Rainers Horen
Sonntag, den 14.12.2008 [10:38]
Der prallgefüllte Futterspender hängt einsam am Jarrebalkon, aber kein hungriges Vögelchen weit und breit. Klar, das macht Sorgen. Gibt es wirklich keine Amseln, Spatzen, Lerchen und Meisen mehr? Oder ist der Winter noch nicht unerbittlich genug und die potenziellen Kostgänger holen sich ihre leckeren Mahlzeiten im nahegelegenen Hamburger Stadtpark? Fast scheint das Häuschenangebot als ein leeres Versprechen an die naturbegeisterten Großstädter und es gibt hier bei den lauen Wintern kein Fütterungsbedarf und damit keine künstlich hergestellte Naturnähe. Schade. Nun kommt es noch ärger. Wenn man den ¬Problemträgern glaubt, sollte der Naturfreund die Vögel überhaupt nicht mehr füttern.

In vielen Mischungen sei der hochallergen wirkende Ambrosia-Beifuß beigemischt. Da die Vögel nicht alles verdauen tragen sie damit dieses Teufelszeug (das nicht in unsere Heimat gehört) weit i die deutschen „Gaue“. Es soll Initiativen rund um Berlin geben, die behandschuht das Kraut ausreißen und verbrennen. Allerdings ist in diesen Mischungen auch Hanfsamen beigemischt und das wiegt schon aus ideologischen Probleme noch schwerer.

In dieser Jahreszeit sind die Tage nicht nur im Reich der Mitte, sondern gerade hier im hohe Norden bei den Sch'tis verdammt kurz und dunkel und so strömte heute wieder alles was Beine hat in den Stadtpark. Viel ist es nicht was lockt: nur entblätterte Bäume, einsame Spaziergänger und ein heißer Milchkaffee am Planschbecken. Aber dann wird doch noch eine Überraschung sichtbar: ein ¬kafkaese Riesenmaulwurf hinterlässt mitten auf der Grillwiese einen imposante Hügel.



„Diejenigen, ich gehöre zu ihnen, die schon einen kleinen gewöhnlichen Maulwurf widerlich finden, wären wahrscheinlich vom Widerwillen getötet worden, wenn sie den Riesenmaulwurf gesehen hätten, der vor einigen Jahren in der Nähe eines kleinen Dorfes beobachtet worden ist, das dadurch eine gewisse vorübergehende Berühmtheit erlangt hat.“

Lassen wir den Riesenmaulwurf in seinem angestammten Wohnort im Rasen des Stadtpark und freuen uns lieber über die geniale Turangalîla-Symphonie von Olivier Messiaen, die heute für ein bildungsbürgernes Millionenpublikum ausgestrahlt wird. Seine junge Witwe spielt das „Ondes Martenot“, das ein wenig an das thüringische Trautonium erinnert. Wenngleich das Trautonium doch ein ganz anderes Wirkprinzip verfolgt. Schön, dass es so etwas noch gibt — einfach lebendig, kurzweilig und voller Überraschungen. Diese wunderbare Deprimusik ist genau passend für die kalte Vorweihnachtszeit, in der sich fast Deutschländer (bis auf unsere Hintergründe) auf die Geburt des „G*ttessohnes“ freuen dürfen.

In der heutigen Radio-Sendung einer großen Kirche, die bevorzugt in Süddeutschland wildert, wurde eine völlig neue Sicht auf Maria entworfen. Sie wurde mit dem Witwer Joseph verheiratet, der schon Kinder in die Ehe mitbrachte und Wanderarbeiter war. Als er nach einem Jahr von der Walz zurückkam und seine Ehegattin (ohne sein Zutun) in guter Hoffnung war, kam ihm ein kleiner Ärger hoch. Er war zwar nur ein jüdischer Zimmermann – aber doch nicht blöd. Und so musste Mirjam ganz tief in die Trickkiste greifen und hat mit Hilfe eines Bürgen (Engel) dem ahnungslosen Manne die Geschichte mit der unbefleckten Empfängnis aufgetischt. Beweist die Geschichte doch Zweierlei: je dreister eine Lüge, um so glaubwürdiger wird sie und wie aus der Ausrede einer flunkernden Ehefrau ganze Weltreligionen entstehen können.

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Sonnabend, den 13.12.2008 [18:57]
Heute gab es bei „Feinkost Albrecht (Nord)“ Hänge-Vogelhäuschen im Angebot. Das mit der Aufhängung ist wegen der Tauben sinnvoll, da diese possierlichen Tierchen ein Scheu haben, sich auf schaukelnde Dinger zu setzen. Kann ich verstehen.

Daraus ist eine weitreichende Idee geboren. Am Balkon befestigt und um eine Wielahnkamera erweitert bietet das Vogelhäuschen einen idealen, multimedialen Einblick in das städtische Leben unserer gefiederten Zeitgenossen im feinen Winterhude.

