Rainers Horen
Sonntag, den 05.07.2009 [17:16]
Gestern prügelten sich auf der Schanze wieder wie jedes Jahr die gewaltbereiten Autonomen mit der Hamburger Polizei. Besonders die Medien haben von dem Abend ihre Benefit. Auf spiegel-Online gibt es einen ¬netten Film zu bestaunen. Vor einem Jahr war hier in Barmbek die Hölle los – allerdings gab es besseres Filmwetter. Das war echt praktisch. Die Morgenpost liefert im Zusammenhang auch gleich die Anweisung, wie man (falls man das möchte) Autos anbrennen kann. Da streicht der Übertäter Klebstoff auf den Reifen der Hassperson, zündet es an und geht dann gemütlich weiter. Das dauert dann eine gewisse Zeit bis der Reifen lichterloh brennt. Am besten wäre natürlich eine Paste, die vorerst ohne Flamme brennt. Wenn ich mich dunkel an den Chemieunterricht erinnere, brennt Alkohol mit blaulicher Flamme und wenn das Alkanol höherkettig ist, dann ist es auch pastös. Mehr wird nicht verraten.

Es gibt aber auch schönere Dinge in diesem wilden Hamburg. Wie schon erwähnt, eröffnet nächste Woche ein weiteres Galão-Café in der Gertigstraße. Vielen Nichthamburgern ist der Begriff Galão vielleicht nichtssagend. Tatsächlich gibt es das koffeinhaltige Heißgetränk bis jetzt ausschließlich in der Stadt an Elbe, Alster und Bille. Das kommt wohl daher, weil es hier ein große portugiesisch/brasilianische Einwanderszene gibt. Und so gab es heute ein Briefing vom angesagten Galãoguru und Lieferant edler Teile für Yvonne, die demnächst hier öfters mal an der Maschine steht. Wir haben derweil fleißig Spiegel zerkloppt, gespachtelt und gemalert. Wegen des Handwerkerkraches ist die Verständlichkeit etwas mies – aber aus Datenschutzgründen auch besser so.


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Freitag, den 03.07.2009 [00:15]
Bevor zu dem Tagesereignis in Winterhude kommen, hier noch ein kleiner Stimmungseindruck aus dem portugiesischen Café PORTO, das in den nächsten Tagen einen Mitbewerber bekommen wird. Der Galãostrich wird also in Richtung Mühlenkamp verlängert. Nur weniger Meter weiter – gegenüber dem unsäglichen Möbelladen Yellow – entsteht das CAFÉ O LADO. Im Gegensatz zum portugiesischen PORTO, was von einer in gebürtigen Hamburgerin türkischer Abstammung geführt wird, wird das neue portugiesische Café von einem Brasilianer, einer Hamburgerin und einer Hündin namens Charlotte betrieben. Alles klar?



Was ist im feinen Winterhude passiert? Der hier schon öfters erwähnte Kämpfer für eine vegetarische Welt und grünbehutete Verkäufer von alternativem Obst und Gemüse wurde letzten Donnerstag polizeilich vom Goldbekmarkt vertrieben. Schon mehrere Jahre lang wurde er vom Ordnungsamt ermahnt, gewisse Grundstandards des Markthandels einzuhalten. Dazu gehört eine Preisauszeichnung, eine Waage, eine Herkunftsangabe des Grünzeugs und eine Einordnung in Handelsklassen. Günni hat immer die Grünteile in eine Plastikkiste gelegt und dann so etwas gesagt wie: „Macht für Dich 2,80 €“ oder „Nimm das mal für 7,90 € mit.“

Vor den Augen der zumeist Kundinnen hat er das verfaulte und angegammelte Zeug vor der Preisbildung aussortiert. Das Verfahren ist wahrscheinlich in Deutschland nicht normgemäß und gewünscht.

Jedenfalls hat sich eine Kundin amtlich wegen schimmeligen Weintrauben beschwert und so kam es zum Eklat. Das Marktamt hat ihm einen Platzverweis verpasst und das am Donnerstag polizeilich durchgesetzt. Heute hat der nette Marktmeister Gnade vor Recht ergehen lassen und dem Opfer der Polizeiwillkür seinen Stammplatz für seine Protestdemo gelassen. Und so zeigt er jedem Vorbeikommenden seine amtliche Anschuldigung und sammelt Unterschriften gegen seine Vertreibung. Die zahlreichen UnterschreiberInnen bezeugen die Tadellosigkeit der Produkte, das soziale Engagement und den guten Leumund des grünen Kämpfers.


Gegen Mittag scharten sich immer mehr entrüstete Protestlerinnen am virtuellen und mit Kreide abgezeichneten Platz. Der Marktmeister nahm den Beobachtungsposten hinter Uwes Citroën HY ein. Die Polizei sollte erst bei Eskalation geordert werden.

