Rainers Horen
Sonntag, den 22.08.2010 [12:22]
Dies ist wohl der erste Abend, den Christoph Schlingelsief nicht erleben darf. Heute war das Föjetong voll mit Nachrufen. Es wird wohl abebben und neuen Meldungen Platz machen müssen. Gerne würde ich als Hommage an den großen Künstler seinen „Rocky Dutschke '68“ zu Gehör bringen, aber das geht leider aus verschiedenen Gründen nicht. Es ist auch ein sehr schönes Stück von Ihm.


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Sonnabend, den 21.08.2010 [21:04]
Der großartige Wachrüttler Christoph Schlingelsief ist heute gestorben und ist macht jetzt das, was er nie tun wollte: er geistert tatenlos zwischen den Sternen umher. Die Meldung traf genau beim Eintritt in den Altenwerder Truckertreff ein. Die dort rumlungerten Männern (Truckereristen?) war Christoph offenbar kein Begriff. Die fummelten unbeeindruckt und ahnungslos an den Spielautomaten rum. Es gibt eben viele Welten. Dort übrigens in einer der schönsten Ausprägungsformen. Einfach perfekt! Da haben wir das ständige Rauschen und Dröhnene der Autbahn (einfach mal obigen Geolink rauszoomen), ein permanentes Fiepen, die Hochspannungsleitungen von oben, die weltgrößte Windkraftanlage und überhaupt. Die Küche ist durchweg deutsch, Fleisch der Frischestufe ? wird geschickt mit scharfem Anbraten und leckerer Sauce genussfertig gemacht. Perfekte Location für einen Singlebrunch. Bus aus Altona hält in Laufweite.

Also der Tod Schlingelsiefs hat die Könige der Landstraße nicht berührt. Wie grausam kann der Krebs sein! Hat Christoph sich zwei Jahre damit gequält. Er hatte aber auch noch zwei Jahre. Er hat in der Zeit seine große Liebe geheiratet und auch so noch viel erreicht.

Das untige Bild des Tages ist aber nicht der Theatermann Herr Schlingensief, sondern Albert Just aus St. Georg. Der kann zaubern – so scheint zumindest. Er zaubert mit dem Leben und verzaubert die Menschen, die dafür schon offen sind. Er ist ebenso frisch und offen wie Christoph – lebt irgendwo in der Langen Reihe. Wie sagt er: „Der Frosch fällt in die Sahne, strampelt, es wird Schlagsahne draus und der Frosch freut sich.“





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Dienstag, den 17.08.2010 [08:53]
Heute vor 50 Jahren traten die Pilzköpfe aus Liverpool zum ersten Mal in der Großen Freiheit auf. Was will uns das sagen? Nichts. Die Dächer in der Hölderlinsallee werden gemäß der neuheitlichen Dämmvorschriften gepolstert. Das führt zu Krach. In den nächsten Tagen ist der Balkon deshalb tabu. Schon eine wichtigere Information, die allerdings nicht im Radio kommt.
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Montag, den 16.08.2010 [08:46]
Es gibt schon tolle Bilder, Bilder die haften bleiben. Da meine ich jetzt nicht die nicht gesehenen Agenturbilder, die zur Sintflut im fernen Pakistan passen sollen, die vielleicht kleine Mädchen in ihrer ganzen verzweifelten Unbekümmertheit unser Spendenherz öffnen sollen.

Gestern Abend (nach dem russischen, wodka- und schokoblutwurtsdurchzechten Geburtstag) fiel ein Film in das Abspielteil: „Sånger från andra våningen“ vom Schweden Roy Andersson. Ist schon stark beeindruckend. Untertitel brauchts eigentlich nicht. Die genial bedrückende Bildsprache tut es schon. Da steht ein kleines Mädchen (nicht aus Pakistan) vor einem Art Gericht, wo ihm gesagt wird, dass weise Männer viel Erfahrungen hätten und dass, wenn zuviele Kinder zum Geburtstag kämen, dann doch nur Krümel für jedes Kind übrig bliebe. Das klingt einsichtig. In der nächsten Szene wird eben diese Kind sehr theatralisch von einer Klippe gestürzt. Das Ganze wirkt in dem Moment sehr unumstößlich, fast schon kafkaesk. Am Schluß vom Film, der nicht wirklich eine Handlung hat, da schmeißt jemand ganz ungoethisch Kruzifixe auf einen Abfallhaufen und fährt dann noch blasphemischer da noch wie beiläufig drüber. In Polen gäbe es dafür Peitschenhiebe – da bin ich mir ganz sicher.
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