Rainers Horen
Sonnabend, den 29.09.2007 [16:31]
Sitzt man zaungastig in einer modernen, hanseatischen Übersetzungsagentur, bleibt es nicht aus, dass potentielle Kunden anrufen und Wünsche äußern. Dann kommt auch die Frage: „Übersetzen Sie auch Webseiten?“. Die Nachfrage ist berechtigt und gerade die Globalisierung legt solche Wünsche nahe. Nun wäre das alles kein Problem, wenn die Webseitenbesitzer ein professionelles Redaktionssystem benutzen würden. Dann würde man die Texte in der Datenbank übersetzen und gegebenenfalls die Texte in den Templates austauschen et voilà — schon ist die Homepage lokalisiert.

Leider sieht die Realität anders aus. Die Printagentur, die auch die Flyer und Visitenkarten entwirft, macht das mal gleich mit und so darf dann ein pubertierender Sprößling (Sohn der Putzfrau) die gewünschte Webseite bauen. Dort findet erfahrungsgemäß keine Trennung von Text und Layout statt. Suchmaschinenkompatibilität und Barrierefreiheit — Pustekuchen! Es sieht eben schön aus, mehr ist nicht. Jetzt kommt jemand auf die geniale Idee mit der Internationalisierung. ja, das kann ja wohl nicht schwierig sein.

Jetzt könnte ein verantwortungsloser Auftragnehmer (so etwas soll es geben) die komplette Seite via wget oder einer anderen Runterholmaschine runterladen, übersetzen lassen und das ganze Geschrubble wieder abliefern. Das wäre dann die Übersetzung, die dann allerdings eine extrem kurze Halbwertzeit hat. Im Extremfall werden so Shopsysteme übersetzt ;-))

In dem Zusammenhang poppt die Frage hoch: könnte man nicht einfach fertige Webseiten im Web editieren und damit übersetzen? Ist zwar vom Gesamtkonzept (gelinde gesagt) kontraproduktiv &mdash, wäre aber eine technische Herausforderung. Nach erfolgter Bearbeitung könnte man das Resultat wieder zurückspielen.

In dem ganzen Zusammenhang taucht der Wunsch auf, tatsächlich einfach nur die HTML-Seite zu übersetzen. Nun wäre es kreuzgefährlich, den Übersetzer in dem HTML-Gewusel arbeiten zu lassen. Wie schnell ist dann plötzlich die Seite „zerschossen“. Außerdem ist die Bearbeitung im Bidi-Modus (Mischung aus rechts- und linksläufiger Schrift) fast unmöglich.

Also mal rein ins Netz. Es geht um die Frage, wie kann man mit Bordmitteln eine Webseite editierbar machen. Es gibt zwei inkompatible Verfahren (ein Activ-X-Teil und Mozile), die offenbar keine Verbreitung gefunden haben. Nun gibt es noch das plattformübergreifende DHTML-Verfahren, bei dem ein ganzes Dokument in den Designmode versetzt wird. Das hat zur Konsequenz, dass DIVs usw. in IFRAMEs verwandelt werden. „Marktführer“ dabei ist tiny_mce, das in den meisten Redaktionssystemen eingesetzt wird. Daneben gibt es noch ¬SWiK von dojo und ein Ding, was sich ¬xopus schimpft.

Hier ein kleines Demo. Beispielsweise könnte jeder in nachfolgendem Feld den Text frei gestalten:


Die Lösungen versetzen einen Textbereich in den WYSIWYG-Mode. Somit kann der Redakteur sehr frei das Erscheinungsbild bestimmen. Das ist zwar nett, führt aber nicht zu nachhaltigen Lösungen, weil es den Redakteur verführt, seine Seite frei zu „gestalten“. Was aber nun, wenn beschlossen wird, dass ab morgen ein neues CI auch im Web zum Tragen kommt. Wer editiert dann die alten Seiten? Die Kosten gehen dann schnell nach oben. Immerhin kann man die alten Texte, die jetzt zu Layout mutiert sind, nicht weiterverwenden. Gerade ein Redaktionsystem schreit doch nach Trennung von Text, Textstruktur und Layout. So wird gute Technik nicht dazu benutzt, langfristig Investitionen zu schützen.

