Rainers Horen
Sonntag, den 27.09.2009 [20:46]
Aber auch in der Jarrestadt ist das Nahen der neuen Zeit zu spüren. Überall sind über Nacht auf dem Bürgersteig handgemalte Zeichnungen von engelhaften Wesen aufgetaucht. Es scheint so ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen menschlichen Tragödien und Zukunftsvisionen zu geben. Isaac. B. Singer hat in seinem jiddischen Roman ???? ?????? (Satan in Goray) das Phänomen wundervoll ausgestaltet. Nach einem Progrom im fernen Ostpolen macht sich ein wudersamer Rabbi breit, der den vom Unglück gebeutelten Juden den nahen Messias ankündigt. Da er noch vor Einbruch des Winters kommen soll, legen die euphorísierten Leute keine Wintervorräte an und verheizen im Herbst schon mal die Holzschindeln.ihrer Dächer. Erstaunlicherweise kommt der Heiland nicht und so tritt Verwirrung ein – und das nicht nur wegen des fehlenden Heizmaterials. Nach einiger Überlegung entsteht nicht nur eine Diagnose, sondern auch gleich eine Therapie, Der Erlöser ist nun doch nicht fristgemäß gekommen, weil das Dorf zu wenig gesündigt hat. Die Therapie: ganz bewußt Böses tun. Dazu gehört auch, am Samstag ein Butterbrot mit Schinken zu verspeisen. Das sind schon mal vier Verstöße gleichzeitig.

Für obige Asphaltkunst gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten: es könnte einer dieser Ausdünstungen einer Hamburger Werbefirma sein, die unter dem Schlagwort „virales Markeing“ uns nächste Woche eine neue Händifläträt oder oder ein anderes Heilsversprechen unterjubeln wollen. Dagegen spricht die zu geringe geografische Penetration. Die Engel gibt es bisher nur zwischen Pölchaukamp und Jarrestadt. Wer den Elling damals im Kino sah, denkt vielleicht in Richtungn„Sauerkrautpoët“. Es könnte also eine lokale Künstlerin sein, die auf diese ins Auge fallende Art und Weise auf sich aufmerksam machen möchte. Oder sind es tatsächlich Vorboten des neuen Zeitalters in der fünften Dimension? Dann erzählen uns die Asphaltengel eine Heilsgeschichte oder die Verbindungslinie aller Engel ergibt aus kosmischer Sicht …

   

Noch eine öffentliche Kunst: obige Gemälde hängen sehr mutig in einer Tordurchfahrt im Pölchaukamp. Das sind Leinwandwerke und seltsamerweise werden sie selten beschädigt. Es geht da wohl um Prominente in anzüglichen Posen …

Deutschland hat gewählt. Ich freue mich für die Mehrheit der Deutschen, deren politische Wünsche sich jetzt verwirklichen werden. Unserem Vaterland muss es wirklich gut gehen. Die Partei, die vorgibt einen sozialen Ausgleich zu befördern, wurde abgestraft und eine Partei, die unumwunden zugibt, den Fleißigen und Starken noch mehr Möglichkeiten zu geben, hat über 50% zugelegt. Das heißt doch im Umkehrschluss: die überwiegende Mehrheit der Menschen haben keine Angst vor ihrer sozialen Zukunft oder ist grenzenlos dumm. Würde ein Stallhase seinen Schlachter wählen?

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Freitag, den 25.09.2009 [18:23]
Wie gerade bemerkt, hat der Verein „Jarrestadtarchiv“ einen ¬Web-Auftritt. Der Fleiß und die Hingabe sind natürlich sehr begrüßenswert. Es muss sehr aufwändig sein in diesen ganzen verstreuten Quellen zu suchen. So in etwa könnte das eventuell auch aussehen:

Die Erklärungstexte zu den Straßen sind vom ¬Googlecache der originären Weseite abgeschrieben. Das ist sicher legitim, zumal die Datenrecherche mit öffentlichen Fördergeldern bezahlt ist ;-))

