Rainers Horen
Sonnabend, den 23.08.2008 [13:43]
Was ist an Hamburg eigentlich so attraktiv, dass es so geliebt wird? Sind es die Menschen, die zumeist keine Hamburger sind und sich deswegen ein Rest von Umgänglichkeit bewahrt haben oder ist es der Blick auf Industrielandschaften, die durch quietschende Kräne, verölten Krimskrams, Industriebrachen und durch penetranten Dieselgeruch geprägt sind? So hat der Blick vom Altonaer Balkon Richtung Bloom & Voss („Wir reparieren alles was schwimmt“) einen gewissen hanseatischen Charme.



Immerhin kam gestern eine fünffach geklontes radelndes Frauchen mit ihrem netten Köter längs …

Nur wenige hundert Meter vom Altonaer Balkon kommt's noch ärger: die Bausünden der Siebziger, deren krasse Häßlichkeit sich trotz Panoramabild nicht vollends erschließt.



Da will man nun nach getanem Tag („Wir nennen es Arbeit“) gemütlich einen White Russian trinken, da wird man noch ungewollt Zeuge einer Verhaftung im S-Bahn-Bereich Altona, was die Abfahrt um einiges verzögert.



Wenn wir gerade bei der Ahndung von verbrecherischen Untaten sind, stellt sich die Frage, wie folgende Schmiererei zu werten ist:



Die Rechte an diesen beiden, weltweit prominentesten Figuren, die sicherlich bekanter als Max und Moritz sind, hat zweifellos die ¬20th Century Fox. Wie ist nun die Rechtslage?

Erste Möglichkeit: der Deutschnorweger Matt Groening hat selber den Stromkasten in Ottensen bemalt oder bemalen lassen. Dann hätte der Photograph wirklich schlechte Karten und hätte sein Leben verwirkt, weil er den Rest seines Lebens nur noch für die Abzahlung der Lizenzgebühr arbeiten müsste.

Zweite Möglichkeit: ein ambitionierter Graffitteur hat sich versucht. Dann ist er einmal wegen Besudelung privaten oder städtischen Eigentums am Arš und muss zusätzlich gegenüber der Fox bluten. Wahrscheinlich ist er nicht greifbar und so hält sich der Advokat im Auftrage des Urhebers an den, den er fangen kann. Mich??? Zumindest entspräche das dem deutschen Gesetzte, das man den fängt, der am nächsten steht. Bekanntestes Beispiel ist der grundsätzliche Vaterverdacht in einer Ehe. Jedes Kind, das im Bauch einer deutschen Ehefrau heranwächst, ist als eheöich zu betrachten und muss vom angetrauten Ehemann versorgt werden – auch wenn das nicht auszumendeln wäre.

Apropos mendeln: es gibt nur wenige Familiennamen, denen die Ehre zuteil wurde, als Verb benutzt zu werden. Bekanntestes Beispiel ist röntgen, aber auch einwecken geht auf Herrn Johann Carl Weck zurück, der als Vegetarierer das Patent zum Einkochen kaufte. Aus neuerer Zeit fällt noch kärchern und flexen ein. Früher wurde auch schon mal gemorst und guillotiniert. Ob später auch mal gemerkelt wird – so etwa im Sinne von folgenloser, aber freundlicher Politik?

Heute hat das Putinsche Sprachrohr (mit dem auf Bär zurückgehenden Namen) Dmitri Anatoljewitsch Medwedew nach er Duma seine Zustimmung zur Autonomie von Abchasien und Südossetien gegeben. Es erinnert erschreckend an das Münchner Abkommen, bei dem die Großmächte auch zusahen, wie der kleine Gefreite aus Braunau am Inn Unverschämtheiten durchsetzte. Welche ASSR ist wohl als nächstes dran? Das sind die Gebietsteile, die im Unterschied zu den Unionsrepubliken nur eine beschränkte Autonomie besaßen.
Karakalpakistan und Moldawien sind sicher schon im Fokus der Begehrlichkeiten. Die Landesmutter merkelte „absolut nicht akzeptabel“. Wird sich der Gossudar ein Ei drauf braten.
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Dienstag, den 19.08.2008 [13:45]
Hamburg ist (unter Ausklammerung mancher Bewohner) eines der schönsten Städte, die es so gibt. Zumindest ist es die Großstadt mit der besten Luft. Der Photoapparat hat immer etwas zu tun. Ob das nun die Elbe mit ihrem Hafen, die Alster oder eben auch der Stadtpark mit seinem Wasserturmplanetarium ist.

Schon die Wiese davor zwischen Wasserturm und Hindenburgstraße ist oft (so auch heute wieder) Schauplatz des künsterischen Ausdrucks der Jungen Wilden. In der Vormittagszeit wurden also zwei Kinostühle und zwei Damen platziert. Thema des Kurzfilm oder Werbespots kann sich jeder selbst überlegen. Vielleicht ist es aber auch nur eine Hausaufgabe an der Filmhochschule zum Thema „Kulturrezeption im öffentlichen Raume“

Der wasserspielende Vorplatz der sich verjüngenden Klinkerrolle hat auch einen gewissen Charme – nachfolgendes 360?-Panorama kann die Stimmung nur in seinen beschränkten Möglichkeiten wiedergeben:



Also fahren wir ungefähr vierzig Meter nach oben und erleben die Osthälfte von Hamburg bei leicht diesigem Wetter. Da da Geld alle ist, kann das Westsegment leider nicht saniert werden.



Der absolute Renner der Stadtparkphotos ist der Blick von der Aussichtsplattform in die Sichtachse zum Stadtparksee.

Dieses Sahnestück unter den Standardphotos unterscheidet sich im Wesentlichen vom Wetter zur Zeit der Aufnahme – was verschiedene Lichtverhältnisse bedingt. Es besonders gestalterisches Moment sind die zufälligen Passanten auf dem Kiesweg vor dem Schumacherbau. Es sind meistens spazierende Familien mit ihren nörgelnden Kindern oder Frauchen mit ihren kleinen Rackern. Wer hier genau hinsieht, wird erkennen, wie sich die kleine Menschengruppe in den rechten Weg begibt. Phototechnisch ist das quasi der Babyhügel: das Motiv ist ? weit weg und bedarf keiner wie auch immer realisierten Scharfstellung. Das Licht ist tagsüber meist ausreichend, so dass die alte Regel gilt: Wenn die Sonnen lacht, nehme Blende 8.

Trotzdem kommt es immer darauf an, wer seine Kamera auf das Motiv hält. Es soll schon Photographen gegeben haben, die den Wert eines solchen Bildes mit über 10.000 € beziffert haben. Gut, der involvierte Anwalt will auch leben und es soll auch Photographen geben, die wenig Aufräge haben …

Es gibt aber auch Bilder, die es tatsächlich in sich haben. Gerade Architekturen im Nahbereich: in solch brenzlichen Fällen ist eine einfache Knipse und insbesondere der Gerätehinhalter schnell am Ende seines Lateins. Dieses etwas raumgreifende Lichtbild ist sicher suboptimal gebaut, aber es stellt sich die Frage, wie muss der Turm „gebogen“ sein, damit es „richtig“ ist.
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