Rainers Horen
Sonntag, den 07.03.2010 [11:54]
Väterchen Frost hat uns wieder. Seit gestern liegt wieder 15 cm Neuschnee und es ist blauer Himmel über Hamburg. Bei dem Kaisermanöverwetter zum Hafen zu fahren, ist an sich eine vortreffliche Eingebung – leider hatten viele Hamburger und ihre Gäste die gleiche famose Idee.



Es gibt also folgerichtig mehr Menschen an diesem Ort, als ihm zuträglich wäre. So bleibt der Tag ohne photographische Ergiebigkeit. Die obligate HartzIV-Hafenrundfahrt (=Barkassenfähre) bei diesem Wetter genommen und schon kann man bemerken, wieviele Leute teure Spiegelreflexen mit mächtig langen Teles unterwegs sind.


Generell gibt es mehr Lösungen als Probleme – ein Grunddillema unserer Gesellschaft. Nicht das wir zuwenig echte Probleme hätten, da ist keine Not. nein es geht um diese Scheinthemen wie beispielsweise die richtige Flatrate. Es ist schon ein harter Verdrängungskampf. Die gerade laufende Werbekampagne eines Anbieters ist echt süß. „Mit meinem BASE zahle ich erst mal gar nichts.“ Da muss man erst drauf kommen. Wenn uns jetzt Kunden fragen, was eine Webseite kostet, dann antworten wir auch so.

Das Kleingedruckte ist auch sehr aufschlusreich: da steht am Schluss in etwa: „ … die (steuer-)rechtliche Stimmigkeit der Rechnung prüfen Sie bitte selbst …“. Sie ist nicht stimmig, weil eine Rechnung im PDF-Format nicht rechtgültig ist. ist aber nett, dass der Anbieter auf diesen Missstaffennd ganz offen hinweist. Entwaffnende Offenheit scheint überhaupt das Grundprinzip der Kampagen zu sein.
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Freitag, den 05.03.2010 [09:50]
Es scheint nun mit dem Frühling war zu werden. Zumindest stimmen schon mal die Farben. Das Plantschbecken ist noch völlig verwaist und im angeschlossenem Café bekommt man vom Personal ungeteilte Aufmerksamkeit. Das ist ein prima Gefühl.



Arbeitsmäßig tritt ein Projekt im fernen Südwesten unseres schönen Vaterlandes in die Phase, wo es durch kreative Ideen des Auftraggebers drohten unterzugehen - eine schöne Übung in Impulsvermeidung. Machen wir also ein wenig Supervision.

Jede Kommuniation bedarf Regeln. Werden die am Anfang nicht festgelegt, dann entsteht ein Regelvakuum, das dann von dem ausgefüllt wird, der ein weniger phlegmatisch ist. In einer Experten/Laien-Kommunikation sollte aber der Wissende die Führung übernehmen (Hellinger hätte seine Freude … ). Ist der Experte Arzt oder Anwalt, dann hat der ein über Jahrhunderte gebildeten Respekt. Der Gesprächspartner erkennt das an und obwohl er zahlt, akzeptiert er die Regeln. Gehe ich zum Zahnarzt, dann möchte ich keine Schmerzen mehr haben und das nachhaltig. Dann amch eich dem Dentisten keine Vorschläge, welche Behandlungsmethode ich für richtig halte und welche Bohrergröße er verwenden soll. In dem relativ jungen Bereich der Webgestaltung hat sich dieser Gedanke leider noch nicht durchgesetzt.

Reden wir einmal in Gleichnissen: ein Bauherr träumt vom Eigenheim und geht nicht zum Architektem, sondern gleich zum Maurer, gibt dem eine wirre Handskizze und fragt nach dem Preis eines Hauses. Der Maurer weiß zwar, dass ein Haus nicht nur aus einer schönen Fassade besteht und es auch Statik, Dämmung und Haustechnik gibt, aber er ist eben doch nur ein Maurer und nennt eine Summe und fängt ohne Anzahlung an. Er baut schon sein Leben lang Häuser und weiss natürlich genau was geht und was nicht geht. Ohne Fundament beispielsweise steht das Haus nicht lange aufrecht und wasserfest sollte der Putz schon sein. Die Löcher für die Fenster sollten dem Standard entsprechen, damit die zugekauften Fenster auch passen, aber er lässt sich belabern, weil er nicht als „schwierig“ dastehen will.

Der Bauherr hat als Kind mit dem Ankersteinbaukasten gespielt und hat sich zum Thema Hausbau eine Meinung gebildet. Als das Traumhaus fertig ist, da gefällt es dem Häuslebauer dann doch nicht und er möchte nun die Eingangstüre entgegen seiner anfänglichen Vorstellung im Erdgeschoss angesiedelt haben und möchte eine Heizung, weil es im Winter kalt wird und fordert Nachbesserung. Außerdem fällt ihm am nächsten Tag ein, dass ein (Hobby-)Keller doch praktisch wäre. Der Maurer wird zunehmend unwirsch, will den Chef aber nicht verärgern, einfach weil er auf das Geld hofft. Er müsste eigentlich das Gespensterhaus abreißen und ein neues, solides aufbauen – nur das macht er auch nicht, sondern er versucht jetzt weiter zu dilettieren. Irgendwann kommt es zum großen Knall, weil der Häuslebauer nun endlich einziehen will und auf der anderen Seite der Maurer für ein Appel und ein Ei schon seit Monaten schwitzt …

