Rainers Horen
Freitag, den 31.08.2007 [19:45]
Gerade Ärzte sind zuweilen sehr innovativ. Das betrifft nicht nur das Bewerben von Igel-Leistungen, sondern auch der Einsatz modernster Medien zur Erhöhung der Patientenzufriedenheit und der Qualität der angebotenen leistungen. Wer kennt nicht den Spruch nach der erfolgreichen Behandlung: „Lassen Sie sich mal von der Schwester einen Termin in der übernächsten Woche geben. Dann schauen wir mal, ob Sie wieder fit sind.“?

Damit die Schalterkraft (Sprechstundenhilfe SSH) entlastet wird, der Patient nicht unter Stress gerät (weil er seinen Terminplaner gerade nicht bei sich hat) wird in Zukunt der heimische PC einer neuen Aufgabe zugeführt. Er kann nach der Installation der neusten Virensoftware und dem Aufspielen neuer Treiber auch mal was noch Sinnvolleres tun – er vereinbart den neuen Termin beim Doc.

So sieht das dann aus:


Ja, was soll denn das — warum die „komplizierte“ Identifizierung? Üblich wäre in dem Zusammenhang Login/Paßwort. Aber was würde passieren? Der Patient würde bei der SSH anrufen und nach dem Passwort fragen. Die Dame würde aus ihrem Präsenzdienst herausgerissen und der ganze Synergieeffekt wäre zunichte. Die abgefragten Daten sind selbsterklärend, selbst in großen Metropolen einzigartig und stellen auch ein gewisses Geheimnis dar. Wir wir noch sehen werdem, ist ein Missbrauch eh schwierig.

Und was ist mit den Mondphasen? Es gibt Zeitgenossen, die ihren spirituellen Weg gehen und die newtonsche, mechanistische Weltanschauung, deren Verfechter alles messen, überprüfen und protokollieren wollen. Diese moderen Menschen wollen nichts dem Zufall überlassen und richten ihre Lebensplanung (wie auch schon unsere Altvorderen) nach dem Lauf der Gestirne. So ist es einsichtig, Zähne bei abnehmenden Monde ziehen zu lassen und Kronen bei zunehmendem Monde zu bauen. Ist doch klar. Auch im frauenärztlichen Bereich finden sich vortreffliche Beispiele …

Nach erfolgter Anmeldung kann sich der Patient aus einer Liste von vorgeschlagen Termin einen auswählen. Fürderhin hat er Einsicht in den Fortlauf seiner Reservierung – dedeutsch würde man das vielleicht als Tickettracking bezeichnen. Schnieke und knorke wäre es, wenn der Patient seinen Termin gleich in sein Outlook oder sein iCalendar übertragen könnte. Das scheiterte vor einiger Zeit schon daran, dass bei mehrmaligem Transfer (trotz eindeutiger Nummer) der Termin mehrfach im Outlook auftauchte. Na schauen wir mal, ob das zwischenzeitlich gefixt wurde. Früher gab es VCalendar, nun heisst es iCalendar und es gibt selbstverständlich auch fertige ¬Bibliotheken. Leider gibt es Probleme mit Outlook unter Windows. In der neuesten Version (Outlook2003) läuft es anstandslos, leider muß man für Outlook2000 einen ¬Flicken von Microsoft einspielen. Andere denkbare Systeme wie Lotus Notes, Meldware Communication Suite, Novell GroupWise und die Oracle Collaboration Suite kann mit iCalendar prima umgehen.

Für die technische Realisierung der Karteireiter wurde u.a. eine ¬nette Entwicklung aus Australien genutzt, die auf Prototype aufsetzt. Vielen Dank an Andrew Tetlaw für sein Fabtabulous!
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Donnerstag, den 30.08.2007 [08:44]
Weil das gestern mit der Kunststimme so immensen Spaß gemacht hat, hier einen nette Anwendung aus der Welt der Neuigkeiten:


Prinzipiell könnte man auch noch andere Nachrichtenticker einbinden Das wäre eine reine Fingerübung und keine echte Herausforderung – also belassen wir es bei der ARD und der lauten Webseite. Ist ja auch schon so schick. Die Stimmen werden immer zufällig ausgewählt. Das bringt Frische hinein. Das Demo ist auch ein wunderbares Beispiel für die Sinnfällig von RDF-Feeds. So ist es fast schon spielend möglich, die Inhalte abzusaugen.