Mitte nächster Woche wird die Kamera angeliefert und dann geht es mit der Live-Berichterstattung los. Sicherlich gibt es dann auch eine Archivfunktion, die dann mit schickem Kalender und Zeitschieberegler ausgestattet sein wird. Mal sehen, ob die lokalen Vögel die ALDI-Futterstation annehmen. Vielleicht liegt es auch am Futter … Zur Not mischen wir dann das rein, was angeblich auch in Katzennahrung sein soll.
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Donnerstag, den 11.12.2008 [09:28]
Diese niedlichen Damenhandtaschenfüller heißen nicht umsonst „Netbook“. Sie beziehen ihre Stärke aus dem Netz. Da der Mensch an sich nicht immer zu Hause ist, das ist dort wo Festnetz und eigenes Wielahn läuft, liegt es auf der Hand, sich über UMTS & Gen. Gedanken zu machen. Werfen wir einen kurzen Blick auf die harten Tatsachen: Zur Zeit ist der Senderempfänger in einem USB-Stick untergebracht, der dann verlierensgefährdet aus dem Netzbuch herausragt. Teilweise gab es die Dinger auch in Expresscardausführung. In diesem Fall schaut die Hardware kaum heraus ;-) Das sind die kleinen Schlitze im Schoßling, die früher PCMCIA hießen. Leider ist der Handel in letzter Zeit immer weniger bereit, zwei verschiedene Teilchen vorrätig zu halten. Ist ja auch eine echte Zumutung … Sinnfällig ist ein eingebautes Modul. Die für die Abrechnung und Authentifizierung nötige SIM-Karte könnte über einen speziellen Schlitz oder über einen SD-Adapter bestückt werden. Haben DSL-Router eigentlich eine SIM-Karte? Das mit dem USB-Geschnurpsle ist also sicher nur eine Zwischenlösung.

Nun kommen aber auch noch die Tarife ins Spiel. Aus einer kurzen Recherche im Netz ergibt sich das Bild von vier Tarifarten. Es gibt den Minutentarif, der für die meisten Nutzer der teuerste zu sein scheint („Sie bezahlen minutengeau, das was sie verbrauchen“). Für Freunde des Zwitscherns und Schwatzens gibt es eine datenmengenbegrenzte Pauschale von ca. 10 € im Monat. Das ist eben auch ein Markt.

Nun kommen wir in die ernsthafteren Bereiche. Ideal ist natürlich eine Sorglosmonatspauschale. Die kostet im Moment ca. 25,- € (Telekom = 37,- €) und läuft zwei Jahre. Das ist sicherlich ideal für die ostdeutschen Landeier, wo es kein DSL gibt. Nur hier in Hamburg mit festem Wohnsitz ist es eigentlich verschwenderisch und so gibt es eine Tagesflat von ¬fonic, die täglich 2,50 € kostet und bis auf die Anschaffung des Netzzäpfchens (88,- €) dann keine weiteren Kosten verursacht. Wenn ich einmal alle diese Zahlen in einen Topf werfe, kommt die Schnittpunkt 3,75 heraus. Das heißt, wenn ich öfters als alle 3-4 Tage mobil surfe, ist die Monatspauschale „günstiger“.

Mit diesem Basiswissen ausgestattet waren wir heute am Handystrich in der Barmbeker Fuhle. Von den vielen Läden gibt es zwei, die offensichtlich nicht anbietergebunden sind. Um es vorwegzunehmen: schade, dass wir diese Beratungsgespräche nicht mitgeschnitten haben.

„Ich habe Interesse an einer Surfflat.“ Sie (behäbiger Muttityp): „37,50 € von der Telekom“„Da kenne ich andere Preise.“ Sie: „An was dachten Sie?“„25,- €“. Also geht es auch anders. „Hier (und sie blättert ein quietschbuntes Prospekt mit einer Riesentabelle auf) ist das wirklich günstigste: 22,50 € und da kommt noch 50,- € für den Stick dazu“ Ich nun wieder: „Wie groß ist der Anteil der Hardwaresubvention in diesem Preis?“ – Sie: „Keiner, das Ding kostet ohne Vertrag 138,- €“. Hm, da muss ich gleich nachhaken: „Bei fonic kostet der 88,- € und das muss ja ohne Subvention sein, da es keinen Mindestumsatz gibt“ – Sie nun wieder ganz schlau: „Das ist ein Internetangebot, da steckt niemand dahinter, da haben Sie keinen Service“. Jetzt fällt es mir leicht reinzuhacken: „Und Sie, die mir nun in drei Sätzen fünf Lügen aufgetischt haben, stellen den Prototyp des vorbildlichen Services dar, deswegen ich hier abschließen soll?“

Im Nachbargeschäft hat die junge, blonde Dame nach Nennung meiner Frage gleich die Augen verdreht und ich drehte auf dem Absatz um. Also das nächste Mal mit verstecktem Mikrofon, dank der Handytechnik, dem reingesteckten 2GB-Chip und der sehr vielen Läden ja kein Problem.
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Dienstag, den 09.12.2008 [10:41]
Jetzt kommt das Unglück über uns: die Glühlampe wird aus dem Verkehr gezogen.



