Rainers Horen
Sonntag, den 12.07.2009 [07:34]
Für die einen war es ein total verregneter Tag, für Ivonne und Ferdinando war es der erste Tag in ihrem neuen Café do Lado in der nunmehr immer quirligeren Gertigstraße.



Es ist bestimmt ein wunderschönes Gefühl, Herrin in einem Laden zu sein, der ganz das Produkt der eigenen Visionen ist. Nun ist alles fertig geputzt und gewienert, der Kühlschrank ist gefüllt und nun müssen nur noch die Gäste kommen und dableiben und etwas bestellen. Das kann sich zum Problem ausweiten. Zwanzig Euro müssen erstmal pro Stunde umgesetzt werden. Der Mythos Stoßzeiten: gesetzt den Fall, in dieser Stunde wird vierfacher Umsatz generiert, dann gleich das gerade mal einen mauen Vormittag aus – leider gibt es zu viele solcher Umsatzflauten.

Nun ist das nicht schön und es gibt im Fremdenverkehrsgewerbe (welch schrecklich Wort!) wenig Möglichkeiten, proaktives Marketing zu betreiben. Denn wer lässt schon von einem Callcenter aus potentielle Gäste anrufen – zumal das ja gerade das Anschnacken von Privatmenschen per Gesetz leider nicht gestattet ist. So bleibt also nichts weiter als die ausgelegte Leimrute in Form eines nett eingerichteten Ladens mit mediterranen/iberiscen Flair.


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Dienstag, den 07.07.2009 [22:32]
So ein Blog ist auch irgendwo so eine Art Klagemauer. Da passiert dem Blogger ein Missgeschick in dieser Welt. So wie es jedem Zeitgenossen passiert und was bleibt ihm dann übrig, als hier so ein wenig wirkungslos Dampf abzulassen.

Panoramabild des Novalisweginnenhofes

Die alte, sozigeführte Bundesregierung hat sich mit dem Verkauf der UMTS-Lizenzen nun auch nicht wirklich saniert, aber nun haben wir die schnelle Funktechnik nun mal und da kommen Begehrlichkeiten auf. Wäre doch prima, wenn wir überall in Hamburg (beispielsweise im obigen Hof in der Jarresatdt) und auch vielelcht außerhalb Internet gucken könnten. Also ab zum Händistrich in die Fuhle – dort sind sieben solcher fragwürdigen, sehr hellen Läden direkt nebeneinander. Nach einiger Überlegung fällt die Entscheidung auf den debitel-Vertrag, der mit O2 zusammenarbeitet – ein Enschluss, den ich bald bereue. Soweit klappt alles und das sogar recht flott, nur eben im Lieblingscafé in der Gertigstraße funzt es tagesweise gar nicht. Die Feldstärke ist voll da, der PPP-Einwahlprozess wird anstandslos absolviert und ein Connect wird gemeldet; nur leider kann ich nicht Internet gucken. Ein ebenfalls negativ ausgehender Test mit anderer SIM-Karte, Hardware usw. bestätigt die Vermutung, dass der PPP- oder Radius-Server bei O2 zuweilen hakt.

Nun gibt es eine kostenflichtige Hotline in Stuttgart, die kostendämpend vom debitel-Laden angerufen, einfach nur freundlich und betroffen tut, aber ansonsten nicht hilft: „Uns liegt keine Störungsmeldung vor.“ Darauf ich: „Das ist übrigens kein lesender Zugriff, sondern ein schreibender.“ „Da rufen Sie bitte unsere technische Hotline an, kostet 2,– € die Minute.“ „Warum sollte ich das tun, ist doch Ihr Problem.“ Sie wieder: „Wir könnten Sie von O2 auf D1 schalten – kostet 25,– €“ Ich: „Das ist ja so als ob ich ein Taxi vom Flughafen in die Stadt miete und mir der Taxifahrer nach 10 Minuten offenbart: 'Mein Taxi ist kaputt, wir müssen eine andere Kutsche nehmen, das Umsteigen kostet 25 Euro.'“.

Hallo, was ist denn hier los?!
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Montag, den 06.07.2009 [15:31]
Das gute alte Atomkraftwerk in Krümmel ist schon wieder abgeschaltet worden. Das hat natürlich etwas von peinlich, da die Stromfabrik an der Elbe die letzten beiden Jahre in Reparatur war. Wer schon einmal bei der HEW (dem vorgängerischen Besitzer) gearbeitet hat, ahnt Zusammenhänge. Aber was tatsächlich frappierend ist: das ist die mediale Auswertung: in Folge der Abschaltung in Krümmel fielen in Hamburg sehr viele Verkehrsampeln (Lichtsignalanlagen) und Geldautomaten aus. Hm. Der Zusammenhang ist für einen studierten Elektroingenieur mit Uni-Abschluss nur sehr schwer nachzuvollziehen. Erste Interpretation: es ist schlichtweg eine Zeitungsente und soll der dumpfen Masse nur die Schlimmheit der Situation veranschaulichen – immerhin sprach unser Heiland Jesus Christus auch in Gleichnissen und ausfallenden Geldtanken und Ampeln klingen ziemlich fatal.



Zweite Möglichkeit: es kam tatsächlich einen Zusammenhang zu den angedeuteten Unregelmäßigkeiten. Dann gäbe es zwei Beziehungsstränge: sicherheitsempfindliche Anwendungen wie Geldtanken und Verkehrsampeln werden von einen zweiten Energieversorgungssystem gespeist, das eine direkte 10kV-Leitung nach Krümmel hat. Wäre denkbar. Dann müssten in der Nähe solcher Automaten kleinleistige Trafos und Schaltstationen stehen, die dann die Mittelspannung entsprechend herabsetzen. Ist zwar technisch machbar, nur erschließt sich nicht ganz die Sinnhaftigkeit, würde man doch mit dieser kostenintensiven Maßnahme die Verfügbarkeit mehr herab- als hinaufsetzen.

Oder – was wahrscheinlicher ist: der Ausfall von Krümmel hat die stabile Grundversorgung gekappt und ganz Hamburg musste sich mit dem wackeligen Licht- und Windstrom begnügen. In dem Fall (aber nur wenn Hamburg an kein Verbundnetz angeschaltet ist) sinkt der Strom auf DDR-Qualität und Frequenz und Spannung sind außerhalb der Toleranz der Verbraucher. Als wir Anfang der Neunziger in der Zeissruine arbeiteten, booteten die Rechner immer dann, wenn der Aufzug ansprang. Wir haben uns dann mit Stelltrafos beholfen, die für die PCs 260V generierten. Die Spannungsabsackungen wurden dann von den Stützelkos in den Netzteilen überbrückt. Nun leben wir aber 20 Jahre später und moderen Netzteile (auch die von Geldtanken und Ampelsteuerungen) fressen eigentlich alles zwischen 100 und 300V und alles was irgendwie seine Richtung wechselt. Es bleibt also ein Rätsel, welchen Bären der dumpfen Masse gestern aufgebunden wurde.

Mittlerweile gibt es die Presseinfo, dass der Strom für 100ms ausgefallen ist. Dieser Kurzausfall hat wohl einige Systeme zum Stolpern gebracht.
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