Rainers Horen
Sonntag, den 24.05.2009 [15:18]
Was bleibt von einem Wochenende? Oftmals „nur“ die Erinnerungen an heitere Zeiten in malerischen Gegenden wie dem Taubergießen. Das ist so eine verwilderte Auenlandschaft zwischen Kaiserstuhl und Straßburg. Käme man als aus dem Elsaß, dann müsste man die Fähre bei Rhinau nutzen, um rüber [tsu: d? '?v?b?] zu kommen.


Das Taubergießen ist völkerrechtlich zu Deutschland gehörig, die Flächen gehören aber zum Elsaß. Es gelten also deutsche Gesetze und es ist den französischen Bauern schwierig zu erklären, warum sie erst nach der Grasblüte ihre Wiesen mähen dürfen, zumal das späte Heu recht nährlos ist, da ja die ganze Kraft der Pflanze in die Blüten gegangen sind. Ein Bauer weiß das. Ein naturschützender Beamter hat da eine andere Sicht auf die grasigen Dinge.

Seit ein Lehrer aus Offenburg entsprechende Werbung gemacht hat, pilgern nun jedes Wochenende viele, viele Menschen zu Fuß und zu Rad in diesen Kleinod.


Dort wo das Gras niedergetrampelt ist, dort stehen voraussehbar die begehrten Orchideen. Was daran photogen sein soll: mir entzieht es sich. Die Dinger lassen sich auch ganz schwierig ablichten. Alle Orchideenphotos sind total unscharf geworden. Seltsam.


Die Sackgassenmarkierung hat durchaus seine Berechtigung. Schon nacj kurzer Wanderstrecke stünde man mitten im Rhein, aber auch in südlicher Richtung geht es nicht wirklich weiter. Zwar gehen mehrere Wege scheinbar wieder zurück in Landesinnere – nur leider gibt es weniger Brücken, als der Wanderer denkt. jedenfalls trifft man in den Wäldern viele verirrte Wanderer, die alle eine feste Meinung haben, wo es langgeht.
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Freitag, den 22.05.2009 [20:22]
Brücken- und Ausnüchterungstag im Elsaß: da ist die wunderschöne Stadt an der Ille ein Muss. Seit Schengen fährt kann man für elf Euro zu Zweit den ganzen Tag aus der Ortenau Richtung Strassburg fahren und dort auch alle Öffis nutzen. Leider gibt es auf der Illes keine HartzIV-Hafenrundfahrt, so dass diese Hamburgerr Vergnügung leider nicht enthalten ist. Ist auch schlimm mit welcher Lust sich die Familien und Liebespaare beinahe tottreten.



Es gibt auch im wunderschönene Strassburg genügend touristenübliche Zerstreuungen. Da ist der unbewegliche Silberbronzemann, der Schnellzeichner und die Zweimannkapelle. Diese Schausteller scheinen überall auf dieser Welt zu sein, wo es Menschen hinzieht. Nicht zu vergessen sind auch die Gürtel- und (Marken-)Uhrenverkäufer am Kai des Ille. Und überall wird der unvollendete Münster fotografiert. Da die wenigsten Knipsen ein hochwertiges Weitwinkel aufweisen dürften und auch anderweitige Kniffs nicht angesetzt werden, bleibt es doch nur eine nette Beschäftigung der Herren, die vielleicht nur den weiblichen Emotionen und dem Mitteilungsbedürfnis ausweichen wollen.



Der schlaue Besucher verweilt nicht lange an diesem Orte größter touristischer Aufenthaltswahrscheinlichkeit, sondern fährt mit der Linie A der futuristischen Tram raus nach Illkirchen zum Baggersee. Dort ist ein sehr großes Einkaufszentrum und so ein bißchen macht es ja auch Spaß, in fremden Kaufkulturen zu stöbern.

Das Auchan, das auch schon mal Mammut und Baggersee hieß, ist immer wieder ein kleines Einkaufserlebnis – schon die 128 Kassen sind imposant. Mittlerweile sind es weniger geworden, das ist wohl dem Einsatz modernen Scannerkassen geschuldet. An der Käse-, Wurst- und Fischverkaufskultur könnte sich so mancher deutscher Supermarkt eine Scheibe abschneiden.

Mittlerweile gibt es diese Mehleierpappen auf jedem Straßenfest. In Frankreich heißen diese Dinger „Crêpes“, in Tschechland „Pala?inka“ (was vom Lateinischen „Placenta“ stammt) und in anderen slawischen Ländern „??????? ?????“. Letztlich wird immer nur mal auf die Schnelle Mehl und Eier vermengt und dünn in einem Schaffen erhitzt.


