So hat die Kurverwaltung St. Pauli unter dem Titel: „Betrunkene Autoren“ ein naturwissenschaftliches Experiment im ¬INDRA durchgeführt. Es ging um die Frage, wie sich der Alkoholgenuss auf eine Dichterlesung auswirkt. Dazu wurde eine öffentliches Protokoll des Alkoholpegels aller beteiligten Lesenden (¬Sven Amtsberg, ¬Xóchil A. Schütz, Lars Dahms, Benjamin Maack, ¬Wiebke Lorenz, ¬Michael Weins, Gordon Roesnik, Alexander Posch und Markus Wiese) ausgefertigt, das peinlich genau in die Messungen und Selbstauskünfte in jeder Leserunde verzeichnet.

Nach vier Runden wurde abgebrochen, auch das Publikum ermüdete zunehmend. Plötzlich war Schluß, die ganze Gerätchen zusamengepackt und schon kann es wieder raus an die frische Luft in der Großen Freiheit.
Viel lässt sich hier nicht sagen: die Eindrücke waren einfach zuviel. Die Hölzernheit der ersten Runde legte sich in der zweiten, dem Bier sei es geschuldet. Späterhin wurde es zunehmend chaotischer. Leider konnte die Audioaufname nicht direkt vom Mischpult gemacht werden, was die Tongüte doch arg einschränkt.
Der gestrige Kram war nun wirklich etwas existentialistisch. So schlimm ist es nun wirklich nicht. Als Ausgleich gibt es heute für alle braven Mitleser ein Mitmachding im Sinne von web2.0β: Einfach oben in gewissem Zeitabstand auf die Bildchen klicken und schon beginnt der Dietrich-Kuhlbrodt-Tanz auf den Halligen. Nichts weiter.

das sind Merksätze aus dem Schlingensief-Meisterstück Egomania aus den Achtzigern. Welcher Gedanke ist gemeint? Der Film, der wohl mehr zu einer Sakraloperette neigt, gibt mir jedenfalls keinen Aufschluß. Es ist ein wunderbarer Film, der die volle Aufmerksamkeit erfordert. Es gibt Filme, die das Hirn keinesfalls beim ersten Sehen verstehen kann. Dieser Film gehört zu dieser Gruppe. Ob das nun ein Veredlungsmerkmal darstellt, sei dahingestellt. „Leergut“ von Jan Svěrák arbeitet auch mit einer grandiosen Bilderwelt — nur arbeitet dieser wundervolle tschechische Film in einem anderen Genre und er erschließt sich auch in Echtzeit. Es ergeben sich also wenig Schnittmengen. Ach, da ist ja wieder das zeitgeistige Wort …
Nun aber wieder zurück zu Christophs späterem Frühwerk. Es ist nicht umsonst erst ab P16 freigegeben. Sex- oder Gewaltszenen sind da nicht erinnerlich. Es is wohl die bilderliche Zitatenwelt, die den Film prägt. Gleich am Anfang gibt es so eine Art Golgatha, dann tauchen die Macbeth'schen Hexen auf. Es ist einfach irre, was man aus einer einfachen Szene zweier über den Deich spazierender Männer machen kann. Thema ist der allseits bekannte sm-Slogan: „Schließ mir die Augen!“:
Ist das nun Balett im Sinne der großen Palucca aus Dresden, eine Oper oder einfach nur total abgedrehte Sakraloperette? Die Musik hat das Multitalent Helge Schneider komponiert. Schlingensief kann also nicht nur Ekel in seinen Filmen hervorrufen, sondern er kann auch apokalyptisch daherkommen. Eine rechte Handlung ist zumindest mir nicht erkenntlich, es ein Aphorismenfilm sein -- wieder so eine unsägliche und bisher unbekannte Schublade. Nun wissen wir es also.
In Pjöngjang 평양 직할시 sollten die Musiker der NY-Philharmie (Botschafter in Frack) das nordkoreanische Regime zum Einlenken in Atomfragen bringen. Die Musiker waren eh in Südostasien, da passte das gut rein. Es ist wohl nicht gelungen. Die Stücke hat man schon mal gehört, aber die DVD wird sich wohl gut verkaufen.
Das Konzert ist „weltweit“ und werbefrei übertragen wurden. So lief es auch gestern auf arte vor dem Themenabend, der sich der Situation Russlands vor der Putin-Wahl widmete.
In den Medien ist die stoische Anteilslosigkeit des handverlesenen Publilums thematisiert worden. Nach mehrmaligem Anschauen fällt aber auf, dass die Koreaner am Anfang, bevor die Musik von Antonín Dvořák einsetzte, sich ganz normal verhalten haben. Sie lächelten, drehten sich um, suchten enotionalen Kontakt mit ihren Nachbarn. Das Wohlwollen endete abrupt mit den ersten Takten des Stückes „Aus der neuen Welt“. ES ist sehr unwahrscheinlich, dass diese ganze höhreren Sicherheitsbeamten oder gar ihre Gattinnen dem Bildungsbürgertum zu zuordnen sind und sie so schnell den feinen Hintersinn erkannt haben. Vielmehr waren sie vielleicht auf ein Estradenkonzert gefasst und waren nun bitterlich enttäuscht. Die ganzen Aufnahmen wirken ein wenig wie ein Bildschirmschoner — bis auf ein unwillkürliches Augenzwinkern oder eine unwirsche Eigenberührung passiert eigentlich nichts Menschliches. Beim Schlußapplaus
stellt sich die Frage, wer die Hände bewegt.
Der zweite Frost des Abends kam auch aus dem Osten, allerdings nicht so viele Werst entfernt. Nächstes Wochenende ist die (lupen-)demokratische Ernennung des neuen Zaren in Russland angesagt und der deutsch/französische Kulturkanal arte widmet dem heutigen Abend dieses Ereignis. Im Anschluß an eine Analyse hat das deutsche Fernsehen tatsächlich in Moskau ein Studio bekommen und jeweils zwei Vertreter der Pro- und Kontraseite waren als Gast zugegen. Da sitzt so eine brünette, putinbegeisterte, schriffstellernde Schönheit names Юденич dem etwas melancholisch gestimmten Chefredakteur der Новая газета gegenüber, dem schon drei Mitarbeiter genommen wurden. Nun gut. Das Hauptargument ist für den neuen Zaren ist seine ganz andere Rhetorik und Körpersprache. Er wird bestimmt keine Zwischenlösung oder eine Marionette sein. Diese Illusion hat sich in Rußland noch nie erfüllt.

