Rainers Horen
Freitag, den 24.09.2010 [19:54]
Kein Hartzvier für Tabak und Bier. – so macht heute ein bekanntes Boulevardblatt auf. Das reimt sich nicht nur wunderbar, es trifft auch noch auf den Massengeschmack. Solange die „Unterschicht“ noch nicht mehrheitsfähig ist, ist das eine prima Zielgruppe für's Dampf ablassen. Vielleicht müssen später einmal Tagediebe einen Aufnäher auf der Joppe haben. Das wäre dann insofern praktisch, wenn es darum ginge gewisse neue Regelungen durchzusetzen. Träger dieses Aufnähers müssen beispielsweise hilfsbereit sein. Wenn in aller Allahsfrühe unser Düzgün die schweren Gemüselisten aus dem Laden auf die Präsentationsfläche wuchtet und so ein Abzeichenträger kommt vorbei, dann muss er tragen helfen. Dieser Gedanke ist natürlich unnütz und sinnfrei, weil so früh am Morgen – da ist der Kopf noch so bierschwer …



Miba-PianoAbgesehen von solchen gesamtgesellschaftlichen (heute: „volkswirtschaftlichen“) Themen ging heute wieder alles seinen „sozialistischen“ Gang. Das Novalishörnchen frisst sich schon einmal an den Baumhaseln satt und der Kaffee schmeckt noch und ein wenig Zerstreuung ist immer gegeben. Facebook ist ein weites Feld. Da geht einiges. Und da geht einiges auch ohne Einsatz der speziellen API. Schon jetzt kann zu jedem der Pianostücke ein Kommentar abgegeben werden. Wer wirklich mag, kann Groupie von der ¬Webseite werden. Das sind alles solche Funktionen, die schon mit dem xFBML gehen. Klar – muss sich der Willige einarbeiten. Es geht aber recht geschwind. Es hat Grenzen, die nicht akademisch sind. Im Beispiel mit dem Internetradio gibt es natürlich keine zugreifbare Datenbank, in der dann Beliebtheiten der Stücke stehen usw.

Gut, man könnte sich das ganze Herrschaftswissen im Netz aneignen. Buch wäre aber auch nicht schlecht. Im einschlägigen Handel (Lehmanns) gibt es zwei Bücher zum Thema. Ein ¬Kochbuch von O'Reilly's ist schon die beste Wahl. Leider ist es 1. von 2009 und die neue Hype OpenGraph ist nicht einmal erwähnt …
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Dienstag, den 21.09.2010 [19:54]
Nebiges Video (¬hier mit deutschen Untertiteln ist für die meisten Freelancer ein echter Klassiker und Bestätiger. Mindestens einmal am Tag hört man diese Argumente, die die eigenen Leistungen herabwürdigen und als Lohn für die durchgearbeiteten Nächte und Wochenenden die fragwürdige Währung „Referenz“ anbieten möchten.

Das ist offenbar branchenabhängig, denn einem Uhrmacher gibt man sein bestes Stück auch nicht zur Reparatur und stellt die Bedingung, dabeisein zu dürfen, weil man es beim nächsten Mal selber machen will. Es ist eine mühsige Diskussion. Am besten gleich von Anfang an unterbinden. Wer öfters mal mit dunkelpigmentierten Menschen verucht Geschäfte zu machen, weiß wovon ich rede. Das steckt bei den Burschen in den Genen. Das ist natürlich Quatsch, aber das Gefühl kann sich nach solchen endlosen basarähnlichen Gelaber durchaus manifestieren.

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Montag, den 20.09.2010 [17:23]
Das Internet ist schon mehr als segensreich. Wie war das früher? Da gab es Fernseher, da hat ein Programmdirektor über unsere Freizeit verfügt und falls uns der Beitrag nicht gefiel, dann mussten wir von Sessel aufstehen, nach vorne zu Glotze laufen, umschalten und dann den ganzen Weg wieder zurück ins Sofa. Mannomann! Der Inhalt war dem Bildungs- und Unterhaltungsauftrag der öffentlichen Anstalten geschuldet und somit gefiltert. Verrückte Leute traf man nur selten und zufällig oder man besuchte Landesirrenanstalten wie beispeilsweise Ochsenzoll bei Hamburg. Dann war der Kontext klar – hier wird gesponnen und die Menschen haben einen vogelfreien Patientenstatus. Die Trennung zwischen der wahren sachlichen Welt und der Welt der Phantasten und Spinner war klar. Moderne Technik ermöglicht nun eine totale Diversifizierung der Medien. Wo es früher eine Frauenzeitschrift gab, die ein Füllhorn von Mode/Rezepten/Kosmetik/Diäten/Lebenshilfe war und die sich an fast alle Frauen wandte, gibt es heute mindestens 20 solcher bunten Blätter. Die Gesamtauflage ist wegen der begrenzten Anzahl der Werbetreiber konstant geblieben, dafür kann der Verleger höhere Tausenderkontaktpreise verlangen, da die Zielgruppe differenzierter und deswegen höherwertiger ist.

