Rainers Horen
Sonnabend, den 23.02.2008 [21:53]
Versprechen werden hier gehalten und so kommt jetzt hier eine kleine Demo, wie die Videopräsentation für die ukrainische Präsidentin aussehen könnte. Ob die Hamburger Politiker morgen ab 18ºº Uhr ihre Versprechen halten, werden wir sehen.



Heute hat Dr. Iselore Reimann aus Weimar ihren großen Geburtstag. Glückwunsch!

Gestern ist das türkische Heer in den Norden des Iraqs eingefallen. Dem Vernehmen nach ist das eine Reaktion auf die fortwährenden Grenzprovokationen der PKK. War ja auch im Frühherbst 1939 so angelegt: die Deutschen überfielen die Polen in Gleiwitz, um den fortwährenden Provokationen seitens der Polen etwas entgegenzusetzen — so legt es zumindest das „Lexikon der Wehrmacht“ von 1943 dar. ist schon seltsam, dass immer kleinere Länder die größen Nationen fortwährend picksen. Dann kommt es immer zum Unerwünschtesten für fast alle Beteiligten.
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Freitag, den 22.02.2008 [13:14]
Nach drei heftigen Tagen mit TypoLight wird nun einiges klar: Nichts ist geschenkt und Mühe wird belohnt. Um individuelle Sachen zu bauen, muss man eben die Templates ändern. Leider nutzt TL als JavaScript-Framework die mootools. Das „leider“ bezieht sich nur auf die nun aufzubringende Mühe. Wer also bisher sich mit prototype beschäftigt hat, wird sich bei ¬mootools wohlfühlen. Zumindest beißt sich JavaScriptbibliothek nicht Ben Nolans ¬Behaviour. Prima! Wissen ist eben ein flüchtiges Gut. Die nächsten Tage wird dann also das ¬Mootorial zur Bettlektüre werden.

In dem Mootorial geht es wie immer wieder am Anfang um Obst und Gemüse, aber später dann, im Kapitel Klassen, Objekte, Vererbung und Implementierung kommen wieder Katzen und Mäuse ins Spiel, die sich gegenseitig aufessen. Das hat dann zur Folge, dass die Maus tot ist (this.alive=false;) und die Katze hat dann mehr Energie (this.energy++).

Auf dem Yahoo!-Videoportal findet sich eine sehensmüssende Vortragsserie vom JavaScript-Architekten Douglas Crockford, der (wie nicht anders zu erwarten war) bei eben dieser großen Firma arbeitet. Er hat es nicht mit Tieren, sondern bleibt in der (für Nichtkybernetiker trockenen) Theorie.

Es ist schon phantastisch, wie effizient heutzutage Informationen und Bildung verbreitet werden können. Hier geht es um hehre oo-Programmierprinzipien; aber sicherlich gibt es für jede menschliche Dummheit eine Plattform. Die Demokratie im Netzt gibt jedem und jede ein Chance, ob es nun der Depooper, außerirdische Bedrohungen oder die feinstofflichen Energiewellenschwingungen sind, alles ist möglich. Und das ist auch gut so. Das Phänomen ist als besondere Alltagskultur bewertbar und stört niemanden.

Seit einiger Zeit tauchen im öffentlichrechtlichen Deutschlandradio Beiträge auf, die an der Seriösität des durch die Allgemeinheit finanzierten Rundfunks zweifeln lassen. Es geht um Kristalle, die in das Fundament eines Geschäftshauses wohlgeordnet eingelassen, die Geschäfte in den Obergeschossen beflügeln oder um jahrtausendalte Erkenntnisse, wie der Lauf des Mondes unsere Geschicke lenkt. Der heutige Tag ist beispielsweise günstig für ökologische, nachhaltige Geldanlagen und für Liebesdinge, allerdings sollte man heute nicht bei den Steuern mogeln.

Gut, solche zeitgeistigen Phänomene haben vielleicht in einer Panoramasendung („Was sonst noch passierte“) ihre Daseinsberechtigung. Oder – gewissermaßen in der Metaebene – könnte in einem der Soziologie oder der Kognitivwissenschaften geweihten Feature darüber nachgedacht werden, mit welchen Tricks vor sich selber die Leute es schaffen, Verantwortung für ihr Tun und Handeln abzugeben und somit ihre Lebenswirklichkeit bewältigen.

Die ¬ukrainische Präsidentin Julia Timoschenko (???? ?????????) hat sichtlich keine Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein oder mit ihrer Lust auf Verantwortung. Gestern kam im ukrainischen Fernsehen ein Bericht, wie die gezopfte Prinzessin Julia dem lupenreinen Demokraten Putin die Stirn geboten hat. Es hat schon etwas Skuriles an sich, wenn sie mit ihrem im deutschen Sinne ultrakonservativen Haartracht mit diesem personifizierten Macho weltpolitische Verhandlungen führt. Da möchte ich Mäuschen sein.

Auf ihrer Webseite können sich Fanatiker sogar Bildschirmhintergrundbilder runterladen, auf denen sie sich als bizarre Motorradbraut, treusorgende Landesmutter und als aufmüpfige Grafittisprayerin präsentiert. Das ist gute Eigenwerbung! Der Besucher der Homepage kann sich auch die öffentlichen Auftritte der Landesmutter in ¬vielfältigsten Videos anschauen. Nur leider ist keines der verwendeten Formate (asf, wmv, avi) so richtig webtauglich. Da muss die Prinzessin wohl noch nachbessern lassen. Morgen gibt e shier eine kleine Vorlage.

