Rainers Horen
Sonntag, den 06.12.2009 [13:07]
Wie alle Jahre und allerortens ist auch in Wotersen ein legendärer Weihnachtsmarkt installiert. Das allerwichtigste dieses Marktes ist neben der Händlerstandgebühr der Parkplatz – ist doch das Landgut, wo damals das in in letzter Woche wegen dem hessischen Kochkasper in Verruf geratene ZDF in der Achtzigern ¬Das Erbe der Guldenburg drehte, nur mit dem Auto zu erreichen. Dieses Wotersen liegt im Osten Hamburgs – quasi im Zonenrandgebiet.

Das grandiose 360°-Panorama täuscht ein wenig Menschenleere vor: je später der Abend, desto menschengefüllter und heimeliger. Dazu tragen schon vielen Feuer bei, die an verschiedenen Stellen des Gutes für Wärme und Gesprächsrunden sorgen. Das eigentliche Leben fand auch in den Scheunen und im ehemalige Pferdestall statt. Die Essangebote waren wohl schon wegen der Rauchproblematik im Außenbereich aufgebaut.


In den vielen Nebengelassen reüssierten sehr viele Kunsthandwerker (mit Betonung auf Kunst). Alles in allem unterscheidet sich der ¬Weihnachtsmarkt im Nordosten von Hamburg kaum von den vielen anderen, die irgendwo in DACH-Land veranstaltet werden.


Das Thema „sinnfreies Schenken“ ist nun einmal vorgegeben. Das menschliche Wesen sucht denn doch (zumindest einmal im Jahr) das ja zum Kitsch. Wenngleich, es gibt ein Alleinstellungsmerkmal: nach Wotersen kommt man nur mit dem Auto und so gibt es keine Kurzbesucher, sondern wer hierher kommt, der bleibt dann auch ein paar Stunden. Das erzeugt so eine ganz spezielle märchenhafte Stimmung, die den Markt in Wotersen einmalig macht.
Beitrag kommentieren

Sonnabend, den 05.12.2009 [12:11]
So sieht das im Novalisweginnenhof bei Tag aus:


und so in einer Vollmondnacht:


Da ist bei einem gewissen Ausgleich der Helligkeit wenig Unterschied auszumachen. Nur – was eben auffällt: am Abend schalten die Nachbarn das Licht an. Es ist eine sinnstiftende Aufgabe, sich auf den Balkon mit einem Glas Grog zu setzen und dem Licht- und Menschenspiel auf der Gegenseite der urbanen Wohnmaschine zuzuschauen. Aus dem Achtzigerjahrekofferadio (Ocean Boy) dudelt leise Leoš Janá?eks ¬Schlaues Füchslein in tschechischer Originalfassung, also nicht in der sinnentstellenden Übertragung des Kafkafreundes Max Brod. Nun ja, es ist kalt genug, dass der Grog eine größere Rolle als die Opernuntermalung spielt.

Die Szenerie erinnert auf gespenstische Weise an Hitchcocks ¬Das Fenster zum Hof. Und tatsächlich, wenn man nur lange genug auf dem Balkon ausharrt, dann geschehen sonderbare Dinge in den Räumen hinter den Fenstern. Menschen tauchen auf, verschwinden wieder, machen derweil seltsame Arm- und Mundbewegungen. Alles Quatsch – es passiert einfach nichts. Da werden Licht ein- und wieder ausgeschaltet. Das Treppenhaus wird erleuchtet. Der Lichtautomat verrichtet seinen Dienst. Offensichtlich ist die Jarrestadt trotz der starken Durchsetzung mit unkonventionellen Nichtheterolebensformen sehr kleinbürgerlich, aber ist das nicht gerade die Petrischale für dramatische Familienkonflikte?
Beitrag kommentieren

Freitag, den 04.12.2009 [18:16]
Ein bitteres Geheimnis wissen nur geschiedene Männer: Deutschland ist das Land mit den regidesten Unterhaltsgesetzen. Männer mit mittlerem Einkommen (und das sind ja wohl die meisten) werden durch eine Scheidung mehr oder weniger auf den Selbstbehalt geklemmt. Ausnahmen sind da nur Leute, die eh schon arm sind, denen kann niemand etwas nehmen oder wirklich Reiche. Aus gutem Grund wird dieser mieselauneverbreitende Umstand vor der Eheschließung nicht in den Fokus der Aufmerksamkeit gezogen. Das hätte auch kaum eine Auswirkung auf den Entscheidungsprozess. Denkt doch jeder und jede: „Wir lieben uns wirklich und die Landrattenstatistik der dreißigprozentigen Scheidungsquote trifft sicher nicht auf uns zu … “.

