Rainers Horen
Sonntag, den 22.02.2009 [21:19]


„Feiner Sprühregen“ — mit dieser Verheißung wurden heute die Hamburger in den Stadtpark geschickt. Nur wenige Bürger sind gefolgt. Wie sagt so schön der Thüringer: „Heeme is scheene.“ — dem ist nichts hinzuzufügen.

Das heutige Sonntagsthema war die Herstellung eines Zeitrafferfilms. Das klingt simple, hat aber auch seine Haken. Zur Übung am Metier liegt da noch irgendwo der Mitschnitt an den Marathon 2008 auf der Platte.

Werfen wir also die 1200 Dateien in iPhoto und speichern es es Quicktimefilm. Hier links läuft es. Es scheint so, als ob da nicht 25 Bilder pro Sekunden gezeigt werden. AviDemux gibt Hoffnung, das zu fixen. Dort ist die Bildwechselzahl einstellbar. Aber auch die Erhöhung auf 200 Bilder/Sekunde lässt den Film nicht schneller erscheinen. So ein Zeitrafferfilm kann schon ein netter Hingucker auf einer Webseite sein. Sicherlich gibt es auch Kameras, die solche Sequenzen auf SD-Karten speichern. Dann müsste man so ein Ding nur auf Stativ stellen. Wie gerade im Netz gesucht, ist das tatsächlich eine Marktlücke. Eventuell müsste man eine vollwertige Digicam kaufen, die dieses fietscher hat. Brauchbar ist auch die FlyCamOne², die immerhin bei voller (frischer) Batterie 45 Minuten hält und dann wahlweise alle 5 Sekunden ein Bild oder ein Filmchen macht. Die Freude ist allerdings beschränkt, weil es eine eingebaute Batterie ist, die erfahrungsgemäß nur im ersten Ladezyklus die versprochenen Amperestundenzahl hat.

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Sonnabend, den 21.02.2009 [12:51]

Nun kommt es vor, dass irgendwann aus einem zeitgefressenem Dilettantenprojekt eine professionelle Sache werden soll. Jeder Webarchitekt weiß ein Lied davon zu singen. Oftmals nutzen diese Laienwebprogramm ein absolute Positionierung aller Elemente, da weiß man schon wessen Abfallprodukt diese Spielwiesen sind. Es gibt also kein vernünftiges Floating/Container-System und somit ist der Einsatz in einem CMS schwierig — es sei denn, man für den Quatsch fort, indem man auch im CMS Wisywyg einsetzt. Böse, böse.

Schon die kleinste Sache kostet viel Zeit. Diese Minianwendung braucht schon mal eine Stunde einfach so.

Will man diese Funktionalität in TYPO3 einbauen, kann schon mal mit einem Vormittag rechnen, da jetzt eine Datenbank mit allen Bildern und Texten geschafft werden muss. Nicht nur das: irgendwie müssen die Objekte aus der Datensammlung ja auch wieder auf den Schirm. Das heißt das „Programmierung eines FE-Plugins“.



Heute spricht ein Händler zu mir auf dem Goldbekmarkt, auf dem auch obiger Herr die Obdachlosenzeitschrift verkauft: „Ich habe das eine Webseite, auf der ich meine Produkte anbiete. Jetzt hätte ich gerne noch einen Warenkorb. Ein Nachbar will wir das für 1200,-  € bauen. Das ist doch viel zu teuer." Denkbare ehrliche Antwort: „Da würde ich mir den Nachbarn aber warmhalten. Preiswerter wäre dann wirklich grenzwertig.“ Oder eben: „Einen Warenkorb baue ich gerne ein, kostet pro Produkt 20,- €“. Dann kommt eine Ikone hin und wer draufdrückt, löst damit nichts aus … Unnötig zu erwähnen, dass dieser Shop auch so eine konzeptionslose Handstrickung ist.
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Freitag, den 20.02.2009 [11:37]
Je länger ich mich mit TYPO3 beschäftige, um so mehr dämmert der Gedanke heran, dass das System vornehmlich dazu geeignet ist menschliche Energie totzuschlagen. Das Enterprise-CMS hat überzeugende Eigenschaften: es ist quasi ein Standard und so entstehen geringere Abhängigkeiten zwischen Kunde und Macher als bei anderen Web-Content-Managment-Systemen. Es zwingt hoffentlich den Macher zu einer gewissen Struktur, es ist fast updatefest und trennt auch ein wenig Spreu vom Weizen.

