Rainers Horen
Sonnabend, den 14.03.2009 [09:01]
„Bedingungsloses Grundeinkommen“ — das ist ein wunderschönes Thema, das schon seit Jahren durch unsere fabelhafte Welt geistert. Prominente Befürworter für dieser sozialen Utopie sind beispielsweise der Verkäufer von Zahnbürsten (Herr Schlecker) und auch der vorbestrafte Landesfürst und leidenschaftliche Schifahrer aus dem grünen Herzen Deutschlands.

Schon die beiden – statistisch nicht relevanten Beispiele – lassen eine Vermutung hochkommen. Solche Visionen und Gedanken können nur Leute haben, die sich außerhalb der täglichen Tretmühle bewegen. Aus einem Bauchgefühl heraus kommen viele dieser Enthusiasten entweder aus der Schicht der Gutmenschen und anderer realitätsfremder Gestalten oder aus der Ebene der Menschen mit geringsten Einkommen bzw. Transferbezieher im erwerbsfähigen Alter.

Was lässt mich an der Sinnhaftigkeit dieser Sozialutopie zweifeln? Gut, als erstes Argument gegen meine Gedanken könnte meine mitteldeutsche Herkunft aus Weimar herangezogen werden. Jemand, der einen Flugzeugabsturz überlebt hat, wird gewisse Ressentiments gegenüber Luftfahrzeugen aufbauen. Die Vision einer besseren Welt bleibt natürlich, nur hat sich eine nüchterne und eine weniger schwärmerische Vorstellung Platz gemacht.

Jedem dürfte klar sein, dass auf Grund der immer weiteren technologischen Vervollkommnung unser Schaffensprozesse (bei Marx = Steigerung der Arbeitsproduktivität) immer weniger Menschen gebraucht werden, um die Dinge zu bewegen oder herzustellen. Das ist der Grundwiderspruch dieses Systems, der schon seit 160 Jahren bekannt ist und an dem es keine Weg vorbei gibt. Kriege und andere nichtandropogene Katastrophen bringen zeitweise Linderung — das Problem bleibt natürlich. Irgendwann in naher Zukunft fallen im Sekundentakt schöne Dinge vom Fließband, werden ohne menschliches Zutun bis in den Supermarkt gekarrt und natürlich hat niemand Geld — woher auch?

Und nun kommen diese kommunistischen Vorstellungen eines Einkommens ohne Gegenleistung („Jeder nach seinen Fähigkeiten“) ins Spiel. Milchmädchenrechnungsmäßig kostet die Verteilung dieses Geldes weniger als der Aufwand, der heute für die Wohlfahrt getrieben wird. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Es würden Kräfte freigesetzt, die wir uns rein spekulativ anschauen sollten:



Das Hauptargument gegen das Grundeinkommen ist das Schwinden der Angst und damit Motivation für eine geregelte Arbeit. Gewiss macht Arbeit Spaß, aber nicht jedem. In meinem Bekanntenkreis möchte niemand in einem Callcenter arbeiten und Leuten die Ohren anknabbern, bzw. ständig höhnisch beschimpft werden. Wir wollen jetzt mal Altenpflege, Müllabfuhr und Supermarktkasse gar nicht zitieren. Stellen wir uns ein Einkommen von 800,- € vor. Das ist das in etwa, was ein Hartzer monatlich effektiv bekommt. Da das Geld nun auch alle anderen bekommen, wären erstmal monatlich ca. 70 Mio.×800=0,56 Billonen Euro mehr im Umlauf, die sofort die Preise für alles in die Höhe treiben würde (Preis=Angebot?Nachfrage). Zusätzlich wäre Arbeit viel schwerer einzukaufen, weil die Wirtschaft nun wegen der Unlust der Leute die Löhne und Gehälter anheben müsste, was wiederum zusätzlich die Preise anhebt. Am Ende der Kette würde also das Grundeinkommen nie reichen und alle müssten arbeiten gehen: somit wären wir wieder in der Gegenwart angekommen.

