Rainers Horen
Sonnabend, den 04.04.2009 [10:53]
Heute lief auf Kampnagel — Internationale Kulturfabrik GmbH, so der offizielle Eigenname — die Beinahe-Uraufführung von „Der Fall Esra“. Übrigens eine Glanznummer für den ehemaligen Staatsanwalt Dietrich Kuhlbrodt. Später dazu mehr.

Gefragt, was das nun sei, könnte man sagen es ist ein Radiofeature ohne Radio — nämlich mit Menschen auf der Bühne. Damals in Weimar, im Deutschen Nationaltheater, war die Bühnenwelt noch übersichtlich: man nahm bei der Premiere im dritten Rang Platz und irgendwann wurde es dunkel, still und spannend. Nach dem geöffneten Vorhang sah das Weimarer Publikum meistens eine gegenständliche Bühne, meistens eine bürgerliche Wohnung oder eine anmutige Landschaft. Dann wurden Geschichten vorgetragen, die schließlich darin gipfelte, dass die gestörte Ordnung wieder hergestellt wurde. Heute in Hamburg: es wird alles unternommen, damit der Eindruck Theater nicht entsteht. Der Besucher darf nie eingelullt werden. Das ist ganz im Brechtschen Sinne der gespannten Wäscheleine. Wie auch in der Pornographie, sind Steigerungen immer schwieriger. Ficken auf offener Bühne, Dietrich: „War es nicht zu salzig?“ nach einer Fleischflötennummer, stöhnen, wimmern, Publikumsbeschimpfung und Videoprojektion.

Inhaltlich geht es im Stück um die Frage, wie weit Kunst gehen darf und um die Verquickung von Privatleben und dem Leben auf der Rampe. Vor einigen Jahren hat Karlsruhe ein Urteil gegen einen deutschen Verlag gefällt, das dem Verlag verbietet ein Buch zu veröffentlichen, in dem der Autor nicht nur Autobiografisches verwertet hat (was noch nicht verwerflich ist), sondern in diesen Texten allzudeutlich und schonungslos auch erotische Erlebnisse mit seiner damaligen Geliebten thematisiert hat. Das wiederum mokierte die Tochter der Geliebten an — sie fühlte sich in ihren Persönlicheitsrechten beëinträchtigt. Es ging also um die Abwägung und letztlich hatten sich die Richter damals gegen die künstlerische Freiheit ausgesprochen. Es ist eine völlig neue Regel aufgestellt worden: „Je desto“: Je heftiger die Sinnlichkeit, desto mehr ist es verboten. Leben wir nun in der Türkei oder in Deutschland?

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Freitag, den 03.04.2009 [23:27]
Heute gibt es für alle braven Besucher und Innen aus dem feinen Winterhude viel entspannende Musik vom Pianoforte.

Miba ist die winterhuder Antwort aus dem alten Europa auf den bekannte Klimperer Keith Jarret — nur noch viel besser.

Er füllt zwar noch nicht die ganz großen Konzertsäle, aber der Gasteig hat schon mal nachgefragt und ECM bucht schon mal die besten Studios unseres Landes. Tatsächlich zeugt seine sehr gefühlvolle Musik von großem Tiefgang. Es fängt zuweilen fast schon verspielt an, um dann plötzlich mit voller Kraft alle Höhen und Tiefen unseres Gefühlslebens explodieren zu lassen. Er wirkt nie langweilig oder aufgesetzt aufgeregt. In seinem Stil erinnert er an den späten Liszt, der gerade in seinen beiden Klavierkonzerten den Zeitgeist meisterlich widerspiegelte. Miba ist nimmt auch schon ganz unprätentiös die Moderne eines Béla Bartók vorweg. Das spürt man in den feines Dissonanzen, die bei Bartók eine Vorwehe auf das größte Debakel des 20. Jahrhunderts spüren lässt und beim Pianisten vo Elbe, Alster und Bille der Ausdruck der sogenannten WWK zu sein scheint.

Im Stadtpark ist ungeachtet der Krise, die hoffentlich eine U- und keine L-Krise darstellt, die Grillsaison eröffnet. wer sich den Solarmonitor anguckt, weiß warum. Heute wat der erste durchgängig wolkenlose Tag. Der Solargewinnst beschreibt eine schöne Sinuskurve. Beinah geglaubt — oder? Schon die Menge des Lichtes, die auf die PV-Anlage fällt ist sicherlich nicht sinodial. Ohne Luftmantel um unseren Planeten wäre das so, aber die Lichtmnege hängt vom Winkel der Sonne überm Horizont (Sinus) und vom Weg und damit der Extinktion durch die Luft ab. wäre mal eine schöne Ausrechnenaufgabe für einen naturwissenschaftlich ambitionierten Abiturienten. Das ist alles noch linear. Zusätzlich ist die Energieausbeute der Zelle sicher nichtlniear. PV-Spezialisten wissen Bescheid, müssen sie doch ein Forecasting verfassen, um den potentiellen Betreiben zur Investition zu bewegen.

