Rainers Horen
Freitag, den 12.10.2007 [14:23]
Die Vortragsabende bei Lehmanns in den Kurzen Muehren sind aus vielerlei Hinsicht sehr ergiebig: es ist zum einen der spannende Vortrag , das Ambiente und vor allem das gebildete Publikum – wie wohltuend!

Auf dem Wege dahin hat uns das Schicksal bewiesen, dass auch sehr unwahrscheinliche Dinge eintreten können. So geschehen auf dem Wege vom Büro in die Innenstadt. Da radelt man nichtahnend gen Berliner Tor, da tauchen plötzlich alte Bekannte auf, man steigt ab und schwupp macht es pfffffft. Der Vorderreifen ist platt. Was ist passiert? Beim Absteigen hat das lederne Hosenbein das französiche Ventil aus dem Schlauch gerissen. Nach sechs Euro und sieben Minuten (Hände waschen nicht mitgerechnet) war alles wieder OK. Dank an Batavia in der Schmilinskystrasse für das Werkzeug.

Gestern war nun der OpenSource-GIS-Guru ¬Jochen Topf aus Karlsruhe zu Gast. Er redete über Neogeografie.
Was ist das? Früher waren die Vermesser oder Geodäten eine geschlossene Gruppe, die im Auftrage beispielsweise des Katasteramtes sehr genaue Messungen machen, wo nun die Gebäude stehen usw. Seit es GPS gibt und google mit den Produkten google-map und google-earth punkten, ist das Thema GPS in aller Munde. Mittlerweile ist es auch wegen der Navigeräte in aller Autos. Es tun sich quasi zwei Welten auf: auf der einen Seite die althergebrachten Spezialisten, die sehr teure Daten erfassen und dann eben die freie Szene, die andere Schwerpunkte hat. Misstrauen auf beiden Seiten ist vorprogrammiert. Solche Vorträge können da Brücken schlagen. Auch im EDV-Bereich gibt es in großen Konzernen oftmals zwei Abteilungen: auf der einen Seite die althergebrachte Großrechnerabteilung und dann die Neue, oft Neue Medien genannte.

Auch Anzeigen sind ein Zeitbild. Immer wieder ergötzlich sind die Anzeigen in der russischsprachigen Zeitung aus Hamburg:



Zur Erklärung für die Nichtkenner der kyrillischen Schriftzeichen: ??????????? kann man als IDIOTENTEST lesen. Nun wissen wir auch, wo sich die größten russsichen Ansiedlungen in Deutschland befinden :=)
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Mittwoch, den 10.10.2007 [19:02]
In Hamburg leben ca. 130000 Russen. Unter Russen wollen wir einmal alle Menschen verstehen, die früher in der UdSSR gewohnt haben. Das sind also Russen, Russlanddeutsche, Deutschlandrussen und Juden aus Russland. Letztere Gruppe bringt in Hamburg eine Monatszeitschrift ? ??? ? ???????? auf den Markt, die u.a. die Integration zum Ziel hat. Vom Layout und der graphischen Gestaltung kann sich manch deutschsprachiges Objekt eine Scheibe abschneiden. Ein steter Born der Freude sind die Kleinanzeigen – ein besonders nettes Beispiel ist obige Wohnungsanzeige. Die fortlaufende Sprachumschaltung ist schon witzig. Die Frage bleibt, ob nun Erdgeschoss oder Belle Étage gemeint ist. Der erste Stock ist in Deutschland ist in Russland der zweite.

Heute wurde wieder viel über SSL und speziell über die Zertifikatgenerierung gelernt. Da tut sich vielleicht eine Welt auf!

Auch Muttisein ist nicht mehr das, was es mal war. Im ¬Schnullerfamilie-Forum findet sich so manche Kostbarkeit. Also unsere altvorderen Mütter machten sich andere Sorgen, sie hatten auch keine Apothekerwaagen, um unsere Atzung exakt abzuwägen … Die besorgte Mutti hat ja aber auch schon über 8000 Beiträge in ihrem Forum geschrieben. Fragt sich, wie das weitergehen soll. Ihr Mann hatte in der Kindheit mal eine flüchtige Allergie und nun muss das kleine ind ein wenig darunter leiden.
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Dienstag, den 09.10.2007 [18:51]
Die Frage, was Gerechtigkeit ist, hat eine lange Tradition. Haben das nicht schon die alten Griechen ventiliert? Vielleicht lässt sie sich auf die Frage reduzieren, ob Menschen mit geringer Leistungsfähigkeit und/oder Motivation zu „bestrafen“ sind. Letztlich ist es die Frage, ob die menschliche Gesellschaft Unterschiede ausgleicht (Physik: Entropiezuwachs usw.) oder ob oder verstärkt. Wäre es nicht perfekt, wenn den Armen die erste Version und den Anderen Zweiteres vorgegaukelt wird? Gut, den leistungsträgern muß man das nicht suggerieren, die sind ja deshalb so erfolgreich, weil sie klare Bilder sehen.

