Hinterhof in Altona zeigt und das erfrischende Lachen zweier Damen einer Frauen-WG. Gibt es etwas Schöneres in der besten aller denkbaren Welten?

Nun aber zu wirklich ernsthafteren Dingen. Wie sagt sich es so schön: „auch die schönste Lokomotive braucht mal Kohlen.“ und so ran an die neuen Projekte. Heute soll ein recht komplexes Kontaktformular gebaut werden. Da will jemand Kontakte mit etwaigen Kunde aufbauen und der zufällige Besucher der Webseite soll dazu gebracht werden, seine Infos zu lassen. Das muss natürlich mit geringster Hemmschwelle realisiert sein und darf auf gar keinen Fall die Anmutung eines Amtsformulars haben, wie es beispielsweise der Hartz-IV-Antrag ausstrahlt.
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Sonnabend, den 30.06.2007 [12:33]
Meditierende Amsel ist an der gefährlichen Version der Vogelgrippe H5N1 verendet. So oder ähnlich titelt sicher morgen die Mopo in ihrer Sonntagsausgabe. Die Jarrestadt (Hamburgs Beitrag zur Moderne, so im Bædecker) ist trotz oder gerade wegen des Mühlenkampfestes in heller Aufregung.

Gestern die beinahe Atomunfälle im Umland von Hamburg – die Einschläge kommen näher. In Brunsbüttel und in Krümmel brannte irgend etwas. Laut offizieller Verlautbarung hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. So heißt es dann immer.
Das bürgerliche Leben war davon ungerührt. Wie heißt es so schön bei Curt Götz: „Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau.“ Hausfrauen wuschen ab und Männer konzentrierten sich auf die Bundesliga oder kümmerten sich um den DSL-Anschluss des Nachbarn. Da gibt es immer viel zu tun. Übrigens gibt es dem Zusammenhang einen netten Effekt: stellt man die WLAN-Verschlüsselung auf WPA-AES, dann wird das von D-Link-USB-Dingern als WEP erkannt und so kann es nicht funzen. Nutzt man die neuere Verschlüsselungsmethode WPA2-TKIP, wird das von dem Dongel nicht erkannt, weil der davon nichts weiss. Prima!
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Freitag, den 29.06.2007 [10:16]
Vor einigen Tagen wurde von Mövenpick klammheimlich ihr neues Hotel im Schanzenpark eingeweiht. Wie üblich wurde in einer Mailingaktion das Fachpublikum mit einem Flyer im PDF-Format beglückt. Klick auf nebiges Vorschaudaumennagelbild zeigt es in voller Pracht.

Schlimmer geht es nicht! Inmitten des Flugblattes prangt ein großer schwarzer Balken, der die Aussicht auf die wichtigen Informationen versperrt.

Aber was noch schlimmer ist: der Text ist gar keiner. Er ist ein Scan eines papiernen Faltblattes. Was sind da nur für Laien am Werk! Klar, die Welt wird vom Mittelwert regiert; das muss ja wohl so sein – ansonsten wäre es ja nicht die Mitte. Das aber ist oberherb und doppelpluspeinlich.
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Donnerstag, den 28.06.2007 [23:51]
Gestern war ein sehr verregneter und stürmischer Siebenschläfer. In dem Falle möchte ich nicht abergläubisch sein. Es sei denn ich wäre ein Borkenkäfer – dann würde das eine Supersommer!

Da wir keine sechs Beine haben, müssen wir andere Wege gehen und professionelle Webanwendungen entwickeln. Das nun schon zweimal „verkaufte“ System, mit dem Theater ihre Webseiten bauen können, soll eine ¬eigene Webseite bekommen. Als gestalterisches Moment soll eine Bildanimation Leben in die Bude bringen. Leider gibt es ein Problem bei dem Zusammenspiel von Flash und Opacity. Kleinstes Scrollen lässt das schicke Ding verschwinden. Natürlich ist das keine Premiere und ¬hier hat das schon mal jemand thematisiert, aber auch keine Lösung gefunden.
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Dienstag, den 26.06.2007 [12:00]
Hier in der linken Spalte unterhalb der Reklame stehen die Begriffe des menschlichen Lebens, nach denen Leute bei Google, Wikipedia und Konsorten suchen und dann hierher finden. Das ist keine Zauberei. Man muss nur wissen, dass der Browser die Adresse der vorhergenden Seite immer mit übermittelt und so kann das ausklabüstert werden.

Alleine diese Auflistung ist bemerkenswert. Heute fragte jemand unmittelbar zwischen dem Begriff Erektionscreme und Pioniere in der DDR, warum die kleine Insel im Winterhuder Stadtparksee Liebesinsel heißt.
Vielleicht weil sie lieblich gelegen ist ;-)) oder weil man dort eben keine Liebe machen kann. Es sei denn, man ist sehr unverfroren und setzt auf die Höflichkeit der vielen Vorbeikommenden und -fahrenden. Nicht ohne Grund wird die hundefreie Insel vom Bootsverleiher jeden Abend sorgfältig verschlossen. Der Zugang vom See ist frei und wird lediglich durch ein Schild unterbunden. Ob sich Liebeshungrige davon abhalten lassen, zumal ja sich ist, dass mich sich dort nicht in Häufchen legen kann.