Nun kommen wir zum Wort „bedingungslos“: das klingt wie „ohne jegliche Bedingung“. Der Befürworter meinen damit offensichtlich, das Jeder das Geld bekommt. Wir leben in einer globalisierten Welt. Ist eine nichtweiße Form der Hautpigmentierung eine Bedingung? Kurzgesagt sind Utopien nur realisierbar, wenn sie entweder global durchgesetzt werden oder wenn ein Zaun gezogen wird — und das hatten wir schon einmal.
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Freitag, den 13.03.2009 [22:08]
Heute enden am Freitag die unseligen vier Wochen zwischen den beiden Unglückstagen. Dem Vernehmen nach soll die Regenzeit uns nicht mehr im Griff haben. Im Griff hat uns Deutsche unsere Medien, die wieder einmal ein Thema nicht totrecherchiert haben und aufmerksamgeil irgendwelche Chatvorankündigungen verbreitet haben. Heute wissen wir ob der offensichtlichen Fälschung mittels Photoshop. Ach nicht schlecht. Von 18 Millionen Schülern flippt einer aus ud das wird nun zu einer Gefahr hochstilisiert. Mindestens genauso viel Autos fahren durch unser Land und der Ausgang dieser Aktion ist weitaus tötlicher.

Wesentlicher als solche Vorkommnisse sind eigentlich das Echo und die Echos, die den Echos folgen. Jede Interessengruppe hat jetzt ihren Anlass: die Pazifisten, Internetzverneiner, Spielehasser, Schulsystemkritiker und Medienexperten. In einem deutsch-israelischen Forum bei XING wird wie zu erwarten das Bild des ¬hässlichen, gewaltbereien Deutschen gezeichnet. In Deutschland hätte sich eine zunehmende Ellenbogengesellschaft etabliert und im Heiligen Land würde man trotz starken Sicherheitsbedürfnisses mehr auf Solidarität und Hilfsbereitschaft setzen.

Genug der nichtsbringenden Straßenthemen. Der Frühling kommt jetzt mit aller Gewalt. In Volksdorf ist der erste blühende Strauch gesichtet worden. Die Zaubernuss (Hamamelis) ist tatsächlich der erste Bote, danach kommt sich erwartungsgemäß Forsythia und Kornelkirsche. Seltsamerweise blühen alle diese drei Sträucher gelb.


Es wäre mal ein schönes Thema für eine Doktorarbeit — nämlich der Zusammenhang zwischen Blühzeitpunkt und Blütefarbe.
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Donnerstag, den 12.03.2009 [09:19]
In Hamburg werden Hunde attackiert, im ferne Süden unserer Republik erschießt ein Kleinbürgersohn in der Schule 15 Mitschülerinnen und Lehrerinnen. So reißen die Entrüstungsgespräche nicht. Auch im Café Porto wird der Ruf nach Internetkontrolle und Spieleverbot laut. Letztlich soll durch einen Filter ein Problem gelöst werden. Wie bei allen solchen Filtermechanismen muss die Frage nach der Effektivität gestellt werden. Es bleibt immer ein Restrauschen. Es besteht darin, dass auch gute Elemente als böse erkannt werden und nicht jeder böse Junge geschnappt wird. In dem Fall des Amoklaufes würde man Hunderttausende Spieler von Ballerspielern und Schreihälsen — ja was? Beobachten, wegsperren, befragen …

