Rainers Horen
Sonnabend, den 08.09.2007 [09:36]
Die bunten und bis gestern nicht gesehenen Bilder aus dem Alltagsleben des Dritten Reiches haben in frappanter Weise an das Gehabe der untergeganen DDR erinnert. Eigentlich war es im Herbst 1989 schon alles vorbei — aber ähnlich dem Hitlerregime lief die Propaganda fast länger als das Regime selber. Als Großvater starb, hieß es: „Jetzt müssen die den Schwanz extra totschlagen, sonst wächst er aus dem Grab.“

Die Direktübertragung von den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag auf der Karl-Marx-Alleein (Ost-)Berlin sind schon unheimlich. Die Frage vorweggenommen: diese Balettvorführungen erschienen schon lange lächerlich. Technisch hat der Film etwas Gutes hat: er ist gut komprimierbar. Es hat die Anmutung eines lebendigen Bildes. Da stehen sie noch, unsere Führer, winklächelnd und erhaben — einige Wochen später waren sie tot oder anderweitig inkommodiert.

Damals war es – im Herbst 1989. Im Institut der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften ging es turbulent wie noch nie zu. Jeden Tag gab es offene Briefe am Schwarzen Brett, in denen höhere Agrar-Forscher ihre Befindlichkeit und vor allem ihre Betroffenheit kundtaten. Es war die Zeit des allumfassendes Dialoges. Der professorale Genosse Institutschef hatte sich schon mal zum Englischkurs abgemeldet. Er wartete offensichtlich aus sicherer Entfernung ab, wie es sich entwickeln wird. Und so war es auch. Kurz nachdem Schabowski die Schleusen öffnete, kam es zu einer Institutsversammlung in der „Weintraube“ – unserem Kulturhaus. Selbstverständlich war er immer schon ein Reformer und hat gegen das System gearbeitet. Da kam eine fast ängstliche Frage von einer Zeichnerin: „Wie sieht es mit unseren Jobs aus?“ Sie war die Erste, die dann fürderhin viel Freizeit hatte.

Vielleicht engagiert sie sich jetzt auch in so einem Verein wie der Stadtparkverein von Hamburg. Der Herr in dem kleinen Film nebenan ist auch so ein bewunderungswürdiger Enthusiast. Er baut eine Sonnezeigeuhr. Das ist ein Gerät, das dem geneigten Parkbesucher anzeigt, wo die Sonne jetzt gerade steht. Nebenbei erfährt er auch noch, wie spät es ist. Bisher ist das ein Holzmodell. Falls genug Geld zusammenkommt, wird daraus ein stählernes, begehbares Kunstwerk mit hohem didaktischen Wert.
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Freitag, den 07.09.2007 [09:09]
Truetype-Schriften sind nun wirklich nicht sehr ästhetisch und es gibt da viel Müll – gerade in solchen Sammlungen kostenloser Schriften, wie bei ¬goldenweb.it. Aber dennoch: manchmal braucht man sie doch. Was liegt also näher, als das Werkzeug des Autocompleters in diese Richtung auszubauen. Falls das jemand mal austesten möchte, sollte er in das einsame Eingabefeld irgend etwas eingeben und schon kommen die tiefsinnigen Schriftproben.

Belehrung: In das erscheinende Eingabefeld dürfen auf gar keinen Fall umstürzlerische Texte eingetragen werden. Der rollende Bundestrojaner wird es überwachen!

Viel Spaß! Noch eine Bemerkung: Man kann nicht nur die Schrift und den Text sondern auch die Farben ändern.

Der Abend gestaltet sich wie immer. Ohne Televisor brauchts schon etwas Phantasie. Aber es gibt auch noch andere Medien. Nun gehören wir schon lange nicht mehr zur Generation Daunlohd, trotzdem geht das Einiges. So läuft gerade „Das 3. Reich in Farbe“. Es ist schon beklemmend, wie eindringlicher diese Filme in Farbe wirken. Die Schwarzweißrot-Optik hat eben doch eine andere Wirklung als die grautönige Variante.
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Mittwoch, den 05.09.2007 [18:43]
Heute darf unser grüner Troll seine Lebenszeit in dem Büro einer weltbekannten Übersetzungsagentur am Victoriakai in Hamburg verbringen. Trotzdem scheint es ihm nicht so recht Spaß zu machen. das quirlige, pulsierende Leben um ihn stört seine kontemplative Art. Er fühlt sich als Sonderling und würde viel lieber zur Büromannschaft dazugehören. Oder vielleicht doch nicht. Jedenfalls möchte er bald wieder auf dem heimischen, eichenen Schreibtisch den Datenverkehr des Routers bewachen.

