Rainers Horen
Sonnabend, den 22.11.2008 [18:20]
Heute setzen wir die Reihe „Hamburger in Hamburg“ mit Uwe fort. Er ist nicht nur Macher des alljährlichen Motor-Revivals im Stadt, sondern er steht auch jeden Samstag mit seinem französischen CY auf dem Goldbekmarkt und verkauft italienisches Lebensgefühl.



Sein Galão ist legendär. In der nun folgenden Bilderabfolge werden wir unmittelbarer Zeuge der Schöpfung dieses portugiesischen Spezialität. Man beachte das Mienenspiel, da steckt viel Liebe drin.



In der Hansestadt an Alster und Elbe kommt gerade kein mediteranes Flair auf. Dann hilft es auch nicht, diese Stimmung erzwingen zu wollen.
Heute lief der ältere, bärtige Herr baroberkörprig mindestens von der Steilshoper Allee durch den Grünstreifen bis zum Wendebecken. Schon beim Zuschauen fröstelt es: gibt es doch zur Zeit Frostgrade.

Das VBA-Projekt macht große Fortschritte. Teilweise ist es schon haareraufend, erinnert diese Sprache an die erste EDV-Schritte in Ilmenau, als wir noch in PL/1 und Algol programmieren mussten. Eine Sprache, die das Hochkommen zum Einleiten eines Kommentares verwendet, macht sich verdächtig. Schon beim ¬Schreiben von SQL-Befehlen kommt der Coder schnell ins Schlingern.
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Freitag, den 21.11.2008 [23:09]
Der erste Schnee fällt. Dem Vernehmen auch die Stimmung im Lande. Da hören wir aber nicht hin und schon gar nicht drauf.

Im Radio fiel das gewichtige Wort Weltwirtschaftskrise und ein schlauer Redakteur suchte nach Erklärungsmodellen. Ja — die Deutschen. In Zukunft fehlen solvente Konsumenten, weil die Deutschländer statt in Kinder in schnelle Autos investiert haben. Und die treten am Markt nicht als Verbraucher auf, sondern bringen uns nur sehr komfortabel von unserer Wohnung beispielsweise in andere Wohnungen, wo wir uns dann essender- und trinkenderweise über weltpolitische Themen („Wir sind gut — die Welt ist schlecht“) unterhalten.

Kinder sind in erster Linie von der Energieblanz her etwas defizitär. Ein einigermaßen schlauer Mensch kommt schnell drauf, dass er sich mit Nachkommen in soziale Abseits katapultiert. Das war früher auch schon immer so. Deswegen gibt es den Sexualtrieb, der uns dazu bringt solche Dummheiten zu begehen. Wenn Tiere ein Bewußtsein und/oder die Pille hätten, dann würden die Tauben keine Eier legen, sondern des Rest ihres Lebens rumflattern, gurren, alles aufpicken, um dann alles wieder auszuscheißen. Das wäre selbst für diese dummen Tauben „günstiger“.

Derweil gehen wir dem Tagesgeschäft nach, was wie jeden Tag mit einem ermunternden Galão im Pasteleria Porto bei der schönen Fatma beginnen lassen.

Nach dieser türkisch-portugiesischen Stärkung geht es wieder an den Speck, in Form dieser Excel-Datenbank-Anwendung fürs Controlling.

Es macht sogar Spaß – ist das nicht schon fast zuviel des Guten? Es gibt in dieser Entwicklungsumgebung Dinge, die heiter stimmen und einige, an denen sich der Programmierer stoßen könnte. Über die Syntax von VisualBasic kann man sich geteilter Meinung sein: In fast allen, modernen Sprachen werden Klammern benutzt, um die ganze Chausse etwas zu strukturieren. Es gibt da „()“ für allgemeine Klammerung, „[]“ für Listenelemente und„{}“ für Blöcke. Bei Basic wird sehr spärlich geklammert. Ein wenig tut mir sogar der Parser leid, der aus dem ganzen Gewustle schlau werden muss. Befehlstrenner ist normalerweise das Semikolon, hier ist es der Zeilenumbruch. Aber wie schon erwähnt, ist das alles Geschmacksache und man gewohnt sich auch an chinesisches Essen …



Was nun wirklich haarig ist, ist die Verwaltung der Listen und Hashes. Es gibt nämlich kein Schutzschild gegen falsche Zeiger. Ruft man ein Element einer Liste oder benamten Liste auf, das es nicht gibt, weil der Index außerhalb des Wertebereiches liegt, knallt es. Insofern erbt Basic die Crux von C.

Schön sind die Möglichkeiten der Fehlersuche. Wie erwartet, kann man Breakpunkte setzen, sich Variable anschauen usw. Davon träumt der PHP-„Entwicker“. Die IDE hat erwartungsgemäß ihre Grenzen: da die Integrierte Entwicklungsumgebung (wie schon der Name suggeriert) eingebettet läuft, entstehen schön schnell satanische Momente. Hat man beispielsweise in der Anwendung modale Fenster (das sind Popups, die nur dort per 'OK' oder 'Cancel' beendet werden können), führen Scriptabbrüche zum Hänger. Dann hilft nur noch der Affengriff.