Im Böhmerland werden die Dinger frühmorgens (?) auf einen Schwung schon mal gemacht und leigen dann gestapelt in einer Küchenecke. Falls ein Gast dann Palatschinken wünscht, wird je nach Punkt in der Speisekarte entweder Eis, Sahne und/oder Waldfrüchte reingepackt und dann auf einen vorgekühlten Teller gelegt und serviert. In Frankreich läuft das ein klein wenig anders: „Je voudrais bien deux crêpes ivoirienne pour nous.“ Die nette Dame in blauer Bluse sagt so etwas, dass andeuten will, dass Kokosrspeln aus sind. Nun gut, nehmen wir mit „Schokoladensauce für Feinschmecker“. Das erste Teil misslingt und landet verschämt im Biomüll. Aber jetzt: nimmt sie so ein geölten Puschel und schmiert die heiße Platte ein – um dann zwei Kellen gelblicher Flüssigkeit aus der französischen Crêpesverbundleitung auf die Platte zu gießen. Mit einem Teil, was man vom Fensterputzen kennt (allerdings ohne die Gummilippe) wird die Oberfläche egalisiert. Entscheidend ist der Zeitfaktor. Beim nullten Versuch hat sie das offenbar nicht beachtet. Zur richtigen Zeit wendet sie das Ding und beschichtet es dann rezeptgemäß. In unserem Fall mit einer dunkelbraunen Sauce aus einem anderen Töpfchen. Das es so etwas noch gibt!
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Donnerstag, den 21.05.2009 [22:49]
Vatertag im Südbadischen Ried: die anderen Männer ziehen mit ihren Minischleppern durch das Dorf, wir wollen das uns zugewiesene Brennholz (fünf Ster) aus dem Heiligenzeller Wald holen.



Es gibt so einen hektographierten Zettel vom Forstmeister mit der Weisung, die fünf Ster aus dem hiesigen Gemeindewald abzuholen. Das Holz (Buche, Eiche) liege am Maschinenweg. Keine nähere Angaben liegen vor. Na, dann los. Wir suchen an einem wirklich sehr schönen Tag nach einem Haufen Holz, das etwa so aussieht, die Nummer war halt eine andere:



Der Förster bräuchte nicht einmal eine Navi. Er könnte sich abends an seinen PC setzen und mit GurgelErde aus dem Kopf die Marker setzen und dann den Kram vielleicht mailen. Da braucht es kein geobasiertes eGoverment ... Ok, es grollte der Himmel und als wir wieder zu Hause waren ergoss sich der Himmel – wirklich heftig. Als Zugabe hagelte es kirschkerngroße Eisbrocken. Das ist die Jahrhundertgelegenheit einen guten Whisky zu trinken, der mit Hageleis gekühlt wird: das soll viel Glück bringen. Muss ja sein: schon wegen der Seltenheit und Flüchtigkeit des Ereignisses.

Am Wegesrand:




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Mittwoch, den 20.05.2009 [20:05]
Dank der modernen UMTS-Funktechnik, mit deren Lizenzvergabe unser Staat seine Finanzen teilweise saniert hat, und einer untersitzigen Steckdose im ICE kann der moderne Mensch auch im Zug daddeln. Da fällt ein Kind vom Karussell und die alleinerziehende Mutter muss zum Arzt und schon wird es mit der Cabriofahrt in den schönen Südwesten unseres Vaterlandes nicht. Der ICE fährt eine kleine Umleitung über Bremen und so bekommen wir fürs Geld plötzlich mehr Fahrstrecke und -zeit. Ist das nicht wunderbar?

Weniger schön sind die allfälligen Funklöcher, die zu einem intransparenten Schreiben zwingen. Immer drauf achten, wo der Zug gerade ist. Erstaunlicherweise ist die Software vom Umtszäpfchen recht robust. Es wählt sich immer wieder nach einer Tunnelfahrt ein und legt auch immer wieder ordnungsgemäß auf.

Das sind die Kurzweiligkeiten. Reisen, das ist im Gegensatz zu Goethes Zeiten, als solche Aktivitäten ein offenes Ende hatten, nur noch ein besonderer Zustand im Ozeane der bewegenden Augenblicke. Es sind die wenigen Momente in unserem kurzen Leben, in denen uns die verfließende Zeit bewusst wird. Dann schauen wir auf die Uhr (oder auf die rechtsobige Ecke unseres Händis) und staunen, wie langsam die Zeit vergehen kann. Das ist so ungewohnt für uns, dass wir in diesem Zustand recht konzeptlos sind.