Es ist aber auch gerade diese Anfangsmühe, die an den Nerven zerrt. Man glaubt das System verstanden zu haben und schon wieder tun sich Scheunentore von noch zu begreifenden und zu lernenden Winkelzügen auf. So soll TemplaVoilà die Arbeit mit den HTML-Templates beschleunigen. Tut es auch — theoretisch. Also ein automatikgetriebenes Auto lässt sich fast zu intuitiv chauffieren wie eine klassische Pferdekutsche [hy?], [b?] und [hy:]/[h?t]). Hier im Webbereich ist es auch intuitiv, allerdings ist der Personenkreis eingeschränkt, der das so empfindet. Gut, jetzt klappt das mit der einfachen Seiten, aber das Datum wird im englischen Format angezeigt — obwohl locale_all auf DE_de steht. Diese Typoscriptanweisung sollte auf C-Ebene letztlich setlocal auslösen, tut es aber offenbar nicht. Und so vergehen diese wundervollen, regnerischen Nachmittage in Hamburg wie im Fluge. Den Insidern sei es verraten: tt-news erbt nicht die Systemeinstellung, sondern kocht ein eigenes Süppchen. Letztlich muss man der Extension per Typoscript das Datumsformat ähnlich strftime vorgeben. Das Problem ist also in zehn Minuten gelöst — hält aber auch auf.

Apropos Zeitvernichtung: die meisten, oder zumindest sehr viele Webseiten, saugen sehr viel Zeit. Wie hieß es früher so schön zum Thema Elekronikbastel: „Basteln heißt = mit unzureichenden Mitteln Sinnloses herstellen“. Letztlich hat sich dieses Hobby im 21. Jahrhundert mehr so in den immateriellen Bereich verlagert.

Da wird sich so ein XP-Programm besorgt und dann werden in jahrelanger akribischer Kleinarbeit viele, viele Webseite gemalt. Im Netz gibt es kostenlose Tools und die müssen dann herhalten, um das Kunstwerk aufzupeppen. Es gibt Berufsgruppen, die prädestiniert dafür sind. Das sind solche, bei denen viele Wartezeiten auftreten. Mich wundert es, warum Taxifahrer noch nicht mitmachen — die twittern dann wohl mehr. Diese Gesamtkunstwerke sind natürlich unwartbar und die Nachhaltigkeit ist unter Null. Die Ästhetik ist abgründig, da der/diejenige nicht nur technisch blondiert auftritt, sondern auch keinerlei Grundregeln der graphischen Gestaltung verinnerlicht hat. Da soll es durchaus Ausnahmen geben. Bei solchen Angeboten kommt man oft aus dem Gestaltungsbild heraus, da irgendwelche Funktionen nicht „passen“. Ohne Backbutton geht dann ¬gar nichts.
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Donnerstag, den 19.02.2009 [16:18]
Teilweise (und leider muss man viel Schotter beiseite räumen) gibt es bei Xing richtig gute Gedanken. Weil ich die Meinung von Dirk so bemerkenswert finde, hier ein längeres Zitat.

Worum geht es: eine Kadertante sucht wieder einmal die eiermilchlegende Wollmilchsau und kein Bewerber meldet sich. Dirk schreibt:

„Sie klingen ein wenig überrascht vom ausbleibenden Feedback. Ich bin es allerdings nicht unbedingt.
Ich fasse zusammen: Sie suchen aus meiner Sicht jemanden mit recht breiter und tiefer Qualifikation in verschiedenen sich nicht unbedingt überschneidenden IT-Gebieten. Sie möchten diesen freiberuflich Vollzeit für ca. 3,5 Monate im Rhein-Main-Gebiet engagieren.
Diese Personen gibt es bestimmt, und ich stelle sie mir so vor:

Diese Person ist erfolgreich selbständig und bestens ausgelastet. Zudem kann sie aus Projekten wählen, nutzt gerne das Homeoffice und benötigt zum Lebensunterhalt keinen vollen Arbeitsmonat.

