Rainers Horen
Sonntag, den 05.08.2007 [13:55]
Damals, als noch mehr zwischen den Zeilen gelesen wurde und nicht wie heute genau umgekehrt ein Filter auf alle reinkommenden Information gelegt wird, gab es ein witziges Buch von Fritz Rudolf Fries: „Verlegung eines mittleren Reiches“ Der Plot ist ist leicht erzählt: Nach einem fiktiven Kriege in ferner Zukunft, wird ein Land (Deutschland?) von den Chinesen erobert. Der Roman zeigt auf, wie die Dorfbewohner mit der neuen Macht umgehen. Als die Armee einzieht, gehe schon einige entgegen und verkünden, dass sie schon immer unter dem alten Regime leiden mussten. Damals (1984) verstanden wir das natürlich als versteckte Anspielung auf die sowjetische Besatzungsmacht.

Gleich am Anfang werfen die Chinesen Flugblätter in die Briefkästen der Dörfler mit dem Text:

  1. Wir kommen.
  2. Alles Land gehört dem Volke.
  3. Wer Land hat, muß es bestellen.
  4. Eier sind abzuliefern.
  5. Alle Macht geht vom Volke aus.
  6. Es lebe das Volk!
  7. Nieder mit der Reaktion!

gez. Ortskommandant der siegreichen Armee, General LiWeng.


Gut, damals war das ein Scherz, China war weit weg und mehr als die berühmten Handtücher gab es nicht aus dem fernen Land.

Jeden Tag kommen heute neue Meldungen herein, die zu denken geben. Chinesen beuten in Afrika rücksichtslos Minen aus. Man will dort die Anzahl der Atomkraftwerke mittelfristig verdreifachen usw. Im Radio kam ein Beitrag zum Thema Musikausbildung im Reich der Mitte. Dem Vernehmen nach sind dort In den Wohnheimen überall Cams installiert und ein Supervizer überwacht, dass dprt nicht etwa nicht geübt wird. Deutsche Musikprofessoren gehen tendenziell nach China …

Monika Treut hat gerade einen wunderbaren Dokfilm in Taiwan gedreht, dessen Anfang hier als Vorschau zu sehen ist. Jeder mache sich sein eigenes Bild, was das alles zu bedeuten hat.


Es stellt sich die Frage, wer zum Schluß erfolgreicher sein wird. Und was heißt Erfolg. Nun wird mancher deutscher Pädagoge einwenden, wo bleibt denn da die schöne Kindheit für die armen chinesischen Mädchen und Buben? Lernen die auch, selbständig zu denken und kreativ zu sein? In einem Schulsystem, in dem Leistung und Disziplin im Vordergrund stehen, lernen die Kinder nicht, mit ihren Eltern und Lehrern zu diskutieren. Das sind doch genau die Kompetenzen, die man im Arbeitsleben und im Büro braucht – oder etwa nicht. Jede Abteilung ist doch froh, wenn jemand daher kommt, um mal richtig aufzuräumen und alte Zöpfe abschneidet. Wie schnell zieht doch eine gewisse Betriebsblindheit ein und da ist ein Absolvent gewissermaßen der Erlöser. Klar, die „erfahrenen Kollegen“ sagen dann: Das haben wir schon vor zehn Jahren versucht und sind in eine Sackgasse geraten. Ja, was waren das auch für Zeiten. Da gab es noch kein Vista und kein Web2.0!

Das war natürlich jetzt ein wenig sarkastisch. Niemand ist scharf darauf, Altherbekanntes aufzugeben. Die meisten Menschen bevorzugen Heimspiele und vermeiden Fremdes. Überhaupt scheintb es den meisten Zeitgenossen auszureichen, sich Irgendwas oder Irgendjemandem unterzuordnen und peinlichst darauf darauf zu achten damit zurechtzukommen. es sind nur Wenige, die quasi den Sinn für Höheres haben. Und für diesen verschwindenden Rest der Gesellschaft ist unser Bildungssystem ausgerichtet?? Wäre es nicht besser, der Mehrheit Qualitäten anzutrainieren, die sie dazu bringen, reibungsloser ihr Leben zu absolvieren? Die Führernaturen, die es später mal schaffen, andere für sich arbeiten zu lassen, die wissen schon, wie man sich durchsetzt.