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Mittwoch, den 29.08.2007 [21:17]
Auch Teddybären haben eine Seele. Bisher lag die amerikanische Erfindung aus den 1920-ern im schlafzimmrigen Schaukelstuhl und machte einen recht vergnüglichen Eindruck – hie und da brummelt er vor sich hin, insbesondere wenn er mal runterfällt. Heute morgen wurde er unsanft auf den Scanner gelegt und von Ferne abgelichtet. Da er die Augen nicht zukneifen kann, macht er einen sehr missmutigen Eindruck. Irgendwie gefällt ihm das nicht. Mittlerweile hat er (oder sie) den angestammten Platz wieder eingenommen.

Blinde blinzeln auch selten (ah — der Übergang ist geschafft) und haben auch sonst mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Beispielsweise bekommen sie nach beendetem Lehrerstudium in Bayern keine Lehramtsstelle, weil die bayrische Regierung keinen zusätzlichen Assistenten bezahlen möchte, der dann allfällig die eingereichten Resultate einer Klassenarbeit in den Rechner tippt oder überhaupt zur Hand geht.

Jetzt kommt die Herausforderung: eine Webseite soll her, die es Blinden (oder wie heißt das das politisch korrekt, vielleicht „andersssichtig“) erlaubt Zimmer in einem Hotel zu reservieren.
Wie immer gibt es verschienden Lösungen.

Nun entweder der Anserssichtige hat seine Hard/Software und die liest dann vor. Dann bleibt als Aufgabe die barrierefreie Implementierung, die ja selbstverständlich für eine moderne Webmasterei sein sollte. Die Frage ist nur, wie das dann mit Eingabeelementen ist. Aber das sollte sich lösen lassen und ist sicher auch die effektivste Lösung. Das Problem ist nur die geringe Spektakularität. Der Auftraggeber sieht nicht wo sein Geld bleibt. Also muss eine andere Lösung her — eine Lösung, die das Web3.0 (Das singende und klingende Web) vorwegnimmt.

Nun könnte man die Textfetzen, die für ein Hotelzimmerbestellsystem nötig, von einem Profisprecher (Rufus Beck oder Harry Rowohlt) produzieren lassen und dann einbinden. Das wäre aber keine richtige sportlicher Herausforderung. Also mus ein Speech-System her.

Ein kurzer Blick in einschlägige Lexika fördert ein ganze Liste von Software zu Tage, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, geschriebenen Text vorzulesen. Auch hier gilt die Regel: „Mehr Geld — mehr Musik“.

Da gibt es den ReadSpeaker, den auch Heise.de einsetzt. Kaum ist da zu spüren, dass da ein Roboter dahintersitzt. Hier mal eine Hörprobe. Klingt tatsächlich sehr natürlich. Das liegt auch an der gut gemachten Prosodie. Leider kostet das vierstellig. Mal so als krasser Gegenpol die freie Software ¬espeak, da klingt das schon schon etwas gruseliger.

Ganz praktikabel scheint eine Lösung der IKP an der Uni Bonn zu sein. Ihr Programm ¬txt2pho wandelt Texte in Phoneme um, die dann von der Synthesizersoftware ¬MBROLA in Sound verwandelt wird. Die berühmte Geschichte vom Streit zwischen Wind und Sonne klingt dann so. Es gibt dann wohl noch ¬FreeTTS, was auch eine freie Software ist – die leider aber auf Java aufsetzt. Ein Klangbeispiel ist hier.

Also fangen wir mal an mit stochern. Das MBROLA-Programm ist schnell installiert. Dieses Programm verwandelt eine spezielle Phonemschrift (quantisiertes SAMPA) mit Hilfe einer Phonemdatenbank in hörbare Sprache. Es generiert WAV, was man dann ganz einfach über LAME zu internettauglichen MP3 wandeln kann. Für die deutsche Sprache stehen acht verschiedene Stimmen zu Verfügung, wobei leider nur ein kleiner Teil mit der gegenwärtigen Version von MBROLA kompatibel ist. Alle anderen Stimmen produzieren solche Fehler: You are probably using a version of de6 incompatible with your machine architecture.
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Durchleser von FAQs sind echt im Vorteil. Nun ist es klar. Einige der Stimmdatenbanken habe eine andere Verzeichnisstruktur … Also kein Bug. Nun ist es also möglich, aus Lautschrift hörbare Texte in acht Stimmversionen zu erzeugen. Prima! Das Restproblem ist nun noch das txt2pho von der Bonner Uni. Naja, so ganz stimmt die Doku nicht. Die txt2phorc-Datei kommt nicht ins HOME, sondern nach /etc/. Schon besser.

