Rainers Horen
Sonnabend, den 07.02.2009 [08:32]
Bildungsmisere in Deutschland – in Hamburg bekommen jetzt die Leistungsträger von morgen erst ab der sechsten Klasse Schulnoten. Richtig so! Leistung und Disziplin sind ja so böse. Die Kinder sollen alle eine unbeschwerte Jugend haben. Es ist aber nicht nur dieses verkorkste Bildungssystem, das leistungsunwillige unmotivierte (aber dennoch sehr selbstbwusste) Bürger heranzieht, sondern die Hamburger Stadtväter und -mütter tragen schon bei der Beschriftung der Straßen zur Verwirrung in den kindlichen Hirnen bei. Nun sind Straßennamen Eigennamen und es gibt da eine gewisse Freiheit. Immerhi darf die stolze Mutter ihr Neugeborenes auch „Sahra“ nennen. Dennoch gibt es dort auch DUDEN-Regeln. Die Stadt an Elbe, Bille und Alster hat sich über 100 unkorrekte Bezeichnungen auf den blauen Schildern. Greifen wir nur einmal ein Schild in Großflottbek heraus: „Groß Flottbeker Straße“. Das ist natürlich genauso falsch wie „Nagels Weg“ oder „Morgenstern Weg“. Überhaupt scheinen die Stadtangestellten sehr mit der englischen Grammatik zu liebäugeln.



Es heißt stilrichtig „Großflottbeker Strasse“ oder „Großflottbekstraße“ oder eben auch „Großflottbek-Straße“. Aber so wie es täglich zig Schulkinder in dem sehr properen Stadtteil wahrnehmen, ist es nun wirklich völlig falsch.

Eine etwas andere Liga ist dieses werbewirksame Beispiel aus der Kieler Straße: „Miet me now!“. Also, hier bietet sich eine Bausünde selbst an. Das ganze soll offenbar ein Witz sein. Das Haus spricht mit uns und das noch mit dieser Menggenge aus Englisch und Deutsch. Auf jeden Fall ist der Kram so ins Netz gekommen. Nun aber bitte nicht in Frankfurt anrufen – das ist hier keine Schleichwerbung.

Jeder kann ja nun nach seiner Façon leben und mir ist es völlig schnuppe, was da jemand schreibt. Herr Sick scheint da mit seiner schulmeisterlichen Art anderer Meinung zu sein, aber das ist eben seine Art Geld zu verdienen und vor allem – im Mittelpunkt zu stehen. Es ist schon eine schwoflige Art, wenn der Sprachpapst Schilder von türkischen Grünhökern, Zettelchen oder Zeitungsanzeigen unbedarfter kleiner Leuten von der Straße aufspießt. Mein Anliegen sind solche amtlichen und „offizielle“ Texte. Deutschland – Gute Nacht!

Gerade in der MOPO gelesen: „Aufnahmeprüfung für Sekundarstufe“ löst bei Kinder Stress aus.“ Wie furchtbar! Da wird nun mal eine messbare Leistung abgefragt und schon entstehen ungute Gefühle, die allfällig zur Traumatisierung führen. Also so geht das nu wirklich nicht. Sollte man nicht die armen gestressten Kinder mit Schokolade und hinterngeblasenem Zucker zwangmedikamentieren?

Das nächste TYPO3-Projekt wartet in den Startlöchern: eine recht komplexe, mehrsprachige Seite mit Seminarplaner, Quiz und Terminkalender bindet im Moment die Aufmerksamkeit. Thema „Seminarplaner“: das kann das ganze Wochenende verderben. Auf der Zunge liegt die Extension ¬SeminarManager. Klingt erstmal gut. Es hätte stutzig machen müssen, dass auf der ersten Suchmaschinenseite nur Forumsbeiträge zu auftauchen. Jedenfalls braucht das Teil irgendein französisches RAD-Modul, das mit bösen Meldungen im Errorlog und leerem Bildschirm auf sich aufmerksam macht. Angeblich bringt eine ältere Version von dem Teil Linderung … lassen wir das. Jetzt fällt das Auge auf ¬Seminar Managment (abcourses). Das Ding macht erst einmal keine Probleme, ist aber zu perfekt, zu ausgefietschert. Die Doku ist zwar sicher vollständig, aber nicht gerade ein didaktisches Wunderkind. Lassen wir es. Robert Lemke, der (nord-)deutsche TYPO3-Erneuerer hat das dritte Modul geschrieben. Es nennt sich ¬Event Database und fühlt sich echt gut an. Der Riesenvorteil gegenüber des abcourses ist die Herangehensweise von Robert. Seine Extension ist nicht so ausgefietschert, sondern ist überschau- und verstehbar. Beispielsweise gibt es für den Veranstaltungsort nur einen Namen. Im konkreten Projekt ist es jetzt einfach, dort weitere Eigenschaften (z.B. Geokoordinaten) hinzuzufügen. Da zeigt es sich wieder einmal, entscheidend ist nicht der Umfang der Software, sondern die klare Dokumentation und die durchschaubare Struktur.

