Rainers Horen
Sonnabend, den 14.08.2010 [18:32]
Der Hamburger Hafen ist riesig und so kann er immer wieder Thema eins ambitionierten Radausfluges sein. Für Nachahmer: es ist sehr sinnvoll entweder Kartenmaterial oder das iPhone mitzunehmen. Es gibt zuviel Wasser und zu wenig Brücken. Um von den Landungsbrücken über den alten Elbtunnel nach Finkenwerder zu kommen muss der Radler schon die Kattwykbrücke nehmen. Das ist überhaupt die einzige Möglichkeit. Von dort aus ergeben sich ungewöhnlche Blicke auf die Hansestadt.



Aber auch die kleinen/großen Dinge des Lebens liegen oftmals am Wegesrand. Da ein nettes Photo zu machen ist besonders einfach. Einfach draufhalten und gut ist.



Oder eben die offensichtliche Satire oder interne Widersprüchlichkeit der uns umgebenden Realität. Es soll tatsächlich Brautleuet geben, die in Altenwerder heiraten. Der Blick aufs Bild und der Klick auf den Geolink und das dortige Rauszoomen lässt erahnen warum. Auch Schmetterlinge geben Hoffnung und versöhnen.

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Freitag, den 13.08.2010 [19:09]
Der gebenedeite Freelancer lässt seinen Blick vom Balkon auf die Straße schweifen: he, da sind ja nun wirklich viele Parkplätze frei! Käme jetzt also Hein der Sackschlepper vom Hafen zu seinen Lieben nach Hause, da hätte er null Probleme mit der Parkplatzsuche. Nun sind die Zeiten nicht mehr so. Hein heißt jetzt Düzgün oder Abdallah und im Hafen werden kaum noch mit Kolonialwaren gefüllte Kisten und Säcke geschleppt. Der moderne Hamburger an sich arbeitet in Agentur. Seine Frau (falls er nicht schwul ist) nippt gerade mit anderen Muttis an laktosefreiem Galão oder an sonstwasfreien Bionade und diskutiert hoffnungsvolle Beziehungsprobleme oder schwadroniert vom bevorstehenden Grundstückskauf und Hausbau im Hamburgs Speckgürtel. Falls die Dame noch nicht im allgemeinen Fortpflanzungsprozess eingebunden ist, dann arbeitet sie vielleicht auch in einer Agentur und nimmt dort die Rolle der Projektmanagerin ein.

Was ist das eigentlich – was verbirgt sich hinter dieser schönen Tätigkeit? Da kommt ein Kunde und übergibt an die Agentur ein sogenanntes Briefing. Beispielsweise will der Kunde so etwas wie Facebook oder Xing, nur eben noch mehr an Funktionalität – bespielsweise soll es dort auch gleich noch einen Videoschnittprogramm gebe, damit sich der Sauger auch Teile von Filmen runterladen kann. Er (der Kunde) lässt sich aber nicht genauer aus und gibt auch auf Nachfragen nach Einzelheiten keine zielführenden Antworten. Das ist so, als ob er ein Haus mit rotem Dach und Fahtstuhl mit grünen Stockwerksanzeigen möchte, sonst aber nichts verlauten lässt. Die Projektmanagerin spricht jetzt externe Freelancer an und fragt was das kostet. „Wie lang ist Dein Seil“ wäre eine mögliche Gegenfrage. Ein vernünftiger und seriöser Lösungansatz bestände beispielseise darin, einen Workshop zu veranstalten, in dem man alle Beteiligten an den Tisch holt und eine kostenoptimierte Lösung erarbeitet. Es gibt da durchaus Wünsche an das System, die sehr viel Kostenanteil verursachen, aber nur von eienm Bruchteil der Webseitenbesucher genutzt werden. Lässt man solche überflüsigen Verzierungen weg, könnten sich die Kosten halbieren. Aber das soll nicht sein.

Das Spiel geht anders. Was absolut nicht geht: einfach als Antwort auf den Wunschkatalog einen Eurobetrag nennen. Dieser Betrag müsste so hoch sein, dass er alle im Projektverlauf geäußerten Präzisierungen abdeckt. Damit ist man teurer als die anderen Pitchteilnehmer und kann gleich einsacken.

Was bleibt als Ausweg? sich hinsetzen und aus dem Gedankenprotokoll selber ein robustes Pflichtenheft schreiben. Dan braucht der Macher nur das zu realisieren, was er selber aufgeschrieben hat. Nachteil für den Kunden: er kann die Angebote nicht objektiv vergleichen, weil sie verschiedene Produkte anbieten.

Jetzt nach einmal die Geschichte für Leute ohne Webaffinität: ein Geldgeber kommt mit einer Filmidee („Junger Polizist endeckt Unregelmäßigkeit, wird vom Dienst suspendiert, macht dennoch weiter und kommt einer Riesenschweinerei auf die Spur“) und fragt, was kostet das. Und nun, da keiner weiß wie lang das Seil ist, schreiben viele Regisseure monatelang ein feingliedriges Drebuch …
Die n-1 Regisseure, die den Pitch nicht gewonnen haben, haben dann schon mal gut geübt, wie das mit dem Drehbuchschreiben so geht.

Das ungefähr ist die Aufgabe einer Projektmanagerin: sie koordiniert den chaotischen Wahnsinn, bildet quasi Filz und Fett zwischen den Hoffnungen, Visionen und Träumen des Geldgebers und der Realität
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