Nach diesen techniklastigen Bemerkungen gibt es auch etwas erfreuliches, menschliches zu berichten: der türkische Grünhöker von „Um-die-Ecke“, der eigentlich Kurde ist, geht große Schritte in Richtung Integration. Hassan verkauft seit einigen Tagen neben Grünzeug, aromatisierten Schafskäse, Baklava, Tahini auch Pfälzer Saumagen und Schweinskopfsülze in seinem Laden. Wenn das der Immam wüsste … Die Stelle im Koran wüsste ich gerne.
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Mittwoch, den 19.11.2008 [18:14]
Gestern ging ein Ruck durch Deutschland: wir sind besser in diesem PISA-Test geworden und was noch bemerkenswserter ist, Sachsen ist Primus. Gerade die Sachsen! Jetzt aber mal nicht neidisch sein. Sind die gemütlichen Sachsen wirklich schlauer – oder haben sie dortigen Lehrer mehr Druck verbreitet? Mitnichten: es gibt dort fast keine ´Hintergründe. Es liegt auf der Hand, dass ein Montenegriner oder eine Afghanin nicht dümmer als seine/sein/ihr/ihre Mitschüler/Mitschülerin ist, sondern die Gesellschaft (also wir) vereitelt/vereiteln die Integration. Schlimm ist das! Oder liegt es an der skurrilen deutschen Sprache?

"Seltsamerweise kommen beim Arbeiten mit diesem VBA-Framework immer weniger von den gestrigen bösen Fenstern hoch. Ferngesteuert aus Redmond vermeidet der Excel-Coder instinktiv gewissen Handlungen. Es ist schon mysteriös. So langsam wird man dressiert … und selbst völlig nichtsagende Fensterlein schockieren nicht mehr.

Der Wahnsinn geht weiter: „Ein Ereignis konnte keinen Abonnenten aufrufen“ — keine Ahnung was diese Fehlermeldungslyrik uns sagen will. Falls die Fehlernummer sprachunabhängig ist, dann hieße das in Englisch „One or more buffers are still active.“ Klingt so, als ob Microsoft tatsächlich in den verschiedene Lokalisierungen, Versionen usw. verschiedene Fehlerdatebanken einsetzt. ;-((

Jetzt kommt die Interpretation; was will uns der Dichter damit sagen. Nicht. In dem Fall war einfach die Bereichsgrenze eines Arrays überschritten. Da ist also ein Päckchen an den Novalisweg 23 addressiert, diese Hausnummer gibt es nicht, der Die-Eitsch-El-Sklave macht Dienst nach Vorschrift und schwupps fällt er hin. So in etwas. Nein – in Wahrheit geht es einfach nur um nette Animationsfilme wie diesen hier auf der linken Seite der Spalte.


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Montag, den 17.11.2008 [23:52]
Vor 100 Jahren wohnte der kleine Hund auch schon auf diesem Schreibtisch, der schon in der Jenschen Jahnstraße, in der Nähe von Cincinatti, in der Lausch' und dann wieder in der Fritz-Reuter-Straße in Jena stand.
Bis zur Kehre (oder auch Wende genannt) jagte er noch eine kleine eiserne Fliege, die leider (Kinder im Haushalt …) abhanden kam. Sie sollte wohl den Schreibtischarbeiter an die Verhältnismäßigkeit seiner Probleme gemahnen. Übrigens: als der Schreibtisch (und auch noch andere Teile aus dem Nachlass) mit dem sommerbereiften Trabbi aus dem tief verschneiten Lauscha abholt wurde, fanden wir eine Flasche Arrak aus Batavia im hintersten Schubladenwinkel. Die Flasche war auf 1947 datiert und ich kann sagen – das hochgeistige Getränk mit einer vierzigjährigen Ablagerung im Eichenschreibtisch schmeckte wirklich vorzüglich!

Seit gestern hält er mit seinem messingnen Gewicht den Schnurschalter der „antiken“ Börsenlampe der Berliner Messinglampen GmbH. Leider ist der praktische Schalter nicht mehr bistabil und schnippt immer wieder in seine bequeme, energiesparende Ausgangslage zurück. Schade um das Teil, spendete sie doch immer so warmes, honigfarbenes Licht in die Stube. Dazu in feine, gediegene Verarbeitung in Messing, Porzellan und umklöppeltem Anschlusskabel. Laut Auskunft des Herstellers kostet die Fassung 3,80 €. Leider lässt sich auch nach neunsemestrigen Studium der Elektrotechnik die porzellane/messinge Fassung nicht öffnen. Nun gibt es laut Auskunft der messinglampenen Vertriebstante lokale Dieler, auch in Hamburg. „Ja“, sagt der dortige Herr, „die Fassung kostet 20,- €, das Machen kommt noch dazu.“ Na, ticken die noch rund – ist das sinnstiftend? Dann belassen wir das dann wohl doch mit dem Zughündchen.

„Unausprechliche Sprachlosigkeitt in der Welt der Wale, Delfine und Kristalle – das sind so schmissige Sätze in dem ¬genialen Film, der gerade in 3Sat läuft, den wir sehen könnten, wenn wir eine Glotze hätten. Leider, leider. „Kunst kann nicht im gesunden Körper enstehen, schon gar nicht aus einem Müsliesserkörper.“ Der Plot ähnelt sehr dem „Bauch des Architekten“ von Greenaway. Auch dort hat der Protagonist Leibkrebs, ist Künstler und alles endet sehr sarkastisch. Wie heisst es im Schlußwort: „Gutmenschen machen sich der Todsünde des Hochmuts schuldig, und die endet im ewigen Fegefeuer.“

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