„Bis 2012 ist der lang geplante, bekannte und derzeit laufende Übergang der Menschen unserer Erde in die fünfte Dimension vollzogen. Derzeit stehen wir alle mitten im Prozess der geistigen Wandlung. Grundsätzlich und pauschal gesagt geht es um ein neues Bewußtsein, das bedeutet, wir werden uns wieder bewusst, dass wir viel mehr als unser Körper oder Verstand oder unsere Gefühle sind - wir sind ewiges Bewußtsein, das in einem physischen bzw. materiellen Körper lebt, um das Leben auf der Erde durch unsere fünf SInne zu erfahren - um aus Erfahrungen zu lernen, zu fühlen und sich weiterzuentwicklen. Die neue Energie hilft uns bei dieser Bewußtwerdung. Die Erde und die gesamte Menscheit sind seit Jahren in einer großartigen Wandlung. Manche Menschen sind sich dessen bewußt, manche weniger.“ – mit diesen salbungsvollen Worten wurde ich in die XING-Gruppe „Aufstieg in die 5. Dimension“ eingeladen. Und gerade wieder werde ich von einer Engelsgestalt mit lichtvollen Grüßen in ein spirituelles Gespräch gelockt. Schon nach eienm Satz nahm es sehr merkantile Züge an. Es endete in einem Angebot seines und handsignierten ¬Buches. Insofern ist die Welt in Ordnung.
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Mittwoch, den 23.09.2009 [12:05]
Heute ist das furchtbare Mem vom ¬Ende aller Zeiten am 21.12.2012 in das Leben getreten. In angemessenem, zeitlichen Abstand wiederholen sich diese Prophezeiungen. Zu oft lässt sich das Grauen nicht verkaufen. Die Dummheit/Ahnungslosigkeit muss erst immer wieder mühsam nachwachsen.

Beim morgendlichen Unternehmernetzwerktreffen berichteten die einen von der zunehmenden Apathie der Kunden – andere konnten von einer zeitgeistigen Unruhe berichten. Geldkrise, Schweinegrippe – deutlicher muss es wohl nicht sein! Klar: die allgemeine Unruhe als auch die Apathie sind Phänomene, die die astrologischen Weissagungen – nämlich die der allmählichen Annäherung an den mystischen Zeitpunkt des 21.12.2012, an dem Wassermann und ein anderes mit Wasser zu verbindendes Tierkreiszeichen ihre Plätze wechseln, bestätigen. Schon die Mayas (hier kann man auch jedes andere altvordere Volk denken) kannten diesen Zeitpunkt. Die Erdachse wird kippen usw. Allerdings wird das Problem nur diejenigen, ungläubigen Menschen treffen, die keine Vorkehrungen treffen und/oder die noch nicht soweit sind. „Zweifler sind immer willkommen!“ – so wurden Einwände schon auf der Metaebene abgehandelt.

Es liegt auf der Hand, dass eine fruchtbare Diskussion über diese energetischen Themen nur schwerlich möglich sind. Es ist aber immer wieder eine tolle Übung in Impulsvermeidung – also einfach mit mild lächelnder Miene zuzuhören und sich sogar ohne Anflug von Sarkasmus an der Diskussion zu beteiligen. Wir wissen im Grunde genommen recht wenig von der Welt, wie sie uns erscheint. Schon der David-Cronenberg-Film „eXistenZ“ oder „Welt am Draht“ von Rainer-Maria Fassbinder zeigen auf, wie fragil unsere Vorstellung ist. Es gibt immer mehrere Ebenen, die wie die Püppchen in der ???????? ineinander eine Welt für sich bilden. Jedes Püppchen denkt, sie wäre das endgültige geschöpf und oft ist das eine gut gemachte Täuschung.
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Montag, den 21.09.2009 [13:39]
Viele Schriftsteller und Journalisten (die Übergänge sind da oft fließend) , die von ihren Ergüssen leben müssen, leiden unter einer gewissen Schreibhemmung. Das kulminiert, wenn die Todeslinie näher rückt. Wir nicht.´– weil wir nicht prokrastinieren.Für manche Leser ein neuer Begriff, deswegen hier ein kurzer Crashkurs: Prokrastination ist kein Phantasiewort, mit dem der Sarkast die Wissenschaftlichkeit parodieren möchte, sondern ein ernsthafter und stehender Begriff. Das Phänomen ist jdem und jeder beaknnt, nur wusste bisher keiner, dass US-amerikansiche Sozialwissenschaftler auch dafür einen Begriff fanden. Insofern steckt darin auch wieder eine Parodie, weil ja Wissenschaft immer parodistisch aufzufassen ist. Das transformatorische Hermeneutik der Quantentheorie ein Ulk ist, blieb lange unentdeckt.

Was ist nun Prokrastination? Einfach nur aufschiebende Faulheit. Muss also die Steuererklärung gemacht werden, werden erstmal die zum Himmel schreienden Fenster geputzt … oder man installiert erstmal ein Programm, das TODO-Listen verwaltet, wie ich gerade beiläufig vom Tisch gegenüber im Edenhall erfahrem wo gerade bayrische Wochen unter dem Motto O'zapft is stattfinden.

Diese phantasiebegabte Faulheit ist so alt wie sonst etwas. Schon in dem aus der Adenauerzeit stammenden Parodie auf das moderne Leben prokrastiniert der leutselige Straßenkehrer. Immer wenn er mit festem Vorsatz zu seinem Besen greifen will, lässt er sich erfolgreich von seinem Tagesthema abhalten. Es sei mal verraten: es ist das, was heute ein Running Gag genannt wird – der Haufen kommt auch am Ende des Filmes von Jaques Tati nicht weg.
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