Immerhin wurden schon der benachbarter Schlachter von den aufgeregten Vegetariern „angemacht“. Das ist durchaus verständlich aber nicht nett. Einige irokesengeschmückte Typen vom linksradikalen Block waren auch schon da und warteten auf ihren Auftritt. Allgemein herrschte eine aufgeregte und entrüstete Stimmung.

Heute Abend ist Schanzenfest mit erwarteten 800 „Chaoten“ und 2000 Polizisten. Da muss doch etwas gehen …

Nebige Bilderstrecke ist also ab heute historisch.

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Mittwoch, den 01.07.2009 [17:30]
Die Beschleunigung und Selbstdistanzierung userer aufregenden Welt schreitet weiter voran. Buchdruck und Rundfunk waren schon Meilensteine, aber ein echter Durchbruch war irgendwann einmal die Strompost – plötzlich musste man nicht mehr tagelang auf briefliche Angebote usw. warten, sondern konnte ratzbatz typische Ingenieurdinge erledigen. Auf einmal gab es keine Zeit mehr einen Gedanken zu überschlafen. Die Welt ist wieder ein wenig unbarmherziger geworden. Und nun haben wir das Twittern auf der Welt. Jeder kann sofort mit jedem quatschen – genauer gesagt wird ja nicht mit Jemandem gesprochen, sondern mit Jedem. Es es ist letztlich das niedrigschwelligste Gesprächsangebot, was vorstellbar ist. In der härtesten Form tritt Alice Bob entgegen und will etwas von Bob. Jetzt sollte Bob auf irgendeine Weise reagieren. Es tritt eine starke Interaktion auf. Eric Berne (Kinds-Ich, Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich) hat sein Leben diesen „Transaktionen“ gewidmet. An zwei schlaue Bücher will ich zitieren: „Was sagen Sie nachdem Sie 'Guten Tag!' gesagt haben?“ und „Spiele der Erwachsenen“.

Schon distanzierter ist dann der klassische Telefonanruf. In dieser Form fällt es dem Angerufenen schon leichter mit Gesichtswahrung aus der Sache rauszukommen. Strompost muss man nicht beantworten. Mittlerweile gibt ja die Standardausrede vom versehentlichen Spamfilter.

Gemäß dem Duktus der westlichen Psychologie sind wir ja alle ?1. So verwandeln sich depressive Menschen in Kotzbrocken für ihre Umwelt und fühlen sich selber glücklich dabei. Und so posaunen Hunderttausende Deutsche ihre Befindlichkeiten in die weite Welt hinaus. Hauptsache man hat genügend „Verfolger“. Nun hat als das Phänomen der Einschaltquote schon den Jedermann erreicht.

Das ganze Twittern hatte nicht so einen rasanten Zulauf, gäbe es nicht die charmante handschmeichlerische Hardware in Form des iPhones. So kann jetzt jeder stolze Besitzer von fast jedem Ort der Erdeaus kundtun, was ihm wichtig erscheint.

Es gab ja schon viele Versuche, das Web in die Hosentasche zu verbannen. Damals war es, noch im alten Jahrtausend, da hieß das WAP. Das war so ein rudimentäres XML-Format zur Seitenbeschreibung auf diesen Händies mit schwarzweißen Minidisplays. Dann gab es noch das i-mode von Docomo. Das war technisch fast das Gleiche wie die iPhone-Technik, aber dazu später mehr. Zu Zeiten der Kontaktschmiede gab es auch eine Minivariante der Singlebörse und dem Schlagwort: „Flirten auf 5 Quadratzentimetern“. Nun scheint sich der Markt zu stabilisieren: das iPhone ist es jetzt. Und schon entstehen Begehrlichkeiten, auch dort präsent zu sein.

Diese Wünsche lassen sich realisieren. Soweit die gute Nachricht. Es gibt drei Stufen der Annäherung an das Thema. In der einfachsten Form wird eine bestehende Webseite ein wenig an die Begrenzungen und Möglichkeiten des iPhones angepasst. Prinzipiell ist der iPhonewebbrowser ein Safaribrowser mit der Einschränkung, dass Flash nicht funzt. Das ist insofern verwunderlich, weil eingebettete youtube-Filme angezeigt werden. Es fragt sich, warum dann FLV nicht gehen soll. FLV ist das Dateiformat auf youtube.com und ist auch in diesem Blog die Technik der Wahl um Filme zu zeigen.

Ein neues Quartal und Halbjahr hat begonnen. Das hat unter anderem auch fiskalische Auswirkungen. Für viele Einrichtungen (schönnes Ossiwort, fast so schön wie „Obertrikotagen“) gilt jetzt auch ein neues Budget und so mancher Rechnungseintreiber tut gut daran, gerade in diesem Tagen besonders viel Druck auszuüben.

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