Rainers Horen
Sonntag, den 16.11.2008 [14:00]
Früher hieß der heutige Tag Heldengedenktag – mittlerweile firmiert er unter Volkstrauertag und beschert den Gärtnereien (neudeutsch „FloraShop“) einen Umsatzgipfel. Der trübe Hamburger Stadtpark ist mäßig besucht, genervte Vatis bemühen sich, die lenkbaren Kaufdrachen steigen zu lassen. Es weht ein steter Wind und dann sollte es mit traditionellen Packpapier/Tapetenleisten-Drachen kein Problem sein, das Ding hoch zukriegen. Die Hightec-Teile mit ihren vielfachen Konfigurationsmöglichkeiten bleiben vorerst am Boden oder knallen zyklisch auf selbigen,

Die (männliche) Ginkgobaumgruppe in der Nähe der Alten Gärtnerei gibt rundum ein imposanten Bild ab und der weibliche Baum wartet auf seine Stinkeopfer. Noch faulen die Früchte nicht … Leider ist beim Kauf in der Baumschule das Geschlecht nicht zu erkennen und das böse Erwachen kommt Jahre später, wenn der Baum „mannbar“ wird.


Ginkgo ist ja nun der Baum der Klassikerstadt Weimar. Touristen werden an jeder Ecke mit Ginkgoblattandenken bombardiert. Häufigste Ausführung ist das Blatt in Silber oder in Kupfer. Mittlerweile kann amn sich auch Bäumchen erstehen, sie wenn ausgewachsen, mit 50%-Wahrscheinlichkeit im Herbst Buttersäuregeruch verbreiten. Bis dahin gehen aber mindestens 20 Jahre ins Land.



In der kalten Jahreszeit, so spätestens nach dem Lichtfeste, wurden in der weimarischen Kindheit Zweige der Balsampappel in die Stube gestellt. Das ist eine besondere Art der Schwarzpappel, deren Knospen größer sind und die beim Aufknospen einen sehr aromatischen Duft in der Wohnung verbreiten. Wir schnitten die Zweige immer in einer Auenlandschaft im Westen Weimars. Dieser Baum würde auch schon in Wörlitz und im Potsdamer Sansouci gesichtet. Namensähnlich ist die Westliche Balsampappel, die wesentlich kleinere Blätter hat und auch weniger duftet. Ein bekannter Standort ist die Nordseite des Tunnels unter der BAB 4 auf der Höhe Leutra.
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Sonnabend, den 15.11.2008 [19:30]
Seit gestern dürfen wir in VisualBasic™ für Excel™ ,einem mächtigen Paket der Microsoft Corporation© aus Redmond, programmieren. Das ist erst einmal für einen gestandenen Coder ein Schock , aber nach einem gewissen Hinsehen auch eine Herausforderung. Obwohl es Basic ist (jaja, damals auf der Brotkiste namens C64) hat es sich fast zu einer ernstzunehmenden Sprache entwickelt. Es soll sogar Objekte und Klassen geben. Der erste Stolperstein ist schon mal der Editor, der nicht frei gewählt werden kann. Man muss die eingebaute Entwicklungsumgebung nutzen. Rechenlogik, Daten und Darstellung sind kompakt in einem Haufen. Das heißt jede Forderung modernen Softwaredesigns ist nicht realisierbar. Letztlich können dadurch auch nicht mehrere Personen an einem Projekt arbeiten.

Im Netz gibt es offenbar keine vernünftige Literatur oder Tutorials. Das empfohlene Standardwerk ist „Excel programmieren“ von Michael Kofler. Der Kämpfer kann es gebraucht bei Amazon, als digitale Version mit Kopierschutz kaufen oder das Buch ¬einfach hier online lesen.

Das gekaufte PDF lässt sich nur im adobeeigenem Programm lesen, das im Unterschied zum „normalen“ Leseprogramm keine Vergrößerung der Schrift zulässt — es sei denn, man kauft einen größeren Monitor, der dann noch besser als beispielsweise der des MacBookPro™ ist. Taterschwerend kommt hinzu, dass eine Serifenschrift für den „Brottext“ gewählt wurde, was dann zusätzlich zum Gräuel beiträgt.

Schon im Vorwort weicht der aufmerksame Leser zurück: „Mit Excel97 haben sich sowohl das VBA-Programmiermodell als auch die wichtigsten Objektbibliotheken weitgehend stabilisiert“. Upps! Kaufe ich also einen Neuwagen, dann funktioniert der leistungsstarke Motor und die hochaktive Bremse weitgehend und der Rest liegt brach. Gut zu wissen.