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Freitag, den 06.02.2009 [20:01]
Keine Ahnung, was das heute wieder für ein Tag war. In die deutsche Verfassung soll das Nichtscheitern des Kapitalismus rein, der Bahnchef versucht sich aus dem Schlamm zu ziehen und wir (der Papst) versuchen, die schlechte Pressearbeit des Vatikans auszubügeln. Wer ist schon der Papst – ist er es wert, im Aufmerksamkeit zu zollen? Immerhin hat unsere Landesmutter eine Meinung dazu und räsoniert gegen den Pontifex. Das passiert, wenn eine evangelische Pfarrerstochter Chefin ein katholischen Partei wird …



Nun denn, jeder hat seine eigenen Probleme.
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Donnerstag, den 05.02.2009 [17:25]
Die (West-)Post ist da! Tatsächlich hat Fuji die Knipse repariert und gegen alle Ankündigung doch nichts berechnet. Zusätzliche zum durchgedrehten Stativgewinde haben die wackeren Leute auch noch das Display ausgetauscht. Hoffentlich war das keine Verschlimmbesserung



Nach langer, dunkler Zeit kam heute die Sonne etwas raus. Sofort wird der Stadtpark wieder bevölkert. Zuerst kommen immer die gummistiefelbewehrten Frauchen mit ihren Kötern angedackelt. Die Tendenz scheint generell wieder in Richtung Etagenhund zu gehen. Das die Hände, die man nicht unbedingt Gassi führen muss. Wie dem auch sei, der Frühling ist am kommen.

Mittag kommt allfällig der gesunde Appetit über uns – das ist das leere Gefühl im Magen, das unkomplizierte Menschen niederer Schichten gerne als Hunger bezeichnen. Und so marschieren wir (wider aller Unkenrufe) in das Sepia am Schulterblatt. Gut, der einem entgegenschlagende Geruch nach Rattenkacke soll etwas Lokalkolorit vermitteln und so nehmen wir an einem freien, aber dennoch nicht abgeräumten Tischchen Platz. Nachdem alle benachbarten Gäste, die nach uns kamen schon bei Zahnstochern sind, bekommen wir die Karte unwillig auf den Tisch geworfen — Rotbarsch mit Pfeffersauce: das kann nicht falsch sein. Irgendwann (mittlerweile sind 45 Minuten vergangen) kommt das lang erwartete Futter. Es ist schon eine hohe Kunst, Salzkartoffeln über viele Stunden warm und lecker zu halten. Das Küchenteam des SEPIA versteht diese Kunst nicht. Auch nach einer Stunde Aufenthalt im iberischen Restaurant vergeht der leichte Rattengeruch nicht. In Richtung Toiletten bzw. Küche scheint er sich sogar noch zu verstärken. Das Konzept scheint aufzugehen. Der Laden ist eigentlich immer voll. Der Personalaufwand ist offensichtlich: ein iberischer(?) Griller, ein stark hautpigmentierter Bursche in der Spüle, zwei Servierkräfte mit aufgesetzter Unhöflichkeit im Interface. Im Erlösbereich muss man mit ungefähr 20 Vierertischen mit einer durchschnittlichen Bongröße von 20 € rechnen. Das wären also 100 € Umsatz pro auf Beinen laufende Kostenstelle. Setzen wir den Materialeinsatz mit 30% und Personalkosten 5 €/Stunde an, bleibt abzüglich weißer und schwarzen Pacht doch noch Einiges übrig.
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Dienstag, den 03.02.2009 [18:59]
Viele Hersteller von Irgendwas haben das Problem der zeitgemäßen Produktdarstellung. Gerade im ingenieurmäßigen Bereich sind die Teile ähnlich und unterscheiden sich vornehmlich durch einen oder mehrere Parameter. Was liegt also näher, als in einem Footprint oder Portfolio sich den Katalog heran zu zoomen. Ein intelligenter Katalog muss her. Getriebemotoren haben eine Nennleistung und eine Drehzahl. Durch den Einsatzzweck bedingt gibt es auch noch einen Betriebsfaktor, der die zeitliche Belastung beschreibt. Die Lupe in dem Diagramm wirkt wie ein großer, zweidimensionaler Schieberegler. An den Rändern schnippt gummiartig er in den gültigen Bereich zurück .