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Donnerstag, den 27.09.2007 [14:13]
Immer wieder wird der Wunsch laut, wertvolle Informationen über innovative Produkte und neuartige Dienstleistungen per eMail zu verbreiten. Damit alles schön gefällig aussieht, muss es selbstverständlich eine HTML-Mail sein. Nur so hat man „volle Kontrolle“ über das Erscheinungsbild und die Gewähr, dass die Post gleich im Junkordner landet. Da aber schließlich das erfolgreiche Bussines darin besteht, das zu tun, was der Kunde will, wird das Ziel mit großere Vehemenz angestrebt.

Wie entsteht maschinell eine HTML-Mail? man könnte ein spezielles CMS verwenden, deren Output plus Anhänger dann in die Mailschleuder geworfen wird. Der Kompromiss bestünde in der nicht vollen Layoutkontrolle. Man könnte die eMail von einem Grafiker als TIFF bauen lassen und das dann vermailen — gute Idee.

Nein, eine vermeintlich gute Idee ist es doch, vorhandene Werkzeuge zu nutzen und dann das Produkt weiterzuverwenden. Jede Sekretöse kennt sich mit Word aus. Was liegt also näher, diesen Newsletter mit Word zu entwerfen, als Webarchiv abspeichern zu lassen, ins Web zu laden und dort das MIME-Geraffle zu analysieren und dann die Teile per MIME-Mail zu versenden. Klingt einleuchtend. Leidert steckt der Teufel im Detail: in der Webvorschau ist alles OK, aber die Renderer in den Mailprogrammen, machen Dinge, die nicht nett sind. Thunderbird macht das wunderbar, aber wie zu erwartenwar spinnt Outlook - was ein wenig verwundert, da es doch aus der gleichen familien kommt. Aber genau das verwundert schon lange nicht mehr.

Nach Suche in dem Wordwust findet sich nebiger Dialog, der einen gewissen Einfluß auf das HTML hat, was beim Export nach Webarchiv wirksam ist. Nur wer hat jetzt die Zeit und Muße, die Auswirkung der vielen Schalter auf das Ergebnis im Outlook auszutesten? Letztlich ist das ein Job, der immer unterbezahlt bleiben wird. Tatsächlich werden verschiedene Auszeichnungen (insbesondere Hyperlinks) in Word, im Web und in Mailer verschieden angezeigt. Die Erfahrung der letzten 48 leidvollen Stunden — Hände weg von Microsoftprodukten.

Und nun das Gute: in den automatisch versendeten Antwortmails sind oft wertvolle Informationen enthalten — beispielsweise Telefonnummern, eMail-Adressen oder gar neue Ansprechpartner (samt Kontaktinfos), die fürderhin gerne solche Newsletter erhalten möchten.
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Mittwoch, den 26.09.2007 [23:40]
Die Welt ist nicht logisch— dazu braucht es nun wirklich keine Beweise mehr. Raucher ruinieren sich mit hohem finanziellem Aufwande ihre Gesundheit und gerade Raucherinnen lassen ihre Haut schneller altern. Die Nachbarin hat gestern den 10-qm-Fußweg im Novalisweg mit hohem apparativen Aufwande (sie konnte die Puste kaum tragen) von gefallenem Laub „befreit“.
Und doch ist die uns umgebende Welt logisch: der Raucher, nachdem er seine ersten Lullen gequarzt hat, empfindet das Rauchen als einen Genuß, er kommt damit kurzfristig in den Nichtraucherstatus, er ist nicht mehr kribbelig und retardiert/sedatiert. Und die nette Nachbarin wollte die niedere Arbeit des Straßenkehrers für sich und das soziale Umfeld aufwerten. Das Führen einer so unhandlichen und lauten Maschine ist ja auch so verantwortungsvoll …