Nun gut, seit heute ist ein neues Kapitel im deutschen Geschlechterkampf aufgeschlagen. Bisher hatte die Kindesmutter eines unehelichen Kindes immer das allleinige Sorgerecht. Sie konnte es dem Vater gewähren – muss es aber nicht. Das kann bei den Beschälern ungute Gefühle hervorrufen. Nun hat also eine Vaterklage Erfolg gehabt. Im Übrigen ist die Situation bei ehelichen Kindern ähnlich. Da ja das Kindeswohl an erster Stelle steht und die Meinung der Mutter hoch bewertet wird, kann sie immer zum Jugendamt gehen und behaupten, dass der Vater einen schlechten Einfluss auf das Kind habe und schwuppdiewupp wird dem Herrn das Umfangsrecht entzogen. Das wird sich auch mit dem heutigen Tage nicht ändern. Nur – früher hatten Männer formalrechtlich überhaupt keine Chance. Sie durften „nur“ zahlen und die Daumen für die Kindesentwicklung drücken.

Wie immer auf dieser besten aller denkbaren Welten (Gottfried Wilhelm Leibniz) gibt es auch andere Gedanken. Unterhält man sich mit Anwälten, die sich professionell mit Familienrecht befassen, dann erscheint noch ein völlig neuer Aspekt. Frischgetrennte Vatis (über 70% aller deutschen Scheidungen werden von den Frauen eingereicht) kämpfen kurz nach dem „unerwarteten“ Schock sehr intensiv um ihre Kinder, da werden sogar Webseiten, Vereine usw, gegründet. Die durchgehende Taktik der Familienrechtanwältinnen besteht nun darin, auf Zeit zu spielen. Das entspricht dem chinesischem Strategem ?36 (Problem aussitzen). Genauso wie es einen Projektdarwinismus gibt (sich selbst lösende Probleme), so tritt dieses Phänomen auch auf dieser speziellen zwischenmenschlichen Ebene statt.

Erfahrungsgemäß finden Männer schon wegen ihrer hormonellen Steuerug recht rasch wieder eine Partnerin und dann brauchen sie die Wochenenden nicht mehr für gemeinsame Rummelbesuche, sondern für Dinge, die wir hier nicht näher erläutern wollen. Werten wir das väterfreundliche Gerichtsurteil als Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung unseres schönen Vaterlandes, in dem auch schon durch die von unserem vietnamesischstämmigen Gesundheitsminister forcierte Gesundheitsreform eine neue Form der Gerechtigkeit eingeführt wird, indem die Reichen nicht mehr solidarisch die Armen unterstützen. „Daß die Gesunden die Kranken unterstützen, das ist schon genug Solidarität“ – so ganz schlau der neue FDP-Minister.
Beitrag kommentieren

Donnerstag, den 03.12.2009 [12:31]
Bis übervorgestern hielt die manische Makrophotographiephase (Blümchen, Käferchen) an und heute wird schon wegen der neuen Kamera ein neues lichtbildnerisches Thema angegangen. Dank an Vivian. Das Abrücken von der Nahphotographie hängt schon mit der mangelnden Makrofähigkeit der neuen spiegelreflexnen Canon EOS500 zusammen. Natürlich kann sie viel mehr als die Fuji-Bridge-Kamera für 160,- €. Das geht schon damit los, dass sich in der Hand das Gefühl für eine „richtige“ Kamera breitmacht und auch das satte Klicken verbreitet ein wohliges Gefühl. Bei ihr ist die Belichtungszeit nicht wie bei der Fuji auf vier Sekunden begrenzt und so reizen natürlich vollmondene Nachtaufnahmen



Bevor aber hier die beliebten Alsterblickbeinachtpanoramen erscheinen, üben wir doch erst einmal in unmittelbarer Nähe. Obige Brücke überquert auch Nachts den Osterbekkanal unf führt vom unsäglichen Grevepalast (Alstercity) in die Jarrstadt.