Eine Hotelkette weiht ihre Wellnessetage ein und schwupps bekommen Entscheidungsträger eine Einladung, um das Ereignis entsprechend zu würdigen. Gegen 18:00 Uhr trudeln die ersten Gäste ein. Eintrudeln — das ist eine Tätigkeit, die Gästen vorbehalten ist oder hat man gehört, dass die Deutschen 1939 in Gleiwitz eingetrudelt sind? Schon am Eingang wird ein Stimmungseintrüber in Form zweier Praktikantinnnen positioniert; die wollen doch ernsthaft einen kompletten Personendatensatz in ihre Excel-Tabelle ins Notebook eintippen. Schnell ist Name und Adresse ausgedacht. Im dritten Stock werden wir mit einem Blubberwasser mit dem Namen, der an den Fürsten Metternich erinnern soll, begrüßt. Ist schon eine illustre Gesellschaft. Das muss das sein, was Außenstehende gemeiniglich neidvoll als Schickimicki bezeichnen. Zwischen den Gästen schwirren beflissene Angestellte umher, die durch ihren weißen, sportiven Habitus an Pflegepersonal in Landesirrenansalten erinnern. Dazu trägt auch noch die gesunde Durchtrainiertheit und ihr Namensschild in Brusthöhe bei. Wortfindungsprobleme der Gäste werden durch öfteres Ausstoßen von Worten wie Super oder gar Supi ausgeglichen. Spätestens jetzt reut es mich, keine Knipse mitgenommen zu haben. Es gibt auch Schnittchen und Häppchen — aber dazu später mehr.

Der ganze Wohlfühlbereich ist technisch durchgestailt. Enge Gänge verbinden das Vestibül mit der Laufhalle. Dort ist jedes Fitnessgerät mit einem eigenen Fernseher bestückt. An den Wänden hängen überall große Bildschirme, die eine bunte Musikwelt in die bunkerartigen Räume bringen sollen. Selbst in den Spiegeln der Umkleideräume sind Videos eingebaut. Kommunikation zwischen den Turnern ist offenbar nicht nötig. Nun halte ich nichts von Esoterik — ich pendle nicht. Aber trotzdem spüre nicht nur ich, wie der Aufenthalt in den engen, niedrigdeckigen Räumen Unbehagen erzeugt. Die Anordnung der Geräte, die Farben und das Licht, so etwas Raustreibendes ist mir noch nicht untergekommen. Tagesgäste zahlen 28 €. Das ist etwa das Doppelte anderer Saunalandschadften, wie beispielsweise das Bad in Kaltenkirchen.

Nun etwas zu den Häppchen: es hab Sushi aus Fischersatz mit sehr viel Chemie, Geflügelschaschlik in scharfen Tunke und anderes Fingeressen. Laut nett gestalteter Speisekarte im arte-Look kostet jedes Teil ca. 13 €. Also: es schmeckte nicht lecker oder frisch. Solch eine Einrichtung (ha, da ist wieder das Ostlerwort) hat natürlich keine eigene Küche, sondern lässt anliefern. Wahrscheinlich ist gehört Steigenberger nicht zu den Lieferanten. So schmeckte es auch. Dann doch lieber ein ehrliches Dreigängemenü bestehend aus Bockwurst, Brötchen und Senf.

Es stellt sich die Frage, wer nun die affine Zielgruppe bildet. Also, wenn ich ein gestresster Manager auf Dienstreise wäre, dann würde ich nicht in diese Hölle gehen, sondern einfach zur Elbe und dort würde ich mir dann die unklimatisierte Küstenluft joggenderweise gönnen. Dann ab in die Strandperle und Kontakte geknüpft. Aber — bin ja kein Manager.


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Dienstag, den 19.02.2008 [11:44]
Es gibt auch Tage, an denen ist die große Politik langweilig und auch ansonsten geschieht nur Alltag. Im fernen Pakistan siegt die Opposition, in Deutschland beschützt die Regierung nicht die Interessen der Leistungsträger, da muß wohl etwas schiefgelaufen sein.

Genau an solchen Tagen ist der Moment für einen (Fischerei-)Hafenbesuch gekommen.

Hafenimpressionen

Es ist kalt und die Sonne suggeriert angenehmes Wetter. „Passt schon!“. Ist das nicht wieder so eine unüberlegte Übersetzung aus amerikanischen Seifenopern? Gestern früh bei arte gehört: „Pas Vraiment“ (¬nicht wirklich) — also auch die Franzosen sind dieser Amerikanisierung ausgesetzt, obwohl die verliebte Sackrosine heftig dagegen opponiert. Jetzt hat er gerade den morbiden Vorschlag einer Patenschaft eines jeden französichen Schulkindes mit einem ermordeten Juden gemacht …

Hamburg ist einfach überall fotogen — man braucht nur die Knipse draufzuhalten und schon entstehen Bilder voller hanseatischer Schönheit. Sollen die Landratten ruhig einmal neidisch sein. Die Kasperkopfschnitzer und Schluchtenjodler sollten auch neidisch auf unsere perfekten Sicherheitsmaßnahmen sein. Die robusten Kameras sind ganz unauffällig an vielen Örtlichkeiten platziert. Der Datenschutz wird dabei ganz groß geschrieben. Schade eigentlich, dass die Aufnahmen nicht öffentlich sind. Da sie doch dem öffentlichen Interesse dienen und auch vom Steuerzahler finanziert werden, ist es eigentlich recht und billig, dass man unter ¬hamburg.de die Kameras abrufen könnte. Dann könnte auch der Hamburger in seiner warmen Stube bleiben und Hamburg ganz den Touristen überlassen, die auch dieses Wochenende wieder mit ihren Bussen die Stadt an Elbe und Alster überflutet haben.

Abendstimmung im Hafen

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