Pünktlich zum Tagesschluss hier nun die kleine Demo:

Einfach Text eintragen und hinhorchen.
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Dienstag, den 28.08.2007 [23:14]
Die Kanzlerin der deutschen Herzen macht im Reich der Mitte ihre Aufwartung und just in diesem Moment bekommen deutsche Regierungsmitglieder Trojaner auf ihren Rechner geschaufelt. Beide Seiten lächeln milde.



Aber was steckt nun dahinter? Jeder der eMail empfängt und dessen Adresse etwas älter ist, bekommt täglich Post von Menschen, die er nicht kennt. Da ist auch Post aus Rot-China dabei. Da sicherlich die Armee gut technisch ausgestattet ist und Soldaten eigentlich immer etwas gelangweilt sind, kann es schon sein, dass da irgendwelche Chaoten ihre Spielchen treiben.

Die Fragen, die sich als Innnenseitlinger aufdrängt ist die der offenbaren völligen Sorglosigkeit und Naivität in den bundesdeutschen Regierungsbüros. Die scheinen doch tatsächlich hochsensible Information im unverschlüsselten Klartext auf (Windows!)-PCs abzulegen, die im Internet sind. Dümmer geht es nicht. Da kann doch wahrlich niemand von unserer Landesmutter eine Interbention in dieser Angelegeheit verlangen. Das wäre so, als ob jemand einen Juwelierladen eröffnet und dann an die Moral appeliert, da doch nachst bitteschön nichts rauszutragen.

Im Übrigen betreiben die Amerikaner seit Jahr und Tag ein perfektes Abhörsystem Echelon, das quasi ganz offiziell sämtliche Kommunikation auf diesem blauen Planeten mitschneidet. Da die USA kein Schurkenstaat ist, ist das natürlich OK. Das entspricht dem Gedanken vom wohlmeinenden König, er besser als jede Demokratie sei.

Nun aber weg von der hehren Politik und hin zu den kleinen Dingen dieser Welt. Heute wird das Dekobild (ganz oben) dynamisiert. Andrew Tetlaw aus dem antipodigen Australien hat ganz rührig eine eine ¬Javascript-Bibliotek geschrieben, die Anregung sein soll. Seine Bibliothek macht nur weiche Übergange zwischen den Bildern einer Diashow. Es muss doch möglich sein, auch mit anderen Effekten zu arbeiten. Ziel ist der Effekt, den man seit einiger Zeit als rollendes Plakat an Straßen sieht. Na schauen wir mal.
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Montag, den 27.08.2007 [10:00]
I brake together – so das gestrige Motto des Helge-Schneider-Konzertes im Hamburger Stadtpark. Apropos Hamburg: Was wäre Hamburger ohne seine Bewohner? Eine Stadt ohne Menschen, nur Häuser und Straßen. Die bräuchte man dann auch nicht mehr. Hamburg wäre nur eine Stelle an der Elbe. Und so fing es auch an. Da kam ein fettes Schiff und da haben die einen großen Eisenring hingeworfen. Daraus entstand der Nichtbinnenhafen. So Helges Auslegung der Geschichte eines Stadtstaates an der Elbe.

In der Zugabe („Ich bin ja froh, dass ihr da seid und nicht andere Leute.“) kam es zum Höhepunkt des nicht ganz lauen Augustabends. Es war sein imitiertes Duett mit der Rocklegende Udo, in dem er zuerst im Wechselgesang mit ihm singt und dann seinem „Gegenpart&ldquo, sagen lässt: „Lass uns doch zusammen singen.“ Jetzt geschieht das Unfassbare: er singt tatsächlich zweistimmig und man kann deutlich seine und die imitierte Udo-Stimme raushören.
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