Überhaupt gibt sich Herr Kofler große Mühe, das ganz Schlimme doch noch nett darzustellen: „Dass es sich bei der Tabelle um eine Datenbank handelt, brauchen Sie Excel nicht mitzuteilen. (In Version 4 gab es ein Menükommando DATENBANK EINRICHTEN. In Version 5 wurde dieses Kommando entfernt. Damit Excel die Datenbank erkennt, müssen Sie lediglich den Zellzeiger irgendwo in die Datenbank bewegen. Als »Datenbank« gilt in Excel einfach jeder zusammenhängende Zellbereich.)“. Ist ja immerhin sehr ehrlich von ihm, wenn er das Wort Datenbank in Tüttelchen einpackt. Michael schreibt (wie bekannt) auch Bücher über ernsthaftere Themen und ihm stellen sich sicher auch die Nackenhaare hoch, wenn er bei dieses Geschruppsle von Datenbanken schreiben muss. Langsam dämmert selbst mir, warum Kunden oder Bekannte eine so streng denormalisierte Vorstellung von Datenbanken haben. Es stimmt eben doch, was Lutz Donnerhacke damals über das Internet sagte (Sperrholzkiste mit Lämpchen und einer Hupe dran).

Das ganze Lehrbuch ist gespickt mit solchen traurigmachenden Demotivationstexten — hier eine kleine Auswahl: „Die Anordnung der Kommandos SendKeys und ShowDataForm erscheint zugegebenermaßen unlogisch.“. Gut kommt auch gleich zwei Sätze weiter: „Damit wird verhindert, dass der Anwender irrtümlich einen bereits bestehenden Eintrag überschreibt. Wegen der nicht ganz einleuchtenden Bedienung der Datenbankmaske passiert das beim ersten Mal fast zwangsläufig.“. Und das ist jetzt der Marktführer. Vielleicht genau deswegen.

Vielleicht weil auf dem Buchdeckel der Printausgabe steht: „Excel-Programmieren ohne Programmierung“, bemüht sich der Autor alles ohne dieses Königsqualifikation machbar darzustellen. Als Programmierer möchte ich natürlich nicht missen, wie ich ein Macro aufzeichne und dann alle Aufzeichnungsfehler wieder eliminiere, sondern will wissen, wie das nun geht. Also selbst auf Seite 43 wird immer noch munter präludiert.

Aber jetzt geht es los:
B18 (Datum): =WENN(UND(B17<>;B17<$E$11); DATUM(JAHR(B17);MONAT(B17)+1;TAG(B17)); ) C18 (Einzahlung): =WENN(B19<>;C17;) D18 (Zinsen): =WENN(B18<>;E17*$E$12;) E18 (Guthaben): =WENN(B18<>;SUMME(E17;C18:D18);)

Nun sag einmal jemand etwas gegen diesen kompakten Code. Also besser geht es nicht: selbstsprechende Variablennamen, eingängige Sprachsyntax — einfach vollendet! Da weiß man nach einem Jahr noch ganz genau, was man sich damals gedacht hat.



Im vorliegenden Projekt aus der Welt des Controllings werden lediglich personifizierte Geldsenken angelegt, die gewissen Mustern unterliegen. Es gibt beispielsweise zentral festgelegte Kostenstellen und Produkttemplates. Die Abfolge der Geldsenken und letztlich auch der Geldquellen ergibt dann den zeitlichen Verlauf der Liquididät.
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Montag, den 10.11.2008 [21:01]
Heute ist nun der legendäre 10. November. Viele Ostdeutsche haben sich vor 19 Jahren Gedanken gemacht, wie sie die neue Reisefreiheit nutzen könnten und Sarah hatte damals ihren ersten Geburtstag.

Bioküsse — was es nicht alles so zu kaufen gibt. Ist nicht Bio mittlerweile die Standardvorsilbe vor allen Produktnamen? Wenn wir einmal Professor Ternes' Vortrag zum Thema „Merkmalhaftigkeit“ ins Gedächtnis zurückrufen, dann wird es klar: bald kommt die Vorsilbe Genießer- oder Lecker-. Dem Vernehmen nach, gab es am Wochenende in gewissen Kreisen ein Grünkohlessen. Da nun Schweinefleisch böse ist, wurde der Kohl mit Rösttofu gereicht. Es soll im Rahmen der Möglichkeiten lecker geschmeckt haben. Es kommt eben immer auf den Rahmen drauf an.

Heilsanbieter, Operettensängerinnen und Fastenwanderer hätten auf ihren Webseiten gerne eine Stelle, wo Auftritte, Heilungen oder Seminare angekündigt werden können. Da wäre es doch einmal eine Idee, ein Verwaltungstool zu bauen. So ein Seminar hat immer einen Ort, einen oder hoffentlich mehrere Termine und sowieso einen Beschreibungstext mit Bildmaterial und einem Preis. Da haben wir schon mindestens drei Objekte. Ein zentraler Bestandteil ist ein füllbarer ¬Kalender. Für die Nutzerführung bietet sich ¬Fabtabulous an. Das ist so eine übliche Laschenverwaltung.

Das läuft fast perfekt, wenn nur nicht immer dieser Explorer wäre. Goggle hat nun in rührender Weise eine ¬Javascript-Lib herausgebracht, die ihn in etwas kompatibleres verwandelt.
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