Klassisches Beispiel ist die Besteuerung: soll sie degressiv oder progressiv sein? Progressive Steuer bestraft die Leistungsträger, degressive Steuer bestraft die „Tagediebe“ In der aktuellen Diskussion über die Veränderung des Modus der Arbeitslosenversicherung wird es deutlich. Für alle Fragen gibt es immer mehrere Antworten und für alle Antworten gibt es wohlfeile Begründungen. Gibt man den älteren Arbeitnehmern länger Stütze, dann demotiviert man sie. Wenn man den Statistiken glaubt (und wer tut das schon), ist der Rückgang der Arbeitslosenzahlen auf die Angstmache durch die Kürzung des Bezuges auf zwölf Monate zurückzuführen. Die Angst vor der Verhartzung treibt die Menschen schneller in minderbezahlte, prestigeärmere Jobs. Das System hat seine Hausaufgaben gemacht.

Und nun wirbt die Hamburger CDU mit großen Plakaten dafür, dass sich die Bürger ihr Recht auf basisdemokratische Mitbestimmung absprechen lassen. Auf dem wochenendigen Markt am Goldbekkanal war auch wieder so ein Stand mit politischen Aktivisten der machthabenden Partei und ungefragt wurde ohne Nachfrage ein Gedankengebilde hingestellt, das letztendlich davon überzeugen sollte, dass der Volksentscheid Teufelszeug sei. Der Einwand der schweren Vermittelbarkeit dieser These gegenüber dem Stimmvieh hat zum sofortigen Schenkreflex (Haribo, Kuli) geführt. „Wieviele Kinder haben Sie?“ Antwort: „Ich will Sie und Ihre Partei doch nicht ruinieren … “
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Montag, den 08.10.2007 [21:03]
Nun ist nach anderthalb Stunden mit openSuSE alles klar: Das ganze Linux-Geschrubble geht nur, wenn man in YaST als zusätzliche Installationsquelle den Downloadserver von openSuSE einträgt. Dann klappt es auch mit dem LAMP-Paket. Jetzt brauchts nur noch die SSL-Zertifikat-Verwaltung für den sicheren Transfer der Texte und Dokumente und das PHP-Modul für den Fortschrittsbalken.

So fängt der Montagmorgen im Büro also wieder sehr produktiv an und der Schwung hält immer noch ;-)). Gestern Abend lief im Deutschlandfunk aus Köln eine aufschlussreiche Sendung. Unter dem reißerischen Namen „¬Office to go“ wurde der Mikrokosmos Büro zerpflückt. Immerhin arbeiten 17 Millionen Deutsche in diesen Zweckbauten und – wie wir erfahren haben – meistens unmotiviert. Entweder wird aktiv gegen das Unternehmen gearbeitet oder zumindest nur Dienst nach Vorschrift abgeleistet, was ja auch einer inneren Kündigung gleichkommt. ES ist alles eine Frage der berühmten Motivation, die fast alle Neueingestellten für eine gewisse Zeit haben. Laut Aussage von Wissenden beträgt der Honeymoon der Angestellten ca. 12 bis 18 Monate. Schon in der Fünfzigern des letzten Jahrhunderts hat sich der US-amerikanische Soziologe McClelland Gedanken gemacht, wie Menschen wohl ticken, warum sie arbeiten. Es gibt da vielerlei Ansätze: homöostatische, kognitive, anreizorientierte und siehe da auch humanistische Modelle und McClelland ist neben Maslow, Alderf, Herzberg, Vroom … nur einer der Analytiker menschlicher Motivation. Seiner Meinung nach gibt es leistungs-, gesellungs- und machtorientierte Menschen. Das ist natürlich nur ein Modell. In Wahrheit hat jeder Mensch alle drei Bestandteile — aber jeder und jede setzt so seine oder ihre Schwerpunkte.
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