Es fragt sich nur, woher in der (west-)deutschen Pädagogik der Hang kommt, solche kleinen Querulanten heranzuzüchten. Wollen wir es auf die 68-er schieben? Das wäre zu einfach und vielleicht aber doch stimmig.

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Sonnabend, den 04.08.2007 [17:42]
Endlich wird das Wetter wieder das, was wir Menschen als schön bezeichnen. Herr Sachse verkauft wieder sein Eis und im Stadtpark brummt der Bootsverleih. Was gibt es also Schöneres, als in dunkler Kammer für Kunden aktiv zu werden und neue Türen aufzuschlagen. Die Zeit, wo jemand eine Webseite einfach mal nur so braucht, scheint vorbei zu sein. Der erste Schuß ist fast immer schon getan und nun macht die Beschickung mit neuen Inhalten viel Streß. Der gute Bekannte, der das bisher tat … naja – jedenfalls muß so etwas wie ein Redaktionssystem her. Wenn es schwerpunktmäßig darum geht, einfach nur neue Meldung einzupflegen, kommt einem zwangsläufig das Wort Weblog in den Sinn. Wordpress scheiden wir mal wegen seiner Marktpolitik aus. Serendipity macht einen durchdachten Eindruck. Die Tatsache, dass ¬Kristian Köhntopp bei dem Projekt mitmischt, ist schon mal ein positives Argument.



Laut Doku kann man S9Y auch im embedded-Mode laufen lassen. Das ist natürlich sehr charmant. So kann man in einer vorhandene Webseite solche Funktionalitäten einbauen. Also ran an das Projekt. Der Tarball ist schnell geholt und ausgepackt. Dann auf dem iBook die hosts- und httpd-conf-Datei angepasst, apachectl gekitzelt und schon kommt ein aufgeräumter Begrüßungsbildschirm, der anzeigt, dass es bis hier keine Probleme gibt. Alles da und im grünen Bereich. Nun unter mysqladmin.rainers.mac eine leere Datenbank anlegen und entsprechende Rechte einstellen. Bin mal gespannt, ob es weiter so entspannt weitergeht.

Upps, das gerade vergebene Passwort will nicht funzen. ;-)) OK. Verzeichnis und alle 21 Tabelle löschen und zurück zu Platz 1.

So, das klappt ja wunderbar. Nun könnte man aus einer Riesenliste von Schablonen ein hübsches Aussehen aussuchen und dann damit glänzen.

Nun gibt es zwei Wege, den Blog in die vorhandene Webseite zu integrieren: die einfachere Lösung ist die Gummilösung, nämlich nur so tun als ob. Einfach eine neue Webseite aufmachen, dort das S9Y laufen lassen und in der Gestaltung an das vorhandene anzupassen. Klingt charmant und verführerisch, nur die Navigation wäre dann nicht konsistent.

Die elegantere Lösung müsste dem ¬Artikel über das Embedding folgen. Dann könnte man einfach in die vorhandene Webseite einen Teil ersetzen. Nämlich den letzten Eintrag im Blog als News und irgendwie im Archivbereich eben den eigentlichen Blog.
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Donnerstag, den 02.08.2007 [09:10]
Seit die Affen aus dem seichten Wasser gekommen sind und aufrecht gehen, versuch sie (nun als Menschen mit Vernunft ausgestattet), das f?r sie zustehende Lebensschicksal abzuwenden. Vor der sogenannten Aufkl?rung war Beten und Menschenopfern ein probates Mittel. Heute – in der s?kularisierten Gesellschaft ;-)) – will man ja nicht mehr kindisch sein, glaubt nicht mehr an G?tter und die Erl?sung nach dem Tode. So joggt es sich t?glich durch den Park, da wird der Fitness in Studios gehuldigt und es wird der eigene Genuss beim Essen eingeschr?nkt und ein ganz nat?rlicher Vorgang wie die Ern?hrung wird zur Wissenschaft.

