Rainers Horen
Sonnabend, den 10.01.2009 [15:54]
Nach deutscher Regel wächst die Eisdecke von stehenden Gewässern täglich um einen Zentimeter in die Tiefe, falls die Temperatur unter -10°C bleibt. So lässt es das zuständige Amt oder die entsprechnde Behörde die MOPO in einem Artikel zum Thema „Gefährlichkeit und Schönheit des Eislaufens“ verlauten.



Wie schön, wenn sich die Natur so gut nach unserem Dezimalsystem richtet. Wir kennen das schon vom ¬Morgensternschen Mond, der sich (wie wir wissen) sich dem Deutschen bequemt. Gerade heute morgen hatten wir ¬Perigäum. Das ist nicht weiter schlimm, heißt es doch nur, dass wir den fettesten Mond des Jahres hatten — um einmal in der Sprache unserer hoffnungsvollen Jugend zu bleiben. Apropos schlimm. Wir alle sind ganz gefährlicher Radonstrahlung ausgesetzt; zu dieser Schlimmheit später mehr.

Die langanhaltenden Frosttage ergeben aber auch neue Jobs für im Dienst weiland disziplinauffällige Polizeibeamte, die an allen großen Hamburger Seen (beispielsweise am obigen Rückhaltebecken Seebek) halbkonspirativ und doch auch ostenativ in ihren blauen Peterwagen (ostdeutsch: „Grüner Minna“) hocken, um leichtsinnige Mitbürger vor allzugroßen Tölpelhaftigkeiten zu schützen.

Ist ja auch eine prima urbane Aufmerksamkeitsfläche: da sind hunderte gelangweilte Hamburgerinnen mit ihren Begleitern im Stadtpark unterwegs und freuen sich auf jede jahreszeitgemäße Abwechslung. Aber erst die Beamten – kalt wird es im Benz schon sein und zu zweit hat man sich sicher schon alles erzählt, da ist jedes Vorkommnis heiß ersehnt. Schade, wenn dann der leichtsinnige und neugierige Bürger sich schon vom Polizeimegafon räsonieren lässt: „Wir möchten den Bürger auf der Nordseite des Sees darauf hinweisen … und bitten …“. Es wäre doch viel besser, wenn jetzt noch technische Hilfsmittel angefordert werden müssten und/oder nach der erfolgreichen Rettung/Vereitelung noch ein längeres Bürgergespräch angeschlossen werden kann. Vorgestern lief so ein zeitschindendes Gespräch an der Nordseite zum Thema Freiheit und Behütung.

Verwunderlich ist nur das Fehlen neuer Werbeformen, die sich hippe Hamburger Werbefuzzies ausdenken: „Heh Sie, ja Sie mit dem feschen Sweatshirt 'Autohaus Grimm' – verlassen Sie sofort die Eisfläche!“

Nun zum Radon: wie wissenschaftlich erwiesen ist, sind 10% aller Lungenkrebserkrankungen auf eine überhöhte Radonkontamination zurückzuführen. Jetzt muss ich etwas ausholen. Als gestern Abend dem 80. Geburtstag von Heiner Müller gedacht wurde, kam auch sein Krebstod zur Sprache. Da er viel und genussvoll rauchte, lag der Gedanke an ein Lunkenkarzinom nahe. Um diese Vermutung im Netz zu „verifizieren“ wurde im Netz nach „Heiner Müller Lungenkrebs“ gesucht und eine Seite mit dem Titel ¬Die unterschätzte Gefahr aus dem Keller zu Tage gefördert. Damit war der schöne Samstagabend gelaufen. Wollte ich doch lediglich erfahren, woran der große Dramatiker starb. Und nun? „In vielen Kellern lauert eine große Gefahr für die Gesundheit, die jedoch leicht unterschätzt wird. Die Rede ist von Radon. Das Edelgas gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.“ kann ich jetzt noch ruhig schlafen? Es gibt kaum Abhilfe. Gerade unter alten Häusern, die noch nicht die radonwehrende Schutzfolie im Baugrund haben, steigt das todbringende Edelgas in meinen Privatbereich und umwabert mich gerade jetzt beim Schreiben dieser Zeilen diese neue Gefahr. Da hilft auch kein Brandmelder … Manipulation erkannt – Gefahr gebannt. Der Schreiber des Artikels (rpo) ist Raucher — alles klar. So muss es sein.
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