Diese kleine Geschichte wiederholt sich allerortens. Warum? Weil immer wieder neue Webseitenbauer nachwachsen und die müssen ihren schmerzvollen Erfahrungen machen. Leider leiden unter diesem Konflikt nicht nur die Macher, sondern auch das Rufbild eines ganzen Berufsstandes. Im Mittelalter waren die Leute nicht dumm. Sie schufen ein Ständewesen und achteten streng auf die Einhaltung.
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Donnerstag, den 04.03.2010 [17:09]
Wir hatten sie schon längst vergessen: die Sonne strahlt wieder. Die orangenen Männer sammeln den Split wieder ein. Es gibt also Hoffnung.
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Dienstag, den 02.03.2010 [19:53]
Es kann immer noch schlimmer kommen. Heute ist Excel-VBA-Programmierung dran. Manchmal kann ich eben nicht widerstehen … Eine der größten Hamburger Wohnungsbaugenossenschafte verwaltet ihre 200000 Datensätze über Excel. Das ist ja nun aus technischer Sicht das unbrauchbarste Instrument für diese Aufgabe. Aber aus menschlicher Sicht ist es das Spielzeug der Wahl – vielleicht einfach nur, weil das Hirn so arbeitet. Aus verschiedenen Gründen ist dieses Tabellenkalkulationsprogramm ein niedrigschwelliger Einstieg in die EDV. Und je länger und qualvoller sich das Hirn mit einem Thema beschäftigt, umso mehr bekommt es die Meinung, das das toll ist. Wenn also jemand in einer jahrelanger Beschäftigung mit einem Thema viel Wissen angehäuft hat, wo da nun die ganzen Ecken und Kanten sind, um so mehr wird es intern aufgewertet. Ein Wechsel ist das nicht mehr möglich. Das System wird also nach der verbrauchten Inputenergie bewertet und nicht nach dem Output oder der Effizienz. Im Arbeitsleben ist das ganz ähnlich. Da es fast unmöglich ist, die Arbeitsleistung tatsächlich objektiv zu bewerten (außer der zu Bewertende macht am Fließband Akkord), werden Inputkriterien herangezogen: wie lange ist der Angestellte im Büro, wie groß ist sein Schreibtisch, welche Resourcen verbaucht er. So ist es eben auch mit dem Excel: es verbraucht viel Energie, deswegen muss es gut sein. Tatsächlich widerspricht es jeder Regel modernen Softwaredesigns.

Gerade heute ist das mit der Vorratsdatenspeicherung abgeschmettert worden. Dabei gibt es auch noch schlimmere Mißstände. Jeder hat schon einmal im Web eine Seite aufgerufen, die es nicht gibt. Falls es den Server nicht gibt, dann kommt erwartungsgemäß ein Browserfenster, das uns über die Nichterreichbarkeit des Servers informiert. Das kann dann auf fehlenden DNS-Eintrag liegen oder daran, dass die Putzfrau im Rechententrum mit ihrem Schrubber Unheil angerichtet hat. Gibt es den Server und er findet aber die angeforderte Seite nicht, dann sollte in etwa solch eine Meldung kommen:



Nun gibt es aber DSL-Provider, die hängen sich ungefragt in den Datenverkehr rein. Die lesen quasi die Adresse auf dem Briefumschlag und liefern eine Seite aus, auf der über die Nichtzustellbarkeit informiert wird und nebenbei wird Werbung platziert: Dann sieht dann so aus:



Eine absolute Frechheit leistet sich Yahoo! Hat man aus Versehen das Plugin installiert und ruft eine nichtexistende Seite auf, dann meldet sich Yahoo! mit solch einer Meldung:


Das heißt letztlich, dass das Plugin nicht nur wie Alice mitliest wer mit wem „spricht“, sondern jeden Datenverkehr mitliest. Das ist, als ober die Post jeden Brief öffnet und sich inhaltlich reinhängt. Da schriebt jemand eine Bewerbung, wird abgelehnt und die Post legt zur Ablehnung gleich ein Bewerberformular als Postbote bei. Gruselig – merkt denn das keiner??
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Montag, den 01.03.2010 [20:06]
Neue Woche, neuer Monat, neue Chancen. In der alten Zeit wäre heute der Ehrentag der bewaffneten Organe gewesen und zum Mittagessen gäbe es Broiler. Diese Zeit ist nun schicksalseidank vorbei und eigentlich sollte man traditionell ein Bräthähnchen essen – aber so lecker und festtäglich ist das nun wirklich nicht.

Der Bauer spannt heute oder morgen sein Rößlein ein, das letzte Eis taut jetzt auch im Stadtpark. Für die Vögel hat das Hungern und Hadern ein Ende. Sie picken jetzt ganz aufgeregt über die große Festwiese und finden einen reichlich gedeckten Tisch. Diese Aufbruchstimmung ist eine gute Gelegenheit, sich einmal am Sonntag ganz spontan mitten auf den Stadtparksee zu stellen und den grandiosen Rundblick zu verewigen.


Da steht man nun auf diesem schmalen Grat und kommt so ins Nachdenken. Der Läufer kann nur vorwärts oder rückwärts. Stehen mehrere Personen auf dem Steg, dann können die auch nicht überholen. Es ist eine perfekte eindimensionale Welt.
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