Dies soll diese Person jetzt temporär ändern bzw. vernachlässigen für Ihr og. Ansinnen.
Warum sollte sie das tun? Ihr Stellengesuch enthält keinerlei Motivationselemente oder gar ein paar der "Zauberwörter" wie freie Zeiteinteilung, Fernarbeit, doppelte Tagessätze, Spesen, Prämien, Spitzenatmosphäre, Aufgabendelegation, freie Kost und Logis, topmoderne Arbeitsplätze, Wii, … (lesen Sie doch bitte selbst weiter bei der Konkurrenz)
Oder täusche ich mich diesbezüglich?
Es grüßt Sie herzlich und wünscht weiterhin viel Glück
Dirk A.“


Besser konnte er es nicht zusammenfassen. Diese ganze altbackene Personalpolitik riecht so ein wenig nach Adenauerzeit.
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Dienstag, den 17.02.2009 [12:04]
Entgegen dem Klischee gibt es in Hamburg auch trübe Tage. Im Moment haben wir genügend von diesen melancholischen Momenten.



Großmutter aus Neuhaus-Schierschnitz (s.A.) hat schon in den Achtzigern Dinge gewusst, die sich bald darauf bewahrheitet haben: „Das sich der Egon Krenz so sicher fühlt, der andere Jugendführer (Baldur von Schirach) sitzt heute noch im Zuchthaus in Spandau. Einige Jahre später saß der Bock von Berlin auch hinter Gitter.“ Irma hat vorher ihre leibliche Hülle verlassen und so ihre Gedanken nicht bestätigt gefunden. Im gleichen Atemzug hat die Müllerstochter und Gastwirtsgattin auch die Regel aufgestellt, dass plötzlich Dinge mit größter Selbstverständlichkeit geschehen, die niemand für möglich gehalten hat. Eingeläutet würden solche Prozesse durch häufigen und spektakulären Personalwechsel an der Spitze des Landes.

In Amerika haben wir jetzt einen starkpigmentierten Präsidenten, der mit Geld um sich wirft, wir Deutsche haben eine Frau an der Spitze unserer Regierung und vor einer Woche wurde ein vielnamiger Freiherr aus Franken zum Wirtschaftsminister erkoren. Jetzt fällt in der Presse schon das Unwort „Enteignung“. Klingt wie aus dem Arsenal der alten Zeit. Nur gut, dass nun bald der Frühling kommt und wir alle wieder Hoffnung schöpfen dürfen. Im Moment sieht es nun wahrlich nicht wie Frühling aus. Der Stadtpark ist menschenleer und nur ein einsamer Modellflieger (Terrordrohne?) umkreist die Kaskaden. Er trainiert wahrscheinlich für eine neue nichtsuizidale Waffe mit Überraschungsmoment. Es bleibt spannend.

Was machen nur die ganzen Hamburger in der kalten Jahreszeit? Bauen die alle frische Webseiten? Glaubt man nachfolgendem Video des TYPO3-Vaters Kasper Skårhøj, dauert der Aufbau einer perfekten Webseite nur eine gute Stunde. Nachfolgendes Video (wie macht das Kasper nur mit der GEMA) beweist es . Nebenbei bäckt er noch Plätzchen für das dänische Weihnachtsfest. Zumindest ist die unterlegte, grauselige Musik ein Beleg dafür, dass nicht geschnitten wurde und alles in Echtzeit geschah.


Der Film sollte das Standardeinwand des qualitäts- und preisbewussten Kunden sein, der eine einfache dreisprachige Webseiten mit Netzgemeinde, Blog, Seminarplaner und Webshop haben möchte und die freche Agentur sich wagt vierstellige Beträge zu planen.

Eine Stunde eines T3-Gurus: die kann nun beim besten Willen nicht mehr als eine Eintrittskarte für „König der Löwen“ kosten.

Dieser kleinen Witz, der mit heute kolportiert wurde, möchte ich nicht vorenthalten: „Treffen sich zwei Funktionen. Geh' beiseite – sonst differenziere ich Dich. Versuchs mal — ich bin eine Exponentialfunktion.“
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