Rainers Horen
Sonnabend, den 03.05.2008 [06:50]
Um den Nichthamburgern einmal einen Eindruck zu verschaffen, was jedes Wochenende im Stadtpark so abgeht, ist hier einmal ein Kurzfilm hingepackt.

Morgen reihen wir uns als ebenfalls in die Griller ein. Ein Platz wird sich schon finden. Das Problem ist das Grillgut. Das ist in Hamburg nicht ganz einfach – Wurst können die wirklich nicht machen. Leider gibt es den Schlachter am Saseler Markt nicht mehr. Der kam aus dem thüringischen Eisenach und kannte das Geheimnis der richtig gewürzten Wurst. So muss der Exilthüringer improvisieren. Die Handelskette Rewe liefert das Bier, die Zwiebeln und die Rippchen. Legt man das Fleisch in eine Marinade aus Astra und Zwiebeln, entsteht fast so etwas wie Rostbrätel.
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Freitag, den 02.05.2008 [19:37]
Um es gleich vorwegzunehmen: so autofrei, freundlich, heiter und lichtdurchströmt war die Fuhle in Barmbek noch nie. So hat man die Straße zwischen Barmbeker und Ohlsdorfer S-Bahnhof bestimmt noch nie wahrgenommen. Die wenigen Läden, die geöffnet hatten, haben das Geschäft ihres Lebens gemacht. Bei Kamps haben zugereisten Demonstranten zum Schluß auch noch das zuckersüße Baiser aufgekauft. Das war das Einzige, was noch zum Beißen übrig war. Dann gab es nur noch ein Stück Frankfurter Kranz …

Der Anfang hatte starke Ähnlichkeit mit den ergebenheitsbeweisenden Kampfdemos im Alten Regime. Damals war früh um acht irgendwo ein Treffpunkt – Stellplatz genannt. Der Lehrer war natürlich auch schon da und macht Haken bei der Anwesenheit. Jetzt war es ungeheuer wichtig aufzupassen, daß man kein Transparent oder eine Stofffahne aufgehals bekam. In diesem ungünstigen Falle konnte man sich nicht einfach nach dem Vorbeimarsch an der Tribüne verkrümeln und zum eigentliche Zwecke des Tages übergehen. Das hieß Bratwurst, Brätel und Bier. Ganz pfiffige hatten gar kein FDJ-Hemd an, sondern nur den Kragen und die Ärmel; die konnten sich dann ultraschnell der Uniform entledigen.

Gestern also begann die Feier gegen zehn Uhr vor dem Arbeitsmuseum und sofort war man von Lehrern umringt. Zumindest sahen viele Kämpfer so aus.



Da standen sie nun vor dem Barmbeker Arbeitsmuseum und haben sich gegenseitig ihre Flugblätter verteilt. Jeder hatte sein spezielles politische Rezept parat. Letztlich wollten alle Gerechtigkeit. fragt sich nur, wie das in der konkreten Auslegung aussehen würde. Das Wetter war grandios und so gab es zum Abschluß in der Fuhle kurz vor Ohlsdorf noch einmal eine Dusche aus dem Wasserwerfer.



Da wir gerade chinesischen und vietnamesischen Besuch hatten, war das eine gute Gelegenheit, einmal etwas Staatsbürgerkunde- und Demokratieunterricht für unsere fernöstlichen Freunde zu erteilen. Sie staunten sehr über die vielen roten Fahnen. In den dortigen Ländern ist eine Demon wahrscheinlich kein „Vergnügen“ am Vatertag, sondern kann sehr schnell zu bitterem Ernst umschlagen. Aber hier in Deutschland ist das fast schon ein spielerisches Ritual, deren Regeln auch immer wieder bekanntgegeben werden. Aus der Flüstertüte der grünen, gepanzerten Autos kam öfters mal die Ansage: „Wenn ihr Flaschen und Steine werft, dann gibt es Wasser!“. Da es gestern schon fast heiß war und auch die Gemüter reichlich erhitzt waren, ist von dem Angebot reichlich Gebrauch gemacht worden.


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Mittwoch, den 30.04.2008 [19:22]
Die ¬Liebesinsel im Hamburger Stadtpark ist schon deshalb ein wunderbares Plätzchen, da es einer der wenigen Orte in der quirligen Großstadt ist, wo Hunde nicht hinkacken dürfen.



Nicht, daß es grundsätzlich Bedenken gegen diese kleinen Racker gäbe – bringen sie doch ein Stück Natur und Abenteuer in die doch so unmenschliche, graue Großstadt.

Nur kacken sollen sie an ausgewiesen Stellen. Leider können die nicht lesen und (wie es scheint) manche Herrchen auch nicht.

Ähnlich dem Rauchverbotsgesetzt, dem Handyverbot in Autos ist eben auch das Hundekotgesetz nur ein zweckdienliches Alibi und wird von unserer glorreichen Regierung allein zum Zwecke des Eintrags in die Geschichtsbücher erlassen. Macht nichts: das sind alles kleinere Verfehlungen als beispielsweise die Vorkommnisse in Niederösterreich, wo (wie gestern ruchbar wurde) ein Vater seine Tochter über zwanzig Jahre im Keller einsperrte, sie begattete und die sieben Kinder auch gleich in dem Raum mit 1,70 mtr Höhe und 36 qm Fläche der Freiheit beraubte.

So ist nun die Liebesinsel hundefrei und bald wird die ¬Homepage freigeschaltet. Die Vorschau lässt schon ahnen: hier ist an alles gedacht. Alle wichtigen Information zum Bootsverleih sind auf einen Blick zu lesen. Der webseitenbesucher weiß sofort, wer der Betreiber ist, seine Telefonnummer, Öffnungszeiten und Lageplan. Besser geht es nicht.

Alles läßt sich auch ein klein wenig verbessern. So werden auf der Insel Kanus, Kajaks und Tretboote verliehen. So manche Landratte würde da gerne mal wissen, was das alles ist, wo da die Vor- und Nachteile sind. Ein kleiner Lehrfilm (wie der nebige) könnte zeigen, wie die grundsätzliche Technik bei den einzelnen Bootsformen ist. Gut, ein Tretboot erklärt sich von selber. Der Mieter setzt sich rein und hat dann ein gewohntes Interface unter sich. Es ist am anstrengendsten zu fahren – kann aber kaum kentern. Kajak liegt auf der anderen Seite der Skala. Ist ja auch mehr so ein Wildwasserteil. Es kentert leicht und ist aber auch mit der geringsten Anstrengung zu fahren.

Wie weit darf Satire im Netz gehen? Letzte Woche in Hummelsbüttel: die feuer- und durstlöschenden Jugendwehren treffen sich.



Kein Kommentar.

Nun mal etwas Lebenshilfe für junge Leute, die gerade im Entscheidungsfindungsprozess ob ihres Studienwunsches stehen – anders gesagt, die noch nicht wissen, was sie werden wollen und vielleicht noch zwischen Ethnopsychologie, Musikwissenschaft und BWL schwanken. Es kommt nicht auf die Studienrichtung an, sondern auf die richtige Bildungseinrichtung. Wer also nicht auf einer Eliteuni landet, der kann als diplomierter Musikwissenschaftler immer noch in Eppendorf den Feierabend der Werktätigen kulturell verschönern.



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