Mit dem Internet ist nun der mediale Dammbruch vollzogen. Jeder kann relativ kostenarm seine Meinung kundtun und niemand und nichts filtert die mehr oder weniger belanglosen Ergüsse – so wie auch diese hier. Maren hatte heute in Facebook auf einen aufklärerischen Film aus dem Portal ¬Alpenparlament hingewiesen. Der Beitrag warnt wieder einmal vor dem allfälligen Wachstumswahn, was sicher richtig ist, aber leider (bis auf die Alternative Krieg) unvermeidlich. Darüber zu wettern kann die Seele entlasten. Witzig sind die anderen Beiträge. Es ist ein buntes Sammelsurium verschwörungstheoretischer und esoterischer Gespinste. Und nimmt man sich mal die Zeit und zieht sich das rein, dann ist eine gewisse Systematik zu erkennen: am Anfang wird blumig eine Vision skizziert, ein Wunsch, der zwar bisher unerfüllbar ist, aber dennoch vage bleibt. Das setzt dadurch Energien, weil Hoffnung frei. In den Videoschnipseln ist das ewige Jugend und Gesundheit, mit den Tieren reden oder immerwährende, unumstößliche soziale Absicherung. Im nächsten Schritt wird ein neuer Begriff eingeführt. Meistens ist das ein zusammengesetztes Substantiv, wobei mindestens ein Bestandteil der Begriffskonstruktion das Wort „Energie“, „komplementär“ oder etwas aus der Ecke „feinstoffliche Energiewellenschwingung“ enthält. Als Beweis für die Ernsthaftigkeit werden Studien aus den USA oder (je nach Gusto „sowjetische, geheime Blahblubb“) angeführt. In anderen Fällen werden die alten Griechen, Maja, oder das Mittelalter bemüht. Bei dem Vortrag der wissenschaftliche Zusammenhänge zur weiteren Unterminierung wechselt der Tonfall – es klingt wie der Vortrag eines Katechismus oder eines Gedichtes. Es klingt also eine gewisse inhaltliche Unsicherheit heraus. In diesem Block werden dann verschiedenste inhaltschwere Begriffe mehr oder weniger zusammenhanglos aneinandergereiht. Das ist ja auch nur das wissenschaftliche Intermezzo … und ist nur Deko. Auch die wenigen Zweifler werden bedient. Sie sind noch nicht soweit. Sie sind von der (Medien-, Pharma-, …) Industrie manipuliert und sind echt zu bedauern. Sie sehen die Dinge nicht wie sie sind, aber es besteht Hoffnung. Der ¬Tierkommunikator braucht die tierischen Gesprächspartner auch nicht leibhaftig vor sich zu haben, ihm reicht ein Photo und schon kann er der Kundin (ganz bewusst die weibliche Form) ganz genau sagen, was der Vierbeiner gerade denkt und sagen möchte.

Generell scheint die Regel darin zu bestehen, dass die Glaubwürdigkeit mit zunehmender Phantasie ansteigt. Warum? Es ist die kognitive Investition. Unser Gehirn arbeitet nach einem einfachen, beängstigenden Regel. Unbekannte, nichteinordenbare Informationen wertet das Hirn als wahr. Je weiter der neue Gedanke von der Realität entfernt ist, umsoweniger kann der Wahrheitsgehalt überprüft werden. Und deswegen muss die allergrößte Spinnererei am Wahrscheinlichsten sein. Es gibt auch eine soziale Erklärung: je nach innerer Kalibrierung traut ein Mensch dem Gegenüber einen gewissen Flunkerfaktor zu. Zieht man also von einer Megaflunkerei einen zugestandenen Teil ab, dann bleibt immer noch viel gefährlicher Unsinn übrig. Wahrscheinlich traut man wegen einer verbliebenen Beziehungebene zwischen Sendern und Empfänger dem Sender völligen Schwachsinn nicht zu und wenn dann der vermeintliche Heilsbringer Urängste gegenüber dem Leben oder der Industrie bedient – dann geht doch Einiges. Teilweise haben die Beiträge einen recht unterhaltsamen Bestandteil. Nehmen wir einmal das ¬Rückwärtssprechen. Also jetzt kommt die zündende Idee: wenn wir sprechen, das aufnehmen und dann rückwärts abspielen, dann kommen Botschaften zu Tage. Das ist ganz ähnlich der Numerologie und dem Phänomen des Betrachtens von Tapeten- oder Fußbodenbelagmustern, wenn man mal lange Zeit auf dem Klo sitzt und dafür Zeit hat. Ist doch klar, wenn ich Kauderwelsch lange genug anhöre, hört jeder Dinge heraus. Das Hirn sucht halt immer Muster. Es ist also ganz banal. Eine durchaus wohlwollende Interpretation der esoterischen Denkmuster ist der therapeutische Ansatz. Eine befreundete Partnerpsychologien erklärt mir einmal, dass sie an dem Kram inhaltlich überhaupt nichts hält, sie aber solche Dinge wie Astrologie oder Tarot einfach nur ein Gesprächseinstieg – gewissermaßen ein Aufwärmen – darstellt. Dann ist das auch OK.

Die bunte, schwarzgründige Kugel da oben? Das ist eine dreidimensionale Darstellung des WorldWideWeb. Also, ich sehe da eine Teufelsfratze.

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