Rainers Horen
Sonnabend, den 27.10.2007 [15:42]
Es wundert, dass das Elend in Netzkontaktbörsen noch nicht medial verwertet wurde. Vielleicht will das niemand hören, es zerstört die Hoffnung auf ein besseres Leben. Catulus hat da einen netten ¬Blog mit em Titel „über das Leben eines Langzeitsingles“ aufgesetzt, in dem er seine (nicht immer nur schönen Erfahrungen) in dieser Lebensphase niederschreibt. Scheint eben doch ein globales Problem mit dem gegenseitigen Unverständnis zu sein. Die Rolle der Frau hat sich in den letzten Jahren gewaltig gewandelt und beide Seiten kommen damit nicht ganz zurecht.

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Donnerstag, den 25.10.2007 [11:23]
Bald beginnt der Novemberblues, schon deswegen weil nun wieder der Unsinn mit der Zeitumstellung getriebn wird. Als Stimmungsaufheller und als Ablenker bauen wir uns eine google-map-Baustelle.



Letztlich dreht sich alles um KML und um gpsbabel. Insider wissen Bescheid.
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Dienstag, den 23.10.2007 [23:54]
Wie immer in der Menschheitsgeschichte stehen wir gerade in einer Umbruchsituation. Das ist eine schönes Thema, das immer wieder gerne aufgenommen wird. Da alle Menschen die Welt aus ihrer Sicht sehen, so sehen sie sie auch aus der Sicht ihres Lebenslaufes. Und da das Hirn nach gewissen Regeln arbeitet, erscheint es so, als ob das Phänomen der Ellenbogengesellschaft schlimmer wird oder dass die Jugend immer frecher wird oder dass sich die Gesellschaft immer weiter entfremdet. Nicht weil das wirklich so ist, sondern weil sich unsere Sicht mit wachsender Reife (=Bornierheit) ändert.

Ein Studentenpfarrer aus Frankfurt verstieg sich 1981 im Rahmen eines Partnertreffens zwischen der Ilmenauer Evangelischen Studentengemeinde und einer ESG aus Frankfurt/Main, dass die Zukunft der Menschheit nicht in einer Demokratie, sondern entweder im Katholizismus oder im Kommunismus läge.

So wie sich die Welt heute darstellt sind letzte Varianten unwahrscheinlich. Aber immerhin könnte die nahe Zukunft vom Islam oder von der Religion des Fliegenden Spaghetti-Monsters bestimmt sein.



Gerade zum richtigen Zeitpunkt (je nach Betrachtungspunkt = Renaissance der Religionen oder Sekulärisierung der geistigen Welt) erschien vom englischen Biologen Richard Dawkin die fünfhundertseitige Streitschrift „Der Gotteswahn“. Naja, er kommt da vom Stöckchen zum Steinchen und hört sich gerne reden, aber immerhin sind da doch gute Gedanken enthalten. Auf seine Art ist er schon sehr konsequent und hinterfragt alles. Oder kann man beweisen/widerlegen, dass zwischen Saturn und Mars eine blaugeblümte Teekanne durch das Weltall schwirrt? Das Buch hat hier in Deutschland offenbar trotz großen Medienrummels nicht so den durchschlagenden Erfolg. Auch die letztwöchige Lesung in Berlin war verhalten. Das ist zumindest der Eindruck, der durch den Reporter rüberkam. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es in Deutschland im Gegensatz zu England ein anderes Verständnis von Glauben gibt. Das Nebeneinander von Katholizismus und deutschem Protestantismus bewahrt uns wohl auch ein wenig vor allzu festen Lehrmeinungen.

Neben der Generationen- und Zeitgeistschelte ist auch die Religion immer wieder gerne genommen. Irgendwelche Schlaubergerinnen wollen dieses Wort ethymologisch klären. Das ist natürlich nicht zielführend. Die Wortherkunft kann nur ein Fingerzeig oder ein rethorischer Gesprächseinstieg sein. Der Sinn eines Wortes ändert sich ständig und ist immer ein Produkt der Menschen, die ihn nutzen.

Religion ist wohl eine Glaube, was eine Sprache im Verhältnis zu einem Dialekt ist, nämlich ein Dialekt, der eine Armee hat.

Der Glaube (bei Anton Semjonowitsch Makarenko ist es die Perspektive) ist die wichtigste Triebkraft des Menschen. Das ist es wohl, was uns von den tierischen Zeitgenossen unterscheidet.

Beispielsweise habe diese nebigen jungen, starken im Stadtpark dösenden Männer den Glauben, noch eine lange Zeit auch ohne schweißtreibende Arbeit gut leben zu können. Ist es nicht wunderbar in diesem Land zu leben, in dem das funktioniert?

Jetzt aber mal was zum Glauben an sich selbst und an das Recht auf Lebensglück. Seit der Zeit der Romantiker wie Novalis und Hölderlin existiert der Glaube an die romantische Liebe. Bis dato hatte das etwas mit zweckmäßigkeit zu tun und plötzlich galten ganz andere Maßstäbe. Es ist ja auch wunderbar daran zu glauben, dass da mal ein Mensch im Leben vorbeikommt und plötzlich gelten die Regeln von Macht und Rechtbehalten und Stärke nicht mehr. Das ist ein Traum, der sehr gut unserer innere Zerissenheit auflöst. Das weiß auch die Medienindustrie und überschüttet uns fast alle (bis auf die Nicht-GEZ-Zahler) mit dieser schönen Illusion. Oft gehört und gern geglaubt.

Es ist ein wenig das, was Frau von Thun ihrem Manne zuruft, wenn er von seiner Vorlesung zum Thema der Humanistischen Kommunikationspsychologie nach Hause kommt: „Na Mann, hast Du den Leuten wieder Eigenliebe eingebläut und sie zu Egoisten erzogen?“ Auch im Büro glaubt alle Welt, dass der Job dazu da sei, sich zu verwirklichen.

¬Lawrence Kersten vermarktet gerade in den Staaten die gegemsätzliche These. Enttäuschungen und Unzufriedenheit ließen sich vermeiden, schreibt Kersten, "wenn Angestellte weniger überzogene Ideale bezüglich ihrer Arbeit pflegten. Warum muss ein Job unbedingt sinnstiftend und erfüllend sein? Reicht es nicht, wenn er lohnend ist?"

Kerstens Schlussfolgerung: Mitarbeiter sollten aufhören zu verlangen, dass der Arbeitgeber ihrem Leben einen tieferen Sinn verleiht.

Unsere Schlussfolgerung für einsame, sich nach Liebe und Geborgenheit sehnende Zeitgenossen: vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Dann klappt es vielleicht auch noch vor dem schmerzhaften Siechtum oder dem plötzlichen Tode mit der Zweisamkeit. Basta!
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