Jeder Personalchef steht t?glich vor dem gleichen Dilermma. Da gibt man sich bei der Auswahl der Kandidaten f?r einen neuen Posten die allergr??te M?he und dann passiert das, was fast immer geschieht: in der Abteilung sitzen nur Triefnasen, denen es wunderbar gelingt — Alle Anfallenden Arbeiten An Andere Abschieben, Anschlie?end Anschei?en, Aber Anst?ndig!

Konsequent denkende EntscheiderInnen befragen einfach die Sterne. Z?gerliche Chefs wollen sich einen wissenschaftlichen Anstrich geben und ziehen einen Graphologen hinzu oder einen Physiognomiker. Je nach grunds?tzlicher Ausrichtung hat jede Region am Kopf eine Bedeutung, deren Auspr?gung R?ckschl?sse auf St?rken und Schw?chen zul?sst. Jetzt m?sste man noch S?tterlin lesen k?nnen. F?r die Unkundigen wurde die Beschriftung teilweise „?bersetzt“.

Es ist schon spannend zu erfahren, wo am Kopf alles die Zentren von Wesensart, Jugendkraft, Liebesanmut, Gottesglaube, Bildungsdrang, Vornehmheit, Eigenliebe, Moral, Nationalsinn, Grundbesitzsliebe, Weisheit, Gattentreue, Musik und Gef?hlswelt sich befindet.
Um zu noch mehr Menschenkenntnis zu kommen, ist es ratsam, hier rechts eine der drei Typen auszuw?hlen und dann den Kopf. abzutasten



Was schreibt Carl Huters zu diesem Typ?
Tiere mit vorherrschendem Empfindungsleben, wie z.B. das Reh, die Ziege, wei?e Taube und Lerche haben weniger rohe Kraft, aber edlere Eigenschaften, feines Aussehen und grazi?se Bewegungen. Das Empfindungsnaturell besitzt einen m??ig stark entwickelten Rumpf, m??ig starke Beine und schlanke Figur. Der Hals ist m??ig muskul?s, mittelllang und verh?ltnism??ig d?nn. Die Knochen und die Fettmasse des Gesichtes sind zart und im Vergleich zur Stirn schwach entwickelt. Die Nase ist schmal, mittelgro? oder lang. Die Ohren sind fein modelliert, die Stirn ist meist hochgehend. Die intelligenten Augen haben einen leuchtenden Ausdruck. Die Haare sind d?nn und seidenartig. Die Haut ist d?nn und zart und l?sst Blutgef??e durchscheinen. Die Organe des Empfindungstypes sind zart entwickelt mit besonders stark ausgepr?gter sinnlicher und seelischer Empfindsamkeit. Die Sinnesorgane sind, wenn nicht scharf, so doch sehr feinf?hlend. Das Tastgef?hl der Hautdecke ist sehr gut. Der Arzt hat bei der Behandlung des Empfindungsnaturells seine eingehendste Aufmerksamkeit auf die au?erordentlich feine Reaktionsf?higkeit des K?rpers f?r schwache Reize zu lenken. Man halte vor allem den Grundsatz fest: Vor allem nicht schaden!

