Rainers Horen
Sonnabend, den 04.10.2008 [18:59]
Es schwingt schon ein wenig Schwermut mit, wenn man die Bilder des Sommers ansieht. So leichtbekleidet, kein Regen – nur eitler Sonnenschein. Das Gute des Dauerregens: es findet sich Zeit für Vielerlei, auch für die Verbesserung alter Projekte.
Beispielsweise läuft nun der Report eines frühsommerlichen Radausfluges durch die Marschlande viel fetziger/knorker. Eine kleine Ikone zeigt an, wo wir gerade sind und die Karte wird bedarfsgemäß weitergeschoben. Der Trick ist die Zeile: if(!map.getBounds().containsLatLng(p))map.panTo(p);. Das ist nicht weiter spektakulär, hilft aber ungemein.

Gestern im REWE-Supermarkt: da standen zwei jüngere Frauenzimmer und wollten Rindfleisch kaufen. Frau Fleischfachverkäuferin Kolbe: „wieviel hätten Sie den gerne?“ — die eine Mieze: „Ja, da kommt dann noch der ¬Kevin und der Simon, sind wir also vier. Was brauchen wir den da?“ — Frau Kolbe: „so 200 Gramm pro Nase. Was soll es sein – Hüfte, Tafelspitz oder Filet?“ Die beiden Ischen gucken sich fragend an und dann bricht es aus der Anderen heraus: „Dann nehmen wir Hüfte. Können Sie daraus auch Geschnetzeltes machen?“

Da sehe ich schon das ¬Ende des Internets!
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Freitag, den 03.10.2008 [20:19]
Heute waberten nicht nur wunderschöne Feiertagsreden, sondern auch zwei unglaubliche Zahlen durch die Presse: angeblich kamen heute 200000 Besucher in die Hansestadt, um den Beitrittsgeburtstag zu feiern – 1500 Linke skandierten unter der Losung: „Hart Backbord — kein Grund zum Feiern“ durch den Kiez. Zahlennennern (insbesondere bei großen Zahlen oder gar Prozentzahlen in Talkshows) sind zu misstrauen. Lassen sie sich doch in den seltensten Fällen falsifizieren. Machen aber immer Eindruck. Victor Klemperer hat das schon in LTI erkannt – ein Buch, das in der DDR von den Bildungshungrigen mit Begeisterung gelesen wurde. Es sid diese Momente, die vollständig vorausberechenbar sind. Motto des Tages ist „Kulturnation Deutschland“ – und siehe da, die Politker nuscheln etwas von gemeinsamen kulturellen Wurzeln. Wie dem auch sei, es ist eine gute Gelegenheit, einmal nicht in die Stadt zu fahren.


Auf der Alster ist heute echt was los. Das Wetter ist dort zweitrangig. Umfallen und Wassern scheint dazu zugehören. Wie der Hamburger damit umgeht verrät ein sanftes Überstreichen nebigen Bildes. Die beste Streichrichtung ist von links nach rechts – dann stimmt es auch mit der zeitlichen Abfolge der kleinen Kalamität auf der Butenalster.

Es ist eine schöne Tradition des Beitrittsjubiläums geworden, dass an diesem wunderschönen Tag auch „Tag der offenen Moschee“ veranstaltet wird.


Da es in Hamburg über 60 Moscheen gibt, findet sich auch rasch ein Gotteshaus. Direkt an der Alster gelegen befindet sich die wunderschöne Moschee der Islamischen Gemeinde, in deren Zentrum der größte iranische Rundteppich ausgelegt ist. Drumherum sind große Schautafeln platziert, die den Besucher darüber erklären, wie aufgeklärt, tolerant und liberal der Islam ist. Komisch ist nur beispielsweise die Trennung zwischen Männer und Frauen in der Moschee. Die Männer stehen ganz vorn. Die verhängten Frauen kauern devot in der letzten Ecke. Das Verständnis des islamischen Verhältnis zu den Geschlechtern scheint ein interkulturelles Problem zu sein. Das dort ausliegende Heft von M. Shemshadian/Y. Nourbakhsh mit dem Titel „Die Stellung der Frau in der Geschichte und in den Religionen“ meint lapidar zum Thema, dass „dies hier nicht behandelt werden soll“. Versteh' einer wer will.

Fast zeitgleich zum Nachmittagstreff in der Moschee an der Alster lässt sich im Planschbeckencafé des Stadtparks exemplarisch darstellen, wohin „unsere Emanzipation“ führt. Da sitzt ein Mann völlig genervt ud gelangweilt und muss sich wort- und gestenreiche Welterklärungen anhören. Vielleicht sehnt er sich an die Zeit seiner Christenlehre oder Sonntagsschule zurück, wo auch schon eine Frau mit Klappsband und betonter Brille …

Was bleibt:
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