Rainers Horen
Sonnabend, den 12.06.2010 [19:20]
Nun ist es sicher nicht schön einfach so über den Wochenmarkt zu gehen, um da allfällige Verfehlungen anzuprangern. Stichpunkte wären: fehlende Preisauszeichnung, mangelnde Hygiene oder fehlender Gesprächsperlenschutz über Lebensmitteln Das hochfeine Olivenöl gefällt eben auch den Insekten.



Am ganz anderen Ende des Marktes ist aber heute etwas zu Ohren gekommen, dass durchaus erwähnenswert. ist. Eine Dame verkauft farbenfrohe Blusen aus Gazestoff. Der Preis von 49 € mag hoch erscheinen – aber wenn die geneigten Kundinnen das für angemessen halten, ist da durchaus eine höfliche Zurücknahme angesagt. Gaze ist zwar bestimmt sehr dankbar beim sommerlichen Tragen, es fragt sich nur, wie das nach dem Waschen aussieht. Immerhin sind bei dieser ¬speziellen Baumwollstoffart die Löcher wesentlich größer als alles andere. Das Material ist nicht wirklich als Bekleidungsstoff gedacht, sondern fürs Theater oder als Verstärkung des Buchrückens in der Buchbinderei.



Spannend war eigentlich das Verkaufsgespräch: da jeder Alphabet schon von weitem dem Text BaliBelle lesen kann und eine Ahnung über die Herkunft bekommt, schaut er näher hin und liest: „Hand made in Indonesia“ und fragt besorgt, wo die Blusen her seien. „Die mache ich selber“. Auf Hinweis auf das Etikett: „Die entwerfe ich selber und lass die dann dort nähen“. Solche Aussagen setzen natürlich eine gewisse Chuzpe vorraus. Also, selbst wenn es stimmt: warum haben die Blusen kein individuelles Merkmal, sondern sehen aus wie ganz gewöhnliche Blusen. Und warum sind sie englisch gelabelt. Wenn die Produktion tatsächlich von Hamburg gesteuert ist, müsste auch nicht „Made sonstwo“ draufstehen. Es ist alles so offensichtlich unwahr, dass sich die Frage aufdrängt, wie man ticken muss, um so frech aufzutreten.
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