Rainers Horen
Sonntag, den 09.03.2008 [19:29]
In Hamburg braucht niemand einen Fernseher zu seinem Glück – irgendwo ist immer etwas los; und das betrifft fast jede Geschmacksrichtung. So war gestern in Mathilde-Bar eine Lesung der Hamburger Lesebühne ¬LÄNGS angesagt. Das Trio Thomas Nast, Liefka Würdemann und „Der Jörch“ warben mit den Worten Satire und Sex. Jedenfalls musste man im Internet vorbestellen. Nicht nur das – es war auch ausverkauft. Zur Begrüßung gab es einen Schnaps plus Ahoi-Brausepulver. Der Raum im Grindelviertel ist ja auch sehr klein und das Thema beherbergt ein sehr weites Feld.



Es wurde ankündigungsgemäß das Thema Sex auf satirische Weise abgearbeitet. Gleich im ersten Stück wird der angespannten, deutschen demographischen Situation mit der Aktion Ficken für die Rente begegnet. Der weibliche Beitrag von Liefka Würdemann entsprach dem Wunsch aller Männer, nämlich der geilen Frau, die keine Befriedigung findet, weil die Männer so dusselig sind. Da fühlt sich doch jeder Mann geschmeichelt. „Ich in der Situation — da hätte die Protagonistin keine Qual &hellip “ Im Prinzip sind diese Art von Plots (Der gezämte Widerspenstige) der reziproke Ansatz: „meistens“ kämpfen doch die Männer (oft ohne Erfolg) um die Gunst der Angebeteten.

Die Webseite der Lesebühne ist mit Jimdo gebaut. Das ist eine ziemlich schlaue Geschäftsidee: man kann dort kostenlose Webseiten mit einem Baukastensystem bauen. Eigene Domains kosten dann eben Geld und zumindest die kostenlosen Seiten werden vom Anbieter mit Goggle-Ads zugepflastert. Es ist deswegen schlau, weil andere Leute fleißig schönen Inhalt schaffen, den man dann verkauft. Das ist als ob Privat-TV-Stationen Laien vor Kameras agieren lassen und dann mit Werbung verdient wird. Wird das nicht überhaupt gemacht? Naja, für eine Lesebühne mag das noch angehen, aber für ernsthaftere Projekte hinterlässt das schon einen schalen Geschmack, wenn alle Teile der Webseite aus solchen kostenlosen Gimmicks bestehen. Das ist als ob ich zu einer Geburtstags-)Einladung Werbekulis verschenke.

Hier nochmals die gleichen Digiknipsenbilder in der Variante ¬ws-slideshow:



Leider ist bei dem Abspielteil der Name der Spielliste nicht frei wählbar. Man muss also pro XML ein Verzeichnis anlegen und kann nur mit Rewriteregeln diese Listen dynamisch erzeugen – und das sollte in einem WCMS Standard sein. Alles in allem ist diese nette Teil nicht so flexiblel wie die Jeroensche Lösung.

Nach dieser geistigen Nahrung, die satt gemacht aber nicht übersättigt hat, war noch ein Weinchen im Memorandum angesagt. Das ist eine Restaurantbar am Lattenkamp. Direkt gegenüber ist das Schulungszimmer von Greenpeace. So trifft man hier des öfteren begeisterte Weltretter, die ebenfalls nach geistiger Nahrung, körperliche Dinge auftanken wollen. Überraschenderweise wurde aus dem Nichts heraus gegen 11 Uhr das (kostenlose) Büffet eröffnet. Eine gelungene Maßnahme zur Stimmungsverbesserung!
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Freitag, den 07.03.2008 [10:15]
Die wirklich adrette Hessin Andrea Ypsilanti hat heute das politische Handtuch geworfen; eigentlich nur, weil eine Skiurlaubheimkehrerin nicht ganz im Bilde war und sich der Parteidisziplin nicht unterwerfen wollte. Nun flogen bestimmt die Sektkorken bei den Christendemokraten und der unsägliche H. Koch darf in dem kleinen Nachbarbundesland von Thüringen weiterregieren. Die Zeit ist eben noch nicht reif. Vor 30 Jahren zogen die Grünen in den Bonner Bundestag ein. War das damals ein Geschrei! Ein Haufen von Chaoten, Terroristen und linken Romatikern — so tönte damals der Dicke aus der Pfalz.