Gestern beim Googeln viel plötzlich ein ¬SQL-Dump vor die Füße. In der Tabelle BE-User gibt es erwartungsgemäß einen User 'admin', dessen Passworthash wiederum in Google geworfen aufzeigt, dass das Chefpasswort '1234' ist. Wie krank ist diese Welt? Ein Anruf beim Betreiber der Seite, dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, hat nichts geändert. Es wurden vom promovierten Webredakteur „technische Gründe“ angegeben. Scheint mir mehr auf der menschlichen Seite zu liegen. Das Allerschlimmste: das Passwort funktioniert tatsächlich immer noch. Übrigens: wenn man das Finden nicht dem Zufall überlassen möchte, poppen sofort eine ¬ganze Menge „offener“ TYPO3-Installationen an die Weboberfläche.
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Mittwoch, den 11.03.2009 [09:20]
Tiere in der Großstadt: für die Einen ist es ein Stück Natur im quirligen Moloch und für die Anderen nur ein schmutziges Ärgernis. So verängstigt seit gestern ein kynophober Zeitgenosse alle Frauchen und Herrchen im feinen Winterhude — hat er doch mit Glasscherben bespickte Rindsrouladen ausgelegt. Ein Gold* musste notoperiert werden. Was treibt Menschen nur zu solch frevelhaftem Tun? Das können doch nicht das Bellen oder die Häufchen (bzw. schwarzen Stinkebeutel) sein. Der Täter muss nicht ganz dicht sein. Bringt doch das Auslegen der Köterköder überhaupt nichts: die Anzahl der Tölen werden sich wohl kaum vermindern und die Frauchen werdn ihre vierbeinigen Lieblingen jetzt wohl nicht in der Süderstraße abgeben. Vielleicht hofft der Aktivist auf einen gewissen Erziehungeffekt der Hundebesitzer? Wohl kaum: auch weiterhin werden überall diese gefüllten schwarzen Beutel rumliegen.

Tiere sind in diesen Dingen echt leidenschaftslos. Die Gans ?274 scheißt hier einfach so hin. Schade, dass die Kamera keine Zeitlupe hat, sonst könnte man das Ereignis in der 7. Sekunde noch genauer analysieren. kurz vorher tritt sie nochmal mit dem rechten Fuß — ist wahrscheinlich so ein Reflex, um die Kloake zu öffnen.
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Montag, den 09.03.2009 [17:01]
Am verregneten Wochenende war (wie die aufmerksame Leserin weiß) das Thema IRRE Bestandteil der persönlichen Qualifizierung. Das ist auch ein nettes Werkzeug, aber für die Erfassung abhängiger Daten von Datensätzen ist auch 'wizards' ein gute Wahl. Wie in der untigen Bildschirmablichtung zu sehen werden die Kunstwerke teilweise auch ihren Schaffensorten zugeordnet. Dazu dient die dritte Lasche im Formular. Dort kann der „Einpfleger“ eine Lokalität auswählen oder einen neuen Ort anlegen. Dazu müsste er/sie dann nur auf das Pluszeichen klicken — das geht auch in dieser Demo.


Es öffnet sich ein Fenster, in dem man den Ort benamsen und auch gleich in der Karte festlegen kann. Das sind fast schon paradiesische Zustande und schon kommt die nächste Vision: diese ganzen Vorgänge können uns sollten von „außen“ konfigurierbar sein. Falls also der Wunsch geäußert wird, die Frage irgendwelcher Maße oder die Zuordnung, welche künstlerischen Techniken zu „Graphik“ zählen zu ändern, zu steuern, muss ein kleines Werkzeug her.

Wie so oft in TYPO3 gibt es viele beglückende Lösungen. Der ganz harte Kern schreibt es direkt als PHP-Variable in die ext_localconf.php. Gut, kann man machen. Ist auch recht übersichtlich. Schon besser ist die Konfiguration über Typoscript. Das halte ich nicht für wirklich besser. Es kommt eben immer auf Anlass und Anliegen an. Wir haben heute die Variante des Konstanteneditors gewählt. Das verbindet beide Welten, die Welt der Klickibuntianwender und der textkonsolenbegeisterten Nerds.

In einer im Erweiterungsverzeichnis liegenden Textdatei wird pippileicht aufgeschrieben was man möchte und schwuppdiwupp erscheint im Hinterstübchen (neudeutsch = Backend) ein kleines Formular zur Datenerfassung. Das sieht gut aus und ist wunderbar einfach einzurichten. Über unserialize($GLOBALS['TYPO3_CONF_VARS']['EXT']['extConf'][MEIN_MODUL_NAME] ist dann das Formular ganz plietsch im Plugin wieder lesbar.
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