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Donnerstag, den 02.04.2009 [13:21]

Es gibt so ewige Wahrheiten, die unausrottbar durch die Hirne unseres Volkes wabern. Schon in den Zwanzigern stellte der spätere Freitöter Kurt Tucholsky fest, dass die Hausfrau bei Gewitter zu schrauben sollte.

Zum Thema der Stadttauben (auch fliegende Ratten genannt) galt bis heute die Gewissheit des pendelnden Futterhäuschens, an das die possierlichen Tierchen angeblich nicht rangehen. So verkaufte eben auch ALDI-Nord zu Beginn der Futtersaison ein Häuschen mit Mittelaufhängung für 3,90 €. Den ganzen Winter ging da kein Singvogel ran und seit gestern schrumpft zunehmend der Vorrat im Mittelspeicher. Eine kurze Analyse der Vogellogs offenbart die Bösewichter. Jetzt noch einmal mit richtiger Kamera postiert offenbart sich eine Jahrhundertlüge: die Tauben können sehr wohl von schwankenden Futtertrögen fressen. Die Viecher fliegen hin, krallen sich fest und schlagen stabilisierend mit den Flügeln. Da die Tauben nicht zentral anfliegen, fängt sich das Häuschen an zu drehen und wird immer schneller. Für die Flugratten wird das Atzungfassen zum Karussellfahren. Das Weibchen schaut faszinierend zu.
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Montag, den 30.03.2009 [21:44]
Nun hat schon der Frühlingsanfang keine Milderung des Wetters gebracht , aber der Sommerzeitsonntag bringt kaum Sonne in unser Gemüt. Erstaunlicherweise und trotzdem erzeugt die neue Solaranlage auf dem benachbarten Kampnagel immerhin 20% ihrer Nennleistung, auch wenn es bedeckt ist und uns der feine Rieselregen traktiert

Nette Spielerei: dank der genialen Library ¬eGeoXML vom GoogleMap-Guru Mike Williams ist es spielend leicht, eine KML-Datei (so wie sie von GoogleEarth ausgespuckt wird) in die Webseite einzubauen. Damit schlägt er eine Brücke zwischen der einfachen Bedienung von GoggleEarth und der grenzenlosen Javascript-Möglichkeiten. Gewiss kann amna uch KML direkt in die API einladen, dann ist man aber auf den durch Google vorgegebenen Funktionsumfang gekniffen. Leider klappt die Einbindung der eigenen Rendererroutine noch nicht. Vision ist ja, dass die Anzeige lebendig wird. Das heisst sie rückt automatisch zeitlich weiter. Mike hat schon mal im ¬Forum geantwortet. Schauen wir mal.

Der Frühling kommt und damit zeigt es sich, wie übersättigt die Hamburger Vögel sind. Anfänglich hing das ALDI-Häuschen an der Wand und seit Freitag haben das zwei Tauben entdeckt. Die sind so furchtlos, die bleiben selbst auf dem Balkon sitzen, wenn die angestammten Bewohner auf Selbigem sind und glotzen einen noch an. Jedenfalls war ratzbatz das Haus leer. Nun hängt die Futterstelle an einer Schnur von der Balkondecke und das Pärchen glotzt dumm drein. Mittlerweile kommen die (hoffentlich) nun nicht mehr. Das ist auch besser so.

Mittlwerweile klappt das mit dem Solarmonitor. Damit die Messwerte live angezeigt werden können, braucht das Script Zugriff auf das sich öffnende Infofenster. Das dokumentierte Ereignis „infowindowopen“ funzt leider nicht bei solchen Polygonen sondern nur bei echten Markern (das sind diese wohlbekannten Pinögel). Dafür klappt „infowindowprepareopen“ — was nicht dokumentiert ist und vielleicht irgendwann nicht mehr den gewünschten Erfolg zeitigt.

Seit heute abend wirft obige App zuweilen einen Fehler, der nach window.jstiming riecht und die schöne Karte kommt nicht. Dieser Effekt erscheint zufällig. Das liegt daran, dass die Google-API 2.* eingebunden ist. In diesem Fall nimmt dann Google immer die neueste Version und die ist noch nicht sicher für den Produktionseinsatz. Die Lösung: v=2 einbinden. So einfach kann das sein.
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