Der Streik der Bahner soll gerichtlich per einstweiliger Verfügung verhindert werden. Hat nicht Lenin den Satz geprägt, die Deutschen würden eine Bahnsteigkarte kaufen, wenn sie im Rahmen einer Revolution einen Bahnhof stürmen würden? hatte er wohl recht.

Dabei ist das ehemalige Staatsunternehmen DB, das wir sicher bald als Steuerzahler in Form von Volksaktion zurückkaufen dürfen, ziemlich plietsch. Die telefonische Fahrplanauskunft kostet neuerdings 1,80 € pro Minute. Das revolutionär. Damit verdient die Bahn in der Warteschleife Geld ohne die Notwendigkeit von

a) Zügen
b) Callcentersklaven

Damit erreicht sie (fast) das ultimative Renditeziel: Nur noch Einnahmen, keine Ausgaben mehr. Damit ist ein Konzern ultimativ auf sein Kerngeschäft reduziert: Kunden abziehen und Vorstandsgehälter
auszahlen.
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Donnerstag, den 06.03.2008 [16:59]
Videoprojektoren, die in Deutschland, in den Niederlanden, in der Schweiz, in Liechtenstein, in Tirol und in Österreich liebevoll Beamer genannt werden, kommen immer mehr in Mode. Fast immer steht das teure Teil nicht direkt neben dem PC, so dass man ein längeres Kabel kaufen muss. Das (VGA-)Kabel kann dann schon mal 40 € kosten und ist dick wie ein Anschlusskabel für eine mittlere Drehbank.

Seit geraumer Zeit bietet Beamerhersteller (Epson, Panasonic, Benq) Geräte mit Funknetzfunktionalität an. Das klingt verführerisch: einfach einschalten und schon geht es los. So steht es auf der Verpackung der Wunderkiste. Und tatsächlich — nachdem der Strahlemann unter Strom steht, erschient auf dem iBook das Netzwerk Panasonic Projector1. Dort gierig draufgeklickt werden wir auf flugs mit dem Projektor im Nachbarzimmer verbunden. Nun gut, für den Mac gibt es keine Clientsoftware, aber nach einer kleinen Klickorgie ist auch auf dem PC eine Verbindung hergestellt. Beiliegende Software schickt dann das aktuelle Bildschirmbild auf die Wand. Was liegt also näher, sich mal nette Filme aus dem Netz im Großformat anzuschauen … Aber was ist das? Das Internet ist verschwunden,; natürlich nicht wirklich für die ganze Welt, sondern nur für den PC ;-))

Was ist passiert? Der PC, der bisher in einem vion einem DSL-Router verwalteten WLAN-Netz war, ist nun direkt mit dem Projektor verbunden und somit nicht mehr im Internet.

Da aber nun (wie eine Dame von der Arbeitsagentur sagte) Netzkenntnisse zum Allgemeinwissen gehören, ist es also greiseneinfach, das alles hinzukriegen. Also fangen wir an. Wir loggen uns auf dem Webserver des Beamers ein. Die IP-Nummer ist leicht durch Aufruf des Menüs auf dem Gerät zu erraten. Ah, jetzt kommt die englisch/japanischsprachige Bedienoberfläche. Zielsicher navigieren wir zum Punkte „Network“, schalten dort den Adhoc-Mode und DHCP aus und tragen eine gültige IP-Nummer aus dem vorhanden C-Netz (192.168.1.23) ein. Maske und Standardgateway nicht vergessen! Jetzt noch dort, im Router und im PC die maximale Unsicherheit einstellen und schon klappt es.

Jetzt kommen wir zur Absicherung. Leider kann das Modell kein WPA, sondern nur das schon lange geknackte WEP. Also tragen wir in allen beteiligten Geräten das WEP-Passwort ein und schon sollte es funzen. Selbstverständlich muss man beim Beamer beginnen — ansonsten würde man sich ja selber aussperren. Hat man sich irgendwann mal vertippt, darf man den Beamer wieder auf Fabrikeinstellungen zurückschalten und das ganze Spiel nochmals abarbeiten.

