Rainers Horen
Sonntag, den 21.06.2009 [18:38]
Heute war nun der kalendarische Sommeranfang 2009. Schweigen wir zum Thema. Der Herbst kommt in großen Schritten auf uns zu. Wo bleibt nur die versprochene Klimaerwärmung? Selbst in den bekannten Ausflugslokalen in Cranz sah es teilweise öde aus.



Die heutige Altonale (für Nichthamburger: ein sehr großes, multikulturelles Straßenfest, Motto: „Jugend = Trunkenheit ohne Alkohol“) als auch die Radsternfahrt fielen ins buchstäbliche Wasser. Bis auf einen innerstädtischen Riesenstau war vom autofreien Sonntag auf den Straßen nichts zu spüren. Nur die Bahnen und Fähren waren proppenvoll. Das ist einfach nur wegen des heutigen Freifahrttages. So richtig Mitleid habe ich mit dem HVV nicht – sah ich doch viele Touries Billets aus dem Automaten ziehen. Die Displays verrieten den Gratissonnntag nicht. ;-))

Gestern soll im Abendblatt eine Kontaktanzeige gestanden haben: „Frau sucht Mann mit Pferdeschwanz, Frisur egal“. Die Anzeige war sicherlich nicht so erfolgreich wie die Anzeige im Hannoverschen Schädelspalter: „Bratkartoffel sucht Verhältnis“.

Manchmal kommen so Kaufgelüste auf. Gestern abend lief auf den beiden in Hamburg empfangbaren Kulturradiosendern doch nur Opern- bzw. Chormusik und da kam kurzzeitig die Idee der Anschaffung eines Internettuners in das Wunschzentrum des Hirns. Da könnte man in Zukunft aus 15000 Hörrundfunkstationen wählen oder eben eine 2,5"-Minifestplatte einbauen, die dann alles beinhaltet, was die Musikwelt so hergibt. Wenn das Wort aber nicht wäre. Die Liste mit den Radiostationen ist nicht lokal im Gerät gespeichert und eine Weboberfläche erlaubt eine Erweiterung. Das wäre OK. Nein: die Gesamtliste als auch die persönlichen Favoriten werden auf einem Radiowebportal gehandelt. Das machen die natürlich nicht, um Rechenzeit zu verplempern, sondern wegen der verkauften Zugriffsstatistik. Das hat natürlich im Umkehrschluss zur Folge, dass die Funktionsfähigkiet des Radios von der Verfügbarkeit des Servers abhängt. Ist die Firma tot, danntaugt das 120,- € teure Gerät nur noch als UKW/DAB-Tuner mit MP3-Abspielmöglichkeit. Übrigens kommt in Hamburg nur DLF, DLR und der NDR über DAB rein.

Es gibt immer mehr „Beinahprodukte“, deren Nutzung die Beschreitung des steinigen, deutschen Weges Antrag - Ablehung - Einspruch bedürfen. Neben solch einem Internetradio ist das beispielsweise eine UMTS-Flatrate für den Schoßling. Da wird ein 24-Monate-Knebelvertrag unterschrieben und plötzlich geht in der Gertigstraße das Netz nicht. Im Mühenkamp und in der Jarrestadt funzt es erwartungsgemäß. Das Mac-Book meldet so ganz unschuldig keine Fehler – sondern tut so als wäre alles in bester Ordnung.

Plötzlich geht das Internet in der Gertigstraße nicht mehr. Es gibt allerdings auch keine Fehlermeldung. Nun ist in Hamburg alles nah und so steht man im O2-Shop im Mühlenkamp und muss sich die Verlaufslitanei der Vorkundin anhören. Nachdem es bei ihr zum Abschluß kam, darf ich mein Problem schildern. Natürlich wirkt der Vorführeffekt und die Kiste läuft wieder. Dann gewinnt der Typ Zeit, indenm er die Abdeckung „testet“. Natürlich ist das in Hamburg überall super. Eine Störung läge nicht vor. Soll es hundert Meter weiter wirklich eine Mystik geben? Mag ja sein, dass der dortige Mast Schwierigkeiten macht, aber wird die Umsetzung von UMTS nach TCP/IP nicht woanders vollzogen?
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Sonnabend, den 20.06.2009 [19:43]
Hochwertige Bio-Produkte müssen nicht nur in China und anderenorts nachhaltig produziert werden, leider müssen sie auch an den Mann und die Frau gebracht werden. Das kann sich zu einem Problem ausweiten und scheint zunehmend zu unserem Hauptproblem zu werden. Es gibt weitaus unangehmere Varianten als der Wochenmarkt am Goldbekufer, auf dem zuweilen Klaus mit seinem Leierkasten für musikalische Untermalung sorgt. Das Allerschlimmste scheint Telefon- und/oder Haustüraquise zu sein. Doch – es naht Hoffnung.

Seit einiger Zeit gibt es das Web. So ein Internetshop ist doch etwas Feines. Einmal gestartet und mit Inhalt gefüllt braucht man theoretisch nur noch Päckchen gemäß virtuellem Warenkorb zu füllen und zur POST zu bringen. Tatsächlich kann das klappen. Es kommt natürlich auf die Produkte an und auch sehr viel auf den Webshop.

Da diese Shops so beliebt sind, gibt es auch vielfältige Angebote für den Betreiber. Das beginnt mit der CD-ROM im Baumarkt-Blisterständer über Angebote bei Webhostern bis zu individuellen Lösungen. In beiden ersteren Fällen kommt man preiswert und schnell zum Ziel. Allerdings hat das etwas von „Malen nach Zahlen“ und das Ergebnis ist stark eingeschränkt. Ich will diese Lösungen hier nicht schlechtmachen – sie haben auch ihre Berechtigung. Um es mal mit einem Gleichnis zu sagen: diese Systeme sind wie ein Pizzaautomat, bei dem man mit Schiebereglern den Geschmack und mit Checkboxen den Belag platzieren kann. Ein richtiges Shopsystem ist eine gut eingerichtete Profi-Küche mit vielen Schubfächern.