Just, wie dieser Artikel entsteht, l?uft im Ferntonkino eine sogenannte Wissenssendung zu genau dem Thema Psycho-Physiognomik. Ein „Experte“ spricht zwei wunde Punkte an, n?mlich pers?nliche Partnerwahl und Bewerberauswahl und gibt nun Sch?tzenhilfe. Ihm geht es zeitgeistig nicht um Feingeschmack oder Vornehmheit wie weiland Amandus Kupfer, sondern um Eigenschaften, die man heute f?r wichtig h?lt. Der potentielle Lebenspartner soll also witzig, sportlich und selbstbewusst sein. Wir hatten das Thema schon.
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Montag, den 30.07.2007 [18:12]
Nun wird es langsam unheimlich: die pandemische Vogelgrippe weitet sich aus. Erschreckenderweise hat sie jetzt schon die uns näher stehenden Säugetiere erreicht. Es ist zwar nicht ganz klar, was hier am Straßenrand des Winterhuder Stadtparkes einschläft, aber ein Vogel ist es nicht. Das ist schon am Fell und dem fehlenden Schnabel erkennbar. Der Fund sieht aus wie eine Hamsterratte (Rattus cricetus), die genaue Bestimmung steht noch aus. Vielleicht ist es auch eine Entweichnung aus dem hiesigen Unikrankenhaus UKE, die an spektakulären, genetischen Züchtungen und chimärischen Kreuzungen arbeiten sollen.

Die Regel des Siebenschläfers scheint sich dieses Jahr zu bestätigen. Das ganze Wochenende war ein einziger Regenguss. Trotzdem musste der Hamburgbesuch aus ferner Heimat ausgelüftet werden. Klar, der Hafen, das ist ein Muss. Was sich da für Leute selbst zu diesem Depriwetter am Hafentor rumtreiben!



Es kommt zum allfälligen Gang durch die wachsende Speicherstadt, zur Kehrwiederspitze und dann weiter vorbei an der Cap San Diego zur Landungsbrücke. Dort wo sich Rainer Abicht und Käptn Prüsse einen „erbitterten und erbarmungslosen Kampf“ um die Fahrgäste der Großen Hafenrundfahrt durch die Speicherstadt liefern, die mittlerweile 10 Euro pro Nase kostet. Heute war die Tiede wieder sehr extrem und die tiefe Ebbe legte im Nikolaifleet den Boden frei. Da wird der Kapitän dann wieder schelmisch den zahlenden und nun verdutzten Fahrgästen offenbaren, dass es überraschender Weise nicht möglich ist, in die Speicherstadt zu fahren.



Ein Narr, der Böses dabei denkt. Wir sind aber plietsch und tuckern ganz zusche und kostengünstig (Fähre ist in HVV-Tagesgruppenkarte enthalten) rüber nach Finkenwerder. Plötzlich mit Verlassen der Fähre (Ansage des Smutje: „Dieses Boot fährt nicht zum König der Löwen, sondern nach Finkenwerder. Achten sie diesmal nicht auf die Werbung, sondern auf den Fahrtrichtungsanzeiger!“) hat man in wenigen Minuten die Großstadt verlassen und findet sich in Kleinststadt wieder.

Da sitzen wir im Café gleich neben der Apotheke, die im Schaufenster mit Riesenpackungen von Seniorenwindeln wirbt, und genießen Käsekuchen mit Kaffee. Im hinteren Teil des Cafés dröhnt Fußball aus dem Ferntonkino im Breitformat. Hier ist die Welt noch in Ordnung.


Das Elend in der Welt ist groß. Da will man mit dem Besuch abends die Hochkultur in Hamburg genießen und schaut mal im Netz, was so geht. Die meisten Theater haben sinnigerweise Ferien, so daß sich die Auswahl einschränkt. OK, im Schauspielhaus kommt was Passables. Da schauen wir doch mal. Ein Teil der Webseiten (speziell die mit der Kartenbestellung ist kaputt) und am Telefon wird uns mitgeteilt, wir riefen außerhalb der Geschäftszeit an. Ist nicht abends im Theater Geschäft? Wie dem auch sei, so muss der Besuch gewissermaßen offline probieren, ob noch Karten da sind.Und deswegen sind wir 1989 auf die Straße gegangen ?!
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