Rainers Horen
Sonntag, den 17.05.2009 [11:46]
Es gibt nicht nur weiße, rosa und gelbe Baumblüten. Auf dem Niendorfer Friedhof, der eigentlich „Lauthof“ heißen müsste (liegt er doch direkt am Flughafengelände), steht eine Paulownie und die blüht tatsächlich blau.



Sehr schön anzusehen – ist aber gewissermaßen frevelhaft, weil diese Bäume in unseren Breiten auf kurz oder lang nach einem Spätfrost im Mai eingehen. Da bis auf die Eibe alle Bäume den gleichen Zuwachs pro Jahr haben, kann man für unserer Breiten sehr gut aus dem Umfang (gemessen in 1,50 mtr. Höhe) das Alter und damit das Setzjahr schließen. Hier ist eine kleine Rechenhilfe für Dendrologen:
Eiben wachsen viel langsamer und unsteter. Eine Eieb mit einem Meter Umfang kann da schon 1000 Jahre alt sein, hat also die Einhundertjahrfeier der Kaiserkrönung von Karl dem Großen miterlebt – zumindest als Zeitgenosse. Das erinnert an einen Sommer in den Achtzigern, als im Rahmen der „Aktion Sühnezeichen“ der Jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee aufgeräumt wurde. Natürlich waren die Helfer und Helferinnen alles (bis auf eine Ausnahme) dendrologische Laien und so passierte es: nicht nur Schwarzholunder, Birken- und Ahornschößlinge wurde radikal abgesägt, sondern eben auch eine wunderschöne Eibe. Man kann ja seine Augen nicht überall haben. Als der Friedhofsgärtner zum Feierabend vorbeikam, hatte der auch fast Tränen in den Augen.
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Freitag, den 15.05.2009 [13:25]


„Überall, wohin man schaut, wird aufgebaut …“ so haben wir es bei der FDJ-Singegruppe gesungen und so gilt es gerade heute im östlichen Winterhude. Obwohl die neuen Häuser im autofreien Wohnprojekt an der Saarlandstraße, in der Jarrestraße, in der Geibelstraße und in der Barmbeker noch nicht bezogen sind, hat sich eine hysterische Kundin ob der überlangen Schlangen zur Stoßzeit bei REWE zu der Meinung versteigert, dass das die vielen Neuankömmlinge im feinen Winterhude seien.

So entstehen Meinungen und Wahrheiten. Und irgendwo dazwischen die größte Krise seit Ende der Goldenen Zwanziger. Es tut sich ein Spalt auf. Es ist der Unterschied zischen dem, was jeder wahrnimmt und dem, was seit Monaten durch die Medienwelt geistert. Ich kenne niemanden, der irgendwelche Veränderungen in seinem tatsächlichen Umfeld wahrnimmt. Faszinierend ist die Mühe der Medien, mit der sie uns seit fast einem Jahr verrückt macht. Nun gibt es mindestens zwei Möglichkeiten der Interpretation: entweder gibt überhaupt keine Krise oder der Medienkonsument (also wir) ist doch medienrobuster, als gemeinhin angenommen wird. Das sind doch Alles in Allem gute Nachrichten.

Hamburg ist nicht nur eine sehr grüne Stadt – immerhin haben wir zur Zeit eine schwarz-grüne Regierung – gerade das feine Winterhude scheint ein urbanes Arboretum zu sein. Mit wachsamen Auge entdeckt der ambitionierte Hobbydendrologe Schritt auf Tritt „Exoten“.

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Donnerstag, den 14.05.2009 [20:49]
Ist ja klar: das kleine Baumkataster hat natürlich neugierig gemacht auf Bäume gemacht und so ist der Blick auf diese Objekte gestählt. Der tägliche Weg führt zu Fatma und dort stehen zwei imposante Bäume, die auch nach Konsultation mehrerer Bestimmungsbücher nicht anzuprechen sind. Die Blätter sind sehr weich und zusammengesetzt, offenbar gegenständig und immer fünfblättrig. Auf der Gurgelkarte (bitte ranzoomen ) sind sie offenbar Ende Mai abgefilmt worden und sind sehr weißblühend. Das Einzelblatt sieht etwa so aus:
Dank der Mithilfe des Baumkundeforums wissen wir es jetzt: es ist die „Straßenakazie“, auch „Einblättrige Robinie“ genannt.
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Mittwoch, den 13.05.2009 [19:43]
Unsere Baumsammlung ist eigentlich eine schöne Übung für angehende Programmierer und Coder. Sie ist quasi prototypisch, hat sie doch ein wunderbar durchschaubares Datenmodell und eine übersichtliche Nutzergruppenverwaltung. Also entweder ist die Baumart das atomare Element und die konkreten Bäume mit ihren eindeutigen Standorten und weiteren Eigenschaften kommen hinzu oder der konkrete Baum mit der Latitude/Longitude und dem (geschätzten) Pflanzjahr ist das zentrale Element und die Einordnung in die Taxonomie ist sekundär. Schon hier beginnt eine denkbare Diskussion mit der Abwägung von Vor- und Nachteilen beider Denkmodelle. Insofern ist auch Webarchitektur ein wenig philosophisch angehaucht. Bäume sind nach heutigem Wissenstand bis auf Phantasieprodukte von Walter Moers immobil. Wenn man unterstellt, dass Bäume nicht in überhängenden Terrassen angepflanzt sind, ist der Geostandort tatsächlich ein eindeutiger Schlüssel. Da das Alter des Webs keinesfalls das Alter eines Baumes erreicht, braucht man im ersten Schritt tatsächlich den Zeitfaktor nicht zu berücksichtigen. Oder spricht in 10 Jahre noch jemand vom Web? Wohl kaum, schon heute klotzen alle stolz auf ihr Minidaumenkino – genannt iPhone.

Da die Welt begrenzt ist, ist auch die Anzahl der Baumarten begrenzt. Es gibt ungefähr 500 verschiedene Baumarten. Trotz der überschaubaren Anzahl lohnt natürlich eine intelligente Suche. Hier in dem grünen Eingabefeld ist so ein Baumnamenschlund.


Nach Eingabe von „Taschentuch“ oder „Ginkgo“ (das sind die Vorführworte) sollten auf der Karte alle Standorte des Taschentuchbaumes oder eben die Ginkgos erscheinen. Nun bleibt es aber bei den drei Bäumen. Oder glaubt jemand, hier rammelt jetzt jemand durch den Stadtpark und katastert die Bäume?

Dem aufmerksamen Benutzer des Geowikiarboretums2.0 werden einige Besonderheiten in der Bedienung aufgefallen sein: die Breite der Suchergebnisliste passt sich dem längsten Wort an. Das ist nicht trivial, weil der Prototype.Autocompleter dieses Event des Datenempfangs nicht feuert. Die Krücke ist hier ein PeriodicalExecuter, der alle 200ms diese Anpassung vornimmt. Den Marker kann man samt Textfensterlein verschieben. Das geht normalerweise nicht. Hier wird das Fenster beim Beginn des Schiebens ausgeschaltet und beim Loslassen des Markers wieder regeneriert. Der Beschreibungstext wird derweil woanders zwischengelagert.

Solch eine ¬Hamburger Baumkataster gibt es auch schon als Insellösung. Irgendwann ist der Baumbestand erfasst worden. Die Infos im Netz dazu sind recht dürr und ohne Kontaktmöglichkeit – also eine der vielen verwaisten Seiten im Netz.
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