Haben wir links auf dem Schnappschuss das gleißende, flackernde Leuchtmittel, dass an Verhörlampen in dunklen Gestapozellen erinnert („Sagen Sie uns die Namen Ihrer Kampfgenossen und Sie haben freies Geleit, eine Sonderration Steckrüben gibt es obendrauf“) und rechts die warme, ruhige und Frieden verbreitende Edison-Glühbirne. Links Aufgeregtheit, Anspannung und rechts Ruhe und Gelassenheit. Klar, wohin die Richtung geht.

Selbst die seriöse MOPO schreibt in ihrem Panoramateil von der kanzerogene Wirkung dieser zusammengfalteten Niederdruckquecksilberdampflampen (weiland im Volksmund auch „Neonbirnen“ genannt).

Nun aber einmal zu den zu Argumenten: Die Dinger heißen Energiesparbirnen. Da wird ja nicht wirklich etwas gespart. In dem Bewußsein der „Sparsamkeit“ wird die Lampe einfach brennen gelassen. Und übehaupt – werden wird nicht alle zum Verbrauch, ja fast der Verschwendung angehalten? Wo kommen wir denn dahin, wenn die Konsumenten nur noch das kaufen, was sie wirklich brauchen?

Wer sich mit feinstofflicher Energiewellenschwingung beschäftigt, stößt unweigerlich auf Orgon und das Dor. Orgon ist die universelle Lebensenergie, die beispielsweise im Frühling durch ein geöffnetes Fenster hereinflutet. In einem ¬Orgonakkumlator ist das Fluidum sammelbar und wenn der Zeitgenosse eine Weile in der Holzkiste sitzt (Handy und Digiuhr bitte draußenlassen), dann wird er quasi aufgetankt. Fatalerweise funktioniert das in Großstädten und in deren Umland (Pendlerpauschale) nicht mehr. Der Elektro- Licht- und Audiosmog verwandelt das Orgon in seinen Gegenspieler: das ¬Dor. Auch dafür gibt es eine Lösung. Befestigt man im Organakkumulator in allen vier Ecken Marienkristalle, dann wandelt sich das flüchtige Orgon in ¬Engelsenergie. Da könnte man in die Liste Wandfarbe stellen und nach Neutünchung einiger Zeit ist die ganze Wohnung mit Engelsenergie erfüllt.

Und jetzt kommen die neumodischen, verbrecherischen Lampen ins Spiel. Sie erzeugen fortwährend dieses Dor, dass (wie ein Wissenschaftler aus Ohio nachgewiesen hat) schlimmste Auswirkungen auf das feinstoffliche System hat. Gerade in den letzten Jahren haben Neurodermitis, Allergien und Kahlköpfigkeit rapide zugenommen. Mit Sicherheit besteht da ein ursächlicher Zusammenhang.

Das Denken in Ursache und Wirkung und die Frage nach der Motivation des menschlichen Handelns haben wir nicht nur im Fach „Dialektischer und historischer Materialismus“ eifrig gelernt sondern zeigt seine Vorteile auch im tatsächlich täglichen Leben.

Also heute begann ein Gespräch mit der Frage, ob nicht noch höherer Umsatz und neue Kunden interessant wären. Hm. Schon das verwirrt im ersten Moment, denn welcher Geschäftsmann würde nicht gerne weiter wachsen. Angebote auf uneigennützigen Heil und Segen sollten alle Glocken schellen lassen. Sehr nett ist das in der obigen, politisch überhaupt nicht korrekten Karrikatur dargestellt. Der Spruch ist also offensichtlich eine Frage aus einem gut antrainierten Gesprächsleitfaden. Nun kommt es heraus. Gerade morgen um 06:30 Uhr ist ein zwangloses Treffen der lokalen ¬BNI-Gruppe. Dort könnte ich mich in 60 Sekunden vorstellen und dann Visitenkarten verteilen. Nun ist es natürlich eine feine Idee, so früh raus aus dem Bett zu kommen und dann noch Empfehlungsmarketing … ein himmlischer Gedanke!

