Rainers Horen
Sonntag, den 03.08.2008 [11:46]
Der Block 495, neben dem Langen Hund und gegenüber des Treffs war in HaNeu ein Wohnheim der Martin-Luther-Universität Halle. Dort im vierten Stock wohnten dazumals die Mathespezialschüler. In den Achtzigern wurden die seligen Zeiten leider beendet. Da es immer wieder einmal zu Disziplinlosigkeiten kam, mussten die Hochbegabten in der Nähe der Harzmensa unter Aufsicht wohnen.

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Donnerstag, den 31.07.2008 [16:06]
Nun ist der Spuk der Bevormundung von reifen, genießenden Menschen endlich vorbei. In kleinen, inhabergeführten Kneipen darf wieder geraucht werden. Ach ja, zubereitete Speisen (Bockwurst, Spiegelei und & Co.) darf es nicht geben. Dann wird es es wohl vermehrt kalte Speisen wie Brezeln, Salzstangen und Kartoffelchips geben. Das Karlsruher Urteil hat aber auch noch eine weitere gute Seite: in letzter Zeit des rigiden Bevormundungsgesetzes sind immer mehr Raucher ihrer Leidenschaft außerhalb der Kneipen nachgegangen. Da wurde vermehrt auf Balkons und am offenen Fenster gepafft. Und das ist für militante Nichtgenießer eine doppelte Schmach – konnte man dieser „Belästigung“ nicht entfliehen.
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Montag, den 28.07.2008 [16:57]
In Leipzig wird auch viel gestohlen, auch (und besonders ) steinerne Statuen sind vor Langfingern mit entsprechender Technik nicht sicher.
Nebiger, vergrößerbarer Verschönerer einer Plagwitzer Autohilfe ist noch an seinem Platze. Offenbar erscheint die Weltkugel einfach zu schwer. Schon der Herkules erzeugt das abschreckende Gefühl.

Der Weg nach Thüringen führt durch das Land der Frühaufsteher (Sachsen-Anhalt) und auch ein wenig durchs den Freistaat Sachsen. Irgendwie sind uns die Neudeutschländer voraus. Werden doch auf dem platten Lande (wie auf dem Plakat zu sehen) schon Ü25-Parties angeboten. Zumindest im Friedrichsbad Zwintschöna ist man mit Mitte Zwanzig offenbar schon wieder geschieden oder hoffnungslos abgelagert. Ist das die unbarmherzige Folge der berauschenden Volksmusik und der Jammertalkshows im MDR?

Um Thüringen (und wenn es nur das Kerngebiet des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ist) kennen zulernen reicht ein Wochenende nun wirklich nicht aus. Wir reden jetzt nicht von Erfurt, der „Landeshauptstadt“. Diese Großstadt war noch nie Teil Thüringens, sie war immer preußisch und gehörte auch kirchenmäßig nie zu thüringischen Landeskirche und katholischenseits gehört die Stadt zum Bistum Mainz. Durch ein bedauerlichen Irrtum der Weltgeschichte ist diese Industriestadt nun Kapitale des Grünen Herzen Deutschlands. Schon Till Eulenspiegel hat in seinen Streichen die Dummheit Erfurter Professoren erwähnt. Sie lehrten einem Esel das Lesen – wobei sie nach erfolgreichen Studium nur die eselische Spezialfibel nutzen konnten, die lediglich die Buchstaben I und A enthielten.



In Jena werden selbstverständlich mehr als die beiden Kardinalvokale gelehrt. Hier gibt es eine traditionsreiche Uni, an der auch schon ein Schleevoigt aus Possendorf Professor für Hebräistik war. Das ist aber schon sehr lange her und heutzutage ergeben sich andere Schwerpunkte.

Trotz aller thüringischer sprichwörtlicher Heiterkeit (MDR) gibt es aber auch tragische Momente. Da hat sich auf einem Tankstellengelände in der Nähe von Jena eine Hornisse mit letzter Kraft auf den Asphalt geschleppt. Nun hat sie (Agathe) hier zumindest ihre virtuelle Ruhestätte gefunden

Mit zeitlichem Abstand erscheint vieles unter anderem Licht. In Weimar groß geworden, war Buchenwald und die Deutsche Klassik immer gegenwärtig. Zum einen erscheint es heute im Rückblick bedrückend, jeden Tag den Glockenturm vor Augen zu haben. Auf der anderen Seite hat man früher die Ästhetik und Schönheit der Klassikerstadt gar nicht würdigen können.