Es gibt Jobs, da müsste der Angestellte Kurtaxe bezahlen. Hier am Viktoriakai ist zumindest Vergnügungssteuer fällig. Es ist schon traumhaft, mit solch entzückenden Metzen in einem Kontor sitzen zu dürfen. Es passiert zwar nicht soviel wie bei der Schadensregulierung M-Z in der Capitol unter der Ägidie von Stromberg, dafür sind die Damen hier plietscher und netter anzuschauen. Wenn jetzt noch ein Saaldiener kleine Schnittchen vorbeibringen würde, wäre das Glück perfekt.
Wenn das nicht schon genug wäre – nun ist das Büro im Nebengeschäft auch noch zusätzlich mit femininer, anregender Kunst der bekannten Künstlerin ¬Sabine Jesse-Kniesel ausgestattet. So wird jeder Gang zum Kopierer oder zum Händewaschen in der Feuchtzelle zum Hochkulturerlebnis!
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Montag, den 25.06.2007 [22:06]
Toleranz hat einen guten Leumund – Vorurteile haben einen schlechten. So denkt die landläufige Meinung und so sagt es der gesunde Menschenverstand, der übrigens in das Inferno des Dritten Reiches führte. Über die schlechte Seite der Toleranz und Äquidistanz haben wir etwas in der gestrigen Laudatio gehört. Für Vorurteile soll heute mal eine Lanze gebrochen werden.

Da schreibt ein Frauenzimmer unironisch in ihrem selbstdarstellerischen Profiltext: „Vorsicht vor allen Kleingeistern, Liebestollen, Barfußtänzern, Freudlosen, Münzsammlern, Waschbrettbäuchen, Kleinmütigen, Langhaarigen, Currywurstessern, Frischlingen, Dipl.-Ings., Hausmeistern, Kaffeeweißern, Erbsenzählern, Großtuern, Latinlovers, Nachtwandlern, Wortverdrehern, Achtlosen, Schlaumeiern und Barkassenkapitänen — die sind (alle) gefährlich!“

Das sind erstmal klare Worte. Lassen wir einmal die Gedanken kreisen. Die schwarze Liste verlängert sich im allgemeinen nach jeder schlechten Erfahrung. Nach dieser Theorie hatte die Dame also schon einundzwanzig Liebhaber. Da es nun aber beispielsweise auch schlaue, achtlose, wortverdreherische Diplomingenieure gibt, verringert sich diese gemutmaßte Anzahl.

¬Schmidbauer lies sich einmal vor längerer Zeit in seinen kleinen Bändchen „Angst vor Nähe“ über diese Mechanismen aus. Seiner Meinung nach wird fast jeder Mensch, der schon einmal mit eienr Beziehung scheiterte (und wer hat das nicht …) alles tun, um diesen Vorgang zu wiederholen. Es kommt zu Vermeidungsstrategien und letztlich entstehen und wachsen Vorurteile. OK, das mit den Münzsammlern und Freudlosen ist verständlich. Da gibt es auch gewisse Bezüge zum allgemeinen Konsens. Aber warum nun Ingenieure ein schlechtes Bild abgeben sollen, bleibt offen. Dann könnte man auch gewisse Vornamen ausschließen …

Nehmen wir mal als Lästerübung nebiges Bild durch eine Glasmosaikscheibe, dessen ganze Detailtreue erst bei sanfter Berührung mit der Maus zu Tage tritt. Die aufgezeigten Gedanken sind natürlich unrealistisch und spekulativ; sie sollen nur den Bogen menschlicher Denkfähigkeit aufspannen.

Da stehen übermäßig viele Zahnbürsten rum. Hm. Andere Frauen firmen das eheliche Schlafzimmer zu einem Schuhmuseum um. Hier werden offenbar Geräte zur persönlichen Mundpflege gesammelt. Das lässt tief blicken.

Nun zum Storyboard: Das Bild ist im Bad geschossen. Ist das der Lebensmittelpunkt, ist da vielleicht unterschwellig eine Putzwut manifest? Vordergrund und Hintergrund lassen sich durch das Fotografierarrangement nicht eindeutig zuordnen. Und nun der bemerkenswerteste Fingerzeig: das Selbstporträt im Spiegel geschossen. Die Fotografin geht damit ganz bewusst in die Metaebene &ndash, sie stellt sich quasi neben das Leben und schaut darauf. Das wird durch die distanzschaffende Körperhaltung des Armabwinkelns noch verstärkt.

Wir hatten an dieser Stelle schon einmal eine symbolistische Erzählung aus dem zaristischen Russland besprochen, in der sich die Protagonistin sehr intensiv mit ihrem Spiegelbilde beschäftigt hat. Damit sollte die Verstrickung klar sein. Zurück zur Kopie des Ichs!

Rundum: es lässt sich mit gutem Willen alles in diesen arrangierten Schnappschuss hineininterpretieren. Wie sagte so schön Herr ¬Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Um so mehr gilt das insbesondere für den Text zwischen den Zeilen. Was auch für diesen Text gilt.

In den angesprochenen Singlebörsen wird natürlich sehr viel leeres Stroh gedroschen und die meisten Täter und Opfer wissen das. Also wird zwischen den Zeilen akribisch nach Hinweisen auf Tics und anderen Abnormalitäten geforscht. Teilweise wird man da auch sehr schnell fündig ;-))
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