Für dieses Küchenwunder brauchts einen Koch. Im Webbereich kommt ein Webarchitekt zum Zuge. Das ungefähr ist seine karge Arbeitsumgebung:



Das Hauptproblem in seinem Job ist nicht technischer Natur, sondern die Abtastung der vagen Vorstellungen des Kunden und dann die Ahnung, wohin die Reise geht. Gewisse Marschrichtungszahlen braucht es eben doch, um einschätzen zu können mit welchem Werkzeug das am schmerzärmsten geht. Es gibt natürlich mehrere Systeme: der Klassiker ist xt:Commerce, nun ja das soll schlimm sein, seit einiger Zeit steht Magento am Himmel. Nach Aussagen von ernsthaften Leuten sollte man da mit ca. 5000 EUR Aufwand rechnen. Außerdem sind diese beiden Systeme reine Shops und letztlich soll der Webshop in eine gewöhnliche CMS-Webseite eingebunden sein, weil der Kunde ja auch gerne seine erfolgreiche Firma vorstellen möchte.

Da liegt natürlich TYPO3 auf dem Hand. Das Framework ist zwar lange gewachsen und hat dadurch auch Leichen im Keller (die nächste Version räumt damit auf …), aber wer schon seit 14 Jahren im Webenginneering arbeitet, weiß das CMS zu schätzen. Es bietet schon die flexibelsten Möglichkeiten. An Typoscript muss man sich gewöhnen. Innerhalb von TYPO3 gibt es zwei ernstzunehmende Shoperweiterungen: tt_products (vom Gründungsvater selber) und eine neuere Entwicklung mit dem prophetischen Namen commerce vom Hamburger ¬Volker, der auf dem TYPO3barcamp sein Baby vorgestellt hat .



Kurz und gut: um eine robuste Vorstellung zu haben wie aufwändig so ein Shop ist, soll der Entwickler mal einen knappen Tag einrechnen. Da muss die Extension installiert und konfiguriert werden und eine gewisse Zeit geht ins Land bis die Machbarkeit von Sonderwünschen evaluiert ist. Leider (aber auch aus begreiflichen Wünschen) möchte der Kunde gerne schon mal schauen wie es fertig ausschaut. Das ist als ob man einen Maler bittet, schon mal das Bild zu malen. Das geht natürlich gar nicht. Ein bißchen Abstraktionsvermögen braucht es schon.
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Freitag, den 19.06.2009 [08:52]
Im fernen Persien gibt es politische Unruhen. Letzten Freitag waren dort sogenante Wahlen und nach offizieller Lesart hat sich der amtierende „König“ vom Volke bestätigen lassen. Zur Demokratie gehört eben auch, dass man das Ergebnis anerkennt und sich dann der Meinung der Mehrheit beugt – man muss quasi verlieren können. Nun liegt immer der Verdacht nahe, dass der bisherige Machtinhaber Ma?m?d A?mad?-Než?d da etwas gedreht hat. Vielleicht ahnte er etwas von der „Dummheit“ seines Volkes und wollte ihm zum Glück verhelfen. Weiß man wie er tickt?

Nun gab es vor rund dreißig Jahren schon einmal eine Pseudorevolution, die viele Iranern unangenehme Situationen bereitet hat und letztlich hat sich für „die da unten“ nicht viel geändert. Der wunderschöne Film Persépolis hat das Dilemma für ein europäisches Publikum sehr treffend und einfühlsam dargestellt. Im gestrigen DLF-Interview hat die Filmemacherin Marjane Satrapi auch deswegen keine hoffnungsvollen Worte gefunden. Der Iran soll sehr jung sein. Über 60% der Bevölkerung ist jünger als 30. Das birgt doch große Hoffnungen auf echte Neuerungen. Die Hauptfrage ist aber eine andere: kann eine Menschengruppe über starke religiöse Bindung wirklich frei sein? Ist es also möglich, in einem Kirchenstaat frei zu sein. Ich meine jetzt nicht, was wir als Außenstehende dazu meinen, sondern wie sich die Iranerinnen und Iraner selber fühlen.

In der Biografie eines jeden Erdenbürgers gibt mindestens zwei Möglichkeiten mit der Lebenswirklichkeit umzugehen. Der ein wenig unaufwendige Weg ist derjenige, der ein konfektioniertes Denksystem übernimmt. Das nennt sich Religion. Ein großes Stück er Verantwortung wird abgegeben und auf viele Fragen gibt es eine Antwort. Der andere, etwas steinigere Weg, wird oft von verkopfigten Menschen beschritten: viele Jahre baut derjenige sich ein eigenes Weltbild. Das kann ein schmerzlicher Prozess sein, der für manchen Denker nie endet.

Letztlich ist der Iran eine islamische (wenn nicht sogar die) Republik und das geistige Oberhaupt Seyyed Al? Ch?mene'? wird sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Das ist letztlich wie in der DDR: das war Stoph als Ministerpräsident recht machtlos gegenüber der Parteiführung. Es gilt immer noch der alte Ostwitz: „Kommt Fritzchen aus der Schule und fragt Papi: ,Wir hatten heute in der Schule das Thema Regierung/Partei/Gewerkschaft. Das verstehe ich nicht.‘ Papi: ,Das ist wie bei uns in der Familie: Ich bin die Regierung, Mutti hat das Sagen und Du meckerst wirkungslos dazwischen.'“

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