Allein in der Sommerresidenz des Großherzoges kann man den ganzen Tag vertrödeln. Im Übrigen muss man nicht den Mindestsatz von zwei Euro für den Parkplatz in Belvedere zahlen … wenige Meter weiter in Richtung Possendorf gibt es noch genügend legalen Platz am Rande des Belvederer Parks. Gleich am Anfang liegt ein wenig versteckt ein kleiner künstlicher See, der unterirdisch die Wasseranlagen am Hang speist. Eine breite Allee (Linden?) führt direkt zum Schloss und zu den Marställen. Etwas nördlich davon stört ein wenig der sowjetische Heldenfriedhof, der genau auf der Sichtachse zwischen Fontäne und kastanienbestückter Belvederer Allee nach Weimar liegt. Die Besatzungsmacht hat sich in den Fünfzigern davon nicht abbringen lassen.



Das Angenehmste ist die totale Ruhe und vor allem die Menschenleere. Trotz besten Wetters, Arbeitsbefreiung am Sonntag und nicht-WM/EM war es im Park und in den Anlagen völlig frei von Besuchern. Da stört es auch überhaupt nicht, wenn dort plötzlich im Schatten zwei „zwielichtige“ Gestalten mit einer Bierbüchse in der Hand sitzen. Es wirkt so skurril, dass es schon wieder passt.



Auch kulinarisch ist ein Ausflug ins ehemalige Großherzogtum nur zu empfehlen. Wo kann man in Hamburg noch richtig gut deutsch essen? Deutsche Gastronomie ist doch nur noch in Kneipen abrufbar. Und was dort in der schmalen Küche von Hilfskräften zusammengerührt wird – decken wir den Mantel des Schweigens darüber.

Ein Geheimtipp (der nun keiner mehr ist) ist die Waldgaststäte „Unter den vier Linden“ in Vollradisroda bei ¬Döbritschen. Das ist ein kleines Örtchen im Jenaer (oder Magdalaer Forst – je nach Sichtweise), in dem 23 Leute wohnen und deren Gaststätte in DDR-Zeiten oft für kollektivbildende Maßnahmen genutzt wurde. Vom Ambiente ist es (ohne peinlich/kitschig zu wirken) rustikal eingerichtet und schon die Karte ist famos. Es gibt also Wildschweinbraten, Hirschgulasch, Rehbraten, Lammkeule, Vollradisrodaer Bratenteller, Roulade, Gänsekeule … mit Rotkohl, Preiselbeeren, Pilzen und Klößen.

Nun gibt es eine gewisse Speisekartenlyrik (…gebettet auf bei Morgentau geernteter Rukola mit einer …) und somit ist eine gewisse Skepsis angebracht.

Nicht hier. Nun kann man nicht alles ausprobieren. So haben wir uns die Knusprige Gänsekeule von der Haustochter kommen lassen. Als Erfrischunggetränk fiel die Wahl auf die Apfelsaftschorle. Gute Wahl! Sie schmeckte wie aus eigenen Äpfeln selbst gemacht. War sie wohl auch. Nun kam das Essen: oh wie es dampfte und leckte. Nun gibt es auch kein Vorherfoto, weil einfach die Lust größer als der Dokumentationszwang war. Die Keule ist frisch, knusprig und einfach nur lecker. Das Rotkraut ist einfach so gekocht, wie es sein muss. Trotzdem will man ja wissen, wie das Kunstwerk wohl abgeschmeckt ist: zumindest Wacholder und Nelke waren rausschmeckbar. Die Klöse – was soll man dazu sagen: perfekt! Preislich lagen alle Gerichte um die zehn Euro. Das muss man heute als preisgünstig werten. So bleibt als Nachweis des Hochgenusses nur die Restkeule. In der Detailansicht ist auch die Konsistenz der Sauce zu erkennen: kein Bildemittel, sondern einfach nur feine Kräuter. Und verführerisch lächeln die Fettaugen …

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