Nun sprechen auch ¬sachliche Argumente gegen ein Hingehen und Mitmachen, aber was am schwersten wiegt, ist der jährliche Beitrag von ca. 850,- €. Dazu kommt noch ca. 52×10,- € für das Frühstück. Was leistet der Franchisegeber im fernen England dafür und was habe ich außer dem Zwang zum wöchentlichen Morgenappell? Es gibt dann noch Fortbildungsveranstaltungen unbekannten Qualität und das erhabene Gefühl zu den Auserwählten eines Chapters zu gehören. Solche Leistungen

Was hat das aber nun mit der vehementen Werbeaktion zu tun? Es riecht nach Schneeball. Irgendetwas muss ja diesen Druck/Sog auslösen. Sicherlich kommen zur Erklärung hier wieder mehrere Strategeme zur Anwendung:

???? = „Dürre Bäume mit künstlichen Blüten schmücken“ — das Grundlage jeden guten Geschäftes. In diesem Fall gibt es noch nicht einmal die Sebnitzer Papierblumen, da sie im Kopf des Zuhörers blühen sollen.

???? = „Den Kaiser täuschen und das Meer überqueren“ — so sieht es aus: eine glorreiches Ziel vorführen, aber die wahren Ziele geschickt verschleiern. Durch Salamipolitik und Gehirnwäsche („Du willst doch auch erfolgreich sein … schau uns an … mit solch einer Miesepetrigkeit wird es nie etwas“) soll letztlich die Verbindlichkeit hergestellt werden.

???? = „Die Zikade wirft ihre goldglänzende Haut ab“ — die Mitglieder der Gruppe schwinden dahin und im Rückzugsgefecht muss noch Geld besorgt werden .

Leider gibt es bei den Chinesen nicht das 37. Strategem. Ich nenne es mal die vorgeführte Heilung. Da aber die Chinaleute ziemlich plietsch sind, steckt das sicher in einem der anderen Strategeme. Da muss sich also offensichtlich ein kleines Studium der Werke von Zhuge Liang anschließen.

Nach eine Bemerkung zu obiger Zeichnung aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. Der Geldspender soll wohl einen reichen Juden darstellen, sichtbar an den ???? (Peyes). Allerdings stimmt die Pfeife nicht. Pfeife ist ein Symbol für Existenzialisten und Künstler. Das richtige Symbol wäre wohl die Zigarre.
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Montag, den 08.12.2008 [19:28]
„Mariä Empfängnis“ – so steht es im Abreißkalender. Gebenedeit ist die Mutter G*ttes, der die Gnade zuteil wurde … usw.

So gesehen ist der Islamismus auch nicht absonderlicher. Jeder schafft sich so seine Probleme. Empfängnis Anfang Dezember und Entbindung zum Julfest Ende des gleichen Monats. Da müssen sich aber viele Abschreibfehler eingeschlichen haben.

Die Finanzunruhen schreiten voran. Letztlich macht auch nur jeder das Beste draus. Und unsere Landesmutter möchte nicht so wie die anderen Spinner. Derweil lassen wir es uns beim Inder aus dem dreigeteilten Fressnapf schmecken und freuen uns auf das Christkind.

Es war ja immer schon eine besondere Zeit. Damals wurde sie am 1. Dezember mit dem „Tag der Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik“ eingeläutet“. Dort dienten die Männer, die wie die damalige Sprachregelung anwies, mit der Waffe in der Hand ab vorderster Front die Frieden in Mitteleuropa bewahrt haben &ndashM und zwar gegen die imperialen Hegemoniepläne der Bonner Ultras. Also an diesem Ehrentag gab es zum Mittagessen immer Broiler. Das ist die amerikanisch/ostdeutsche Bezeichnung für Fleischhuhn, insbesondere im gebratetene Zustand. In Restdeutschland ist dafür das deutsche Wort Hendl oder Hähnchen geprägt wurden. Insofern waren also die DDR-Kulturlenker Vordenker auf dem Gebiete der Denglisierung unserer schönen Sprache.

Die wenigsten wissen, aber das schöne Österreich (Gruß an Alex in der Wiener Schillerpromenade ) war nach 45 aufgeteilt und es gab auch eine russisch besetzte Zone in Österreich und in Wien. Bruchstücke dieses Mems wird immer wieder in Flugzeuge und bei anderen Gelegenheiten aufgefrischt – nämlich dann, wenn dieser Kloakenepos „Der Dritte Mann“ gezeigt wird.

Hurra – die Pendlerpauschale ist wieder da! Im Januar und Februar kommt es zu Konsumrausch. Die ganze Pendler tragen ihre Steuerrückerstattung zu Karstadt und zur Metrogruppe. Vielleicht kaufen sie neue Deko für ihren Blechkisten. Prima wäre es. Letztlich unterstützt die Politik damit den Speckgürtel. Wenn die Randlandbewohner auch dort leben würden. Sie wohnen nur dort.
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