Letztlich wartet man nur und füllt die Zeit beispielsweise mit superpluswichtigen Telefonanrufen an die lieben Daheimgebliebenen: „Stehe jetzt hier auf dem Bahnsteig in Hamburg und warte auf den Zug – ach, da kommt er gerade.“ oder „Fahre gerade in Kassel-Wilhelmshöhe ein.“ Unsereins schreibt diesen Text in den Blog und fühlt sich bei dieser Maßnahme noch erhaben.

Nach diesen schrecklichen und beinahe Unfällen mit diesen ICE-Zügen ist man natürlich sensibilisiert. Dieses ständige Gerumple ist mit wohlwolllender Interpretation sind das die miserablen Schwellen, was an sich schon bedenklich ist.
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Dienstag, den 19.05.2009 [10:51]
Neue Woche heißt auch immer wieder „neue Herausforderungen“. Unserer ambitionierte und hoffnungsvolle Saskia braucht selbstverständlich auch eine pfiffige und doch auch bezahlbare Webseite. Letztlich reicht sicherlich für den Anfang eine Webvisitenkarte. Das ist so eine minimalistische, navigationslose Seite, die einfach nur das Wesentliche (Kontaktinfos) wiedergibt. Mehr ist oft unnötig.



Es reicht tatsächlich: auf ¬Thaysen-Fashion.de gibt es „nur“ ein Außenfoto, die wesentlichen Infos und als Zugabe diese kleine Diashow, die in Wahrheit obiges, freches Bild nicht enthält ;-)

Das Hintergrundbild passt sich automatisch an die Fenstergröße an, was das Bildschirmphoto nicht recht vermitteln kann. Diese Technik ist relativ neu und hat auch noch sinnvollere Anwendungen, beispielsweise Farbverläufe. Diese Hilfsdateien sind dann wesentlich leichter, da die Hintergrundbilder sich dann auch anpassen würden. Leider gibt es ein kleines Problem: der Explorer – was sonst. Gäbe es dieses fehlerhafte Teil nicht, dann könnte man auch den Scrollbalken einschalten. Mit der hier benutzten Technik erscheint dann beim Rollern ein weißer Streifen, weil der Automatismus auf die Größe des Viewports und nicht auf die Dokumentenhöhe rendert. Zur Erinnerung: wenn die Seite nicht ins Fenster passt (Dokumentenhöhe ist größer als die Fenstergröße) kommt normalerweise der Balken. Mit einem kleinen Javascripttrick geht es dennoch. Also „Bahn frei!“ für dieses neue Fietscher. Der Trick: die Funktion (getDimensions) darf nicht document.getElementsByTagName("body").item(0); abfragen, sondern $(document.body). Der Explorer mag es nur so. Offenbar ist im Prototype-Framework eine Abkürzung gecodet.

Nun aber Schluß mit den technischen Männerkram! Es gibt auch noch die Welt der Ökobedenkenträger. Heute vor der Eiszeit saßen wir nun und sinnierten darüber, dass gegenüber mehrere Einblättrige Robinien residieren – da schnackt uns eine kanonische Dame an und nutzt unsere dendrologischen (Schein-)Kenntnisse als nervigen Gesprächseinstieg. Wie denn das nun sei mit den Walnüssen. Ob die Ökohaftigkeit dieser Nüsse (abgesehen von den Prozessen nach der Ernte) vom unedlen Boden geschmälert wird. Ich: „Da kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Der Baum zieht das Gift nicht nur aus dem Boden, sondern auch aus der Luft. Mit diesen feinstofflichen Dingen ist nicht zu spaßen!“ Sie: „Das ist ja wirklich beängstigend, das muss ich gleich meinen Freundinnen erzählen.“

Diese Hildegunst, Ilselore oder Irmgard war nach dieser profunden Auskunft ein klein weniger glücklicher. Obwohl ich der Schickse eine negative Auskunft zu ihrem Thema gegeben habe, war sie dennoch paradoxerweise erleichtert, habe ich doch ihr defätistisches Weltbild bestätigt. Sie sieht unsere Welt voller Teufel: kleine, unsichtbare, messtechnisch kaum erfassbare Kobolde, die uns fortwährend pisacken. Ist schon schlimm, wenn frau nicht einmal mehr Walnüsse ohne Störung des Seelenfriedens genießen kann.
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