Wer die Lupe im Diagramm bewegt, hat das große Glück zu erfahren, was es für Stirnradgetriebmotoren in der Nähe der gewünschten Parameter gibt. Jeder Punkt in dem Diagramm entspricht einem Getriebemotor. Auf einen Blick ist das Produktsortiment ersichtlicht – beispielsweise ist der Mangel an niedrigdrehenden Antrieben im höheren Leistungsbereich sofort offensichtlich. Wenn man den Antrieb so richtig zur Brust nehmen will (hoher Betriebsfaktor), dann fällt die Auswahl auch leichter ;-))



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Montag, den 02.02.2009 [23:51]
Die Fuji-Bridge-Knipse irrlichtet immer noch auf dem Rückweg der Reparatur aus England. Die deutsche Zentrale schickt das Ding weiter auf die Insel und packt es auf der Rücktour wieder um – fast schon ein Medienbruch. Witzig wie in dem Weltkonzern Arbeitskräfte kurzweilig gehalten werden. Es geht lediglich um das Anschlussstück für das Stativ, das begreiflicherweise (selbst aus „hochwertigem“ Kunststoff zerbirst, wenn der ambitionierte Photograph sein Tripod mit Alugewinde reinschraubt. Bekanntlicherweise kommt nach „fest“ schnell „ab“, besonders wenn es draußen bitter kalt ist die billige Plastik versprödet.

Na, jedenfalls ist es seitens der Serviceabteilung sehr gütig, die sechs Monate alte Kamera noch zu reparieren. Ursprünglich sollte die Reparatur 150,- € kosten. Das wären dann 96% des Neupreises. Durch großen Verhandlungsgeschick eines ehemaligen Ossis konnte der Preis auf 35, € gesenkt werden.

Deswegen gibt es hier in den letzten Tagen nur noch leistungsschwache Handyphotos und die Pflicht geht gut voran. Mittlerweile ist die Galeriewebseite lokalisiert, das heißt sie liegt nun auch in anderen Sprachen vor.



TYPO3 wäre nicht perfekt, wenn es nicht auch eine Möglichkeit gäbe, feinfühlig die Rechte des Übersetzers einzustellen. Da sehr viel und fast alles geht, lässt sich das nicht so einfach wie vielleicht bei DRUPAL einstellen. Alle Objekt haben erstmal Zugriffsrechte ähnlich denen im UNIX-Dateisystem. Zusätzlich gibt es im System Rechte für einzelne Nutzer und für Benutzergruppen, wobei die Rechte für die Gruppen weitaus differenzierter ausgestaltet sind. Im Idealfall sieht der Übersetzer nur die Textblöcke, die er abarbeiten soll.

In Erinnerung an das wunderbare Buch „Schiffsmeldungen“ und an die etwas weniger prachtvolle Verfilmung kommt jetzt hier ein kleines Schmankerl: die aktuellen einlaufenden Schiffe im Hamburger Hafen.

Ist das nicht ein Muss für jeden aufrechten Hanseaten? Wie grandios ist es doch, am Elbufer zu stehen und die gigantischen Containerpötte vorbeifahren zu sehen. Fernweh ist gar kein Ausdruck für das Gefühl, dass einem dabei allfällig beschleicht. Es ist ein Traum, der sich bestenfalls in einem dieser konfektionierten Reisen materialisiert.
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