Rainers Horen
Sonnabend, den 04.12.2010 [17:56]
Zu Goethes Zeiten hatte der Begriff „er dilettierte“ durchaus einen wohlwollenden Sinn. Ein Dilettant war einfach ein Liebhaber, der sich meinetwegen mit Oelmalerei oder Orgelspiel beschäftigte. So wie vielleicht Friedrich der Große seine Flöte spielte. Heute also „dilettierten“ (im alten Sinne) in der Friedenskirche in St.Pauli sehr viele Musikbegeisterten zum Thema Advent. Höhepunkt war natürlich das Weihnachtsoratorium („Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage … “) Es ist einfach großartig, was Laienmusiker so vollbringen. Die Kirche war mehr als „ausverkauft“ – selbst Stehplätze waren rar. Gemäß Rudi Dutschkes Ausspruch „Lernen heißt Scheitern lernen“ – gab es auch heute wieder etwas zum Mitnehmen: Stativ ist sehr unpraktisch, weil in der Enge immer jemand gegen die Stativfüe (-beine?) tritt. Das Gorillastativ mit seinen Kugelarmen hätte viel bessere Dienste geleistet.


Die Aufnahme von der Orgelbank mit dem ZoomH2 ist wunderbar geworden und wenn die leidigen urheberrechtlichen Probleme wohlwollend geklärt sind, dann gibt es hier auch bald die tolle Aufnahme in voller Gänze. Die Choristinnen waren begeistert. Jetzt gibt es zumindest erst einmal das Intro der großartigen Aufführung, das (es war durchaus nötig) mit dem Stimmen beginnt und mit dem Hinweis auf unqualifiziertes Klatschen endet. Die nebige Zeitrafferaufnahme ist relativ sinnfrei, weil sich bei einem klassischen Chorkonzert fast niemand bewegt. Da tauchen einmal solistische Rezitatoren auf, verschwinden wieder. Das ist schon die ganze Dynamik.



Vor exakt 30 Jahren gab es schon einmal eine Weihnachtsoriatoriumaufnahme – damals noch in der Marktkirche in Ilmenau. Kantor Ibe hatte noch keinen Ausreiseantrag gestellt und so kam es zu diesem unvergesslichen Oratorium. Er spielte wohl selber am Regal und wir nahmen es von der Empore aus mit einem russischen Stereobandgerät mit zwei Mikrofonen auf, die jeweils an der linken und rechten Empore befestigt waren, das ergab eine Basisbreite, die so groß wie die Breite des Kircäenschiffs war. Das ist als ob die Ohren in vielleicht 20 mtr. entfernt sind. Also mehr Raum als Klang. Leider ist die Aufnahme verschollen … verschollen ist nicht die Erinnerung an das wundersame Gefühl, wenn man als junger Bursche in den Goethepark wollte und kam am Zeughaus vorbei. Das ist die Hinterseite der Musikhochschule am Wittumspalais. Da erschallten und erschallen noch heute immer diese wunderbaren Klänge der Studenten aus dem mittelalterlichen, weinberankten Gebäude, in dem die Herzoginmutter Anna Amalia ihren Sitz hatte und ihre Donnerstagsrunden zelebrierte.

Der Weg in den Goethepark führte oft in Wahrheit in das Pionierhaus „Pawlik Morossow“. Der Namensgeber ????? ?????????? ??????? hatte die eigenen Eltern bei den Roten verraten, weil sie Getreide versteckten. Diese Heldentat reichte aus, um das schöne Marstallgebäude an der Ilm seinen Namen zu geben.


Beitrag kommentieren

Mittwoch, den 01.12.2010 [09:33]

„Bitte die Moped2000“ – „Habe ich nicht.“ So kann das mit dem Handel und Wandel in Anlehnung an den Dialog der Praxis Dr. Hasenbein auf dem Goldbekmarkt nichts werden. Aber was steht schon in diesen Fachblättern? Der 11. September für die Diplomatie! – ist das nicht etwas dick aufgetragen? Unterhltsam ist es dennoch, wenn der kleine Mann auf der Straße erfährt, was in politischen Kreisen gedacht wird. Na gedacht wird das auch nicht, was seit Montag in der Alsterbibel steht, es ist das, was irgendwelche Analysten (ihre Daseinsberechtigung verbessernd) aufgeschrieben haben. Nun haben wir es schriftlich: Westerwelle und Merkel taugen nichts. Haben wir das nicht immer schon zumindest geahnt?


In Folge dieses Disasters kommt es jetzt allerortens zu symbolischen Maßnahmen: so dürfen in amtlche Personalkompjuter keine Speicherzäpfchen mehr gesteckt werden. Oho, das ist natürlich hart. Gerade heute, am Ehrentag der Grenztruppen der DDR, erinnert das an eine nette Begebenheit im Grenzkommando Nord. Zu den vielen Aufgaben neben Kaffeekochen, Bockwurstheißmachen, Stärkemeldung und Wäschereiangelegenheiten gehörte auch das Ausfüllen von Schießbefehlen. Nein, das war jetzt ein übler Scherz. Aber tatsächlich gab es so kleine Formulare aus dem Vordruckverlag Spremberg, auf denen Grenzbesuche legitimiert wurden. Das Ganze nannte sich „Dienstauftrag“ und dann standen dann solche Sachen wie: Name des Offiziers, Datum, Fahrzeug,Grenzkompanie und dann ein freies Textfeld. Letztlich entstand so etwas wie: „Oberstleutnant Möller ist berechtigt, mit einem PKW Lada (Kennzeichen GT 34-543), in Zivil die Sperranlagen im Bereich GK25 zu inspizieren. Er fährt eine Aktentasche und eine Dienstwaffe Makarow und zwei Zivilisten bei sich. Es kam wie es kommen musste. Ein pfiffiger Amtskollege, also auch so ein Kompanieschreiber, ist mit Hilfe solch eines Schriebs in Berlin mit seiner Freundin und einem weiteren Ehepaar nüber gemacht. Keine schöne Sache für Sicherheitsfanatiker. Ab sofort (so eine Anweisung des Stabs Grenztruppen) mussten die runden Amtsstempel in einem Panzerschrank verschlossen werden. Und jetzt beginnt die Symbolik: der „Panzerschrank“ hatte zwar einen Schlüssel, aber ging auch so auf, indem man die Türe so leicht raushob. Aber – es sind durchgreifende Maßnahmen ergriffen worden.
Beitrag kommentieren

Dienstag, den 30.11.2010 [15:29]

Wer erinnert sich nicht an die Geschichte von Ephraim Kishon, wo er nach getaner Arbeit des Ofensilberbronzens letztlich alles in der Wohnung mit der Farbe anmalt? Als die beste aller Ehefrauen nach Hause kam, glaubte sie sich in der Wohnung vertan zu haben …

So ist es auch mit einem famosen Mikrophon: alles wird aufgenommen. Und so wie Hamburg voller Photomotive ist (der begeisterte Tourist braucht nur die Knipse hinhalten), so ist es auch voller ¬Soundscaping. Besonders genial und klassisch sind natürlich diese verruchten U-Bahnstationen mit ihren langen Gängen, die nicht gerade zum Verweilen einladen, auch nicht wenn so wunderbare, alles durchringende Akkordionmusik ertönt. Dieses schreckliche „Instrument“ scheint tatsächlich für U-Bahnen erfunden zu sein.
Beitrag kommentieren