Klingt schrill? Ist es auch. Sorgen kann man sich viele machen, auch um die Fortbestand der menschlichen Rasse. Da beginnt eine 38-jährige Jungfer in einer Kontaktbörse ihre Selbstdarstellung mit: „Ich suche einen Mann, der genau wie ich, wenig Zeit hat und beruflich sehr eingespannt ist.“. Sehr wohlwollend könnte man das psychologisch als paradoxe Intervention apostrophieren. Es ist gewissermaßen ein selbsttherapeutischer Hilfesschrei einer gequälten Seele. Das muss aber sehr unterschwellig sein. In der Soheit glaubt sie wohl wirklich, was sie schreibt — oder hält es zumindest für opportun. Weiter unten schreibt sie auf die Frage, was ein Trennungsgrund sei: „Beischlaf ohne Kondom(e)„ (Klammer vom Autor). Na, selbst der Papst ist gegen Kondome — und der muss es ja wohl wissen.
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Dienstag, den 25.09.2007 [18:31]


Der letzte Sonntag hat mit seinem grandiosen Wetter endgültig den lauten Herbst eingeläutet. Warum laut? Die industrielle Revolution hat Geräte herausgebracht, die handwerkliches Geschick in Jedemanns-Krach verwandeln. Beispiele gefällig? Als damals im Weimarer Kirschbachtal die Zeit der Wiesenmahd herankam, freuten sich alle Hausfrauen. Denn jetzt kam Herr Vogel (s.A.) ins Spiel. Nur mit derben Schuhen und einer kurzen Hose bekleidet, legte er erstmal einen breiten Gürtel an, zu dem auch ein blecherner Köcher gehörte. Dort stak der Wetzstein gewässert und wartete auf seinen Einsatz. Nun wurde die achtungserheischende Sense aus dem Keller geholt und Herr V. drehte sie breitgebeint rum, so daß der kurze Stummelgriff der Sense auf dem Rasen vorm Hause aufsetzte und das eisene Schneideisen einen Bogen zum Himmel bildete. Jetzt legte der Sensenmann die linke Hand flach obenauf, die rechte Hand ergriff den benetzten Wetzstein und nun begann das Ritual des Dengelns. Die Hausfrauen sahen darin schon Vorzeichen des nun Kommenden.

Herr V. schritt zur ersten Wiese vor dem Haus und begann mit weitausholenden Bewegungen das hohe Gras, die Disteln, Kletten und Brennesseln zwischen Strasse und Lotte zu schneiden. Das Muskelspiel, der von Schweiß triefende Körper, das Geräusch des Grasschneidens ‐ einfach ein Gesamtkunstwerk. Nach einiger Zeit hielt er inne und das Dengelritual wiederholte sich. Nach getaner Arbeit kam seine Frau aus dem Hause und rechte das Gras zu Haufen zusammen. Später wurde das Heu von Bauern, Kleintierhaltern und Heufetischisten abgeholt. Heute wird so eine benzinfresssende Höllenmaschine aus dem Schuppen geholt und alle Anwohner halten sich die Ohren zu oder drehen ihren Fernseher noch lauter.

Als die erweiterten Grundlagen des Sozialismus nach dem 8. Parteitag der SED geschaffen wurden, da wurde landab und landauf gewerket. Und wenn dann der Platz vor der Konsumkaufhalle neu mit Gewegplatten belegt wurde, dann blieb es nicht aus, dass Platten geteilt werden mussten. Es gibt da Gullydeckel oder schräg einmündende Wege. Der Steinsetzer nahm eine neue Platte oder eine schon mal Geschnittene, dann ritze er mehr symbolisch ein, wie der Bruch verlaufen sollte und vorsichtig wurde jetzt Schlag für Schlag gewissermaßen gekörnt. Dann kam der Moment der Schlagreife. Der Arbeiter schlug stumpf auf eine wohlfeile Stelle und auf wundersame Weise teilte sich die Platte. heute holt der Arbeiter der Faust ein Flex und kreischt ratzbatz den Stein durch. So einfach kann das gehen.
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