Nun ist WEP nicht wirklich eine Sicherheitsmaßnahme, um das zu testen starten wir auf dem iBook das Hackerwerkzeug ¬KisMac und lassen mal das Passwort cracken. Leider wird das Passwort schon nach 12 Minuten erraten. Dazu reichen ein paar 100000 Datenpakete aus, die dank der immensen Datenmenge schnell übertragen wurden. Das ist schon daran erkennbar, dass man keine Filme übertragen kann. Es ruckt einfach zu stark — ca. ein Bild wird pro Sekunde übertragen. Klar – (komprimierte) Videodaten kann man in Echtzeit durchs WLAN schieben. In diesem Fall wandern aber Rohdaten (ca. 7MB) und das scheint einfach zuviel zu sein.

Die technische Lösung ist also grob gesagt völlig unbrauchbar. Eine mögliche Alternative wäre die zusätzliche Installation einer WLAN-Karte oder eines Sticks, der dann die Datenübertragung zum Biemer in einem gesonderten Netz übernimmt. Die alte Infrastruktur könnte dann erhalten bleiben und sicher wäre es dann auch. Aber letztlich wäre das noch ein Treiber und damit ein neuer Stolperstein für XP.
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Montag, den 03.03.2008 [18:37]
Der Wintersturm Emma hat sich gelegt. In Moskau hat die Demokratie gesiegt. Die Verlierer (Kommunisten und Schachspieler) nehmen die Rolle ein, die alle Verlierer von Wahlen einnehmen: sie mußmaßen Wahlfälschung. Dabei besteht doch der Sinn der Demokratie gerade im Verlierenkönnen. Die Geschichte ist immer das Resultat der freien Kräfte der beteiligten Personen und ihrer Stellung zum längeren Hebel. Das sollte gerade der Kommunist wissen.

Und im Moment sieht es so aus, als ob das russische Volk ansich ein starkes Russland bevorzugt und keine Lust an Experimenten hat. Auch in der DDR gab es immer wieder solch vorhersehbaren Wahlergebnisse. Die überwiegende Mehrzahl stimmte alle vier Jahre für die Kandidaten der Nationalen Front. Gewiß, da wurden auch mal fragende Stimmen laut, die an der Richtigkeit der überwältigen Zustimmung der Werktätigen für die Politik der Partei der Arbeiterklasse zweifelten. Wenn 99.4% aller Wähler für JA stimmen, dann heisst das, diese Wähler finden es besser, so zu wählen. Das hat mit dem Wahlprogramm usw. nichts zu tun. Es heißt also nicht, dass ich die Obrigkeit persönlich liebe, sondern nur dass ich in dem Moment der Stimmabgabe dann doch lieber zustimme. Insofern sind also solche von bürgerlichen Demokraten eingebrachte Kritiken nicht ganz richtig. Diese Stimmabgaben sind für solche lupenreine Demokratien gewissermaßen ein Barometer der Stimmung der Massen. Putin kann zufrieden sein. Es ist ja alles eine riesige Gemengelage: auch die positive Motivation der Wähler zeugen letztlich auch von der Loyalität der Drangsalierer vor Ort gegenüber dem Regime. Eine Diktatur lebt nicht vom Diktator, sondern von denen, die sich vom Mitmachen einen Vorteil für sich selber versprechen.



Das ist wie mit den Scheidungen: einer von den beiden Beteiligten verspricht sich eine Verbesserung der persönlichen Lage, sonst würde der- (oder fast immer die-)jenige die Trennung nicht vorantreiben.

Falls ein Gojim oder eine Schickse zum Judentum übertreten möchte, wird dieser Antrag dreimal vom obersten Rabbinat abgelehnt — es soll einfach die Ernsthaftigkeit des Anliegens geprüft werden. Würde diese Maßnahme die Anzahl der Ehescheidungen in unserem schönen Vaterlande reduzieren? Wohl kaum. Dieser Schritt kostet schon dem aktiven Part sehr viel Energie, dass er sich von Argumenten nicht umwerfen lässt. Sicherlich ist das auch mit bildgebenden Hirnanalyse-Verfahren nachmeßbar. Wie sagte einmal so schön eine Scheidungsentschlossene während der Kulturarena im Schillergäßchen: „Mag sein, dass das jetzt ein Fehler ist, aber ich ziehe das jetzt durch. Aufhängen kann ich mich dann später immer noch.“. Ganz klar: die Sachebene wird ausgeblendet, die macht Angst, sondern man zieht sich auf eine verantwortungsvermeidende Metaebene zurück. Die Andeutung des Suizides soll durch Überhöhung die Aussage relativieren.
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