Rainers Horen
Sonnabend, den 13.06.2009 [11:59]
Für jedes Thema gibt es in Hamburg eine Usergroup. Wer noch nicht auf der Höhe der Zeit ist: das ist das, was früher mal so ein spießiger Verein war. Man trifft sich und zuweilen ist auch der Anlass das Thema. wenn sich also Aquarianer treffen, dann geht es zuweilen auch um Fische. Nicht zu bei der TYPO3-UG: das fällt das Wort „TYPO3“ nicht. Es stellt so einen „rennenden Spaß“ dar, dass man sich nur über schicke iPhones, schnelle Autos, die Bundesliga oder über andere typische Männerthemen unterhält. Schade. Wie toll war es doch in Hannover, als wir uns unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Sander-Beuermann zur Linux-UG trafen. Da wurde tatsächlich zum Thema diskutiert und danach ging es ins Kaysers auf ein Bier. Das ist OK.

Genau dieses gewünschte Format heißt jetzt Barcamp. Also da treffen sich über 70 Enthusiasten aus ganz DACH-Land im Bunker in der Feldstraße und organisieren sich im Stundentakt in vier Räumen das Wochenende. Jeder kann ein Thema vorschlagen, über das dann geredet wird. Da geht es um technische Dinge wie Skalierbarkeit von Lösungen, Shopsysteme oder einfach um die Frage, „wie erziehe ich den Kunden“. Das Ganze klingt nach einem intensiven Wochenende – ist es auch und macht unheimlich Spaß.



Leider macht sich auch dort diese ADS-Marotte mit dem Twittern breit. Jeder zweite Nerd hat einen Mac oder auch so eine WinMaschine vor sich und zwitschert in die Welt irgendwas. Der Rollifahrer freut sich. Der ganze Gesprächsfaden ist über t3camp09 weltweit verfügbar.

Eingebettet in das ¬Barcamp ist die Prüfung für den „Certified TYPO3 Integrator“. Damit soll Ernsthaftigkeit des Anliegens getestet werden. Ist an sich eine gute Sache. Was sagen schon Referenzen aus? Da wird so ein Produkt (und somit der Macher) nur nach der graphischen Gestaltung beurteilt. Das ist, als ob man den Wert eines Hauses nach der hübschen Fassade beurteilt.



Da werden 75 Fragen gestellt, die innerhalb von 90 Minuten beantwortet werden müssen. Die Fragen sollen ausloten, ob man das System verstanden hat. Das ist der Ansatz. Eine Frage war beispielsweise, ab welcher Version von TYPO3 das PHP5 notwendig ist.. Muss man das wirklich wissen? O-Ton des Scharfrichters: „Die Zeit ist nicht das Problem. Man kann es schaffen. Stellen Sie keine Fragen, das führt eh nur zu endlosen Diskussionen.“ Sagte so etwas nicht auch der Offizier auf der kafkaesken Sträflingsinsel?

Es gibt ein Leben nach TYPO3 und Barcamps – doch tatsächlich! Gerade im Hinterhof des Novalisweges tobt immer öfters der Bär. Erstbezug war Ende der Zwanziger Jahre. Erfahrungsgemäß sind solche Wohnanlagen von der Generationenstruktur immer so homogen, da vielmals junge, hoffnungsvolle Leute einziehen. Und so wohnten in der Jarrestadt bis vor Kurzem noch ältere Damen, die noch den Kaiser erlebt hatten. Auch weil die umliegenden Häuser viererlei Vermieter haben, war der Innenhof tabuisiert. die Türen zum Hof waren verschlossen und zweimal im Jahre knatterten die Hausmeister mit ihrem Rasenmäher. Nun aht sich das „Problem“ biologisch gelöst und tatsächlich ist jetzt diese grüne Oase inmitten des urbanen und quirligen Molochs immer öfters eine gern genutzte Location für die Anwohner – so auch für uns mit finnischem Hund aus Lahti, der übrigens neben Finnisch auch Deutsch und Polnisch versteht.
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Donnerstag, den 11.06.2009 [16:04]
Wenn man den Wetterfröschen glaubt, hatten wir in Hamburg den kältesten Junianfang seit vielen Jahren. Glaube ich sofort. Der für Hamburg typische, feine Nieselregel beehrt uns seit einer Woche. Da tut es kein Wunder, wenn hier nichts zu lesen stand. Das soll mal als Entschuldigung gelten.

Die Robinien haben mit ihren abgefallenen Blütenblättern die Gehwege eingeweißt. Der Regen hat es weggespült und nun haben diese stattlichen Bäume im Hamburger Straßenbild eine unauffällige Rolle eingenommen.

In Deutschland ist wirtschaftlich einiges in Bewegung geraten. Gerade die altbackenen Firmen kommen in den Strudel. Ist nicht gerade der Opel ein Opaauto? Klar wenn jetzt die „Industriebeamten“ unruhig werden. Die dachten, sie könnten die ruhige Kugel noch bis zur Rente rollen. Ebenso ist es in dem von Rudolf Karstadt in Wismar gegründeten Kaufhauskonzern. Wer wird sich nicht später einmal an die älteren Damen erinnern, die gelangweilt in der Neonbeleuchtung zwischen Hosen, BHs und Kochtöpfen stehen, dann doch auf Aufforderung eine Unterhose auspacken und mit gespreizten Händen präsentieren. Loriot hat das mal so vortrefflich parodiert. Nun werden die Karstädter und Opelianer sich wohl neue Lebenskonzepte überlegen müssen. Letztlich schaffen solche Ereignisse Raum für neue Ideen und einen kleinen Miniaufschwung, weil sich nun die Bürger und Nochwerktätigen prima mit Klamotten, Topfen und anderen Nützlichkeiten aus der Konkursmasse eindecken können.

Nach einigen Wochen wird es also in unserem schönen Vaterlande kaum nochKaufhäuser geben. Ist das wirklich traurig? Seit gestern kostet das iPhone nur noch 99$, das ist doch eine gute Meldung. Das Kultding hat die Massen erreicht. Selbst Ethnoenergiemasseurinnen haben jetzt das Spielzeug und gerade gestern wurde mir im Porto das Ding stolz vorgezeigt — für Frauen eher ungewöhnlich. Jedenfalls wurde gleich meine Telefonnummer erfasst und auch gleich ein iPhoto geschossen, um dann das Daumennagelbild meinem Datensatz zuzuordnen.

Es gibt auch durchaus noch nette Momente im Leben: letzte Woche fand sich als Irrläufer zwischen Margarine und Quark dieses ¬französische Butterfässchen (man beachte die neue, ß-scheue Orthografie) beim REWE. Diese Butter schmeckt einfach fabelhaft! Der salzige Geschmack kommt von grobkörnigem Meeresalz, dass inmitten der Butter residiert. Da möchte man aufs Butterbrot nichts draufschmieren. Leider ist das Fässchen „La Motte aux Grains de Sel de Mer “ nun alle und auch bei REWE ist es nicht mehr zu finden. Die vor dem Kühlregal knieende Frau meint, dass die Butter kein Listenprodukt ist, sondern eine Werbeaktion war. Soso. Sind diese Macher tatsächlich so schlau und nutzen die Käufer als Tester? Vielleicht messen die den zeitlichen Verlauf des Abverkaufs und lassen dann berechnen, ob es sich lohnt.
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