Das ist eine Aufgabe, die ausfüllt. Was da alles durch dier Leitung rutscht.

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Dienstag, den 04.09.2007 [22:24]
Die Wanderung der versteinerten Knetfigur (mit Baguette) erinnert an die Reise des Gartenzwerges im modernen Märchen der fabelhaften Amélie. Der Gartenzwerg kam nur weiter in der Welt rum ;-))

Dieser erfolgeiche und sicher auch ansehnliche Film hat in Frankreich viel harsche Kritik geerntet. Es wird da so einen Pariser Welt skizziert, in der es keine dunkelhäutigen Neuankömmlinge gibt und wo keine Autos brennen. Ist eben doch ein Märchen.

Am Wochenende brillierte im Goldbekhaus ein multimediales Stück von einer gewissen Daniela L.
Im nebigen Klangschnipsel ist unschwer die gegenteilige Ambition zu erkennen. Hier geht es nicht um gefällige und leicht zu verdauende Hausmannskost, sondern um ein aufrüttelndes Epos, deren Sinn und Anliegen aber leider auch nach mehrmaligem Hinhören nicht vollständig erkennbar ist. Vielleicht gibt es auch keinen Sinn. Es erinnert an Sinnlosigkeit von Flash-Intros gewisser Webseiten. Sie sollen nur demonstrieren, was der Grafiker so kann. Der Schaden besteht eigentlich nur im Wegsaugen des kostbaren Gutes der Aufmerksamkeit des zufälligen Webseitenbesuchers.

Die P?formänserin im Goldbekhaus konnte auch gut singen, Grimassen schneiden und tanzen. Das sei ihr unbenommnen. Das bildungsbürgerliche Publikum aus Winterhude war sehr geduldig – nur eine Mutti verließ noch vor der Pause mit ihrem größeren Kinde den ausverkauften Saal. Der Rest hielt bis zur Zugabe tapfer aus.

Unser deutscher Gnom durfte heute einmal neben einer chinesischen Statue sitzen. Sieht nicht gut aus. Ich glaube, er kam sich sehr erdrückt vor. Da nutzt ihm auch nicht die bestausgestattete Männlichkeit, die neuererdings in Männerfilmen wie Das fünfte Element durch Einspielen von türkischer Musik symbolisiert wird. Sind wir schon soweit?

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Montag, den 03.09.2007 [22:47]
Gerade als die letztwöchige Stimmsynthese erste Erfolge zeitigt, hat sich auch unser Bruder im Geiste ¬Jeroen zufällig(?) mit dem Thema beschäftigt. Gibt es doch ein morphogenetisches Feld? Da setzen wir eins drauf und lassen in unserem Sprechautomat die Parameter tanzen:
Da geht doch Einiges! Zumindest kann der bis jetzt gelangweilte Besucher, Stimme, Sprechgeschwindigkeit und Stimmhöh sowie den Text frei einstellen. Ist doch was. Kann man mal Mutti telefonisch erschrecken …

Nun mag man nicht viel von Esoterik halten, aber dieser stramme Bursche und Wächter des Horisten-Routers, geformt vom Geist und den Händen eines Zwölfjährigen, hat es in sich. Auf den angeschlossenen Rechnern ist noch die ein Virus gelandet. Mag wohl auch daran liegen, dass die Schoßlinge die gleiche Farbe wie dieser Vermittler zwischen Buten und Binne hat. Aber: der Troll ist voll in Web2.0β. Ist er doch grün, muntert zum Spielen auf und bietet einen weiten Interpretationsspielraum. Schmutzfinken sehen da sofort eine Phallus – kann nicht sein. Zum Zeitpunkt der Trollgeburt war der Schöpfer noch nicht im Knabenzorn. Mulitikulturell geschultes Personal hat in dem Ding zwischen den Beinen ein Brot mit viel Sesam sehen wollen. Eine junge ?????erin, die am 8.8.2008 voraussichtlich ihren Habib heiraten wird, schlug vor, den jungen Künster mal einem Psychologen vorzustellen.
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