Rainers Horen
Mittwoch, den 21.11.2007 [21:28]
Gestern war also wieder einer dieser erbaulichen Abende bei Mensa. Äh, das ist nicht die Speisehalle für Studierende und andere Randgruppen. Jedenfalls ging es heute in dem Nebensaal eines Italieners in Eppendorf um eine alternative Heilmethode. Also diesmal nicht die Persönlichkeitsanalyse über Blutbilder, die über das Dunkelfeldmikroskop beobachtet werden (das war im Sommer dran), sondern um systemische Hörbildanalyse. Systemisch ist schon mal ein wunderschönes Blähwort und wird auch gerne bei Bert Hellinger verwendet. Das bedeutet soviel wie „auf das Ganze mit all seinen sichtbaren und unsichtbaren (feinstofflichen) Wechselwirkungen bezogen“.

Das ganze Gedankengebilde geht auf die Überlegungen des in Nizza geborenen französichen HNO-Arztes Alfred A. Tomatis zurück. Dieser Arzthatte viel mit Sängern und Metroangestellten zu tun. Er beobachtete gerade bei den Metrofahrern und -angestellten ein eingeschränktes Hörvermögen. Er kam zu der Meinung, dass das Ohr mitdenkt und quasi für das Hirn vorfiltert. Durch gezieltes Training (abwechselndes Hören über die Luft und über Körperschall) wird das Hörvermögen entscheidend verbessert. Die Behandlung hat wohl die Metro bezahlt ;-))

Jedenfalls gibt es nun in Deutschland eine ganze Menge Komplementärmediziner, die gewisse Heilsversprechungen abgeben, Aufmerksamkeit und Ganzheitlichkeit verkaufen. Letztlich ist das auch wieder so eine Methode, um Gläubige zu bekehren.

Der abendliche Referent geht aber noch weiter. Er hat einen neuen singulären Schlüssel gefunden. Das ist der Traum vieler Männer. Denken wir nur an die Suche nach der allumfassenden Theorie in der Physik, die Relativitätstheorie und Quantenphysik vereinigt. Professor Hans-Peter Dürr hat behufs dessen die Wirks eingeführt. Frodo Beutlin wirft den Ring in den Vulkan und alle Völker sind erlöst, die Feministen sehen die Erlöung in der Unterdrückung des männlichen Wesens, der Blutheiler sah den gesamten Menschen im Blutbild des Dunkelfeldmikroskopes und der gestrige ehemalige Reiseverkäufer sah die innere Kalibrierung des Menschen in seiner Hörkurve. Seiner Meinung nach hatte der nicht immer optimale Verkaufsgesprächsverlaufes seine Ursache nicht im Verkäufer, sondern quasi im beratungsresistenten Kunden, der einfach nicht zuhört. Und so entwickelte er die Theorie vom selektiven Hören, seiner Verbesserung und der wirklich genialen Möglichkeit der Persönlichkeitsanalyse über die Hörkurve des Individuums.
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