Ein zweites Thema wird auch offenbar: auf ersten Bild kam ein Radfahrer mit konventionellem, energieverschwenderischen Glühlicht daher – auf untigem Bild ist die Gefahr offenbar. Das Licht ist kalt wie Eis und – was noch viel schlimmer ist – das Licht ist nur zuweilen aufgeschaltet. Das mag Batteriestrom sparen, aber die epileptischen Auswirkungen auf die Umwelt verheerend. Nichts ist mehr beständig und ruheausstarhlend – es ist ein Symbol für die Kurzatmigkeit unserer Jetztzeit, nicht einmal das Fahrradlicht darf gemächlich und unhektisch erstrahlen …
Beitrag kommentieren

Dienstag, den 01.12.2009 [14:40]
Jaja, der Klimawandel – ein wunderbares Spielfeld für Politikerinnen aller Couleur. Da soll der Anstieg auf 2° beschränkt bleiben. Wer ist da nicht dafür? So im Allgemeinen habe ich nichts gegen entsprechende Maßnahmen. Wenn nur die Wahrheit nicht wäre … Ein Teil der Bedeutung dieses schönes Wortes besteht darin, dass sich die Energiepreise verdoppeln müssten. Das klingt hart und ist es auch. Nein, besser ist es, wenn sich die Politiker in Kopenhagen auf eine nettes Schwätzchen treffen und danach vielsagende (aber dennoch unverbindliche) Erklärungen abgeben. Chinesen sind Meister solcher Strategien.

Im Stadtpark Hamburg, da zeigt sich auch eine klimatische Wahrheit, da recken sich keck die Gänseblümchen der Dezembersonne entgegen:



Ansonsten ist es entgegen aller Gewohnheit sehr menschen. und hundeleer. Nur ein paar einsame Frauchen mit ihren kleinen Rackern und einige Sportbegeisterte mit und ohne Spazierstock irren durch die Dezembersonne. Grillen ist im Moment nicht so angesagt …



Beitrag kommentieren

Montag, den 30.11.2009 [21:49]
Gestern war der erste Advent. Das ist für viele deutsche Familien der Startschuss für den Endspurt. Muslime hatten am Freitag ihr Opferfest, das wie jedes Jahr die Schächtungsdiskussion aufpoppen lässt. In der Schweiz haben die Eidgenossen gegen den Bau neuer Minarette gestimmt und damit die Politik etwas in Verlegenheit gebracht – werden iranische Muslime in Teheran von lautem Glockengeläut der nachbarlichen Christenkirche geweckt? Globalisierung (weiland „Sozialistische ökonomische Integration“) bringt nun einmal zwangsläufig solche menschlichen Probleme. Zwischen Dogmatikern ist zwagsläufig kein fruchtbarer Gedankenaustausch möglich und die Quantität und Qualität von Konflikten steigt mit dem Abstand einer gewissen kulturellen und geistigen Haltung. Gut, dass es auch noch öffentliche Meinungen außerhalb der üblichen Betroffenheitsgeschnackes gibt. Heute hat die Soziologin und Islamkritikerin ¬Dr. Necla Kelek im ¬Deutschlandradio recht schlaue und mutige Sachen gesagt. Nach islamischer Denke sind wir nämlich alle Ungläubige, verachtungswürdig und auf dem direktem Wege in die Hölle. Im Koran ist ein regelrechtes Fraternisierungsverbot verankert, daran ändern auch „Tage der offenen Moschee“ nicht. Das sind ihrer Meinung nach nur symbolische Sonntagshandlungen und Lippenbekenntnisse. Witzigerweise behaupten Katholiken genau das Gleiche – nämlich dass Menschen außerhalb der Kirche im Fegefeuer landen werden.

Vor 50 Jahren gab es in Deutschland noch keine Minarette, noch nicht einmal die Mauer. Obiger kleiner Werbefilm, der das vorweihnachtliche Thema „Der KONSUM deckt den Gabentisch“ hat, hat Vati wohl mit der Super8 im Kino abgefilmt. Ist das jetzt eigentlich verjährt? Aufschlussreich ist der Plot: als Einstimmung kommt erstmal ein mit Wiener Schrammelmusik hinterlegtes, bürgerliches Sektgelage, aber dann werden gleich die Mühen und erfolge unseres sozialistischen Aufbaus thematisiert. Jeder an seinem Platze hat dazu beigetragen, dass es im Schaufenster adrette Arbeitswesten und Kochtöpfe zu bestaunen gibt. Im zweiten Teil, der von einem Trommelwirbel und einer ND-Headline eingeleitet wird, überwiegt Sandmännchenmusik. Ein wirkliches Kleinod!
Beitrag kommentieren